Der Brunnen

Meinen Liebsten traf ich am großen Brunnen,
im klaren Mondschein, zärtlich vereint.
Der Liebste schwor mir Treue und Wahrheit,
beständig und ehrlich, so sollte es mit uns sein.
All meine Sorgen versanken im Plätschern,
und meine Seele, die wurde ganz leicht.

Doch dann, die Nacht war ohne Sterne,
kam ich allein am Brunnen vorbei.
Dort sah ich den Liebsten mit einer andern,
voll Lust und Verlangen küssten sie sich.
Um mein Herz griff eine kalte Klaue,
das sanfte Plätschern verhöhnte mich.

Und heute am Morgen, noch ganz in der Früh,
da ist der Brunnen von Menschen umringt.
Sie flüstern bestürzt und manche, die schluchzen,
das leise Plätschern, man hört es nicht.
Da bricht mein Liebster heraus aus der Menge,
unendlichen Schmerz auf dem schönen Gesicht.

„Tot ist sie und verloren für immer!“,
so klagt er laut und sieht mich nicht.
Ich wende mich ab und gehe ruhig weiter,
das beständige Plätschern begleitet mich.
Ich muss nicht zum Brunnen hin, um zu wissen,
wer kalt und ertränkt im Becken dort liegt.

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