Monatsarchiv: September 2013

Ein kleines Juwel, das hell strahlt: Das Mädchen Wadjda von Haifaa al-Mansour

Eine Frau hat einen Kinofilm gedreht. Mit einem Mädchen in der Hauptrolle, das sich ein Fahrrad wünscht. „Na und?“, könnte man sagen. Aber in dem Land, aus dem die Regisseurin stammt und in dem gedreht wurde, sind Kinos verboten und Frauen sind so gut wie unsichtbar: Saudi-Arabien.

Schon deswegen verdient der Film ein „Schau an!“. Und das Anschauen lohnt sich. In ruhigen Bildern erzählt Haifaa al-Mansour die Geschichte der zehnjährigen Wadjda und zeigt damit den Alltag von Frauen in Saudi-Arabien. Verhüllt und stumm, eingeschlossen und abhängig sind sie. Aber Wadjda will ganz anders sein. Und am Ende bekommt sie, was sie sich wünscht.

Der Film klagt nicht an, er schildert einfach die Gegenwart. Und er öffnet die Tür zu einer Zukunft mit neuen Möglichkeiten, wenn auch vielleicht nur einen winzigen Spalt.

Artikel der Süddeutschen und der Zeit geben mehr Info zum Film und seiner Entstehung.

Einen Trailer gibt’s natürlich auch:

 

Königin von Deutschland

Stellt euch vor! Ich habe geträumt, ich wäre Königin von Deutschland. Dies waren meine ersten Amtshandlungen:

Die Löhne in der Kinderbetreuung sowie Kranken- und Altenpflege habe ich verdoppelt. Die Gegenfinanzierung kommt aus dem Wegfall des Betreuungsgeldes sowie den Mehreinnahmen aus der Vermögenssteuer und der PKW-Maut (dazu siehe unten).

In allen Betriebskantinen und Restaurants habe ich pro Woche drei Veggie-Tage eingeführt. Ausnahme: Die Kantine der FDP. Da gibt es nur noch vegan. Außerdem habe ich dort überall riesige Plakate aufhängen lassen. Darauf ein Foto mit Renate Künast und mir. Wir tragen bequeme Klamotten und winken fröhlich in die Kamera.

Dann habe ich die PKW-Maut auf deutschen Autobahnen durchgesetzt. Für Ausländer und Deutsche. Wer die Autobahn benützt, bezahlt. Wer längere Strecken fährt, bezahlt mehr. Und weil die CSU so gerne Extrawürste brät, hat sie auch hier eine bekommen: CSU-Mitglieder zahlen dreimal so viel wie alle anderen.

Unrealistisch, meint ihr? Despotisch, beklagt ihr euch? Nicht gerecht, wird gejammert? Finde ich nicht. Aber keine Panik: Es war ja nur ein Traum.

Showbiz Blues (inspiriert von „Heimweh“ von René Magritte)

Heimweh - Magritte

Arroganter Bettvorleger! Was fällt ihm ein! Deswegen hat er mich nach dem Auftritt neulich so scheinheilig gefragt, wie ich meine Flügel pflege. Ihren Glanz würde er bewundern. Vielleicht könne er das eine oder andere auch für sein Fell anwenden. Von wegen! Als er nachbohrte, wie ich die Flügel aufbewahre, wenn ich sie nicht trage, hätte ich es ahnen müssen…

Dieses hinterhältige Lächeln vorhin in der Garderobe! Das gerade so viel von seinen Reißzähnen verbirgt, dass man sich nicht akut bedroht fühlt. Ob wir nicht das Konzept unserer Show überdenken sollten. Ob wir nicht etwas Innovationsgeist zeigen sollten. Ob wir nicht neue Wege einschlagen sollten. Und dann, ganz unverblümt: Was ich davon hielte, wenn er in Zukunft meine Flügel trage in der Show. Ich fasse es nicht! Was soll ich dann noch dabei? Was wird dann aus mir? Ich solle es mir ganz in Ruhe durch den Kopf gehen lassen… Blasierter Fußabstreifer!

Stella kommt schon wieder zu spät. In letzter Zeit lässt sie uns häufig warten nach den Auftritten. Hat er am Ende schon mit Stella gesprochen? Nein, das würde er nicht wagen. Oder doch? Und wenn sie seine Idee gut findet? Wenn auch sie mich aus der Show kicken will? Da kündige ich lieber selbst. Ich kann auch ohne die beiden! Gute Nummern fallen mir ein en masse. Ich kann allein viel besser sein. Was wäre er denn ohne mich? Eine Allerweltssafaritrophäe, sonst nichts! Kein Mensch käme, um nur ihn zu sehen. Soll er doch schauen, wo er bleibt ohne mich. Und Stella kann mich auch mal gernhaben. Ich pfeif auf die beiden! Ich flieg jetzt in Franks Bar und gönn‘ mir einen Drink. Einen doppelten!