Monatsarchiv: Dezember 2014

Vierzehn versus Vierzig

Mit 14 fand ich es peinlich, ungeschminkt aus dem Haus zu gehen. Mit 40 trage ich Make-up im Büro und beim Ausgehen, aber zum Bäcker gehe ich am liebsten ungekämmt.

Mit 14 hegte ich eine leidenschaftliche Abneigung gegen Mützen. Außer Sichtweite meiner Mutter wanderte die Mütze sofort in die Schultasche. Mit 40 trage ich sehr gern die schwarze Mütze, die meine Mutter für mich gehäkelt hat.

Mit 14 hatte mich das Michael-Jackson-Fieber fest im Griff: Poster, Platten, Konzert, Sammlung von Artikeln, Fotos, Schnipseln. Mit 40 begeistern mich noch einige seiner Songs und ich finde es schade, dass er kein langes glückliches Leben hatte.

Mit 14 war ich höchst unsicher auf dem Fahrrad und gab mir viel Mühe, Radfahren zu vermeiden. Mit 40 ist das Fahrrad mein allerliebstes Fortbewegungsmittel und ich benutze es fast jeden Tag.

Mit 14 begann ich meine erste und einzige Diät. Sie wurde nach etwa fünf Stunden jäh durch ein Stück Schokoladenkuchen bei der Geburtstagsfeier einer Schulfreundin beendet. Mit 40 fände ich es nett, ein paar Kilo weniger zu wiegen, aber Diäten sind dämlich. Stattdessen esse ich lieber frisch und fair.

Mit 14 sprossen die Pickel, Falten waren fern. Mit 40 finde ich immer noch Pickel und fast keine Falten. Ich halte das für einen guten Deal.

Mit 14 litt ich an Arachnophobie. Mit 40 fürchte ich mich immer noch vor Spinnen. – Eine Konstante im Leben braucht schließlich jeder.

Carolas Traum oder: Jetzt oder nie

Carolas Suche, Teil 12
Was zuvor geschah

„Das neue Büro ist in North Bay, Ontario, Kanada. Und du gehst mit mir dorthin, Carola. Ans Ende der Welt!“ Nick lachte laut. „Als Vice President arbeite ich von früh bis spät und du hockst zu Hause. Am Ende der Welt! Hahaha!“ Nicks Gelächter überschlug sich und er wischte sich Lachtränen aus dem Gesicht.

Carola blickte auf die Visitenkarte in ihrer Hand. Die Karte hatte Feuer gefangen und würde gleich Carolas Finger verbrennen. Carola ließ die Karte fallen und stieß beim Aufstehen ihren Stuhl um. Sie blickte um sich. Die anderen Gäste im Chez René aßen, tranken und unterhielten sich, als wäre alles in bester Ordnung.

Carola begann zu laufen, doch sie kam nicht recht voran. Da bemerkte sie, dass sie ein bodenlanges Brautkleid trug, bestickt mit weißen Rosen. Endlich erreichte Carola eine Tür und drückte sie auf. Es war die Tür zur Küche. Dort stand der schnurrbärtige Chefkoch, ein blitzendes Fleischermesser in der Hand. Weiterlesen

Hamburg im Herbst

Langes Wochenende in Hamburg Anfang Dezember. Viel herumspaziert, so lernt man eine Stadt am besten kennen.
Impressionen von der Außenalster am trüben Freitag und der Speicherstadt am sonnigen Samstag.
Und an beiden Tagen das Rathaus, für mich das wahre Wahrzeichen Hamburgs, wegen seiner nordisch-gediegenen Eleganz.

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Soul meets Indie meets R’n’B: „The Classic“ von Joan as Police Woman

Den Namen „Joan as Police Woman“ kannte ich schon länger, hatte aber nie bewusst einen Song gehört. Ende September änderte sich das durch „aspekte“ im ZDF. Joan Wasser aka Joan as Police Woman präsentierte dort den Titelsong ihres neuen Albums „The Classic“. Eine Frau, ein Piano, ein überzeugender Auftritt, ein CD-Kauf meinerseits wenig später.

Eine Genre-Schublade reicht nicht für die Songs des Albums. Soul, R’n’B, Indie, Rock beschreiben die grobe Richtung. Der Sound ist erdig, angeschrägt und nicht hochglanzpoliert. Manche Songs kommen leicht daher, andere wunderbar düster; Joan Wassers raue Stimme passt zu beidem. Meine Favoriten: „Witness“, „Good Together“ und „What Would You Do“.

Hier zwei Kostproben:
Akustik-Version von „Good Together“


Album-Version von „Holy City“

Tausend Tode schreiben – E-Book-Projekt des Frohmann Verlags

Tausend Autoren schreiben tausend Texte zum Thema Tod – das ist ganz kurz gesagt die Idee hinter dem E-Book-Projekt der Berliner Verlegerin Christiane Frohmann.

Die erste Version des E-Books ist mit 135 Texten am 01.12. erschienen – darin auch ein Text von mir (Nr. 110 im E-Book und direkt hier auf Seelenflügel).

Erweiterte Versionen folgen nun monatlich, die finale Version kommt im März. Das E-Book ist in diversen Shops zu finden, die Einnahmen werden gespendet.

Mehr Info auf der Website des Frohmann Verlags und auf Twitter unter #1000tode

Wenn heute Nacht der Tod an deine Türe klopft, was wirst du tun?

Werden deine Augen ihn ungläubig betasten, obwohl deine Seele ihn gleich erkennt? Wirst du starr sein vor Schreck, wie die junge Kohlmeise, die das geschlossene Fenster nicht vom Himmel unterscheiden konnte?

Wird dein Herz rasen? Dein Mund trocken sein? Wirst du die kalten Schweißperlen von der Stirn wischen oder sie die Schläfen herabrinnen lassen? Wird ein Schrei den Weg nach draußen finden oder stumm bleiben?

Wirst du in die Ecke kriechen? Dich mit den Händen schützen vor dem harten Schlag? Hoffst du, er wird dich übersehen? Wirst du flehen, betteln, weinen? Glaubst du, Tränen rühren ihn?

Wirst du feilschen, um Jahre, Wochen, Monate? Wirst du all die Dinge vorbringen, die du noch zu tun hast in dieser Welt? Wirst du zweifeln an der Richtigkeit? Wirst du den Tod zum Nachbarn schicken?

Wirst du wünschen, du hättest andere Wege eingeschlagen im Leben? Mehr von den geraden? Oder den gewundenen? Wirst du bereuen? Deine Lügen, deine Eitelkeit, deinen fehlenden Mut?

Wirst du begreifen, dass du machtlos bist? Wirst du den Blick senken und schweigen? Oder wirst du aufbegehren, laut werden, kreischen, schreien, wüten, ohne Rücksicht, ohne Furcht?

Wird es dich trösten, dass der Tod dich von zu Hause holt, und nicht in einem Flugzeug, das brennend in die Tiefe stürzt? Nicht in der Fremde, nicht auf der Flucht. Nicht siechend auf dem Krankenbett. Nicht in einem dröhnenden Krieg, nicht in einem Folterkeller.

Wirst du sogar erleichtert sein, weil du schon so lange auf ihn gewartet hast? Weil du für deine Last keine Linderung und auch nirgends ein Transportmittel finden konntest. Wirst du ihm zuflüstern, mit einem Lächeln im Gesicht: Erlöse mich.

Wirst du erkennen, dass dein Leben einfacher, sicherer, reicher war das das der meisten Menschen? Wirst du dankbar sein für die Privilegien, die du hattest? Wirst du spüren, dass dein Leben gelungen ist? Wirst du dich frei machen? Wirst du loslassen? Wirst du in Ruhe mit ihm gehen?

Wenn heute Nacht der Tod an deine Türe klopft, was wirst du tun?

~

Mein Beitrag zum E-Book-Projekt Tausend Tode schreiben des Frohmann Verlags Berlin
Twitter: #1000tode