Familiengeschichte

Anfangs sind sie glücklich, Thea und Ludwig. Die schlimmsten Entbehrungen nach dem Krieg sind überstanden, die Zukunft wird geplant. Hochzeit wenige Wochen nach dem Wunder von Bern. Der erste Sohn, Karl, wird ein gutes Jahr später geboren. Ein gesunder, kräftiger Junge. Karl wächst schnell, schreit und weint viel. Tags und nachts. Ludwig sagt, Thea sei eine schlechte Mutter, wenn sie ihr Kind nicht beruhigen könne. Bald schläft Karl besser, Thea wacht jede Nacht an seinem Bett. Ludwig findet, Thea lässt ihm zu viel durchgehen. Ludwig lehrt seinen Sohn Gehorsam und Disziplin. Vier Jahre später kommt Hans zur Welt. Ludwig feiert die Geburt seines zweiten Sohnes mit den anderen Männern im Wirtshaus. Wenn er zu Hause ist, sorgt Ludwig für Ordnung.

Hans ist viel zarter als Karl, hält weniger aus. Thea bangt um ihn. Ludwig arbeitet mal in der Fabrik, mal auf dem Bau, mal hilft er bei der Ernte. Die Abende verbringt er im Wirtshaus, manchmal kommt er erst am nächsten Tag nach Hause. Thea achtet gut auf ihre Söhne, bringt sie zu Bett, liest ihnen vor, kocht für sie, stopft ihre Socken und ist stolz auf ihre guten Noten.

Thea freut sich, dass Karl nun schon größer ist als sie selbst und dass er ihrem eigenen Vater wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Ludwig bleibt manchmal eine ganze Woche weg, ohne Erklärung. Thea fragt nicht nach.

An einem trüben Nachmittag im Herbst steht Ludwig plötzlich vor Thea in der Küche. Er stinkt nach Bier und Zigaretten. Er schreit sie an, dass er hungrig sei und setzt sich an den Küchentisch. Thea macht ihm ein belegtes Brot. Das fegt er samt Teller vom Tisch, er wolle etwas Anständiges, zum Teufel nochmal. Eine nutzlose Schlampe sei sie, wenn sie ihrem Ehemann noch nicht einmal etwas Anständiges zu essen machen könne.

Ludwig bemerkt nicht, dass Karl hinter ihm steht. Ludwig bemerkt auch nicht, dass Karl die große gusseiserne Pfanne in Händen hält. Ludwig spürt den Schlag; ein kräftiger Schlag, ein gezielter Schlag.

Direkt hinter dem Haus beginnt der Wald. Der Abend ist mild, der Boden weich. Thea und Karl sind bald zurück im Haus. Thea kocht das Abendessen für ihre Söhne, Karl deckt den Tisch. Zu dritt essen sie, Hans erzählt von der Schule. Karl und Thea sagen wenig. Nach dem Essen spült Thea das Geschirr, Karl trocknet ab. Sie gehen bald zu Bett. Alle drei schlafen ruhig und gut in dieser Nacht.

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