Monatsarchiv: September 2026

Freudenfunke der Woche (39/2026): erstens will ich fröhlich sein

Eines der beim lyrischen Spaziergang vorgetragenen Gedichte war „erstens will ich fröhlich sein“ von Konrad Bayer. Bayer wurde 1932 in Wien geboren und gehörte mit seiner Literatur zur Wiener Avantgarde. Mit Anfang 30 nahm er sich das Leben.

Ich empfand das Gedicht als spielerisch und augenzwinkernd ironisch. In der zweiten Strophe klingt jedoch auch eine gewisse Melancholie an. Heiterkeit und Schwermut können eben nahe beieinander liegen.

erstens will ich fröhlich sein

erstens will ich fröhlich sein
zweitens mich vergnügen
drittens ist die erde mein
das sollte doch genügen

aber ich
fürchterlich
hab auch noch das weltall
und die zeit
und den raum
sowieso man glaubt es kaum

Konrad Bayer (1932-1964)

Freudenfunke der Woche (38/2026): VOMVOMZUMZUM

Was für ein Vergnügen! Der lyrische Spaziergang VOMVOMZUMZUM mit Lea Schmocker durch den Erlanger Burgberggarten, gestern bei bestem Spätsommersonnenschein. Vierzehn Stationen an den Skulpturen von Heinrich Kirchner mit klug ausgewählten und eindrucksvoll vorgetragenen Gedichten von Mascha Kaléko, Rainer Maria Rilke, Hugo Ball, Ernst Jandl, Bertolt Brecht, Hilde Domin, Hermann Hesse, Erich Fried, Nora Gomringer und anderen. Lyrik zum Schmunzeln und Lachen, zum Nachdenken und Innehalten, zum Hoffen und fürs mutig Sein.

Das für den Spaziergang namensgebende Gedicht von Ernst Jandl entfaltet seine volle Wirkung natürlich erst im Vortrag. Aber auch beim stillen Lesen macht sein Sprachspiel Spaß.

Wanderung

vom vom zum zum
vom zum zum vom
zum vom zum zum
vom vom zum zum
vom zum zum vom
vom zum zum vom
zum vom zum zum
vom vom zum zum
und zurück

Ernst Jandl

Freudenfunke der Woche (37/2026): 20 Jahre Seelenflügel

Am 11.09.2006 habe ich meine ersten Texte auf diesem Blog veröffentlicht. Seelenflügel ist gestern also 20 Jahre alt geworden! Die Texte, die ich hier veröffentliche, haben sich in den Jahren gewandelt, ebenso wie mein Leben und die Themen, die mich bewegen.

2006 war Bloggen noch relativ neu, heute ist es vermutlich längst aus der Mode geraten. Für mich ist und bleibt mein Blog ein liebgewonnener Ort, an dem ich meiner Kreativität Ausdruck verleihen kann.

Freudenfunke der Woche (36/2026): Ein Mensch mit Zuversicht

Das Vorwort im Programmheft des diesjährigen Erlanger Poet*innenfests beginnt so:

Ein Mensch mit Zuversicht sieht und erkennt die Wirklichkeit, wie sie ist, und ist trotzdem oder gerade entschlossen, die Welt oder jedenfalls den kleinen Ausschnitt von ihr, in der er oder sie lebt, so mitzugestalten, dass sie wird, wie sie sein sollte und sein könnte.

Das schreibt die Journalistin und Autorin Gabriele von Arnim in ihrem Buch „Liebe Enkel oder Die Kunst der Zuversicht“. Das Autorinnenporträt am vergangenen Sonntagabend mit ihr habe ich nicht besucht, das Zitat trifft aber genau mein Lebensgefühl. Ich will ein Mensch mit Zuversicht sein, der mitgestaltet in dieser Welt, wie sie ist.