Archiv der Kategorie: Lyrik der Woche

Lyrik der Woche (12/2019)

„Sowing the Seeds of Love“ ist ein fabelhafter Song der englischen Band Tears for Fears aus dem Jahr 1989, geschrieben zu Beginn der dritten Amtszeit Margaret Thatchers und somit vor dem zugehörigen politischen Hintergrund einer gewissen sozialen Kälte zu verstehen.

Ein Aufruf, nicht stumm zu bleiben, sondern Stellung zu beziehen – für ein Miteinander, nicht Gegeneinander.

Die Zeiten heute sind andere, aber Liebe zu säen wird immer eine gute Idee sein.

High time we made a stand and shook up the views of the common man
And the lovetrain rides from coast to coast
D.J.’s the man we love the most

And anything is possible when you’re Sowing the Seeds of Love
Anything is possible – Sowing the Seeds of Love

Feel the Pain
Talk about it
If you’re a worried man – then shout about it
Open hearts – feel about it
Open minds – think about it
Everyone – read about it
Everyone – scream about it!

And I believe in lovepower, LovePower, LOVEPOWER!!!

Lyrik der Woche (11/2019)

Unbestreitbar, der Frühling kommt. Und er hat Wind dabei. Hugo von Hofmannsthal schrieb folgende erste Strophe für sein Gedicht „Vorfrühling“.

Es läuft der Frühlingswind
Durch kahle Alleen,
Seltsame Dinge sind
In seinem Wehn.

Lyrik der Woche (10/2019)

Dass der Mond aufgegangen ist und die goldnen Sternlein prangen, das wissen wohl die meisten. Interessanter als die erste finde ich die dritte Strophe von Matthias Claudius‘ Abendlied:

Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
Und ist doch rund und schön.
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht sehn.

Das Abendlied, 1779 zum ersten Mal veröffentlicht, verbreitete sich sehr schnell und nachhaltig im deutschen Sprachraum. Vertont wurde es im Lauf der Zeit laut Wikipedia über 70 Mal, 1790 von Johann Abraham Peter Schulz, und dessen Melodie kennt auch Herbert Grönemeyer.

Lyrik der Woche (09/2019)

1832 schrieb Heinrich Heine sein Gedicht „Das Fräulein stand am Meere“, in dem er übertriebene Romantisierung parodiert. Mich lässt das Gedicht immer wieder schmunzeln. Aber keine Frage: Schöne Sonnenuntergänge bewundere ich dennoch!

Das Fräulein stand am Meere

Das Fräulein stand am Meere
Und seufzte lang und bang,
Es rührte sie so sehre
Der Sonnenuntergang.

Mein Fräulein! sein Sie munter,
Das ist ein altes Stück;
Hier vorne geht sie unter
Und kehrt von hinten zurück.

Der Schweizer Komponist Othmar Schoeck (1886-1957) hat das seufzende Fräulein vertont:

Lyrik der Woche (08/2019)

Zum Nachdenken von Bertolt Brecht.

Der Radwechsel

Ich sitze am Straßenrand
Der Fahrer wechselt das Rad.
Ich bin nicht gern, wo ich herkomme.
Ich bin nicht gern, wo ich hinfahre.
Warum sehe ich den Radwechsel
Mit Ungeduld?

Lyrik der Woche (07/2019)

1.745.383 Millionen Menschen in Bayern haben für ein besseres Naturschutzgesetz unterschrieben. Nun wollen wir hoffen, dass daraus tatsächlich ein „Frühzeitiger Frühling“ für die Bienen wird!

Die Lyrik der Woche: Strophe 5 aus „Frühzeitiger Frühling“ von Johann Wolfgang Goethe.

Unter des Grünen
Blühender Kraft
Naschen die Bienen
Summend am Saft.

Lyrik der Woche (06/2019)

Madonnas Musik hat mich durch die Pubertät gebracht. Mir fallen Dutzende Songs ein, die prägend für mich waren. „Over and Over“ vom Album „Like a Virgin“ steckt voller Energie und Wagemut. Hier Verse 2, Chorus 2 und Bridge.

Got past my first mistake
I’ll only give as much as I can take
You’re never going to see me standin‘ still
I’m never going to stop ‚til I get my fill
It doesn’t matter who you are
It’s what you do that takes you far
And if at first you don’t succeed
Here’s some advice that you should heed

You get up again, over and over
You get up again, over and over
You get up again, over and over
You get up again, over and over

I’m not afraid to say I hear a different beat, oh
And I’ll go out in the street, yeah
And I will shout it again
From the highest mountain

Lyrik der Woche (05/2019)

Heute ein kurzes Wintergedicht, in dem viel Schönheit liegt. „Baum im Winter“ von Christine Busta.

Baum im Winter

Seltsame Früchte hat er heut getragen:
im Morgenfrost den roten Sonnenapfel,
am Abend eine Silberschote Mond.

Lyrik der Woche (04/2019)

Man kann das Leben unterschiedlich angehen. Ich gehöre eher zu den vernünftigen, wenig extremen Menschen. Dennoch stimme ich dem russischen Dichter Jewgeni Jewtuschenko bei der zweiten Strophe seines Gedichts „Alles will ich” zu:

Das Leben ist kein Spargang.
Ich will es ungeschmälert.
Kein fades Glück
und keine halbe Trauer.

Lyrik der Woche (03/2019)

Die Musik von Alanis Morissette war ab Mitte der 90er über 10 Jahre lang enorm wichtig für mich. Die Songs bringen mich noch heute zurück in mein damaliges Leben, zu meinen Seelenlagen, meinen Träumen, meinen Verstrickungen. Die Texte spielen dabei eine ebenso große Rolle wie die Musik. Hier vier Zeilen aus dem Song „You Learn“ vom Album „Jagged Little Pill“ aus dem Jahr 1996.

I recommend biting off more than you can chew to anyone
I certainly do
I recommend sticking your foot in your mouth at any time
Feel free

Für mich ein Aufruf dazu, kleine unvernünftige Dinge zu tun, einfach so, um sich frei und unbeschwert zu fühlen. Ein Aufruf, dem ich wann immer möglich folge.