Archiv der Kategorie: Malerei der Woche

Malerei der Woche (42/2022)

Mit Charles III besteigt der bislang älteste Thronfolger der Geschichte den englischen Thron. Einer der jüngsten Thronfolger hingegen war 1547 Edward VI, der einzige (legitime) Sohn Heinrichs VIII. Edward war erst neun und regierte umgeben von einem Rat, dessen Mitglieder Heinrich VIII vor seinem Tod benannt hatte, darunter ein Bruder von Jane Seymour, der verstorbenen Königin und Mutter Edwards.
Hans Holbein d. J., englischer Hofmaler, fertigte um 1538 ein Porträt des ein- bis zweijährigen Edward. Trotz der Stupsnase und rosigen Pausbäckchen sehen wir hier kein Kleinkind, sondern einen Prinzen, einen zukünftigen König, in prächtigem Gewand und mit einer goldenen Rassel, die an ein Zepter erinnert. Der erste Teil der Inschrift im unteren Bildbereich lautet: Kleiner, eifere deinem Vater nach und sei der Erbe seiner Tugend. Viel Zeit hatte Edward dafür nicht: er starb am 06. Juli 1553 mit nur 15 Jahren.

Malerei der Woche (41/2022)

Caterina van Hemessen, geboren 1527/28 in Antwerpen, wurde von ihrem Vater in seiner Werkstatt in Malerei unterrichtet. Sie gilt als die erste flämische Künstlerin mit signierten und datierten Gemälden. Dies ist bemerkenswert, denn die in Familienwerkstätten mitwirkenden Kinder arbeiteten nur selten unter ihrem eigenen Namen. 1548 schuf van Hemessen das früheste Bild, auf dem sich ein Maler arbeitend darstellt. Sie signierte ihr Selbstporträt mit EGO CATERINA DE / HEMESSEN ME / PINXI 1548 / AETATIS / SVÆ / 20 – Ich, Caterina van Hemessen, habe mich 1548 selbst gemalt im Alter von 20 Jahren.

Caterina van Hemessen, Selbstbildnis 1548

Malerei der Woche (40/2022)

Eines der Vorbilder von Lavinia Fontana war Sofonisba Anguissola (um 1532-1625) aus Cremona, die als die erfolgreichste Renaissance-Malerin gilt. Sofonisba hatte fünf Schwestern und einen Bruder. Die Eltern ließen allen Kindern eine humanistisch geprägte Bildung sowie eine Ausbildung zukommen. Sofonisba studierte Malerei bei verschiedenen Lehrmeistern und ihr Vater korrespondierte mit hervorragenden Künstlern (unter anderem Michelangelo), um ihr Aufträge zu verschaffen. 1559 wurde Sofonisba als Porträtmalerin an den spanischen Königshof gerufen. Ihr erstes Porträt der Infantin Isabel war so gut, dass Peter Paul Rubens es kopierte. Ein Studium der Anatomie war ihr als Frau nicht möglich und die Arbeit mit großformatigen Leinwänden zu biblischen oder mythologischen Themen galt als unstatthaft, daher wählte sie oft Motive aus der persönlichen Erfahrung und erweiterte so den damaligen Kunstbegriff. Ihr wohl bekanntestes Bild „Drei Schwestern beim Schachspiel“ (1555) gilt als erste Darstellung einer Alltagsszene in der italienischen Malerei. Es zeigt ihre Schwestern Lucia (links), Minerva (rechts) und Europa (Mitte), sowie am rechten Bildrand eine Gouvernante.

Malerei der Woche (39/2022)

Auf Gemälden (nicht nur) der Renaissance sind Frauen häufig nackt oder – wie in den Bildern der letzten beiden Wochen – listig und potenziell gefährlich. Es gab in der Renaissance aber auch Malerinnen, die zu Bekanntheit und Ruhm gelangten. Eine davon ist Lavinia Fontana (1552 – 1614). Die Bologneser Künstlerin erhielt ihre Ausbildung bei ihrem Vater. Das „Selbstporträt am Spinett mit einer Dienerin“ (1577) entstand kurz vor ihrer Hochzeit mit einem anderen Schüler ihres Vaters. Fontana malte nach ihrer Heirat weiter und schuf das umfangreichste Werk, das von einer vor 1700 tätigen Künstlerin produziert wurde. 1603 zog sie nach Rom, wo sie große Triumphe als Malerin feierte und so auch gut für ihren wenig begabten Ehemann sorgte, der als ihr Agent tätig war. Nebenbei fand sie Zeit, elf Kinder zur Welt zu bringen.

Malerei der Woche (38/2022)

Mit der „Wahrsagerin“ (um 1595) führt Caravaggio die Genremalerei in die italienische Kunst ein, die nördlich der Alpen bereits deutlich früher zu finden war. Ähnlich wie in der Schachpartie (um 1508) von letzter Woche wird auch hier vor weiblicher List und Tücke gewarnt. Die Wahrsagerin schaut dem offensichtlich recht jungen fein gekleideten Herrn tief in die Augen, während sie nicht nur seine Handlinien liest, sondern ihm auch unbemerkt einen Ring vom Finger zieht.

Malerei der Woche (37/2022)

Von Engeln zum Spiel der Könige. „Die Schachpartie“ (um 1508) von Lucas van Leyden ist eines der frühesten Genrebilder. Ein Mann und eine Frau spielen gegeneinander, die umstehenden Personen verfolgen das Geschehen mehr oder weniger aufmerksam. Es scheint, als würde die Frau ihren Mitspieler mit dem nächsten Zug in Bedrängnis bringen – dieser hat seine Mütze abgenommen und führt die Hand mit nachdenklicher Geste zum Kopf. Da das Schachspiel als Metapher für Liebe und Liebesspiel galt, kann das Gemälde durchaus als Warnung vor der „List“ der Frauen gedeutet werden.

Malerei der Woche (36/2022)

Nach drei Hochzeiten kommt nun kein Todesfall, sondern ein Engelsturz. 1587 erhielt Christoph Schwarz den Auftrag für das Hochaltarbild der Jesuitenkirche St. Michael in München, die als eines der Hauptwerke der süddeutschen Gegenreformation gilt. Im Zentrum des Gemäldes sehen wir den Erzengel Michael, wie er den abtrünnigen Luzifer in die Tiefe stürzt. Die weit ausgebreiteten Flügel, der das Haupt umrahmende Mantelschwung und der helle Hintergrund verleihen Michael die Anmutung einer leuchtenden Siegesgöttin. Luzifer hingegen, der ehemals schönste aller Engel, befindet sich bereits im Dunkel. Ihm sind Hörner gewachsen, Schlangen züngeln aus seinem Haar, an den Fingern wachsen ihm Krallen und die Flammen des Höllenfeuers haben das prächtige Pfauengefieder seiner Flügel erreicht. Ein Sinnbild für den ewigen Kampf zwischen Licht und Finsternis.

Bild entnommen von: https://www.rdklabor.de/wiki/Datei:Superbia_35.jpg
Christoph Schwarz und Alessandro Paduano, Sieg des Erzengels Michael über Luzifer. 1588–1590. Öl auf Leinwand, ca. 500 x 300 cm. München, St. Michael, Hochaltar.
Nach: Rom in Bayern. Kunst und Spiritualität der ersten Jesuiten, Ausstellungskatalog München 1997, S. 116.

Malerei der Woche (35/2022)

Fast zur gleichen Zeit wie Veronese hielt auch Tintoretto die Hochzeit zu Kana in einem Gemälde fest. Im Vergleich der Werke wird die Unterschiedlichkeit der beiden Künstler deutlich. Tintorettos Festgesellschaft feiert in einem zeitgenössisch ausgestatteten Innenraum mit typisch venezianischer Kassettendecke. Auf Prunk und anekdotische Details verzichtet Tintoretto im Gegensatz zu Veronese. Durch die Wahl, die Tafel von der Schmalseite aus darzustellen und Jesus und Maria ans andere Kopfende zu platzieren, rücken die beiden in eine große Entfernung. Im Vordergrund rechts füllen Dienerinnen das verwandelte Wasser aus großen Tonkrügen in Weinkaraffen, bestaunt von einer dahinter sitzenden Frau. Auch die Gruppe links bespricht angeregt das überraschende Ereignis. Der Fokus des Bildes liegt dadurch auf dem Wunder, das Jesus gewirkt hat.

Malerei der Woche (34/2022)

Eine ganz andere Hochzeitsgesellschaft als die letzte Woche stellt Paolo Veronese auf seiner „Hochzeit zu Kana“ dar. Scharen von Dienern eilen auf dem erhöhten Balkon hin und her, um die prunkvoll gekleideten Gäste an der reichen Festtafel zu bedienen – in deren Zentrum Jesus, umgeben von Maria und den Jüngern. Das Hochzeitspaar sitzt fast etwas abseits am linken Bildrand und kann das biblische Wunder am rechten Bildrand beobachten: aus Wasser wird Wein. Die drei Musikanten im Vordergrund wurden als Porträts der damals drei großen Maler Venedigs gedeutet: Tizian, rotgekleidet mit Kontrabass, Veronese im weißen Gewand und Tintoretto dazwischen, beide mit Viola. Diese Darstellung ist ein Beispiel mehr für das Selbstbewusstsein der Renaissancekünstler: die Kunst und die Kunstfertigkeit stehen im Vordergrund, hinter denen der theologische Gehalt (hier die Wandlung von Wasser zu Wein durch Jesus) in den Hintergrund tritt.

Malerei der Woche (33/2022)

„Die Bauernhochzeit“ von Pieter Bruegel dem Älteren zeigt eine bäuerliche Hochzeitsgesellschaft in Flandern im 16. Jahrhundert. Es herrscht lebendiges Treiben und die Braut, die traditionsgemäß ohne Bräutigam am Tisch sitzt und weder essen noch sprechen darf, lächelt versonnen mit niedergeschlagenem Blick. Doch eine reiche Gesellschaft sehen wir hier nicht. Die Gäste sitzen auf schlichten Holzbänken und zum Essen wird Brei in derben Schüsseln gereicht. Bruegel malt ein realistisches Bild der arbeitenden Landbevölkerung, wie es zuvor in der Kunst nicht vorkam.