Archiv der Kategorie: Malerei der Woche

Malerei der Woche (29/2022)

Die Königstochter Psyche war von solcher Schönheit, dass Liebesgott Amor sich unsterblich in sie verliebte. Er nähert sich ihr jede Nacht in menschlicher Gestalt und nimmt ihr das Versprechen ab, nicht weiter nach seiner Identität zu forschen. Psyche erwidert seine Liebe, wird aber von ihren neidischen Schwestern überredet, das wahre Wesen des geheimnisvollen Liebhabers herauszufinden, der womöglich eine verwandelte Schlange sei. Mit einem Dolch bewaffnet überrascht sie ihn daher im Schlaf und erkennt verzückt die schöne Gestalt des geflügelten Gottes. Diesen Moment hat Jacopo Zucchi für seine Darstellung gewählt und bereits den weiteren Verlauf der Ereignisse vorweggenommen: Ein Tropfen des heißen Öls aus der Lampe, die Psyche hochhält, fällt auf Amors Schulter, so dass dieser erwachen und Psyches Verrat bemerken wird.

Jacopo Zucchi, Amor und Psyche

Malerei der Woche (28/2022)

Laut griechischer Mythologie war Göttervater Zeus (Jupiter bei den Römern) sehr umtriebig und einfallsreich darin, sich schönen jungen Frauen anzubieten oder aufzudrängen. Der Königstochter Leda näherte er sich in Gestalt eines Schwanes und schwängerte sie. Allerdings schlief Leda in derselben Nacht auch mit ihrem Ehemann Tyndareos. In der Folge gebar Leda vier Kinder: Kastor, Polydeukes (Pollux) und Helena gelten als Kinder des Zeus, Klytaimnestra als Tochter des Tyndareos. Viele Darstellungen zeigen, dass die Kinder aus zwei Eiern schlüpfen, die Leda gelegt hat – so auch das Bild, das Francesco Melzi aus Leonardos Werkstatt zugeschrieben wird. In Mythen ist eben alles möglich.

Leda mit dem Schwan, um 1510

Malerei der Woche (27/2022)

Judith und Holofernes sind ein weiteres Paar, das in der Renaissance-Kunst oft dargestellt wird. Wobei Holofernes zumeist nur in Teilen zu sehen ist – im Bild von Andrea Mantegna ist es ein Fuß und der abgeschlagene Kopf. Judith, eine junge Witwe aus dem belagerten jüdischen Volk erbittet Zugang zum Zelt des feindlichen Generals Holofernes. Dieser ist von ihrem Liebreiz und ihrer Weisheit betört und wähnt sich in Erwartung einer Liebesnacht. Judith jedoch enthauptet ihn gemeinsam mit ihrer Magd, um ihr Volk zu befreien. Die Episode aus dem Alten Testament gilt als Symbol für den Sieg der Rechtschaffenheit gegen die Unterdrückung und gleichzeitig für die Gefahren der weiblichen List.

Andrea Mantegna, Judith und Holofernes (um 1495)

Malerei der Woche (26/2022)

Thema für die kommenden Wochen: in der (Renaissance-)Malerei häufig dargestellte Paare. Wir beginnen – selbstverständlich – mit Adam und Eva, hier in einer Darstellung von Jan Gossaert (um 1508).

Jan Gossaert, Adam und Eva (um 1508)

Malerei der Woche (25/2022)

Im späteren 16. und im 17. Jahrhundert waren sogenannte „Markt- und Küchenstücke“ weit verbreitet. Eines der frühesten Beispiele ist „Der Fleischerladen“ (1551) von Pieter Aertsen. Selbst Vegetarier werden den vielfältigen Detailreichtum und die realitätsnahe Ausdruckskraft anerkennen können. Doch gerade die Freude an den dargestellten Genüsslichkeiten und der künstlerischen Leistung sollten damals beim Betrachter zu der Einsicht führen, dass ein Überfluss an Sinnesfreuden der geistigen Gesundheit und christlichen Religiosität zuwider läuft.

Diese Botschaft wird durch die Darstellung im Hintergrund unterstrichen: Die heilige Familie auf der Flucht nach Ägypten, Maria gibt einem Bettler ein Almosen. Eine äußerlich bescheidene Gabe im Kontrast zum überbordenden Verkaufsstand im Vordergrund. Doch Mariens Gabe meint die „geistige Nahrung“ der christlichen Botschaft und Erlösung, die ewiges Leben verheißt.

Pieter Aertsen: Der Fleischerladen

Malerei der Woche (24/2022)

Kalendarisch beginnt er nächste Woche, aber da ist er schon jetzt: Der Sommer.

Jacopo Tintoretto, Der Sommer (um 1555)

Malerei der Woche (23/2022)

Ein ganz anderes Antlitz als das des schönen jungen Mannes zeigt uns Guiseppe Arcimboldo mit „Der Jurist“. Arcimboldo ist bekannt für seine Porträts, die er aus Blumen, Tieren, Früchten und Dingen des Alltags raffiniert zusammenstellt und damit eine verblüffend realistische Wirkung erzielt. Hier bilden Fische, Hühnerschenkel und ein gerupftes Küken das wenig attraktive Gesicht eines Mannes mit schwarzer Kappe. Manuskripte und dicke Bücher bilden den Oberkörper unter einem pelzbesetzen Mantel.
Eine Interpretation des Gemäldes lautet, es handle sich um eine satirische Darstellung Calvins. Eine andere stützt sich auf zwei zeitgenössische Briefe und besagt, hier sei der Jurist Zasius dargestellt, ein Beamter am Hofe Maximilians II, an dem Arcimboldo zu jener Zeit Hofmaler war.

Malerei der Woche (22/2022)

Eine besondere Stimmung geht vom „Bildnis eines jungen Mannes“ aus. Melancholisch-träumerisch blickt er in die Ferne, hält die Schreibfeder geistesabwesend in der Rechten und lehnt sich leicht auf sein Schreibpult und das geöffnete Buch. Worüber denkt er nach? Über das gerade Geschriebene? Oder sind seine Gedanken an einem ganz anderen Ort, einer anderen Zeit? Seine ebenmäßig sanften Gesichtszüge verraten es nicht. Dafür wissen wir recht genau, wer das Werk geschaffen hat und wann: der Florentiner Maler Franciabigio, im Oktober 1522. Es steht auf dem Zettel auf dem Pult: 1522 a di 24 ottob[r]e / FRAC [Franciscus Cristofani]

Malerei der Woche (21/2022)

Bronzinos „Allegorie der Liebe“ (um 1550) lässt sich als bildgewordene Reflexion über das Wesen der Liebe verstehen. Im Mittelpunkt Venus, die Göttin der Liebe, in erotischer Umarmung mit ihrem Sohn, dem heranwachsenden Amor. Sie scheint ihm unbemerkt einen Pfeil aus seinem Köcher zu ziehen und ihn so zu entwaffnen. Der nackte Knabe rechts, der freudig Rosenblätter streuen will, kann als Personifikation des Vergnügens interpretiert werden. Das Mädchen hinter ihm reicht eine Honigwabe zum süßen Genuss. Doch die untere Hälfte ihres Körpers ist die einer drachenartigen Kreatur, in einem spitzen Stachel endend. Das Süße birgt somit auch Gefahr. Auf der linken Seite eine Gestalt mit vor Schmerz oder Wahnsinn verzerrtem Gesicht, die als Eifersucht gedeutet werden kann. Die Figur links oben in der Ecke ist unvollständig, hat ein maskenartiges Gesicht und könnte als Abbild der Täuschung oder der Falschheit gemeint sein. Rechts oben sehen wir möglicherweise Saturn, den Gott der Zeit, mit seiner Sanduhr. Er hält ein Tuch hinter der Szenerie hoch, was bedeuten könnte: Erst der Lauf der Zeit enthüllt die Wahrheit über die Liebe.

Eine ausführlichere und teils auch etwas andere Interpretation bietet dieses Video von the artinspector:

Malerei der Woche (20/2022)

„Die drei Lebensalter und der Tod“ von Hans Baldung mahnt die BetrachterInnen, dass das Ende jeden Menschen zu jeder Zeit ereilen kann. Denn der personifizierte Tod mit seinen Attributen Sanduhr, Zifferblatt und gebrochene Lanze holt nicht nur die alte Frau, nein, diese zieht die junge mit und selbst das unnatürlich verrenkte Kleinkind am Boden scheint tot zu sein. Die grimmige Eule kann hier als Symbol für Unheil und nahenden Tod gedeutet werden, was die düstere Atmosphäre des Gemäldes noch verstärkt. Allein das Kruzifix und das Kreuz in der Sonne rechts oben gelten den Gläubigen als Hoffnungsschimmer auf Erlösung durch die Auferstehung Christi.