Brockhaus der Woche (49/2018)

Man kann es mögen oder nicht; es kehrt wieder, zuverlässig jedes Jahr.

Weihnachten [mhd. ze wihen nahten „in den heiligen Nächten“] (Weihnacht, Christfest, Heiliger Christ), gesamtchristl. Fest der Geburt Jesu; neben Ostern und Pfingsten eines der Hauptfeste der christl. Kirchen; seit 336 (erstmals in Rom) am 25.12. gefeiert, anknüpfend an das an diesem Tag begangene röm. Staatsfest der Geburt des unbesiegbaren Sonnengottes (Sol invictus) und dieses im christl. Sinne umdeutend. Es verschmolz später im german. Bereich mit dem Julfest (Wintersonnenwende) und verdrängte, trotz zunächst heftiger Widerstände wegen seiner „heidn.“ Parallelen, außer in der armen. Kirche das ursprüngl. Geburtsfest Jesu am 6.1. (Epiphanias). – Der Volksbrauch (Weihnachtsbrauch) prägte mit seiner Vielfalt von liturg. und außerliturg. Brauchtum (z.B. Krippen, Sternsingen, Weihnachtsspiele) den heutigen überregionalen Charakter von W. aus. Zentrales Sinnbild wurde der lichtergeschmückte Weihnachtsbaum (Christbaum; vereinzelt ohne Licht schon im beginnenden 16. Jh., seit dem letzten Drittel des 19. Jh. allg. üblich), im 20. Jh. kam der Adventskranz hinzu. Aus den Gabenbringern der Adventszeit (hl. Nikolaus, Knecht Ruprecht) wurde der Weihnachtsmann (erstmals belegt auf Bildern des 19. Jh.). Ende des 18. Jh., deutlich dann im 19. Jh., erhielt W. das familiäre Gepräge mit der Bescherung (Kinderbescherung seit dem 16. Jh. in der evang. Oberschicht üblich) am Hl. Abend (Hl. Nacht, Christnacht: 24.12.), auf den sich heute auch die christl. Weihnachtsfeier (Weihnachtsvigil, Christmette) konzentriert.

Sandkastenliebe

Schon als sie Kinder waren, hatte Gabriele entschieden, dass er sie später einmal heiraten würde. Auf dem Karussell auf dem Spielplatz hatte sie sich an ihn geschmiegt, während er das Rad in der Mitte immer noch schneller drehte, so lange, bis ihnen beiden schwindelig war. In der Schule saßen sie nicht nebeneinander, sondern Gabriele neben ihrer besten Freundin, er neben seinem besten Freund; Mädchen und Jungen saßen einfach nicht nebeneinander. Aber da sie in direkter Nachbarschaft wohnten, machten sie oft zusammen ihre Hausaufgaben. Gabriele ließ ihn in Mathe, später auch Physik und Chemie abschreiben, er half ihr ein bisschen in Englisch.

Als er beim Tanzkurs wie zufällig ihre Haarspange berührte, die ihre blonde Mähne bändigte, wurde Gabriele heiß und kalt zugleich. Wie gerne hätte sie Tango mit ihm getanzt, aber auf dem Stundenplan der Provinz-Tanzschule standen nur Walzer und Foxtrott. Gegen Ende des Abschlussballs, sie hatten beide Sekt und süßen Wein getrunken, wagte Gabriele das Verwegene: Als er von der Toilette zurückkam, passte sie ihn ab, zog ihn in einen unbeleuchteten Seitengang und küsste ihn. Er erwiderte den Kuss, vielleicht etwas weniger leidenschaftlich als sie es sich vorgestellt hatte, aber ab diesem Zeitpunkt „gingen sie miteinander“.

Als das Abitur vor der Tür stand, waren sie noch immer ein Paar. Gabrieles Noten waren gut, für ihn war es eine Zitterpartie und ohne ihre Hilfe hätte er bestimmt Schiffbruch erlitten. Wegen starker Kurzsichtigkeit musste er nicht zur Bundeswehr und sie konnten zusammen ein BWL-Studium in der nächstgelegenen Universitätsstadt beginnen. Gabrieles Eltern besaßen dort mehrere kleine Eigentumswohnungen und in eine zogen sie gemeinsam ein.

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Brockhaus der Woche (48/2018)

Jetzt in der Vorweihnachtszeit kommt sie sicher vermehrt zum Einsatz. Ich schwärme das ganze Jahr über für sie…

Vanille [va’nilje; frz., aus span. vainilla „kleine Schote“] die (Vanilla), Gattung der trop. Orchideen, Lianen mit Luftwurzeln, fleischigen Blättern und schotenartigen Früchten. Die Früchte der Echten V. (Vanilla planifolia) werden vor der Reife geerntet und getrocknet. Der darin enthaltene Milchsaft verwandelt sich beim Reifen durch Fermentation in eine schwarzbraune Masse von intensivem Duft; Verwendung in der Lebensmittelind., Likörfabrikation und Parfümerie.

Schon die Azteken erfreuten sich an der Vanilleschote, die sie zum Verfeinern ihrer Kakaogetränke verwendeten. Auch die Europäer lernten sie schätzen, nachdem sie Amerika und damit eine Reihe neuer Gewürze entdeckt hatten. Lange Zeit hindurch versuchten sie freilich vergeblich, die Vanille außerhalb ihres Herkunftslandes Mexiko zu kultivieren. Man wusste damals nämlich nicht, dass die Ausbildung der Schoten von der Befruchtung durch eine ganz bestimmte Bienenart abhängt. Ohne die ging es nicht.
Erst als man die manuelle Befruchtung entwickelt hatte, konnte man den Vanilleanbau auch auf andere tropische Länder auszuweiten. Besonders verbreitet hat sich diese Kultur zum Beispiel auf Madagaskar.

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Foto: Von Sunil Elias – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4640782

Brockhaus der Woche (47/2018)

Buchstabe U bringt uns in die alte ägyptische Kultur.

Uschebti [ägypt.] das, kleine mumiengestaltige Figuren, die die Ägypter seit dem Mittleren Reich ihren Toten mitgaben. Die aus Fayence, Ton, Holz oder Stein gearbeiteten U. sind als Abbild des Verstorbenen gestaltet und sollen ihn im Jenseits vertreten, wenn er dort zur Arbeit aufgerufen wird.

Wäre doch gar nicht so übel, wenn es Uschebtis auch für Lebende gäbe!

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Bild: CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=652340

Brockhaus der Woche (46/2018)

Eine große Anhängerin der Astrologie bin ich nicht. Laut chinesischem Horoskop bin ich im Jahr des Tigers geboren. Und das gefällt mir schon, denn der Tiger ist ein faszinierendes und kraftvolles Tier, vor dem man besser Respekt haben sollte. Was sagt der Brockhaus zum Tiger?

Tiger [grch. aus pers.] (Panthera tigris), mit maximal 2,8 m Körperlänge und fast 300 kg Körpergewicht die größte, sehr kräftige Großkatze in versch. Biotopen SW- bis O-Asiens (einschließlich der Sundainseln); Kopf rundlich; Schwanzlänge 60-95 cm; Färbung blass rötlich gelb bis rotbraun mit schwarzen Querstreifen; Einzelgänger. Beutetiere sind v.a. Huftiere. – Man unterscheidet acht Unterarten, darunter der Sibir. T. (Amur-Ussuri-Gebiet; größte T.-Unterart), Insel-T. (Sammelbez. für die auf den Sundainseln vorkommenden Sumatra-T., bis 170 cm Körperlänge, Java-T., fast ausgerottet, und Bali-T., vermutlich ausgerottet) und Königs-T. (Bengal. T., in Vorder- und Hinterindien, etwa 2 m lang).

Elif Shafak: The revolutionary power of diverse thought

Populisten mögen keinen Pluralismus; mit Vielfältigkeit und Uneindeutigkeit können sie nicht umgehen. Stattdessen bestehen sie auf einfache Antworten, reduzieren auf Dualismen, teilen die Welt in zwei Lager: Wir und Die. Und oft: Wir gegen Die. Ängste, Neid und Misstrauen werden geschürt: Nur unter uns sind wir sicher!

Die türkische Schriftstellerin Elif Shafak sieht darin ein Zeichen unserer Zeit; in der Politik, aber auch in der Wissenschaft und Gesellschaften weltweit. In ihrem klugen TED Talk plädiert sie dafür, Komplexität nicht zu fürchten, sondern als Tor zu mehr Solidarität, Reichhaltigkeit und Freiheit für uns alle zu verstehen.

Vielfältig geht es auch in Shafaks Roman „Der Bonbonpalast“ aus dem Jahr 2002 zu. Der Bonbonpalast ist ein etwas heruntergekommenes Wohnhaus in Istanbul, in dem die unterschiedlichsten Bewohner zu Hause sind. Leichtfüßig und liebevoll schreibt Shafak, mit leuchtenden Farben, die ihr Licht in die Tiefe und auch Abgründe werfen.

Brockhaus der Woche (45/2018)

Am 30. November 1918 trat in Deutschland das Reichswahlgesetz mit dem allgemeinen aktiven und passiven Wahlrecht für Frauen in Kraft. Von alleine kam das nicht; die Erste Frauenbewegung hatte dafür gekämpft. In Großbritannien taten das die Suffragetten.

Suffragetten [vom lat. suffragium „Stimmrecht“], in Großbritannien die radikalen Kämpferinnen für die polit. Gleichberechtigung der Frau; sie selbst nannten sich Suffragistinnen. Die bekannteste Führerin war E. Pankhurst.

Die Forderung nach dem Stimmrecht der Frauen war ein zentrales Thema der britischen Frauenbewegung seit ihrer Entstehung in den 60er-Jahren des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg. Mit der um 1900 von Emmeline Pankhurst und ihren Töchtern gegründeten Suffragettenbewegung radikalisierten sich die Kampfformen und verbreiterte sich die Massenbasis der britischen Stimmrechtsbewegung. Anders als die gemäßigte „National Union of Women’s Suffrage Societies“, deren Vertreterinnen sich Suffragistinnen nannten, setzten die Anhängerinnen der Familie Pankhurst zur Durchsetzung ihrer Ziele auf spektakuläre öffentliche Aktionen: Großdemonstrationen mit mehreren Hunderttausend Teilnehmern zwischen 1908 und 1913, Hungerstreik, Steuerboykott und Gewalt gegen Sachen.

Brockhaus der Woche (44/2018)

Wenn ich einen sehe, freue ich mich wie ein kleines Kind. Für mich haben sie etwas hoffnungsfroh-magisches. Doch selbstverständlich sind sie physikalisch zu erklären – und das macht der Brockhaus.

Regenbogen, atmosphärisch-optische Erscheinung, die entsteht, wenn die im Rücken des Beobachters stehende Sonne eine vor ihm befindl. Regenwolke oder –wand bescheint. Der R. besteht aus einem in den Spektralfarben leuchtenden Bogen von etwa 42° Halbmesser und 1,5° Breite (Haupt-R.), oft auch noch aus einem zweiten, lichtschwächeren Bogen von 51° Halbmesser und 3° Breite (Neben-R.); zuweilen schließen sich sekundäre Bögen an. Der gemeinsame Mittelpunkt liegt auf der Verlängerung der Geraden, die die Sonne mit dem Auge des Beobachters verbindet. Beim Haupt-R. liegt Violett innen, Rot außen, beim Neben-R. umgekehrt. Der R. entsteht durch Brechung und Reflexion (einmalig Haupt-R., zweimalig Neben-R.) der Sonnenstrahlen in den einzelnen Regentropfen. Die beim Eintritt und Austritt der Strahlen stattfindende Brechung zerlegt das weiße Sonnenlicht in die Spektralfarben, die Reflexion lenkt die Strahlen in das Auge des Beobachters. Fast weiße R. (Tröpfchendurchmesser höchstens 0,05 mm) heißen auch Nebelbögen.

Brockhaus der Woche (43/2018) – Nachtrag

Quinta [lat. „die Fünfte“] die, früher die 2. Klasse des Gymnasiums (Zählung: die fünftletzte des bei Einführung 7-jährigen Gymnasiums); entspricht dem 6. Schuljahr.

Das sagt der Brockhaus zu „Quinta“. Quinta ist aber auch ein portugiesisches Wort für Bauernhof oder Weingut. Und die Quinta do Furão ist ein wunderbares Hotel im Norden Madeiras, wo wir die letzten beiden Wochen verbracht haben. Hier der Blick aus unserem Zimmer:

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Brockhaus der Woche (42/2018)

Wir leben in rasanten Zeiten, in denen manches, das einst als sicher galt, ins Wanken gerät. Weder Panik noch Paranoia helfen. Lieber sollten wir Pandoras Büchse auf den Grund gehen; das, was wir dort finden, herauslocken und darauf aufbauen.

Pandora [grch. „Allgebende“], 1) Astronomie: Ein Mond des Planeten Saturn.
2) grch. Mythos: urspr. wahrscheinlich eine Erdgöttin; nach Hesiod die verführer. Frau, die Zeus von Hephaistos aus Erde formen ließ, um den Feuerraub des Prometheus für die Menschen zu rächen. Zeus gab ihr ein Gefäß, die Büchse der P., in der alle Übel eingeschlossen waren, und schickte sie zu Epimetheus. Als P. die Büchse öffnete, entwichen die Übel und verbreiteten sich über die Erde. Nur die Hoffnung, die auf dem Grund lag, blieb darin.