Kalenderspruch der Woche (36/2017)

Die Jugend ernährt sich von Träumen, das Alter von Erinnerungen.
Jüdisches Sprichwort

Mein Erlanger Poetenfest 2017

foto0885.jpgSchönstes Sommerwetter zum dritten Mal in Folge, die einmalig entspannte Atmosphäre im Schlossgarten und ein exzellentes Programm – was will man mehr?

Hier meine persönlichen Highlights.

Fatma Aydemir: Ellbogen
Die 17-jährige Deutsch-Türkin Hazal kämpft mit dem Erwachsenwerden, sucht nach ihrer Identität. Die Anforderungen der Eltern will sie nicht erfüllen, in der deutschen Gesellschaft fühlt sie sich nicht zugehörig. Der Erzählstil ist rau und rasant.

Theresia Enzensberger: Blaupause
Luise Schilling beginnt 1926 am Bauhaus Architektur studieren. Der Vater will sie lieber auf der Hausfrauenschule sehen und Walter Gropius schickt sie und die anderen Studentinnen an die Webstühle. Eine Emanzipations- und Zeitgeschichte.

Julia Wolf: Walter Nowak bleibt liegen
Walter Nowak hält sich mit täglichem Schwimmen fit, denn dass er nicht mehr der Jüngste ist, will er nicht wahrhaben. Eines Tages jedoch bleibt Walter Nowak liegen, und zwar auf seinem eigenen Badezimmerboden, bewegungsunfähig. Sprachlich spannend, rhythmisch komponiert und sehr gut vorgetragen.

Kathrin Groß-Striffler: Eine Tasse Tee
„Eine Tasse Tee“ ist ein Erzählband. In „Die Hexe“ geht es um ein junges Mädchen, das zur Dorf-Clique gehören will, obwohl es weiß, dass das, was die anderen tun, nicht richtig ist. Ruhig und berührend erzählt.

Emilia Smechowski: Wir Strebermigranten
Perfekte Integration bis zur Verleugnung der ursprünglichen Identität. So lebt die Familie von Emilia Smechowski, die 1988 aus Polen in die Bundesrepublik migriert. Nun erzählt die Autorin in ihrem autobiografischen Roman davon.

Franzobel: Das Floß der Medusa
1816 läuft die französische Fregatte Méduse auf Grund und droht zu sinken. Weil viel zu wenige Rettungsboote an Bord sind, wird ein Floß gebaut, das 149 Menschen aufnimmt. 15 überleben. Franzobel verarbeitet die Ereignisse in einem Roman. Nichts für zarte Gemüter!

Sasha Marianna Salzmann: Außer sich
Die Geschichte einer Familie, russisch, jüdisch. Poetisch und humorvoll erzählt und wunderbar vorgetragen. Schon nach wenigen Minuten werden die Figuren lebendig und man will mehr über sie erfahren.

Ulla Hahn war leider erkrankt. Auf den vierten Teil von Hilla Palms Geschichte („Wir werden erwartet“) freue ich mich trotzdem schon sehr.

Am Sonntagabend zum krönenden Abschluss das Autorenporträt mit Michael Köhlmeier im Markgrafentheater. Ein sehr sympathischer Mensch, ein hervorragender Autor und ein begnadeter Erzähler. Es ist eine Freude, ihm zuzuhören. Meinetwegen hätte das Gespräch mit Verena Auffermann auch drei Stunden länger dauern dürfen.

Danach beseelt vom großen Glück der Literatur entspannt nach Hause geradelt. Was will man mehr?

Kalenderspruch der Woche (35/2017)

Der Herbst, der der Erde die Blätter wieder zuzählt, die sie dem Sommer geliehen hat.
Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799)

Kalenderspruch der Woche (34/2017)

… ist das Motto der WDC (Whale and Dolphin Conservation):
Eine Welt, in der alle Wale und Delfine in Freiheit und Sicherheit leben.

Eine aktuelle Kampagne der WDC ist „Weniger Plastik ist Meer“. Wenn wir so weitermachen wie bisher, gibt es 2050 mehr Plastik als Fische im Meer.

Beim Abteilungsleiter

Als Katja an seine schwere Bürotür klopfte, war sie noch ganz ruhig. Angespannt, ja, aber nicht aufgebracht. Sachlich wollte sie bleiben. Die Worte hatte sie sich vorbereitet. Sie musste nur ruhig und sachlich bleiben, dann würde alles gut gehen. Nach seinem „Herein“ betrat sie das Büro des Abteilungsleiters.

„Ah, Frau Schneider. Kommen Sie, nehmen Sie Platz. Sie wollten mich sprechen?“

Katja nickte, setzte sich, rückte den Stuhl zurecht, richtete sich auf. Sie schaute in sein Mondgesicht, Stirn und Kinn blass glänzend, die Nase gerötet. Creme für Mischhaut und weniger Bier, schoss ihr durch den Kopf.

„Frau Schneider, wie kann ich helfen?“, fragte er.

Katja holte noch einmal tief Luft. „Die Beförderung zum Teamleiter. Ich dachte, die würde an mich gehen. So hatte ich Sie bei unserem letzten Personalgespräch verstanden. Und nun haben Sie Herrn Fischer den Posten gegeben.“

Der Abteilungsleiter schwieg und starrte auf einen leeren Notizzettel vor sich, den er zwischen den Fingern drehte.

Mit fester Stimme fragte sie: „Warum bin ich übergangen worden?“

Weiterlesen

Kalenderspruch der Woche (33/2017)

Jedes Buch will ernst genommen werden.
Ilse Wierny, Buchhändlerin in Erlangen

Familiengeschichten für den Sommer: „Hertzmann’s Coffee“ von Vanessa F. Fogel und „Der leuchtend blaue Faden“ von Anne Tyler

Fogel und Tyler erzählen von Familien: Von Eltern, Kindern, Geschwistern und Großeltern, von ihrer Verbundenheit und Liebe, von ihren Problemen und Konflikten, von ihren Geheimnissen und Eigenheiten, von ihren Sehnsüchten und Ängsten, von Erfolgen und Schicksalsschlägen.

In „Hertzmann’s Coffee“ findet Yankele Hertzmann, es sei an der Zeit, das höchst erfolgreiche Kaffeegeschäft, das er nach dem Zweiten Weltkrieg mit seiner Frau Dora aufgebaut hat, an seine Kinder zu übergeben. Allerdings sind die sich gar nicht grün. Yankeles Sorge um die Zukunft des Geschäfts und vor allem seiner Familie lässt ihn nachts nicht schlafen, und diese Schlaflosigkeit führt ihn weit zurück in eine schmerzhafte Vergangenheit.

In „Der leuchtend blaue Faden“ lernen wir die Whitshanks kennen. Abby Whitshank ist eine engagierte Sozialarbeiterin, ihr Ehemann Red führt das familiäre Bauunternehmen. Ihre vier Kinder haben sie in dem Haus großgezogen, das Reds Vater gebaut hat. Dieses Haus ist der Mittelpunkt der Familie. Doch Abby und Red werden immer älter, die Kinder führen ihre eigenen Leben. Was hält sie noch zusammen? Und was wird aus dem Haus, das viel zu groß geworden ist?

Beide Romane fließen in ruhigem Fahrwasser, behandeln ihre Charaktere mit Respekt und leben von der Tiefe, die im Alltäglichen steckt. Leichte, aber keine oberflächliche Lektüre für den Sommer – oder eine andere Jahreszeit.

Kalenderspruch der Woche (32/2017)

Die Dummheit ist unbesiegbar.
Fjodor Michailowitsch Dostojewski (1821 – 1881)

Kalenderspruch der Woche (31/2017)

Geduld – mit der Zeit wird aus Gras Milch.
Aus China

Freibaderinnerungen

Chlorgeruch und fröhliches Geschrei
Die Umkleiden leicht muffelig
Immer barfuß, trotz
Fußpilzgefahr und
Heiß, heiß, heißer Fliesen vor dem Kiosk
Rosa Schaumpilze fünf Pfennig das Stück
Oder Wassereis in Grün, Rot, Weiß

Fürs Nichtschwimmerbecken nur noch ein müdes Lächeln
Im großen Becken aber immer auf der Außenbahn
Den Beckenrand im Blick
Panik beim Getaucht-Werden
Beim Springen vom Ein-Meter-Brett
Peinliches Platschen
Der Fünf-Meter-Turm völlig ausgeschlossen

Rote Augen, roter Kopf
Die Beine bleiben käsig
Bewundernde Blicke
Für die anderen
Keine coole Nixe
Ein Schattengewächs
Das an anderer Stelle gedeihen wird