Monatsarchiv: Juli 2022

Malerei der Woche (30/2022)

Um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert bildete der Prager Hof Rudolfs II. eines der bedeutendsten Kunstzentren Europas. Der Kaiser sammelte nicht nur alle Arten von Kunstwerken, sondern zog mit eigenen Aufträgen Maler wie Arcimboldo oder Bartholomäus Spranger an seinen Hof. Spranger erwarb sich in Prag Ruhm durch Gemälde sinnlich-erotischer Götterliebschaften in einem unverwechselbaren Stil. Eines davon zeigt Maja, eine altitalische Frühlingsgöttin, mit ihrem Gefährten Vulkan, dem Gott des Feuers und der Schmiedekunst. Maja schmiegt sich lasziv räkelnd an ihren Geliebten. Das Engelchen in der rechten oberen Ecke wendet diskret den Blick ab.

Bartholomäus Spranger, Vulkan und Maja

Malerei der Woche (29/2022)

Die Königstochter Psyche war von solcher Schönheit, dass Liebesgott Amor sich unsterblich in sie verliebte. Er nähert sich ihr jede Nacht in menschlicher Gestalt und nimmt ihr das Versprechen ab, nicht weiter nach seiner Identität zu forschen. Psyche erwidert seine Liebe, wird aber von ihren neidischen Schwestern überredet, das wahre Wesen des geheimnisvollen Liebhabers herauszufinden, der womöglich eine verwandelte Schlange sei. Mit einem Dolch bewaffnet überrascht sie ihn daher im Schlaf und erkennt verzückt die schöne Gestalt des geflügelten Gottes. Diesen Moment hat Jacopo Zucchi für seine Darstellung gewählt und bereits den weiteren Verlauf der Ereignisse vorweggenommen: Ein Tropfen des heißen Öls aus der Lampe, die Psyche hochhält, fällt auf Amors Schulter, so dass dieser erwachen und Psyches Verrat bemerken wird.

Jacopo Zucchi, Amor und Psyche

Malerei der Woche (28/2022)

Laut griechischer Mythologie war Göttervater Zeus (Jupiter bei den Römern) sehr umtriebig und einfallsreich darin, sich schönen jungen Frauen anzubieten oder aufzudrängen. Der Königstochter Leda näherte er sich in Gestalt eines Schwanes und schwängerte sie. Allerdings schlief Leda in derselben Nacht auch mit ihrem Ehemann Tyndareos. In der Folge gebar Leda vier Kinder: Kastor, Polydeukes (Pollux) und Helena gelten als Kinder des Zeus, Klytaimnestra als Tochter des Tyndareos. Viele Darstellungen zeigen, dass die Kinder aus zwei Eiern schlüpfen, die Leda gelegt hat – so auch das Bild, das Francesco Melzi aus Leonardos Werkstatt zugeschrieben wird. In Mythen ist eben alles möglich.

Leda mit dem Schwan, um 1510

Malerei der Woche (27/2022)

Judith und Holofernes sind ein weiteres Paar, das in der Renaissance-Kunst oft dargestellt wird. Wobei Holofernes zumeist nur in Teilen zu sehen ist – im Bild von Andrea Mantegna ist es ein Fuß und der abgeschlagene Kopf. Judith, eine junge Witwe aus dem belagerten jüdischen Volk erbittet Zugang zum Zelt des feindlichen Generals Holofernes. Dieser ist von ihrem Liebreiz und ihrer Weisheit betört und wähnt sich in Erwartung einer Liebesnacht. Judith jedoch enthauptet ihn gemeinsam mit ihrer Magd, um ihr Volk zu befreien. Die Episode aus dem Alten Testament gilt als Symbol für den Sieg der Rechtschaffenheit gegen die Unterdrückung und gleichzeitig für die Gefahren der weiblichen List.

Andrea Mantegna, Judith und Holofernes (um 1495)

Malerei der Woche (26/2022)

Thema für die kommenden Wochen: in der (Renaissance-)Malerei häufig dargestellte Paare. Wir beginnen – selbstverständlich – mit Adam und Eva, hier in einer Darstellung von Jan Gossaert (um 1508).

Jan Gossaert, Adam und Eva (um 1508)