Archiv der Kategorie: Futter für Geist und Seele

Past to present

Bald hab ich Geburtstag. Da denkt man gerne mal zurück, wie’s früher so war, was man gemacht und gemocht hat und welche Dinge geprägt haben.  

Neben meinem Wellensittich und dem süßen Nachbarsjungen war meine dritte große Liebe in den Achtzigern Michael Jackson. Mit „Thriller“ hat er Geschichte geschrieben. Da war er noch in den Schlagzeilen, weil er als erster schwarzer Sänger ein enorm breites nicht-farbiges Publikum begeisterte (meistverkauftes Album aller Zeiten – so far), wegen seiner einmaligen Art sich zu bewegen (der legendäre Moonwalk, selbstverständlich mit leuchtend weißen Socken) und weil er Meilensteine in der Kunstform des Musikvideos gesetzt hat (allen voran mit „Thriller“). Die Veränderungen durch plastische Chirurgie waren noch äußerst moderat und von kleinen Jungs hat auch noch niemand gesprochen. Ich selbst war zu der Zeit 9, 10 und voll kindlicher Faszination.  

Pünktlich zum Einsatz meiner Pubertät kam „Bad“ auf den Markt und aus der kindlichen Faszination wurde extreme Teenage-Schwärmerei mit allem Drum und Dran. Für alle nicht-Infizierten in meinem Umfeld wahrscheinlich eine Qual. Höhepunkt: der Besuch seines Konzerts im August 1988 in Würzburg. Mein erstes Live-Konzert überhaupt – was für ein Erlebnis! In Ohnmacht gefallen bin ich nicht, das Ganze war eher eine ca. eineinhalb-jährige Trance. 

Das Album „Dangerous“ hab ich mir noch gekauft, die Begeisterung hielt sich jedoch die Waage mit der Enttäuschung über die teilweise wirklich schwachen Songs. Die Zeit des Zaubers war vorbei. Heute kommt am ehesten Mitleid auf, wenn ich was von Michael Jackson sehe oder höre. Und auch die Remix-Sachen zum 25. „Thriller“-Jubiläum sprechen mich nicht an.

Ich stehe jedoch nach wie vor uneingeschränkt auf die Originale. Mein all time favorite Michael song: „Billie Jean“. Dem Video merkt man an, dass es von „früher“ ist, der Song haut mich immer noch um.

 

Feel the Bass Line

Musik erzeugt Emotion. Wenn man kann und will. Es gibt Songs, die bringen mich zum Weinen, andere zum Singen und bei manchen kann ich nicht still halten.

Zum Beispiel bei dem hier: Seven Nation Army von den White Stripes. Der Bass ist unwiderstehlich. Ich freu mich immer wahnsinnig, wenn das im Club gespielt wird. Ruiniert jegliche zuvor vorhandene Frisur, macht aber unglaublich viel Spaß! Go try it.

Keiner wie der andere? – José Saramago: Der Doppelgänger

Der portugiesische Schriftsteller José Saramago wurde 1922 geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. 1998 wurde er mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Ich habe bisher zwei Bücher von ihm gelesen: „Das Zentrum“ und „Der Doppelgänger“.

José Saramago kommt wundersamerweise nur mit Punkt und Komma aus, er verwendet keine weiteren Satzzeichen, auch nicht für Dialoge. Absätze sind ihm ebenso weitgehend fremd. Dennoch – oder vielleicht gerade deswegen – empfinde ich seine Schreibweise als fließend und kontinuierlich. Man sollte allerdings aufmerksam und entspannt sein beim Lesen, um nicht den Faden zu verlieren.

Die Hauptfigur in „Der Doppelgänger“ ist Tertuliano Máximo Afonso, ein freudloser Lehrer Ende Dreißig, vor Jahren geschieden, seit einigen Monaten in einer belanglosen Affäre, die er hauptsächlich aus Bequemlichkeit aufrechterhält, frustriert von Schülern, Schulsystem und dem Leben im Allgemeinen. Ein Kollege rät ihm, sich zur Unterhaltung doch einmal einen Film aus der Videothek zu leihen, „Wer Streitet, Tötet, Jagt“ könne er durchaus empfehlen. Als Tertuliano Máximo Afonso in diesem Film in einer kleinen Nebenrolle einen Schauspieler entdeckt, der ihm zum Verwechseln ähnelt, beginnt eine schleichende Obsession. Tertuliano Máximo Afonso will diesen Mann aufspüren, der aussieht wie er selbst. Und als er ihn findet, stellen sie fest, dass sie sich bis aufs Letzte gleichen. Wer hat das Vorrecht auf Originalität? Ist Platz für zweimal denselben Menschen?

Auch wenn es nicht jeder zugibt: fast alle Menschen freuen sich an ihrer Individualität, an ihrer Einmaligkeit. Ja, vielleicht hat jemand anderes eine ähnliche Stimme wie ich. Vielleicht hat ein anderer die gleiche Frisur oder eine ebenso entzückende Nase. Aber niemand ist genau wie ich. Was würde passieren, wenn man dieses Privileg plötzlich verlöre? Verliert man dadurch auch seine Persönlichkeit, sich selbst? Als minutiöser Beobachter des Tertuliano Máximo Afonso erhält der Leser eine der vielen möglichen Antworten auf diese Fragen. „Der Doppelgänger“ war bestimmt nicht mein letztes Buch von Saramago.

Steig doch einfach mal aufs Lehrerpult!

Habe kürzlich seit langem einmal wieder „Dead Poets Society“ (Club der toten Dichter) von Peter Weir gesehen; mit Robin Williams als charismatischem Lehrer einer Privatschule der 50er Jahre. Als der Film in die Kinos kam, war ich ungefähr so alt wie die Jungs im Film. Ideal! 

Neben der Carpe Diem-Sache (also Nutze den Tag oder freier übersetzt: Mach was aus deinem Leben) hat der Film für mich noch eine zweite sehr wertvolle Botschaft. Es geht darum, die Welt bewusst aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen. Williams steigt dazu im Film auf sein Lehrerpult. Er fordert die Schüler auf, dies auch zu tun. Die Message: Übernehmt nicht einfach die Sichtweise der anderen. Betrachtet die Sache aus einem anderen Blickwinkel noch einmal neu. Denkt nach, um eure eigene Meinung zu bilden. Und habt keine Angst davor, einen anderen Standpunkt zu vertreten. 

Erst zögerlich, dann zunehmend mutiger, steigen die Schüler nacheinander alle auf das Pult und liefern damit die Grundlage für die ergreifende Schlussszene (ja, ich musste auch diesmal wieder weinen). 

Für mich geht die Sache noch ein ganzes Stück weiter: Steig doch wirklich mal aufs Lehrerpult (oder ein vergleichbares Möbelstück, das zu Hand ist; vielleicht dein Schreibtisch oder dein Stuhl im Büro). Die Welt sieht tatsächlich anders aus. Das kann dir helfen, wenn du bei einer Sache nicht weiter kommst, wenn dein Denken und Handeln festgefahren sind. Ein neuer Blickwinkel kann neue Impulse bringen. Gibt es einen Aspekt, den du bisher nicht beachtet hast? Eine Möglichkeit, die du noch nicht in Betracht gezogen hast?  

Und es kann auch dazu beitragen, andere Leute besser zu verstehen. Versetze dich in die Lage der anderen. Wie sieht die Sache für sie aus? Welche Voraussetzungen und Bedingungen gelten für sie? Was sind ihre Ziele und Interessen? Sobald du ein Verhalten verstehst, kannst du auch besser damit umgehen. 

Ein Tipp für die Anwendung in der Praxis, falls du befürchtest, für völlig durchgeknallt gehalten zu werden: Perspektiven-Klettern im Büro kannst du leicht dadurch tarnen, dass du z.B. Kalender oder wichtige Ausdrucke recht weit oben an der Wand anpinnen willst oder oben auf dem Schrank etwas suchen musst. J 

In diesem Sinne: O Captain, my Captain! Ja, ich werde meinen Kopf benützen! Und da sag noch einer, man könne aus Hollywood-Filmen nichts fürs Leben lernen.

 

A Tribute to … Tori Amos

Tori Amos’ Musik dreht sich um Frauen: wie sie von Männern und der Familie behandelt werden, wie sie von der Gesellschaft und Religion gesehen werden und auch davon, wie sie sich untereinander verhalten. Und man kann nicht gerade behaupten, dass sie ein überzuckertes Bild malt.

1992 habe ich ihr erstes Album „Little Earthquakes“ kennen gelernt. Damals war ich grade 18 und sehr empfänglich und dankbar für musikalisch-emotionale Unterstützung bei der weiblichen Identitätsfindung. Und mal ehrlich, daran hat sich nichts geändert.

Durch die Studienzeit haben mich die Nachfolgealben „Under the Pink“, „Boys for Pele“ und „From the Choirgirl Hotel“ begleitet. Danach habe ich Tori für ein paar Jahre aus den Augen verloren, wie das mit alten Freunden eben manchmal so ist.

2005 habe ich sie mit dem Album „The Beekeeper“ wieder gefunden. Ihr neuestes Werk ist im April 2007 erschienen: „American Doll Posse“.

Tori Amos’ Musik ist kraftvoll, direkt und kompromisslos. Ihre Stimme und ihr Klavierspiel sind fesselnd. Ich glaube nicht, dass jemand anderes auch nur annähernd so das Klavier spielt wie sie.

Und obwohl oder gerade weil ihre Texte für mich teilweise unverständlich sind, senden ihre Lieder mir wichtige Botschaften. (Ich weiß, der Satz klingt, als müsste ich vielleicht professionelle Hilfe in Anspruch nehmen… ich lass ihn trotzdem so stehen.)

Auf YouTube gibt’s einiges von Tori. Für den Einstieg eignet sich ein Lied aus dem Jahr 1996 vom Album „Boys for Pele“: „Caught a Lite Sneeze“.

All Time Favorite: Friends

Man mag über die USA denken, was man will. Einige Dinge von dort machen einfach viel Spaß. Wie zum Beispiel die Sitcom Friends. Die Serie lebt vom unwiderstehlichen Charme der sechs Hauptcharaktere. Sie sind originell, sympathisch und trotz (oder grade wegen) ihrer Überzeichnung authentisch.  

Nach wenigen Folgen hat man das Gefühl, die Sechs genauso gut zu kennen und so gern zu mögen wie die eigenen realen Freunde – und das ist üblicherweise der Moment, in dem man einer Serie verfallen ist. Ich hab mich nicht gewehrt.  

Friends ist ideal zum Entspannen und Lachen, aber niemals platt. Ich schau’s am liebsten im Amerikanischen Original. 

Haruki Murakami: Kafka am Strand

„Kafka am Strand“ ist ein über 600 Seiten langer Roman des japanischen Schriftstellers Haruki Murakami. Hauptfigur ist der 15-jährige Kafka Tamura, der von zu Hause wegläuft, um einer unheilvollen Prophezeiung zu entfliehen. Sprechende Katzen, regnende Sardinen und magische Steine sind selbstverständlicher Teil der Welt in diesem Roman. Im Grunde geht es um die großen Dinge im Leben: Liebe, Freundschaft, Mut, Vertrauen, die Suche nach sich selbst.  

An diesem Buch begeistert mich Mehreres: Die leichte und elegante Sprache, die das Lesen so einfach macht und die traumhaften Welten ebenso plausibel und real erscheinen lässt wie die Wirklichkeit. Eine fesselnde Handlung mit vielfältigen lebendigen Charakteren und spannenden parallelen Erzählsträngen, die am Ende ganz natürlich zusammenlaufen. Und vielleicht sogar am schönsten: die vielen kleinen und großen philosophisch-spirituellen Ideen, die in diesem Buch stecken. Zum Beispiel diese: 

Unsere Verantwortung beginnt in der Vorstellung. Yeats hat einmal geschrieben: „In dreams begin responsibilities.“ – und genauso ist es. Umgekehrt kann kein Verantwortungsgefühl entstehen, wo es keine Fantasie gibt.  

Dieses Buch wirkt über die Lesezeit hinaus. Wer sich darauf einlässt, kann viel mitnehmen. Probiert es einfach aus. 

The Police und die neue Generation

Samstagabend habe ich im Olympiastadion in München The Police kennen gelernt. Natürlich kannte ich sie schon vorher (ich war ja auch bereit einen stolzen Preis für das Ticket hinzulegen), ich hatte sie nur nie richtig als Gruppe wahrgenommen. The Police war einfach die Band, in der Sting war, bevor er Solokarriere machte.

Dass Stewart Copeland und Andy Summers ebenso begnadete Musiker sind, war mir nicht klar. Sind sie aber und zusammen waren die Drei einfach großartig. Man hat ihnen angemerkt, dass sie richtig Bock darauf haben, nach 30 Jahren noch mal ordentlich zu rocken. Und das haben sie auch getan.

Für mich wieder so eine der Gelegenheiten, mich komplett lebendig zu fühlen: Ich hab mir streckenweise beim Mitsingen die Seele aus dem Leib gebrüllt, teilweise stand ich aber auch nur mit großen Augen und Ohren da und hab die Musik gespürt.

Hier ein Mitschnitt von „Wrapped Around Your Finger“ aus Amsterdam, den fand ich gelungen:

Im Vorprogramm gab’s eine Band namens Fiction Plane. Wie ich heute herausgefunden habe, ist der Frontmann kein anderer als Stings Sohn. Gar nicht schlecht (and he’s good looking, too!):

Futter für Geist und Seele: Musik- und Lesetipps – Maria Mena

Willkommen bei einer neuen Kategorie! Hier möchte ich mit euch aus meiner Sicht lohnenswerte Literatur und Musik teilen.  

Den Start mache ich mit meiner neuesten musikalischen Entdeckung: Maria Mena. Eine Sängerin aus Norwegen; jung, hübsch und tiefgehend gefühlvoll. Ihre Musik ist eingängig, aber alles andere als oberflächlich. Hauptthema: Liebe (glücklich und unglücklich). 

Ich habe mir gleich zwei Alben von ihr gekauft: das aktuelle („Apparently Unaffected“) und eins aus dem Jahr 2004 („White Turns Blue“). Ich finde beide sehr gut. 

Wer das Tanzbein schwingen möchte, sollte lieber zu etwas anderem greifen. Doch wer sich von einer sanften Stimme entführen lassen will, ist bei Maria Mena genau richtig. Musik, die tief berührt, wenn man mit offenem Herzen zuhört. 

Auf sie gestoßen bin ich, als ich das Video zu „Just Hold Me“ zufällig auf MTV (ja, auf den Musiksendern kommt manchmal auch noch Musik) gesehen habe. Der Song hat mich gleich beim ersten Hören eingefangen. Und dann hat Amazon sie mir auch noch empfohlen. Da war die Sache klar.