Archiv der Kategorie: Futter für Geist und Seele

Drei Kurzurlaube im Herbst – Erster Streich: Tegernsee

Dreimal waren wir im September und Oktober übers Wochenende in Richtung Alpen verreist. Das Wetter meinte es insgesamt gut mit uns. Nicht nur blieben wir vor den Herbststürmen verschont, sondern konnten sogar ein paar Sonnenstrahlen genießen.

Am Tegernsee

Nach der Ankunft: Kaffee und Kuchen (nicht im Bild) auf der Sonnenterrasse des Hotels mit Blick auf den See.

Samstags ein Spaziergang am Seeufer des Städtchens Tegernsee und eine Rundfahrt mit dem Schiff (inkl. bierseliger Junggesellenabschiedsgesellschaft mit bairischer „Musi“ aus dem Smartphone, nicht im Bild).

Sonntags tiefhängende Wolken, Spaziergang im Nieselnebel, danach ausgiebiger Besuch im liebevoll gestalteten Museum Tegernseer Tal (nicht im Bild).

Zum Abschied am Montagmorgen Sonne überm See. Heimfahrt mit der Bahn (nicht im Bild).

Münchner Konzert oder: Tori, please come back soon!

Nach einem Tag voller Vorfreude ist es am Samstag um 20:00 Uhr soweit. Die Vorband „Bell X 1“ betritt die Bühne der Philharmonie im Gasteig. Die drei jungen Männer aus Irland zaubern mit ihren Akustik-Gitarren wunderbar melancholische Lieder, die das Publikum begeistern. Obwohl ich wie alle anderen auf Tori warte, hätte ich den Dreien gerne noch länger zugehört.

Nach einer Pause für den Bühnenumbau betritt Tori Amos die Bühne, in High Heels und wehendem Gewand, und sofort bin ich in ihren Bann geschlagen. Die ersten Takte klingen noch einen Tick übersteuert, Toris Stimme ein klein wenig kratzig, aber das legt sich schnell und ich habe das Gefühl, mich in diese Musik hineinlegen zu können. Ich kann mich fallen lassen und diese Musik wird mich auffangen wie eine weiche Wolke und sie wird mich tragen, wohin ich will, weil sie weiß, was ich will, was ich brauche.

Tori Amos schafft, was auch jede Autorin schaffen möchte: Sie weckt Emotionen beim Publikum. Ihre Lieder berühren tief, mal sanft, mal packen und reißen sie dich, sie lassen Tränen fließen, wecken positiven Zorn, entfesseln Energie.

Tori Amos‘ Musik gefällt nicht jedem. Aber für diejenigen, die für sie empfänglich sind, für die kann sie zum kostbaren Lebenselixier werden. Für mich ist es so. Nach guten eineinhalb Stunden verlasse ich den Saal und fühle mich leicht, beflügelt, glücklich.
Dear Tori, please come back soon!

 

 

 

Münchner Spaziergang oder: Tori, ich komme!

Tori Amos kennt nicht jeder. Mein Leben begleitet die US-amerikanische Musikerin seit 25 Jahren. Letzten Samstag mache ich mich auf, sie zum dritten Mal live zu sehen, in der Philharmonie im Münchner Gasteig. Selbst ein Schrecknis wie das Oktoberfest hält mich nicht ab.

Solch ein besonderer Tag will bewusst erlebt werden und so lege ich den Weg vom Hauptbahnhof zum Hotel nahe des Gasteigs zu Fuß zurück.

Vom Bahnhof aus am Landgericht vorbei in einer Herde Menschen über eine lärmende Straße zum Stachus.

Mit der Menge die Neuhauser Straße entlang, an mehr oder weniger einladenden Läden und Verkaufsständen vorbei. Relative Ruhe in der Bürgersaalkirche.

Kurz darauf in die Kirche St. Michael. Dort bekreuzigt sich die Reinigungsfrau im blauen Kittel, bevor sie auf den Altar klettert, um die Kerzenständer zu putzen.

Die Frauenkirche bleibt links liegen.

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Auf dem Marienplatz findet die Wies’n Vegan statt. Ein engagierter Mann am Mikro fordert dazu auf, die Rechte der Tiere zu achten.

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Ich schlängele mich an bierseligen jungen Männern in Lederhosen und karierten Hemden vorbei, gehe weiter, unterm Bogen des Spielzeugmuseums hindurch ins „Tal“…

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…weiter bis zum Isartor, wo Plakate fürs Karl Valentin- und Liesl Karlstadt-Museum werben.

Über eine weitere lärmende Straße, dann vorbei am Patentamt…

… bis zur Ludwigsbrücke, über die Isar, vorbei an der Rückseite des Deutschen Museums…

… und dem Müller‘schen Volksbad zum Kulturzentrum Gasteig.

Nur noch ein paar vorfreudige Stunden bis Konzertbeginn! Dazu dann im nächsten Post.

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Mein Erlanger Poetenfest 2017

foto0885.jpgSchönstes Sommerwetter zum dritten Mal in Folge, die einmalig entspannte Atmosphäre im Schlossgarten und ein exzellentes Programm – was will man mehr?

Hier meine persönlichen Highlights.

Fatma Aydemir: Ellbogen
Die 17-jährige Deutsch-Türkin Hazal kämpft mit dem Erwachsenwerden, sucht nach ihrer Identität. Die Anforderungen der Eltern will sie nicht erfüllen, in der deutschen Gesellschaft fühlt sie sich nicht zugehörig. Der Erzählstil ist rau und rasant.

Theresia Enzensberger: Blaupause
Luise Schilling beginnt 1926 am Bauhaus Architektur studieren. Der Vater will sie lieber auf der Hausfrauenschule sehen und Walter Gropius schickt sie und die anderen Studentinnen an die Webstühle. Eine Emanzipations- und Zeitgeschichte.

Julia Wolf: Walter Nowak bleibt liegen
Walter Nowak hält sich mit täglichem Schwimmen fit, denn dass er nicht mehr der Jüngste ist, will er nicht wahrhaben. Eines Tages jedoch bleibt Walter Nowak liegen, und zwar auf seinem eigenen Badezimmerboden, bewegungsunfähig. Sprachlich spannend, rhythmisch komponiert und sehr gut vorgetragen.

Kathrin Groß-Striffler: Eine Tasse Tee
„Eine Tasse Tee“ ist ein Erzählband. In „Die Hexe“ geht es um ein junges Mädchen, das zur Dorf-Clique gehören will, obwohl es weiß, dass das, was die anderen tun, nicht richtig ist. Ruhig und berührend erzählt.

Emilia Smechowski: Wir Strebermigranten
Perfekte Integration bis zur Verleugnung der ursprünglichen Identität. So lebt die Familie von Emilia Smechowski, die 1988 aus Polen in die Bundesrepublik migriert. Nun erzählt die Autorin in ihrem autobiografischen Roman davon.

Franzobel: Das Floß der Medusa
1816 läuft die französische Fregatte Méduse auf Grund und droht zu sinken. Weil viel zu wenige Rettungsboote an Bord sind, wird ein Floß gebaut, das 149 Menschen aufnimmt. 15 überleben. Franzobel verarbeitet die Ereignisse in einem Roman. Nichts für zarte Gemüter!

Sasha Marianna Salzmann: Außer sich
Die Geschichte einer Familie, russisch, jüdisch. Poetisch und humorvoll erzählt und wunderbar vorgetragen. Schon nach wenigen Minuten werden die Figuren lebendig und man will mehr über sie erfahren.

Ulla Hahn war leider erkrankt. Auf den vierten Teil von Hilla Palms Geschichte („Wir werden erwartet“) freue ich mich trotzdem schon sehr.

Am Sonntagabend zum krönenden Abschluss das Autorenporträt mit Michael Köhlmeier im Markgrafentheater. Ein sehr sympathischer Mensch, ein hervorragender Autor und ein begnadeter Erzähler. Es ist eine Freude, ihm zuzuhören. Meinetwegen hätte das Gespräch mit Verena Auffermann auch drei Stunden länger dauern dürfen.

Danach beseelt vom großen Glück der Literatur entspannt nach Hause geradelt. Was will man mehr?

Familiengeschichten für den Sommer: „Hertzmann’s Coffee“ von Vanessa F. Fogel und „Der leuchtend blaue Faden“ von Anne Tyler

Fogel und Tyler erzählen von Familien: Von Eltern, Kindern, Geschwistern und Großeltern, von ihrer Verbundenheit und Liebe, von ihren Problemen und Konflikten, von ihren Geheimnissen und Eigenheiten, von ihren Sehnsüchten und Ängsten, von Erfolgen und Schicksalsschlägen.

In „Hertzmann’s Coffee“ findet Yankele Hertzmann, es sei an der Zeit, das höchst erfolgreiche Kaffeegeschäft, das er nach dem Zweiten Weltkrieg mit seiner Frau Dora aufgebaut hat, an seine Kinder zu übergeben. Allerdings sind die sich gar nicht grün. Yankeles Sorge um die Zukunft des Geschäfts und vor allem seiner Familie lässt ihn nachts nicht schlafen, und diese Schlaflosigkeit führt ihn weit zurück in eine schmerzhafte Vergangenheit.

In „Der leuchtend blaue Faden“ lernen wir die Whitshanks kennen. Abby Whitshank ist eine engagierte Sozialarbeiterin, ihr Ehemann Red führt das familiäre Bauunternehmen. Ihre vier Kinder haben sie in dem Haus großgezogen, das Reds Vater gebaut hat. Dieses Haus ist der Mittelpunkt der Familie. Doch Abby und Red werden immer älter, die Kinder führen ihre eigenen Leben. Was hält sie noch zusammen? Und was wird aus dem Haus, das viel zu groß geworden ist?

Beide Romane fließen in ruhigem Fahrwasser, behandeln ihre Charaktere mit Respekt und leben von der Tiefe, die im Alltäglichen steckt. Leichte, aber keine oberflächliche Lektüre für den Sommer – oder eine andere Jahreszeit.

Azoren-Haikus – Teil 6

XVI: Furnas
Ort im grünen Tal
Die Kraft des Vulkans hilft beim
Kochen und Baden

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XVII: Salto do Pedro
Wasser klar und kalt
rauscht sprühend hinunter den
Wasserfall im Wald

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XVIII: Letzter Tag
Heimisch fühlst du dich
Freust dich über Erlebtes
Packst deinen Koffer

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Azoren-Haikus – Teil 5

XIII: Zum Pico do Ferro
Aufstieg matschig, steil
Weiden, Wiesen, Hochplateau
Hinab durch den Wald

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XIV: Azoren-Ananas
Dein Duft lockt, verheißt
Fruchtfleisch reif, mild, saftig, süß
Stück für Stück Genuss

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XV: Aufstieg zum Pico da Vara
Kühe, Windräder,
Hochmoor, steinig-nasser Weg
zum höchsten Gipfel

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Azoren-Haikus – Teil 4

X: Parque Terra Nostra in Furnas
Bäume hoch und alt
Schattiges Grün, Blüten bunt
Zwitschern nah und fern

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XI: Lagoa das Furnas mit Caldeiras
Um den Kratersee:
Heiße Quellen, Schwefeldampf,
beschaulicher Weg

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XII: Ein Bad im Terra Nostra-Thermalbecken
Warm, so herrlich warm
Ockergelb, leicht schwefelig
Die Welt vergessen

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Azoren-Haikus – Teil 3

VII: Aufstieg zum Lagoa do Fogo
Wald von Wolken nass
Levada einsam und klar
Möwen um den See

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VIII: Umwanderung Pico de Mafra
Vogelzwitschern und
Meeresrauschen auf dem Weg
um den Bergkegel

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IX: Capelas
Walfang lang passé,
wie die Fischerei. Meerblick
nur noch Vergnügen

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Azoren-Haikus – Teil 2

IV: Lagoa Azul und Lagoa Verde
Rund um den Krater
Blick von oben auf zwei Seen:
Tränen blau und grün

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V: Ruhetag
Lesen, viel lesen
Spatzen und das Rotkehlchen
kommen zu Besuch

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VI: Teeplantage Chá Gorreana
Wie ein Teppich grün
legen sich die Teehecken
sanft den Hang hinauf

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