Archiv der Kategorie: Gedanken aus der Besteckschublade

Zuhause

Der Geruch nach Schmieröl und abgestandener Untergrundluft, der dir beweist, dass du wirklich wieder hier bist. Die riesigen Parks mitten in der Stadt, in denen du dich mit einem Buch unter einen Baum setzen oder auf dem Rasen einfach ein Nickerchen machen kannst. Die Starbucks Filialen an jeder zweiten Ecke, die dich zuverlässig mit Café Latte und dem smoothie of the month versorgen. Die Museen und Kunstgalerien, in denen du dich in vergangenen Welten verlieren kannst. Die herrlichen Gebäude, alt und modern, prächtig und verborgen, die es immer wieder neu zu entdecken gilt. Der Trubel in den Einkaufsstraßen, der dich an überraschende Orte bringt, wenn du dich einfach mittreiben lässt. Das Gefühl, durch die Straßen zu laufen und einfach zu wissen, dass du hier hin gehörst. 

Die Tatsache, dass du noch hundertmal herkommen oder auch den Rest deines Lebens hier verbringen könntest, in der Gewissheit, dass es immer noch etwas Neues und Großartiges zu entdecken geben wird. In welcher anderen Stadt schon könnte man in einem Moment vor einem da Vinci stehen und im nächsten beim weltgrößten Kokosnuss-Orchester mitmachen?

Zur Sache, Schätzchen!

Wenn das Single-Sein einen Vorteil hat, dann den, dass man ohne schlechtes Gewissen und große Umstände vielfältige und umfangreiche sexuelle Erfahrungen sammeln kann. Ich habe dabei ein paar interessante Antworten gefunden. Wie alle Antworten basieren sie auf dem momentanen Wissensstand und können durch nachfolgend gewonnene Erkenntnisse modifiziert werden.  

Etwas Grundlegendes zu Beginn: Muss man jemanden lieben, um richtig guten Sex zu haben?

Nein, muss man nicht. Um richtig guten Sex zu haben, braucht es ein gewisses Grundvertrauen in den anderen, um sich entspannen und gehen lassen zu können. Dafür muss die Chemie stimmen, es muss funken, man muss locker sein und auch im Bett miteinander lachen können. Es darf keinen Leistungsdruck geben, man darf weder sich selbst noch dem anderen etwas beweisen wollen. Das sind die Voraussetzungen für guten Sex. Liebe nicht. 

Und jetzt mal ganz ehrlich: Macht es wirklich keinen Unterschied, ob man jemanden liebt?

Doch, natürlich. Wenn Liebe im Spiel ist, geht der Sex einfach ein ganzes Stück tiefer. Es wird nicht nur der Körper berührt, sondern auch die Seele. Ich glaube, das erlebt man nicht mit vielen Menschen. Sex mit und ohne Liebe, das sind einfach zwei komplett verschiedene Dinge.  

Der Klassiker unter den Fragen: Spielt die Größe eine Rolle?

Etwas, aber entscheidend ist sie nicht. Lustigerweise funktioniert hier ein Vergleich mit Autos sehr gut. Die Größe ist ungefähr so wie die Stärke des Motors. Für eine aufregende Fahrt sind viele PS hilfreich, aber wer damit nicht umzugehen weiß, kann mehr Schaden anrichten als Spaß erzeugen. In versierten Händen gewährleistet ein starker Motor allerdings ein unvergessliches Erlebnis. Und für die Kleinwagenbesitzer: Auch damit kann man richtig viel Fahrspaß haben, wenn man weiß, wo’s langgeht.        

Immer gut zu wissen: Was ist die größte Todsünde im Bett?

Ganz eindeutig: Wenn er dabei die Socken anlässt. Es kann drei Gründe geben, warum ein Mann beim Sex die Socken anlässt. Zwei davon führen direkt in die Todsünde, nur der dritte befreit.

Grund 1: Bequemlichkeit. „Ach, wozu die Mühe, die stören doch nicht, geht doch auch so.“ Weit gefehlt! Bequemlichkeit ist hier gleichbedeutend mit einer gewissen Respektlosigkeit und fehlender Wertschätzung. Das ist nicht, was Frauen wollen.

Grund 2: Kalte Füße oder die Sorge darum. Geht auch gar nicht. Der bevorstehende Sex sollte die Durchblutung soweit fördern, dass die Füße warm werden oder bleiben. Wenn er das nicht tut, kann der Kerl den Rest auch gleich wieder anziehen und sich hinter seinem warmen Ofen verkriechen.

Grund 3 (der einzige, der vor der Todsünde bewahrt): Fehlende Zeit zum Ausziehen, weil’s schnell drunter und drüber geht. Na gut, das kann schon mal vorkommen und ist zu verzeihen. Und Jungs, bitte macht euch keine falschen Hoffnungen! Jede Frau weiß, wann Grund 3 vorliegt. 

Auch sehr spannend: Was macht eine Nacht zu etwas Besonderem?

Es können ganz unterschiedliche Dinge sein, die das Besondere ausmachen, und nur ganz selten ist es der Orgasmus. Es kann zum Beispiel dieses umwerfend ehrliche, kindlich unschuldige Lächeln auf seinem Gesicht sein, kurz bevor es losgeht. Oder wenn er es schafft, dass du außer ihm nichts anderes mehr spürst, siehst und hörst und es auch nicht willst. Oder wenn ihr hinterher einfach so liegen bleibt und er dir wie selbstverständlich den Nacken krault. Oder wenn er dich so ansieht und berührt, dass du weißt, er würde jederzeit wieder durchs halbe Land fahren um eine Nacht mit dir zu verbringen. Es sind einfach die Dinge, die  dich beim Erinnern lächeln lassen. 

Oh ja, wenn das Single-Sein einen Vorteil hat, dann den, dass man problemlos viele Erfahrungen machen kann. Meine Abenteuer haben mir bisher keine neue Liebe gebracht, aber sie haben mir dabei geholfen, einiges über meine Vorlieben, Bedürfnisse, Erwartungen und Wünsche herauszufinden. Und nebenbei: Spaß macht es auch.

Watch out!

Erinnerungen können wie Meuchelmörder sein. Sie beobachten dich aus dem Hinterhalt und in dem Moment, in dem du es am wenigsten erwartest, strecken sie dich nieder. Und wenn sie mit dir fertig sind, lassen sie dich nach Hilfe röchelnd in einer dunklen Gasse liegen. Es ist ihnen egal, ob du dich wieder aufrappelst oder zugrunde gehst. 

Das sind natürlich nicht die Erinnerungen an fröhliche Kindergeburtstage oder den Schuhkauf vom letzten Samstag. Es sind die Erinnerungen an Niederlagen, Peinlichkeiten oder am allerliebsten an unglückliche Liebesgeschichten. Je echter die Liebe und je ungewollter das Ende, umso hartnäckiger die Erinnerungen. 

Was tut man mit solchen Erinnerungen? Jeder, der es schon mal ausprobiert hat, weiß, dass vergessen nicht klappt. Je mehr man sich bemüht, umso tiefer gräbt sich die scharfe Klinge ins Fleisch. Was man tun sollte, ist versuchen, Frieden zu schließen. Nicht mit der Erinnerung, sondern mit dem Ereignis, der Person, den Umständen, die dahinter stecken. Wenn das gelingt, sind die Erinnerungen weitgehend entwaffnet und werden überwiegend harmlos. Der Friedensschluss ist manchmal leichter als erwartet, häufig kostet er viel Kraft und in einigen Fällen ist er tatsächlich unmöglich. Dann ist es ein guter Weg, sich jemandem anzuvertrauen, der einem hilft, die Wunden zu versorgen. 

Aber Achtung! Vertraue dem Frieden nicht blind! Es ist schon manch einer mit dem Dolch im Rücken neben dem Verhandlungstisch gefunden worden.

Hilfe, ich brauche niemanden!


Es reicht nicht zu wollen. Es reicht nicht es sich zu wünschen. Wenn es sich nicht richtig anfühlt, wird nicht gesprungen.

Manchmal glaube ich, das ist Problem ist, dass ich selbst alles kann, was ich im Leben brauche. Ich verdiene okay viel Geld und schaffe es, nicht gleich alles wieder auszugeben. Ich kann kochen, Wäsche waschen und die Wohnung einigermaßen sauber halten. Ich kann planen, Entscheidungen treffen und Probleme lösen. Ich kann nicht nur Glühbirnen austauschen, sondern auch Löcher in Wände und die Decke bohren und elektrische Lampen anbringen. Ich kann alleine durch ein fremdes Land reisen und fühle mich sehr wohl dabei. Ich bin auf niemanden angewiesen. Da muss also schon einiges passieren, wenn es etwas Dauerhaftes werden soll.

 

Es muss mir die Sprache und den Verstand rauben. Mich so verrückt machen, dass ich alle Vorsicht und Verteidigung vergesse. Es muss mich durch die Luft wirbeln und zu Boden werfen, ohne mir die Knochen zu brechen. Muss mich so hungrig machen, dass ich nicht mehr schlafen will. Es muss meinen Geist und meine Seele überwältigen, so dass ich die Unendlichkeit spüren kann.

Es muss mich so tief berühren, dass mir klar wird, dass ich vielleicht doch jemanden brauche. Ich freue mich darauf.

 

Die gute alte Liebe

Die Liebe ist mächtig und mitunter gnadenlos. Hier sind drei ihrer Gesichter.

Ach so, man möge mir den Schmalzfaktor des Textes verzeihen, ich war irgendwie in so einer nostalgischen Jahreswendenstimmung, als ich ihn geschrieben habe. 🙂

Liebe – verloren 

Von Begeisterung & Hingabe
zu Innigkeit & Harmonie
zu eigenen Wegen & Trennung

Wann haben sie angefangen, ihre Liebe zu verlieren?
Als er in eine andere Stadt zog?
Als sie den neuen Job annahm?

Vielleicht.

Die Liebe ging verloren, doch die Freundschaft bleibt.

Liebe – unmöglich 

Von Schwärmerei & Leidenschaft
zu Gleichklang & Magie
zu Vernunft & Abstand

Warum war ihre Liebe unmöglich?

Weil er nicht frei war für sie?
Weil sie keine Kraft mehr hatte? 

Vielleicht.

Die Liebe war unmöglich, doch das unsichtbare Band bleibt. 

Liebe – zurückgewiesen

Von Neugier & Spiel
zu Sehnsucht & Hoffnung
zu Enttäuschung & Schmerz

Warum wurde die Liebe zurückgewiesen?  Weil er nicht offen für sie war?
Weil sie sich nicht weiter bemühen konnte?

Vielleicht.

Die Liebe wurde zurückgewiesen, was bleibt ist die Erfahrung.

Spring!

Wenn man sich zu etwas hingezogen fühlt, vor dem man gleichzeitig Angst hat, spricht der Psychologe von einem Aufsuchen-Meiden-Konflikt. Ein Objekt wird gleichzeitig angestrebt (Aufsuchen-Tendenz) und gefürchtet (Meiden-Tendenz). Ein klassisches Beispiel ist der Fallschirmsprung. Oder ein wichtiges Testergebnis in einem Briefumschlag. Und bei manchen Menschen auch eine Liebesbeziehung. 

Wer lange genug single war, wird sich ehrlich nach einem festen Partner, Vertrautheit und Nähe sehnen. Doch der Gedanke an eine Beziehung kann gleichzeitig ein Gefühl schleichender Panik auslösen. Die Dämonen Verpflichtung und Verletzlichkeit stimmen einen Chor an mit den Geistern Abhängigkeit und Selbstaufgabe, der das zarte Lied der zweisamen Glückseligkeit schnell übertönen kann. 

Eine Handlungsmöglichkeit ist, genau solchen Menschen die Bereitschaft für eine Beziehung zu signalisieren, bei denen man sicher sein kann, dass sie nicht wollen oder können. Es ist angenehm ungefährlich, jemandem zu sagen: Ich will mit dir zusammen sein, von dem man weiß, dass er in eine andere verliebt ist, oder der gerade dabei ist, in ein Flugzeug nach Übersee zu steigen. Natürlich ist die Zurückweisung schmerzhaft und gar nicht gut fürs Ego, aber man vermeidet es, sich der Angst, dem Konflikt zu stellen. 

Knifflig wird es, wenn man jemandem begegnet, der tatsächlich ernsthaft interessiert ist. Hier entgeht man der Auseinandersetzung, indem man die Flucht ergreift und wegläuft.  

Das Resultat ist gleich: man bleibt allein. Daran ist grundsätzlich nichts Schlechtes. Aber man nimmt sich selbst die Gelegenheit zur Weiterentwicklung. Wer die Angst überwinden und den Konflikt lösen will, muss allen Mut zusammen nehmen. Darf weder weg- noch andauernd zu den Falschen hinlaufen. Muss sich auf das Ungewisse einlassen. Den Sprung wagen. 

Ich glaube, es ist an der Zeit.

Mr. Right oder Herr Griffbereit?

Wenn die letzte feste Beziehung in so weite Ferne gerückt ist, dass du das Gefühl hast, sie hätte in einem früheren Leben stattgefunden, kannst du schon mal auf komische Gedanken kommen. Zum Beispiel auf den: Es ist besser, mit jemanden, irgendjemandem zusammen zu sein als mit niemandem. Und den: Es muss ja nicht unbedingt der Traummann sein, Kompromisse muss man doch sowieso in jeder Beziehung machen. Es würde schon reichen, wenn er einigermaßen zu mir passt und ich ihn gut leiden kann.

Allen, die jetzt sagen, ja klar, genau so ist es, und dabei an ihren Eheringen drehen, sei ihr Frieden gegönnt.

Doch denen, die auf der Suche sind, möchte ich raten: Haltet nicht Ausschau nach Jemandem, sondern nach dem Richtigen. Mit Jemandem, der nicht der Richtige ist, zusammen zu sein, macht die Einsamkeit größer als allein zu bleiben.

Die Glücklichen, die schon einmal einen Menschen von Herzen geliebt haben und zurück geliebt worden sind, wissen wie es sich richtig anfühlt. Da ist eigentlich ganz klar, dass irgendetwas anderes auf Dauer nicht akzeptabel ist.

Aber, hey, wenn du dir eben nicht mehr so ganz sicher bist, ob dein letzter Freund tatsächlich real war oder ob du ihn nicht gerade mit diesem gut aussehenden Neurochirurgen aus der neuen Ärzteserie verwechselst, solltest du dir keine Vorwürfe machen, wenn du das zwischenzeitlich mal vergisst.

Versuche dich zu erinnern. Und nicht nur mit dem Kopf, sondern mit allem, was du hast. Denn wenn es dir wieder eingefallen ist, hilft die Erinnerung beim Warten.

Es scheint nicht jeden Tag die Sonne

Ein Bekannter, den ich sehr schätze, hat mich auf den Beitrag „Eine der kleinen Antworten“ (siehe unten, vom 11.09.2006) angesprochen. Er meinte, er wisse nicht so recht, was er damit anfangen solle, es sei doch einfach nicht immer alles positiv im Leben. Ich stimmte ihm zu, nein, natürlich nicht. Und ich wollte mit dem Text auch nicht sagen, dass mein Leben aus andauerndem Glück und einer ununterbrochenen Aneinanderreihung schöner Ereignisse besteht. 

So ist es keineswegs. Es scheint nicht jeden Tag die Sonne. 

Es gibt Tage, an denen bin ich furchtbar gelaunt und latent aggressiv, ohne offensichtlichen Grund. An so einem Tag komme ich morgens ins Büro und alle, die meinen Weg kreuzen, haben verloren. Egal, was sie sagen oder tun. Am schlimmsten, sie sind nett und fröhlich. 

Dem Kollegen, der mir im Treppenhaus auf dem Weg zu meinem ersten Kaffee (an allen Tagen eine sensible Zeit) einen schönen guten Morgen wünscht, möchte ich antworten: Du Familiennutznießer, du hast leicht reden! Zu Hause warten jeden Abend deine nette Frau und die süßen Kleinen auf dich, die dich umsorgen und verhätscheln. Könntest du allein überhaupt überleben? 

Der Neuen, die immer so motiviert und lerneifrig ist, würde ich am liebsten schon von weitem auf dem Flur entgegen rufen: Hey, du Dauerbegeisterte! Kannst du nicht einmal etwas einfach schlecht finden, kannst du wirklich aus jedem Schrott etwas für deine Entwicklung mitnehmen? Dass ich nicht lache! 

Und die Kollegin, die gerade aus ihrem Urlaub zurück ist, und mich gut erholt und gebräunt fragt wie es mir geht, möchte ich am Kragen packen und ihr ins Ohr flüstern: Mir ginge es besser, wenn ich die letzten zwei Wochen faul am Strand herumgelegen hätte, so wie du, anstatt hier jeden Tag bis spät zu ackern. Und jetzt hau bloß schnell ab, du machst mich krank. 

Ja, es gibt auch solche Tage. Da spüre ich nichts von der Freude am Alltäglichen, dem Glück des Einfachen und all dem Quatsch. Da fühle ich mich einfach einsam und verloren. Gäbe es solche Tage nicht, würde ich mir echte Sorgen um mich machen. 

Alles, was man an einem solchen Tag tun kann, ist versuchen, sich die gemeinen Sachen tatsächlich nur zu denken und nicht zu sagen. Denn meistens können die anderen ja nichts dafür.

Gedanken aus der Besteckschublade – Der Beginn

Ich hätte es früher nicht für möglich gehalten, dass einmal eine Besteckschublade mein Leben ändern würde. Und wenn man es genau nimmt, ist es auch nicht so gewesen. Wahr ist jedoch, dass sich in den letzten Jahren mein Leben, mein Verhalten, meine Meinungen bedeutend gewandelt haben. Die Beiträge in dieser Kategorie sollen davon erzählen. Eine Besteckschublade hat dabei eine wichtige Rolle gespielt und ist mein Bild dafür geworden.

Was hat es nun mit dieser Schublade auf sich? So gut wie alle Leute haben in ihrer Küche eine Schublade für Besteck. In dieser Schublade findet sich üblicherweise ein eingebauter oder zugekaufter Kasten mit Fächern für die verschiedenen Besteckteile. Die Gabeln, Löffel, Messer, usw. werden dadurch kategorisiert und ordentlich getrennt aufbewahrt. Ich war früher eine große Anhängerin dieser Ordnung. Jedes Teil musste in das dafür vorgesehene Fach. Ich hatte mir sogar einige Sonderegeln (beispielsweise für langstielige Löffel) ausgedacht, die nur ich allein verstand.

Und dann begegnete ich dieser anderen Besteckschublade. Sie besaß keinen ordnungsgebenden Kasten, vielmehr konfrontierte sie den Betrachter mit einem großen  Durcheinander an unterschiedlichen Besteckteilen und anderen Küchengerätschaften. Beim ersten Anblick hielt ich einen Moment inne, um dieses Chaos ungläubig und leicht schockiert zu studieren. In den folgenden Wochen begegnete ich dieser Schublade häufiger. Bald hatte ich die Unordnung akzeptiert. Man findet auch in der fachlosen Schublade, was man braucht, es dauert vielleicht nur ein bisschen länger.

Und dann fing ich an, die Schublade richtig zu mögen. Mit freundlicher Gelassenheit schien sie mir zu sagen: Ja, ich bin unaufgeräumt, aber ich funktioniere trotzdem. Ich biete dir nicht die perfekte Organisation, dafür bin ich flexibel. Mach dir nicht immer so viele Gedanken, du darfst dein Besteck einfach so hineinlegen, wie es eben gerade kommt. Ich wette, der Rest deines Lebens ist so strukturiert und wohl sortiert, dass du sehr gut zumindest eine unaufgeräumte Ecke brauchen kannst. Hab ich nicht Recht?

Oh ja, sie hatte Recht. Ich hab’ auf sie gehört. Und ich finde, jeder sollte sich so eine Schublade leisten.

Eine der kleinen Antworten

Manche Menschen verbringen viel Zeit mit der Suche nach dem Sinn des Lebens. Die meisten erwarten sich dabei eine einzige Antwort auf all ihre Fragen. Ich glaube nicht an die eine Antwort. Ich glaube, es gibt viele kleine Antworten. Gar nicht selten findet man eine davon, ohne konkret danach gesucht zu haben, an unerwarteten Orten.

Auf dem Grabstein eines Poeten steht geschrieben: 

To see a World in a grain of Sand

And a Heaven in a Wild Flower

Hold infinity in the palm of your hand

And Eternity in an Hour

Dies ist eine der kleinen Antworten.

Sieh nicht nur das Offensichtliche. Entdecke den Reichtum im Alltäglichen. Spüre die Großartigkeit des Bekannten, den unschätzbaren Wert des Einfachen. Und lass deine Freude darüber grenzenlos sein.