Monatsarchiv: Januar 2022

Malerei der Woche (04/2022)

Der Isenheimer Altar ist wohl das Hauptwerk von Matthias Grünewald. Zu bestaunen sind die zehn Tafeln dieses Wandelaltars, der gemäß der Liturgie des Kirchenjahres wechselnde Motive zwischen Geburt und Auferstehung Jesu zeigen kann, in Colmar im Musée Unterlinden.

Schon lange bevor ich 2016 das Kunstwerk im Museum „in echt“ sehen konnte, faszinierte mich die Darstellung der Himmelfahrt Christi. Eine Nachtszene mit einem leuchtenden Jesus, umgeben von einer kräftigen, fast psychedelisch anmutenden Farbpalette. Glorreich und gleichzeitig gütig und freundlich blickt Jesus die Betrachter an und sendet eine Botschaft der Zuversicht, die selbst bei einem kirchenfernen Menschen wie mir ankommt.

Malerei der Woche (03/2022)

Die Gemälde von Hieronymus Bosch erzählen Geschichten – von einer zumeist düsteren Welt. Schuld und Sünde, Fegefeuer und Hölle sind seine Themen. Dämonen und andere phantastische Wesen bevölkern seine Werke, so auch den Heuwagen Triptychon. Auf der Mitteltafel tummeln sich Adlige, Geistliche, Händler, Bauern, Bettler. Idyllisch geht es nicht zu. Die Menschen streben maßlos nach Besitz und Vergnügung, sind streitsüchtig und eitel. Da kann selbst der auferstandene Jesus im Himmel nur ratlos zusehen…

Malerei der Woche (02/2022)

Albrecht Dürers Selbstbildnis von 1500 zeugt in mehrerlei Hinsicht von einem neuen Selbstverständnis der Künstler der Renaissance. Das Gemälde trägt Datierung, Monogramm und eine Beschreibung des Dargestellten in der Gelehrtensprache Latein. Dürer blickt dem Betrachter selbstbewusst in die Augen, die Züge sind christusähnlich idealisiert, der fellbesetzte Mantelkragen zeigt den Wohlstand des Malers.

Dürer formuliert in diesem Werk das künstlerische Programm des 16. Jahrhunderts: Schöpferische Freiheit und Künstlerstolz.

Malerei der Woche (01/2022)

Dass ich mich mit Malerei gut auskenne, würde ich nie behaupten. Dass es aber viele Gemälde gibt, die mich faszinieren – allerdings! Eine besonders spannende Epoche ist für mich die Renaissance. Ausgehend von Italien war sie im 16. Jahrhundert auch nördlich der Alpen bestimmend.

Das durch den Humanismus geweckte Interesse an Wissenschaft und weltlichen Themen, das Streben nach einer realistischen Darstellung von Perspektive, Form und Farbe, die Wiederentdeckung der geistigen und künstlerischen Errungenschaften der Antike prägen die Werke der Renaissance. Sie ist Ausdruck eines neuen Lebensgefühls, einer Zeit des Aufbruchs in einer sich schnell entwickelnden Zivilisation auf der Schwelle zur Moderne.

2022 bringe ich jede Woche ein Gemälde der Renaissance – deren Geisteshaltung uns auch heute noch inspirieren und beflügeln kann.

Kaum ein anderes Gemälde wäre passender als Auftakt: „Die Geburt der Venus“ von Sandro Botticelli, entstanden um 1485/86. Die anmutige Göttin der Liebe wird kraftvoll und sanft zugleich auf ihrer Muschel an ein grün bewaldetes Ufer getrieben und von einer Nymphe willkommen geheißen. Für mich steht dieses Bild für einen verheißungsvollen Beginn und freudvollen Tatendrang.