Something old, something new

Aber weder geborgt noch blau, sondern käuflich erworben und silbern glänzend.

„Fruit at the Bottom“ von Wendy & Lisa
1989 habe ich das Vinyl-Album von meinem Eisverkäuferinnen-Einkommen im Müller-Markt geholt, jetzt habe ich die CD online bestellt und an die Pack-Station liefern lassen…
Wendy & Lisa waren Mitglieder der Prince-Band „The Revolution“ und maßgeblich am Soundtrack zu „Purple Rain“ beteiligt. Dies ist auch auf Fruit at the Bottom unüberhörbar. Der Sound macht immer noch enorm viel Spaß im Kopf und in den Beinen.

 

„Born to Die“ von Lana del Rey
Trotz des großen Chart-Erfolges ist die Single “Video Games” kein platter Mainstream und hat mich neugierig auf den Rest des Albums gemacht. Es hat sich gelohnt.
Jeder der 12 Songs ist ein eigenständiges Kunstwerk, fast wie eine kleine Hymne. Die Atmosphäre ist melancholisch, gleichzeitig kraftvoll. Ein überzeugendes Album einer vielversprechenden jungen Musikerin.

Man soll seine Küken…

… ja nicht zählen, bevor sie geschlüpft sind. Da in diesem Fall das Schnäbelchen aber schon aus der gesprungenen Schale spitzt, will ich es wagen:

 

Ein Tag wie jeder andere

Diese Woche ist der Ehemann einer Kollegin verstorben, nach kurzer schwerer Krankheit. Vor einem Monat noch war alles in Ordnung, alles normal. Und plötzlich ist ein Leben zu Ende und andere werden völlig aus der Bahn geschleudert.

Es gibt Leute, die sagen, man solle jeden Tag leben, als sei er der letzte. Das ist natürlich kaum alltagstauglich. Dann würde ich nie wieder zum Zahnarzt gehen, die Spülmaschine ausräumen oder meine Fahrradreifen aufpumpen…

Was man jedoch sehr leicht und jederzeit tun kann: sich über Dinge freuen, die es wert sind. Auch und gerade über die kleinen. Wenn die kalte klare Morgenluft in der Nase kitzelt. Wenn man zusammen im Büro herzlich lacht. Wenn man sich abends zur Begrüßung in die Umarmung des Partners kuschelt.

Und bei Dingen, über die man sich ärgert, sollte man prüfen, wie viel Aufmerksamkeit und Energie sie wirklich verdienen. Und dann: entweder ad acta legen oder planen, wie man sie ändern kann.

Man kann nicht jeden Tag so leben, als sei er der letzte. Aber man kann versuchen, in jedem Tag etwas Schönes und Gutes zu entdecken.

Eine Unterbrechung, ein Ende und ein Anfang

Carolas Suche, Teil 5
Was zuvor geschah…

‚Können wir uns treffen? Brauche dringend deinen Rat! Nick‘ Susanne stand vor einem Bild von Ignatz Besserberg, als Nicks SMS piepste. Besserberg wurde in der Kunstszene als der aufgehende Stern der modernen Malerei gehandelt. Sein Bild zeigte vier daumendicke waagrechte Linien in Rot. Die vierte Linie war unterbrochen.

Susanne sollte Besserberg interviewen und einen Artikel über seine Ausstellung für das Kulturmagazin ihres Verlagshauses schreiben. Zwar war sie mit ihrem Job in der Redaktion der Frauenzeitschrift mehr als ausgelastet, aber die Kollegin der Kulturredaktion lag mit Sommergrippe im Bett und da war Susanne eingesprungen.

„So ein Gekritzel“, dachte Susanne. Vielleicht war das vermessen, sie war schließlich keine Expertin. Einerlei, ihr großer Bruder bat sie um Hilfe und das war schon ungewöhnlich. ‚In einer Stunde im Café Eisberg‘ schrieb sie an Nick und ging dann hinüber zu Ignatz Besserberg, einem hageren End-Vierziger mit wirrem angegrauten Haar und einer dicken Hornbrille. Mit einem Glas Prosecco in der Hand schäkerte er mit Babette von Scheinstein, der Besitzerin der Galerie. Die Dame versank fast vollständig in einem Dutzend bunter Schals und nur die kupferfarbene Lockenpracht ließ erahnen, wo genau der Kopf saß.

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Kiva – Eine gute Sache? Rat gesucht.

Ein Novum: Ich frage in die www-Gemeinschaft hinein in der Hoffnung auf einen guten Rat.

Vor ein paar Tagen bin ich auf Kiva gestoßen. Ich habe ein bisschen recherchiert und gelesen, konnte mir aber noch kein abschließendes Urteil bilden, ob ich Kiva unterstützen will oder nicht.

Wer kann fundiert berichten? Am besten aus erster Hand. Bitte nur seriöse Zusendungen. 🙂

Danke!

Die Vorbereitungen laufen

Die Perücke liegt im Kühlschrank, das Paillettenkleid hängt vor der Heizung. So muss es sein: Ein kühler Kopf auf einem heißen Körper.

Mir bleiben 40 Minuten, bis Gérard mich abholen kommt. Gerade genug, um zu duschen und das Make-up zu zaubern. Ich drehe die Musik lauter. Oh, ich liebe Samstagnacht!

Mehr als eine Liebesgeschichte: „Feuer im Herbst“ von Irène Némirovsky

Offensichtlich ist der Roman „Feuer im Herbst“ eine Liebesgeschichte. Schauplatz ist Frankreich in den Jahren 1912 bis 1941. Thérèse und Bernard kennen sich seit Kinderjahren, aber erst nach Ende des ersten Weltkriegs finden sie sich – und verlieren sich umso schneller wieder, vielleicht für immer.

Es steckt auch ein enorm starkes Gesellschaftsportrait in „Feuer im Herbst“. Das französische Kleinbürgertum der Jahrhundertwende wird ebenso greifbar wie die gebrochene Generation des Großen Krieges. Korrumpiert von dessen Schrecken lebt sie ohne Rücksichtnahme nur fürs eigene Vergnügen und das schnelle Geld.

An vielen Stellen hatte ich das Gefühl, über unsere eigene Generation zu lesen, zum Beispiel:

Neunundneunzig Prozent der im letzten Vierteljahrhundert gemachten Pariser Karrieren ähnelten der seinen [Bernards]. Es waren keine Geschäfte mehr, sondern Papiere, Symbole, Zeichen, Abstraktionen … im Grunde eine Art Spiel …

Er hatte niemanden betrogen. Er hatte weder verraten noch gestohlen. Der Börsenkrach selbst war strafrechtlich gesehen nicht zu beanstanden.

Er wäre verrückt gewesen, es nicht wie alle anderen zu machen. Warum hätte er darauf verzichten sollen? Warum? Und in wessen Namen? Alle fischten im trüben, alle logen, alle intrigierten.

(S. 209 ff; btb 2010)

Man könnte meinen, Irène Némirovsky habe den Roman vor kurzem geschrieben und wolle uns einen Spiegel vorhalten. Hat sie aber nicht. Irène Némirovsky wurde 1942 von den Nazis in Frankreich verhaftet und starb wenig später in Auschwitz.

Fazit: Ein bewegendes Buch einer beeindruckenden Schriftstellerin.

Mehr über Irène Némirovsky auf Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Irene_Nemirovsky

 

Traum und Wirklichkeit

Neulich habe ich geträumt, dass ich vor einer Art Anzeigetafel stehe. Dort sind nach und nach immer mehr Meldungen zur aktuellen Lage weltweit erschienen: Tote in Syrien, Wahlbetrug in Russland, Neo-Nazis in Deutschland, wischi-waschi Klimagipfel, Überschuldung in Europa, skrupellose Finanzmarktmacher, Strahlen in Japan, …

Im Traum habe ich eine tiefe Traurigkeit empfunden und die Gewissheit: Wir werden es nicht schaffen.

Im krassen Gegensatz dazu mein eigenes kleines Leben: Ein wirklich schönes und erfolgreiches Jahr ist gestern zu Ende gegangen.

Nach einem Jahr im neuen Job habe ich das Gefühl, ich bin angekommen und freue mich auf den weiteren Weg. Auch privat ist alles prima, im Frühling steht ein Umzug in eine tolle neue Wohnung an. Schreibtechnisch war 2011 hervorragend, viele neue Geschichten sind entstanden und sogar das erste gedruckte Werk. Mit meinem Fernstudium bin ich gut und erfolgreich vorangekommen, auch wenn zwischenzeitlich Panikattacken und Selbstzweifel bekämpft werden mussten.

Meine persönliche Wirklichkeit ist ungeheuerlich viel besser als die globale Wirklichkeit. Zur Revolutionärin tauge ich allerdings nicht, so dass sich mein Gewissen auch 2012 mit regelmäßigen wohltätigen Spenden und möglichst umweltfreundlichem und aufrichtigem Verhalten zufrieden geben muss.

Wir werden sehen, was das neue Jahr bringt.

 

Britischer Humor pur: Black Books

Man könnte die drei Hauptpersonen der britischen Comedy-Serie so beschreiben: Bernard Black, Besitzer des Londoner Buchladens „Black Books“. Seine gute Freundin Fran, die oft vorbei kommt. Buchhalter Manny, der ab der zweiten Folge in Bernards Buchladen arbeitet.

Oder so: Ein zynischer, kettenrauchender und rotweintrinkender Ire, der die Welt hasst, weil sie da ist. Eine orientierungs-, aber nicht hoffnungslose Neurotikerin mit einem Händchen für Fettnäpfe. Ein gutmütiger Geduldsengel, dessen Treue durch nichts zu erschüttern ist.

Die Serie sprüht vor Situationskomik und Wortwitz – und immer neuen skurrilen Einfällen. Wer britischen und bisweilen bösen Humor schätzt und sich auf überdrehte Stories einlassen kann, wird begeistert sein.

Es gibt insgesamt 18 Folgen in drei Staffeln, zu kaufen z.B. bei den einschlägigen Shops im Internet. Ich bin an Black Books durch die Empfehlung einer Freundin geraten. Danke dafür! 🙂

Zum Ausprobieren hier ein loser Zusammenschnitt einzelner Szenen:

http://www.youtube.com/watch?v=aaeeCV8eRr4

Traue nicht dem Reitlehrer

Klaus konnte es noch immer nicht fassen, obwohl Judith nun schon seit zwei Wochen weg war. Mit diesem Grünschnabel von Reitlehrer war sie durchgebrannt; fast 20 Jahre jünger als sie selbst.

Beherzt hatte Judith die Affäre gestanden; ehrlich war sie, das musste Klaus ihr zugestehen. Gekocht vor Wut hatte er trotzdem. Er hatte sie angeschrien: „Dann pack doch deinen Plunder, wenn du glaubst, dieser schiefmäulige Aushilfs-Cowboy macht dich glücklicher als ich!“

Und genau das hatte Judith getan. Hatte all ihre Sachen abgeholt, tagsüber, während Klaus im Büro saß. Ein wahrer Kahlschlag.

Klaus fühlte sich seitdem wie ein Käuzchen im Sturmtief: ständig in Furcht, haltlos weggeweht zu werden. Auf junggeselliges Lotterleben hatte er keinen Appetit. Schrumpfen wollte er, bis er so klein war, sich in den Ritzen der alten Holzdielen zu verkriechen.

Die letzten Worte, die er mit Judith gewechselt hatte, hallten in seinem Kopf wider: „Vergiss die Reitpeitsche nicht, um deinen jungen Hengst zu zähmen!“

Verletzen wollte er sie; und wütend machen. Doch er sah in Judiths Augen nur Traurigkeit und noch schlimmer: Mitleid. Ihre Stimme war ruhig, fast zärtlich: „Ich hätte mir auch ein anderes Ende gewünscht. Aber wir beide wissen, dass es in Wahrheit schon lange vorbei ist.“

Darauf hatte Klaus keine Antwort gehabt. Stumm hatte er zugesehen, wie Judith sanft die Haustür hinter sich zuzog. Vor zwei Wochen… Seitdem schielte Klaus bei jeder Gelegenheit hinüber zur Tür – doch sie blieb geschlossen.