Monatsarchiv: April 2018

Der Abschlussball

Am meisten bedauere ich, dass ich nie erfahren werde, ob ich zur Tanzkönigin gewählt worden bin. Meine Chancen standen nicht schlecht. Alle hatten mein kirschrotes Ballkleid bewundert: eine schlicht geschnittene Korsage mit einem fließenden bodenlangen Chiffonrock. Erik, mein Tanzpartner und fester Freund, hatte vor Begeisterung gejault wie ein junger Wolf bei Vollmond, als er mich vor dem Eingang der Schulaula darin sah. So dröge der Tanzkurs manchmal gewesen war, beim Abschlussball hatten alle einen Höllenspaß.

Jeder konnte bei der Wahl zum Tanzkönigspaar mitmachen. Erik hatte gemeint, wir sollten für uns selbst stimmen, doch das fand ich nicht fair. Stattdessen habe ich für die gackernde Julia und den sauertöpfischen Henry gestimmt. Ich mag beide nicht – aber tanzen können sie wirklich.

Kurz vor Bekanntgabe des Ergebnisses wollte ich noch schnell zur Toilette. Das war ein Fehler. Ein großer. Mein letzter. Die Fliesen im Vorraum waren nass, ich war in Eile, rutschte aus, verlor den Halt in meinen hochhackigen Silbersandalen und krachte mit dem Kopf erst hart auf den Waschbeckenrand, dann auf die Fliesen. Weiterlesen

Brockhaus der Woche (17/2018)

Heute: Altperuanische Datenverarbeitung.

Quipu [´kipu, Ketschua] der (Kipu), altperuan. (baum)wollene Knotenschnur, die zum Festhalten von messbaren Daten diente, wobei ein Dezimalsystem zugrunde lag. Die Kopfschnur konnte bis zu 100 Nebenschnüre haben. Je nach Farbe der Schnüre und Zahl der Knoten vermittelte der Q. verschiedene Bedeutungen (ideograph. Gedächtnisschrift); er war aus sich selbst heraus nicht verständlich, sondern bedurfte einer mündl. Erläuterung. Bei den Inka gab es dafür ein eigenes Amt.

Inca_Quipu

 

Er ist da

Und der Kuckuck ruft auch wieder. In der Tat: der Frühling ist da.

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Brockhaus der Woche (16/2018)

Diesmal unternehmen wir mit dem Brockhaus der Woche einen kleinen Ausflug in die griechische Mythologie: Pegasus und Perseus

Pegasus, 1) Astronomie: ein Sternbild des nördl. Himmels.
2) grch. Mythos: das geflügelte Ross, das aus dem Rumpf der von Perseus getöteten Medusa entsprang und von Bellerophon gezähmt wurde; als er auf P. zum Himmel hinaufreiten wollte, warf dieser ihn ab. – Durch den Hufschlag des P. entstand die Quelle Hippokrene, die dichter. Inspiration verleiht. Deshalb gilt P. als Symbol der Dichtkunst.

Perseus, 1) Astronomie: Sternbild des nördl. Himmels mit dem Stern Algol.
2) grch. Mythos: Sohn des Zeus und der Danae; tötete mithilfe von Athene und Hermes die Gorgo Medusa; gewann Andromeda, die er aus der Gewalt eines Meeresungeheuers befreite. P. wurde Herrscher über Tiryns, von wo aus er u.a. Mykene gründete. – P. wurde oft dargestellt: mit dem Haupt der Medusa von B. Cellini, die Befreiung der Andromeda durch P. u.a. von Tizian, Paolo Veronese, P.P. Rubens und G.R. Donner.

Pegasus: Von Carole Raddato from FRANKFURT, Germany [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

Perseus: Von Jordiferrer – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=56220893

Brockhaus der Woche (15/2018)

Angeblich ist sie das halbe Leben…

Ordnung, 1) allg.: übersichtlicher Zustand; unter einem bestimmten Prinzip zu einem einheitl. Ganzen zusammengefügte Vielheit von Teilen oder Elementen; geregelte, ungestörte Situation.
2) Biologie: in der Systematik eine Einheit zw. Familie und Klasse.
3) Mathematik: a) die Ordnungsrelation; b) auch als Grad bezeichnete Kennzahl zur Klassifizierung mathemat. Objekte, z.B. die O. algebraischer Kurven, die O. einer Differenzialgleichung.
4) Philosophie: metaphysisch-ontolog. Grundbegriff: Gestaltetheit des Seins als System, Struktur, Hierarchie, Organismus u.a. auf Einheit hin (Kosmos, Welt), im Ggs. zum Ungeordnet-Chaotischen; in erkenntnistheoret. Funktion: die Erfahrung als „nach Regeln“ geordnetes Ganzes (Kant), unter Vernunftideen stehend; in der Ethik: als Wert-O. das normative System.
5) Soziologie: die Struktur der Beziehungen in einer sozialen Einheit (Gruppe, Verband, Klan, Sippe, Gesellschaft, Staat). (Ordo)

Zugegeben, das sind viele unterschiedliche Bedeutungen. Aber das halbe Leben ist sicher noch mehr.

Brockhaus der Woche (14/2018)

Jetzt sind sie spürbar kürzer als die Tage, das weiß auch der Brockhaus. Was sagt er sonst noch über die Nächte?

Nacht, die Zeit zw. Sonnenuntergang und Sonnenaufgang; ihre Dauer hängt von der geograph. Breite des Beobachtungsortes und von der Jahreszeit ab. Am Äquator ist die N. während des ganzen Jahres 12 Std. lang, an allen anderen Orten nur zu den Zeiten der Tagundnachtgleiche (um den 21. März und 23. Sept.). Auf der nördl. Halbkugel sind (etwa) vom 22. März bis 22. Sept. die Tage länger als die N., vom 24. Sept. bis 20. März kürzer, auf der südl. Halbkugel umgekehrt; zur Zeit der Wintersonnenwende (um den 21. Dez.) ist die N. auf der N-Halbkugel am längsten, zur Zeit der Sommersonnenwende (um den 21. Juni) am kürzesten.

Mit der Nacht haben sich einige Begriffe gepaart, unter anderem die Tiere und das Stück.

Nachttiere (nachtaktive Tiere), Tiere, deren Lebensaktivitäten v.a. in der Nachtzeit liegen, während sie tagsüber ruhen oder schlafen (z.B. Leuchtkäfer, Nachtschmetterlinge, Geckos, Schlangen, fast alle Eulenvögel und Flattertiere). N. haben entweder sehr lichtstarke oder sehr kleine Augen. Im letzteren Fall sind Geruchssinn und Ultraschall Orientierungshilfen.

Nachtstück, 1) Malerei: Gemälde, das eine Szene im nächtl. Innen- oder Freiraum darstellt, mit überird. oder verborgenen Lichtquellen oder mit Mondlicht. Erste Beispiele gibt es im 15. Jh., seit dem 17. Jh. sind N. eine eigene Bildgattung. (Helldunkel)
2) Musik: das => Notturno.

Notturno [italien. „Nachtstück“] das (frz. Nocturne), in der Musik des 18. Jh. ein mehrsätziges Instrumentalwerk, ähnlich der Serenade; in der romant. Klaviermusik des 19. Jh. ein einsätziges Klavierstück träumer. (J. Field, F. Chopin) oder unheiml. Charakters (R. Schumann). C. Debussy komponierte „Trois nocturnes“ (für Orchester).