Archiv der Kategorie: Brockhaus der Woche

Brockhaus der Woche (42/2018)

Wir leben in rasanten Zeiten, in denen manches, das einst als sicher galt, ins Wanken gerät. Weder Panik noch Paranoia helfen. Lieber sollten wir Pandoras Büchse auf den Grund gehen; das, was wir dort finden, herauslocken und darauf aufbauen.

Pandora [grch. „Allgebende“], 1) Astronomie: Ein Mond des Planeten Saturn.
2) grch. Mythos: urspr. wahrscheinlich eine Erdgöttin; nach Hesiod die verführer. Frau, die Zeus von Hephaistos aus Erde formen ließ, um den Feuerraub des Prometheus für die Menschen zu rächen. Zeus gab ihr ein Gefäß, die Büchse der P., in der alle Übel eingeschlossen waren, und schickte sie zu Epimetheus. Als P. die Büchse öffnete, entwichen die Übel und verbreiteten sich über die Erde. Nur die Hoffnung, die auf dem Grund lag, blieb darin.

Brockhaus der Woche (41/2018)

Die Namen einer Reihe von Mythengestalten und Gottheiten beginnen mit „O“. Hier eine Auswahl von Dreien aus verschiedenen Kulturkreisen.

Orpheus, grch. Mythos: thrak. Sänger und Leierspieler, Sohn der Muse Kalliope und des Apoll. Als seine Gemahlin Eurydike durch einen Schlangenbiss umkommt, steigt er in die Unterwelt und rührt deren Götter durch sein Lied so sehr, dass sie Eurydike die Rückkehr erlauben. Doch übertritt er das Verbot, sich umzuschauen, ehe sie die Oberwelt erreicht haben; deshalb muss sie im Totenreich bleiben. Über den Tod des O. gibt es mehrere Versionen; nach der ältesten (Aischylos) haben ihn Mänaden zerrissen, da er Apoll mehr verehrte als Dionysos. – Opern: „L’Orfeo“ (1607) von C. Monteverdi, „O. und Eurydike“ (1762) von C.W. Gluck; Operette „O. in der Unterwelt“ von J. Offenbach; Ballett „Orphée“ (1948) von I. Strawinsky; Dramen „Orphée“ (1927) von J. Cocteau, „Eurydike“ (1942) von J. Anouilh.

Osiris, ägypt. Gott, Sohn des Erdgottes Geb und der Himmelsgöttin Nut. Nach älterer Überlieferung ertrinkt O.; nach einem jüngeren Mythos wird er von Seth ermordet, von seiner Frau und Schwester Isis jedoch wieder belebt, die von ihm den Sohn Horus empfängt; Horus besteigt den Thron der Lebenden, während O. im Totenreich regiert. – O. wird als Mumie mit Krummstab und Geißel dargestellt.

Ossian (irisch Oisín), schottisch-gäl. mytholog. Held des 3. Jh., der im Alter erblindet und als Barde die Taten seines Vaters , des Königs der Kaledonier, verherrlicht; Figur des irischen Sagenkreises („Ossian. Zyklus“), von dem Prosafragmente aus dem 9./10. Jh. und spätere Gedichte erhalten sind; seit dem 12. Jh. kamen Balladen hinzu, die oft O. zugeschrieben wurden. Diese regten J. Macpherson zu seinen O.-Dichtungen an.

Brockhaus der Woche (40/2018)

Im Brockhaus der vorigen Woche wird der Louvre erwähnt, Herberge vieler faszinierender Kunstwerke. Eines der großartigsten ist für mich die Nike von Samothrake, bei der ich Stunden hätte verbringen mögen.
Was sagt der Brockhaus zu Nike?

Nike [grch.], grch. Mythos: Göttin des Sieges, ohne Mythen und erst in hellenist. Zeit mit eigenem Kult; meist mit Zeus und Athene eng verbunden, bei den Römern Victoria genannt; in der grch. und röm. Kunst geflügelt dargestellt.

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Brockhaus der Woche (39/2018)

Im Herbst macht man wieder mehr drinnen. Man geht vielleicht ins Kino, ins Theater oder… ins Museum.

Museum [grch. mouseῖon „Musensitz“] das, seit dem 18. Jh. Bez. sowohl für die Institution als auch für die Gebäude, in denen Sammlungen künstler., wiss., u.a. Gegenstände untergebracht sind. M. dienen der Sammlung, Bewahrung, Erforschung und Wiederherstellung von Kulturgut, v.a. aber dessen sinnvoller Präsentation und Erläuterung. Das (Kunst-)M. als öffentl. Institution wurde im 18. Jh. geschaffen; es ging aus den Sammlungen („Kunstkammern“) fürstl. (weltl. und geistl.) Kunstliebhaber hervor. Vereinzelt waren solche Sammlungen schon im 16./17. Jh. dem Publikum zugänglich gemacht worden, v.a. in Florenz (Uffizien 1580, Palazzo Pitti 1640); in Basel ging zum ersten Mal eine private Sammlung in öffentl. Besitz über (1662). Als erste staatl. Sammlung entstand das Brit. Museum in London (1753), in Dtl. das Kasseler Museum Fridericianum (erbaut 1769-76). Eine Welle von M.-Gründungen erfolgte im 19. Jh.; Vorläufer war die Öffnung des Louvre (1793) in Paris. Die M. spezialisierten sich in der Folgezeit mehr und mehr auf Einzelgebiete; daneben entstanden naturwiss. und techn. M. (meist thematisch begrenzt), Heimat- und Regional-M., Ende des 20. Jh. auch Industriemuseen.

Brockhaus der Woche (38/2018)

Manchmal kommen sich das Leckere und das nicht so Leckere sehr nah. So auf Seite 266 von Band 8 meines Brockhaus: auf exakt gleicher Höhe, linke Spalte: Lebertran, rechte Spalte: Lebkuchen.

Lebertran (Oleum Jecoris), aus der Leber von Heilbutten oder Dorschen gewonnenes klares, schwach fischartig riechendes, fettes Öl von gelbl. Farbe, mit hohem Anteil an ungesättigten Fettsäuren und den Vitaminen A, E und D; Anwendung u.a. als Stärkungsmittel, äußerlich in Salben zur Wundbehandlung.

Lebkuchen (Pfefferkuchen), Dauerbackware aus Mehl, (Kunst-)Honig und einer L.-Gewürzmischung aus Nelken, Muskat, Koriander, Kardamom, Anis, Zimt, Ingwer.

Brockhaus der Woche (37/2018)

Jetzt, wo die Abende und Nächte kühler werden, gewinnt sie wieder an Bedeutung:

Kälteresistenz, die Fähigkeit von Organismen, länger dauernde Einwirkung tiefer Temperaturen ohne bleibende Schäden zu ertragen. Allg. existiert eine große individuelle Variabilität im Ertragen von Kälte, die u.a. abhängig ist vom Flüssigkeitsanteil am Lebendgewicht der Organismen bzw. dem Verhältnis von freiem zu gebundenem Wasser sowie Einwirkungsdauer, Plötzlichkeit und Wiederholung der Kälteeinwirkung. Organismen kühlerer Klimate besitzen eine wesentlich größere K. als Pflanzen und Tiere wärmerer Lebensräume, die häufig schon bei einigen Graden über 0°C zum Kältetod führende Schäden erleiden. – Häufig wird bei Pflanzen die Frostresistenz, tiefe Temperaturen unter 0°C lebend zu überstehen, von der K. unterschieden. Sinkende Temperaturen lösen die Bildung von Frostschutzstoffen aus, die u.a. in Chloroplasten eingelagert werden und vor Wasserentzug schützen.

Die genannte „große individuelle Variabilität im Ertragen von Kälte“ kann übrigens auch an den menschlichen Bewohnern meines Haushalts beobachtet werden.

Brockhaus der Woche (36/2018)

Der Brockhaus der Woche führt uns diesmal nach Frankreich.

Jakobinermütze, der phrygischen Mütze nachgebildete rote Mütze mit überhängendem Zipfel, von den Jakobinern getragen, Symbol der Frz. Revolution von 1789.

Häufig wird die französische Marianne als Allegorie der Freiheit und der Republik mit einer Jakobinermütze dargestellt. Frankreich hat aber noch eine zweite Patronin:

Jeanne d’Arc [ʒan’dark] (heilige Johanna, Jungfrau von Orléans), nannte ich selbst Jeanne la Pucelle, frz. Nationalheldin, *Domrémy-la-Pucelle (Dép. Vosges) zw. 1410 und 1412, † Rouen 30.5.1431; Bauernmädchen, fühlte sich durch „Stimmen“ berufen, das seit Herbst 1428 von den Engländern belagerte Orléans zu befreien und den Dauphin (Karl VII.) in Reims krönen zu lassen. Am 25.2.1429 wurde sie von Karl empfangen, überzeugte ihn von ihrer Sendung und begleitete bewaffnet in Männerkleidung das frz. Heer. Die Befreiung von Orléans führte zur entscheidenden Wende im Hundertjährigen Krieg. Nach der Krönung Karls (17.7.1429) stieß sie auf wachsenden Widerstand bei Hofe. Am 23.5.1430 geriet sie bei Compiègne in die Gefangenschaft der Burgunder, die sie gegen eine hohe Summe den Engländern auslieferten. Der frz. Hof unternahm nichts, um sie zu retten. Sie wurde nach Rouen gebracht, vom geistl. Gericht als Zauberin und Ketzerin verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Schon von den Zeitgenossen verherrlicht, wurde ihre Verurteilung 1456 kirchlich aufgehoben. 1909 wurde sie selig, 1920 heilig gesprochen (Tag: 30.5.) und zur 2. Patronin Frankreichs erklärt.

Brockhaus der Woche (35/2018)

Zur passenden Zeit und in der richtigen Dosis würzt sie das Leben auf treffliche Art und Weise.

Ironie [grch.] die, Redeweise, bei der eine Äußerung das Gegenteil von dem meint, was sie ausspricht. – Gegen angemaßtes Wissen bildete Sokrates die I. mit großer Kunst als Mittel der dialekt. Erziehung aus (sokratische I.). In der Selbst-I. drückt sich eine krit., spielerisch-überlegene Haltung sich selbst gegenüber aus. Die romantische I. ist das immer wache Bewusstsein, dass zw. dem Unendlichen und dem Endlichen sowie zw. Freiheit und Form kein endgültiger, sondern nur ein spielender Ausgleich möglich ist. Die tragische I. ergibt sich für den Betrachter, wenn jemand, ohne zu ahnen, dass entscheidende Ereignisse seine Lage verändert haben, seiner Zuversicht Ausdruck gibt, während der Außenstehende um diese Ereignisse und ihre Folgen schon weiß. Als I. des Schicksals wird eine paradoxe Konstellation angesprochen, die wie ein frivoles Spiel höherer Mächte wirkt. I. als rhetor. Mittel kann sich von iron. Anspielung, spieler. Spott und Polemik bis zum Sarkasmus steigern; literarisch konstituiert sie damit die Gattungen Parodie, Satire, Travestie.

Brockhaus der Woche (34/2018)

Morgen gehen sie zu Ende. Mir wäre es recht, wenn damit auch die große Hitze vorbei wäre. Und unser wunderbarer Wald vor der Haustür würde sich sehr über Regen freuen…

Hundstage, die Tage zw. dem 23.7. und dem 23.8., während deren die Sonne in der Nähe des Hundssterns (Sirius) steht; in Mitteleuropa oft die heißesten Tage des Jahres.

Die altägyptische Hochkultur verdankt ihre Existenz dem Nil. Seinen Überschwemmungen ist die große Fruchtbarkeit der Flusslandschaft zuzuschreiben. Weil die Landwirtschaft davon abhing, galt diesem Naturereignis große Aufmerksamkeit. So bemerkten die Ägypter schon früh, dass das Wasser alle Jahre etwa zur gleichen Zeit zu steigen begann und mit diesem Anstieg immer auch ein heller Stern am Morgenhimmel auftauchte, kurz vor Sonnenaufgang. Diesen Stern nannten die Ägypter „sopt“, was Hund bedeutet, und sein Erscheinen markierte in ihrem Kalender den Beginn des neuen Jahres.
Bei den Griechen hieß dieser Stern dann „sothis“; dem Sternbild aber, in dem er so hell erstrahlt, gaben sie den Namen Großer Hund; gewohnt, ihre Mythologie auf den Sternenhimmel zu projizieren, erkannten sie darin den Jagdbegleiter des Orion. Die Römer nannten den Stern später „canicula“, also Kleiner Hund, und heute heißt er schließlich Sirius.
In neuerer Zeit begann man jene Tage als Hundstage zu bezeichnen, an denen dieser Stern in der Morgendämmerung erscheint. Weil diese Periode im Juli bei uns häufig mit einer Hitzewelle einhergeht, kam es schließlich zu dem Bedeutungswandel, der sich im heutigen Sprachgebrauch festgesetzt hat.

Brockhaus der Woche (33/2018)

Was für einen Unterschied ein einzelner Buchstabe machen kann!

Gnome [grch.] die, kurzer Sinnspruch, der eine Erfahrung, Regel oder einen Grundsatz enthält; die Grenzen zur Sentenz sind fließend.

Gnomen [Herkunft ungeklärt], dämon. Gestalten, die in Volksglaube und Volksmärchen Wald, Berg und Wasser bevölkern; insbesondere die zwerghaften Erdgeister.

Gnomon [grch.] der, 1) Astronomie: (Schattenstab) Messgerät des Altertums (z.B. ein Obelisk), durch dessen Schattenlänge auf einer waagrechten Ebene die Höhe der Sonne bestimmt wird. Aus dem G. entwickelten sich die Sonnenuhren, die auch G. genannt werden.
2) Mathematik: a) in der grch. Mathematik die ebene Figur, die als Differenzfläche zweier Quadrate oder Rechtecke entsteht, b) die entsprechende Restfläche eines Parallelogramms.