Archiv der Kategorie: Futter für Geist und Seele

Madeira 2018 – Teil 3: Ilhas Desertas

Die Ilhas Desertas liegen 18 km vor der Südostküste Madeiras. Sie sind Naturschutzgebiet und – von der kleinen Station für Naturforscher abgesehen – von Menschen unbewohnt. Von Funchal aus werden Tagesbootstouren zu den drei kargen Inselchen angeboten. Auf der Hinfahrt hat uns erst ein Regenbogen begleitet, später kamen Delfine zur Stippvisite.

Wegen zu hohen Wellengangs an der Bucht der Forschungsstation konnten wir leider nicht wie geplant an Land gehen. Schade zwar, aber so liefen wir keine Gefahr, von der endemischen Tarantula-Art Lycosa Ingens angegriffen zu werden (siehe auch diesen Beitrag zu Spinnen).

Auf der Rückfahrt haben wir uns erst noch gesonnt, dann setzte starker Regen ein. Die letzte knappe Stunde verbrachten alle Passagiere ein wenig gedrängt und vom Regen angefeuchtet unter Deck. Zum Glück machte mir die Schaukelei des Bootes nichts aus. Aber in den ersten Stunden, nachdem wir wieder an Land waren, hatte ich beständig das Gefühl, der Boden unter meinen Füßen würde schaukeln.

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Madeira 2018 – Teil 2: Ponta de São Lourenço

Felsig und karg ist der Ostzipfel Madeiras, die Halbinsel São Lourenço, und bildet so einen starken Kontrast zum immergrünen und buntblühenden Rest der Insel. Gerade darin liegt der Reiz. Der Wanderpfad führt stetig auf und ab vorbei an verschiedenfarbigen, teils bizarr geformten Felsformationen und spärlich bewachsenen Wiesenflächen und eröffnet beeindruckende Ausblicke auf die Halbinsel selbst, das tiefblaue Meer und die Ilhas Desertas (zu diesen mehr im nächsten Teil).

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Madeira 2018 – Teil 1: An der Nordostküste

Zum ersten Mal haben wir zum zweiten Mal an demselben Ort unseren „Sommerurlaub“ verbracht. Nach 2015 ging es im Oktober 2018 wieder nach Madeira. Gewohnt haben wir in einem wunderbaren Hotel in Santana an der Nordostküste, mit großartigem Blick auf dieselbe. Es gibt vielfältige Wanderwege im Nordosten, teils mit Steilküsten-Blick, teils durch Lorbeer- und Farnwälder. Und so sieht das dann aus…

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Zum Staunen

Die Auswirkungen der Zentrifugalkraft auf das menschliche Denkvermögen untersucht das Institute for Centrifugal Research in Florida. Dr. Nick Laslowicz präsentiert anschaulich die erstaunlichen Ergebnisse der Forschung. Bei mir hat es über zwei Minuten gedauert, bis ich… aber seht selbst!

Das Video ist übrigens Teil einer hervorragenden Ausstellung der Kunsthalle München. Nur noch bis zum 13.01.2019.

Auch dieses Video ist in der Ausstellung zu sehen:

Man mag darüber streiten, wie authentisch die Kampagne des Kosmetikherstellers ist. Unbestritten ist, wie allgegenwärtig vollkommen unrealistische Schönheitsideale sind. Menschenfeindlich und potentiell gefährlich. Leute, die sich so etwas ausdenken, waren wahrscheinlich zu oft im Wedding Cake oder Steam Pressure Catapult unterwegs…

Elif Shafak: The revolutionary power of diverse thought

Populisten mögen keinen Pluralismus; mit Vielfältigkeit und Uneindeutigkeit können sie nicht umgehen. Stattdessen bestehen sie auf einfache Antworten, reduzieren auf Dualismen, teilen die Welt in zwei Lager: Wir und Die. Und oft: Wir gegen Die. Ängste, Neid und Misstrauen werden geschürt: Nur unter uns sind wir sicher!

Die türkische Schriftstellerin Elif Shafak sieht darin ein Zeichen unserer Zeit; in der Politik, aber auch in der Wissenschaft und Gesellschaften weltweit. In ihrem klugen TED Talk plädiert sie dafür, Komplexität nicht zu fürchten, sondern als Tor zu mehr Solidarität, Reichhaltigkeit und Freiheit für uns alle zu verstehen.

Vielfältig geht es auch in Shafaks Roman „Der Bonbonpalast“ aus dem Jahr 2002 zu. Der Bonbonpalast ist ein etwas heruntergekommenes Wohnhaus in Istanbul, in dem die unterschiedlichsten Bewohner zu Hause sind. Leichtfüßig und liebevoll schreibt Shafak, mit leuchtenden Farben, die ihr Licht in die Tiefe und auch Abgründe werfen.

Immer wieder gerne: Berg- und Talpfad rund um Uttenreuth

Spektakulär ist er nicht, der Berg- und Talpfad durch die Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Uttenreuth bei Erlangen, aber durchaus pittoresk – und er liegt direkt vor unserer Haustür.

Der Tag der Deutschen Einheit war dieses Jahr etwas frisch und windig und bewölkt, daher gibt es keine komplett sonnengoldenen Bilder. Aber ganz egal, wie das Wetter am 03.10. ist: Für mich ist es ein wichtiger Tag, an dem ich an die vielen Menschen denke, die ich sehr schätze und mag (oder gar liebe) und die ich ohne den Fall der Mauer wohl nie getroffen hätte.

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Mein Erlanger Poetenfest 2018

Der Lesenachmittag am Samstag (25.08.) startete wegen leichten Regens im Redoutensaal. Ab der 3. Lesung wurde nach draußen in den Schlossgarten verlegt. Regen gab es keinen mehr, aber ein frischer Wind blieb bis zum Abend. Ich war sehr froh über meine mitgebrachte grüne Kuscheldecke… Das Programm: abwechslungsreich, spannend, unterhaltsam, berührend.

Meine Highlights am Samstag:

  • Alex Capus: „Königskinder“. Das streitlustige Ehepaar Max und Tina wird im Auto auf einem Gebirgspass eingeschneit. Bis die beiden von der Schneefräse befreit werden, erzählt Max eine Liebesgeschichte aus der Zeit kurz vor der Französischen Revolution. Leichtfüßig und mit Schweizer Charme erzählt.
  • Kristine Bilkau: „Eine Liebe, in Gedanken“. Nach dem Tod der Mutter entdeckt die Tochter in Briefen und Tagebucheinträgen deren lang vergangene Liebesbeziehung zu Edgar, die wohl kein Happy End fand. Die Leseprobe war stimmungsvoll und einfühlsam.
  • Maike Wetzel: „Elly“. Ein elfjähriges Mädchen, Elly, verschwindet auf dem Weg zum Judo-Unterricht spurlos. Die Eltern und die ältere Schwester sind seitdem in der Zeit gefangen. Die abwesende Elly hat sie alle im Griff und lässt sie nicht weitergehen. Atmosphärisch dicht und psychologisch hochinteressant.
  • Anne Reinecke: „Leinsee“. Karl, Sohn eines erfolgreichen Künstlerpaars, mit 10 ins Internat verfrachtet, kehrt in sein Elternhaus zurück, nachdem der Vater sich umgebracht hat und die Mutter aufgrund eines Hirntumors pflegebedürftig geworden ist. Eine tragische Familiengeschichte, humor- und gehaltvoll erzählt.
  • Tanja Maljartschuk: „Frösche im Meer“. Der Text, der den diesjährigen Bachmann-Preis gewonnen hat, erzählt berührend und gewitzt von einem Arbeiter aus der Ukraine, der ohne Pass illegal in Wien lebt, und einer dementen alten Dame. Überzeugend und bezaubernd vorgetragen.

Der Sonntag (26.08.) entschädigte mit strahlendem wärmenden Sonnenschein für den kühlen Samstag. Der Funke sprang bei den Lesungen jedoch nicht so richtig auf mich über.

Erwähnenswert:

  • Lucy Fricke: „Töchter“. Roadnovel mit trockenem, selbstironischem Witz.
  • Christian Uetz: „Engel der Illusion“. Lyrik, für mich weitgehend unverständlich, aber beeindruckend leidenschaftlich-furios vorgetragen.
  • Maria Cecilia Barbetta: „Nachtleuchten“. Die Geschichte kleiner Leute in einem Vorort von Buenos Aires am Vorabend der argentinischen Militärdiktatur.
  • Angelika Klüssendorf: „Jahre später“. Dritter Teil einer Trilogie, im Mittelpunkt ein Mädchen, aufgewachsen in der DDR, später in die BRD ausgewandert, Erzählzeit: kurz vor der Wende 1989.

Wirklich berührt hat mich am Sonntag ein Projekt der Auslandskorrespondentin Susanne Koelbl. „The Poetry Project“ ermöglicht es jungen Geflüchteten durch das Schreiben von Gedichten ihre eigene Stimme zu finden. Auf dem Nebenpodium präsentierten etwa acht Jugendliche aus dem Projekt ihre Gedichte. Eine 15-jährige kurdische Syrerin, die seit drei Jahren in Deutschland lebt, auf Deutsch, die anderen in ihrer Muttersprache, gefolgt von der deutschen Übersetzung, vorgetragen von einem Vorleser.
Zunächst war ich bewegt von den Worten über verlorene Heimat und Familie, über die Schrecken der Flucht. Und dann, es blitzte erst kurz auf und wurde immer klarer: Trotz aller Traumata, trotz aller Unterschiede der Kulturen: Da stehen junge Menschen; auf der Suche nach sich selbst, nach Liebe und Anerkennung, nach ihrem Weg und ihrem Platz. Dinge, nach denen auch ich als Jugendliche gesucht habe.
„Es ging darum, die Fremdheit zu überwinden. Die Poesie als Brücke schien ein guter Anfang.“, steht auf der Website des Poetry Project und ich denke, das ist eine sehr gute Idee.