Wir beschließen die Serie von häufig in der Renaissancekunst dargestellten Paaren mit dem vielleicht meistgemalten überhaupt: Maria und das Jesuskind. An der sogenannten Madonna Benois von Leonardo da Vinci gefällt mir besonders, dass Maria und Jesus hier als glückliche Mutter und neugieriges Baby zu sehen sind – und nicht „nur“ als Heilige mit dem Sohn Gottes.
Herkules und Omphale sind ein weiteres mythologisches Paar, das Bartholomäus Spranger in erotischer Pose zeigt. Herkules war als Strafe von den Göttern aufgetragen worden, ein Jahr lang der lydischen Königin Omphale zu dienen. Einer Sagenversion zufolge verweichlichte der Held, nach einer anderen unterwarf er sich aus Liebe seiner neuen Herrin, jedenfalls tauschten beide ihre Kleidung. So sehen wir Herkules in einem Frauengewand am Spinnrocken und Omphale im übergeworfenen Löwenfell eine große Keule schwingend.
Um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert bildete der Prager Hof Rudolfs II. eines der bedeutendsten Kunstzentren Europas. Der Kaiser sammelte nicht nur alle Arten von Kunstwerken, sondern zog mit eigenen Aufträgen Maler wie Arcimboldo oder Bartholomäus Spranger an seinen Hof. Spranger erwarb sich in Prag Ruhm durch Gemälde sinnlich-erotischer Götterliebschaften in einem unverwechselbaren Stil. Eines davon zeigt Maja, eine altitalische Frühlingsgöttin, mit ihrem Gefährten Vulkan, dem Gott des Feuers und der Schmiedekunst. Maja schmiegt sich lasziv räkelnd an ihren Geliebten. Das Engelchen in der rechten oberen Ecke wendet diskret den Blick ab.
Die Königstochter Psyche war von solcher Schönheit, dass Liebesgott Amor sich unsterblich in sie verliebte. Er nähert sich ihr jede Nacht in menschlicher Gestalt und nimmt ihr das Versprechen ab, nicht weiter nach seiner Identität zu forschen. Psyche erwidert seine Liebe, wird aber von ihren neidischen Schwestern überredet, das wahre Wesen des geheimnisvollen Liebhabers herauszufinden, der womöglich eine verwandelte Schlange sei. Mit einem Dolch bewaffnet überrascht sie ihn daher im Schlaf und erkennt verzückt die schöne Gestalt des geflügelten Gottes. Diesen Moment hat Jacopo Zucchi für seine Darstellung gewählt und bereits den weiteren Verlauf der Ereignisse vorweggenommen: Ein Tropfen des heißen Öls aus der Lampe, die Psyche hochhält, fällt auf Amors Schulter, so dass dieser erwachen und Psyches Verrat bemerken wird.
Laut griechischer Mythologie war Göttervater Zeus (Jupiter bei den Römern) sehr umtriebig und einfallsreich darin, sich schönen jungen Frauen anzubieten oder aufzudrängen. Der Königstochter Leda näherte er sich in Gestalt eines Schwanes und schwängerte sie. Allerdings schlief Leda in derselben Nacht auch mit ihrem Ehemann Tyndareos. In der Folge gebar Leda vier Kinder: Kastor, Polydeukes (Pollux) und Helena gelten als Kinder des Zeus, Klytaimnestra als Tochter des Tyndareos. Viele Darstellungen zeigen, dass die Kinder aus zwei Eiern schlüpfen, die Leda gelegt hat – so auch das Bild, das Francesco Melzi aus Leonardos Werkstatt zugeschrieben wird. In Mythen ist eben alles möglich.
Judith und Holofernes sind ein weiteres Paar, das in der Renaissance-Kunst oft dargestellt wird. Wobei Holofernes zumeist nur in Teilen zu sehen ist – im Bild von Andrea Mantegna ist es ein Fuß und der abgeschlagene Kopf. Judith, eine junge Witwe aus dem belagerten jüdischen Volk erbittet Zugang zum Zelt des feindlichen Generals Holofernes. Dieser ist von ihrem Liebreiz und ihrer Weisheit betört und wähnt sich in Erwartung einer Liebesnacht. Judith jedoch enthauptet ihn gemeinsam mit ihrer Magd, um ihr Volk zu befreien. Die Episode aus dem Alten Testament gilt als Symbol für den Sieg der Rechtschaffenheit gegen die Unterdrückung und gleichzeitig für die Gefahren der weiblichen List.
Thema für die kommenden Wochen: in der (Renaissance-)Malerei häufig dargestellte Paare. Wir beginnen – selbstverständlich – mit Adam und Eva, hier in einer Darstellung von Jan Gossaert (um 1508).
Im späteren 16. und im 17. Jahrhundert waren sogenannte „Markt- und Küchenstücke“ weit verbreitet. Eines der frühesten Beispiele ist „Der Fleischerladen“ (1551) von Pieter Aertsen. Selbst Vegetarier werden den vielfältigen Detailreichtum und die realitätsnahe Ausdruckskraft anerkennen können. Doch gerade die Freude an den dargestellten Genüsslichkeiten und der künstlerischen Leistung sollten damals beim Betrachter zu der Einsicht führen, dass ein Überfluss an Sinnesfreuden der geistigen Gesundheit und christlichen Religiosität zuwider läuft.
Diese Botschaft wird durch die Darstellung im Hintergrund unterstrichen: Die heilige Familie auf der Flucht nach Ägypten, Maria gibt einem Bettler ein Almosen. Eine äußerlich bescheidene Gabe im Kontrast zum überbordenden Verkaufsstand im Vordergrund. Doch Mariens Gabe meint die „geistige Nahrung“ der christlichen Botschaft und Erlösung, die ewiges Leben verheißt.
Ein ganz anderes Antlitz als das des schönen jungen Mannes zeigt uns Guiseppe Arcimboldo mit „Der Jurist“. Arcimboldo ist bekannt für seine Porträts, die er aus Blumen, Tieren, Früchten und Dingen des Alltags raffiniert zusammenstellt und damit eine verblüffend realistische Wirkung erzielt. Hier bilden Fische, Hühnerschenkel und ein gerupftes Küken das wenig attraktive Gesicht eines Mannes mit schwarzer Kappe. Manuskripte und dicke Bücher bilden den Oberkörper unter einem pelzbesetzen Mantel. Eine Interpretation des Gemäldes lautet, es handle sich um eine satirische Darstellung Calvins. Eine andere stützt sich auf zwei zeitgenössische Briefe und besagt, hier sei der Jurist Zasius dargestellt, ein Beamter am Hofe Maximilians II, an dem Arcimboldo zu jener Zeit Hofmaler war.