Gut Ding… ihr wisst schon…

Die neue Kamron-Geschichte ist immer noch nicht fertig. Die Storyline steht nach wie vor und die passt auch, aber ich habe einige grobe Unlogiken und quatschige Passagen entdeckt.

So ist das immer, wenn ich einen längeren Text schreibe: Beim Lesen von älteren Abschnitten kommt schmunzelndes Kopfschütteln auf. Und die Gewissheit, dass das so nicht bleiben kann. Also geht’s in die nächste Runde. So lange, bis ich sicher bin, dass der Text gut genug für meine kleine, aber feine Leserschaft (mich eingeschlossen) ist.

Sorry, ein wenig dauert’s noch… Ich hoffe, der Herbst bringt mir Schreiblust.

Wieder nicht gewonnen – aber immerhin weiß ich, wo meine Stimme ist

Das Ergebnis der Bundestagswahl lässt mich nicht jubeln, aber es war kaum anders zu erwarten. Trotzdem schätze ich mich glücklich, in einem Land zu wohnen, in dem demokratische Wahlen abgehalten werden. Ich weiß, dass meine Stimme zählt. Ich lebe in einem freien Land.

Laut Definition von Freedom House (http://de.wikipedia.org/wiki/Freedom_House) bedeutet das:

“A Free country is one where there is broad scope for open political competition, a climate of respect for civil liberties, significant independent civic life, and independent media.“
http://www.freedomhouse.org/uploads/fiw09/MOF09.pdf

Der Freedom House Report von 2009 sagt, dass 46% der Weltbevölkerung in einem freien Land leben – die anderen 54% in nur teilweise freien oder unfreien Ländern.

Die Karte zeigt die Verteilung der Freiheit auf der Welt; Bewertungskriterien sind politische Rechte (political rights) und Bürgerrechte (civil liberties). Mehr Info hier: http://www.freedomhouse.org/template.cfm?page=351&ana_page=354&year=2009 

Grün markierte Staaten sind frei, gelbe teilweise frei und Blau kennzeichnet unfreie Staaten.

Verteilung der Freiheit in der Welt - 2009

Verteilung der Freiheit in der Welt - 2009

Nun sollten die Daten des Freedom House, das überwiegend von der US-amerikanischen Regierung finanziert wird, nicht unreflektiert betrachtet werden. Aber mit ziemlicher Sicherheit kann man wohl sagen, dass wir in Deutschland hinsichtlich der politischen und bürgerrechtlichen Freiheit zum privilegierten Teil der Welt gehören.

Umso trauriger, dass immer weniger Menschen von ihrem Recht auf eine freie, geheime und gleiche Wahl Gebrauch machen. Die Wohlstandsdummdreistigkeit schlägt zu. Für viele Deutsche ist das Recht auf politische Mitbestimmung eine unbequeme und lästige Selbstverständlichkeit.

Die ca. 3,6 Milliarden Menschen, die nicht in freien Ländern leben, sehen das wahrscheinlich anders.

TV steht für …

Letzte Woche hat mich eine Erkältung erwischt. Mein Kopf war schwer von eklem Schleim, der sich ungefragt ausgebreitet hatte. Arbeiten ging gar nicht; also blieb ich krank gemeldet zu Hause. Ich hab sehr viel geschlafen, um mich zu erholen. Und wenn ich wach war, fühlte ich mich erschöpft und schlapp.

Und was tut man dann? Richtig, man schaltet den Fernseher ein. Und man schaltet ihn erst wieder aus, wenn man schlafen geht… Und nach dem Aufstehen am nächsten Tag schaltet man ihn wieder ein… Nach einigen Tagen haben diese Deutungen der Abkürzung TV einmal mehr ihren Wahrheitsgehalt bewiesen: Taten-Vampir und Tumbheits-Verstärker. 

Der Taten-Vampir saugt die letzten Reste von Aktivität aus, jegliche Tätigkeit (außer Durchzappen aller Programme) erscheint enorm anstrengend und schlicht nicht durchführbar. Der Tumbheits-Verstärker potenziert das vernebelte Gefühl im Kopf; verlangsamt das Denken soweit, dass man sich selbst dabei beobachten kann.

Nun will ich beileibe nicht das Fernsehen an sich verteufeln. Es gibt tatsächlich gute informative und unterhaltsame Sendungen und schließlich bleibt es ja jedem selbst überlassen, was er sieht und was nicht.

Doch hat man den Punkt erreicht, an dem man nicht mehr genug Energie hat, um etwas Aktiveres zu tun als zu Fernsehen – egal was läuft – dann ist man in Gefahr, vom Sog des TV erfasst zu werden, der einen erbarmungslos in die Tiefe zieht, bis man erstickt. Ein paar Tage wie ich nun letzte Woche abzuhängen ist sicherlich nicht schlimm. Schlimm wird’s, wenn Menschen kaum etwas anderes tun.

Das Schreckliche ist, dass so ein wahlloser Fernsehtag ein schales Gefühl der Leere hinterlässt. Währenddessen hat man den Eindruck, etwas zu tun und zu erleben, aber hinterher muss man erkennen, dass man natürlich nichts getan und nicht wirklich etwas erlebt hat.

Man kann nichts mitnehmen, man kann sich nicht entwickeln. Und wer sich dauerhaft nicht entwickelt, der nutzt sein Leben nicht.

 

… Ganz im Gegensatz zum umtriebigen Milch-Karton im Video von Blur, das außer einer Wortüberschneidung im Titel nichts mit diesem Artikel zu tun hat. 🙂

Das Detail macht den Unterschied

Es gibt viele Menschen, die kennt man, ohne sie wirklich zu kennen. Die Nachbarin, mit der man ein paar Worte im Treppenhaus wechselt. Den Kollegen, dem man in der Kaffeeküche begegnet. Die Bekannten von Freunden, die man bei deren Geburtstagsfeiern trifft.

Obwohl man diese Menschen nur von der Ferne aus sieht, macht man sich doch ein Bild von ihnen. Man verpasst ihnen Labels wie: Redselig oder schüchtern. Höflich oder rücksichtslos. Aufdringlich oder hilfsbereit. Und man entscheidet auf dieser Basis, ob man jemanden sympathisch findet oder nicht.

Manchmal kommt es vor, dass man über solche Menschen ein Detail erfährt, das nicht ins Bild passt, das einen überrascht. Zum Beispiel, dass jemand ehrenamtlich im Tierheim arbeitet. Oder dreimal geschieden ist. Oder Theater spielt. Oder den Führerschein wegen Alkohol am Steuer verloren hat. Oder sich in einer bestimmten Situation hinterhältig verhalten hat. Oder, oder, oder.

Und dieses eine Detail kann das komplette Bild verändern, sogar ins Gegenteil kehren. Je weniger kongruent mit dem bisherigen Bild das neue Detail ist, umso mehr Gewicht erhält es und umso mehr wird es das eigene Verhalten diesem Menschen gegenüber beeinflussen.

Das gleiche kann auch bei Menschen passieren, die man sehr viel besser kennt. Doch hier ist der Erfahrungsschatz größer. Die neue Information kann harmonischer integriert werden, so dass ein facettenreicheres Bild entsteht und meist kein komplett anderes.

Aber letztendlich muss man einfach akzeptieren, dass man nie alles über einen anderen Menschen wissen kann. Und wie sollte man? Man weiß ja noch nicht einmal alles über sich selbst.

Unter der Oberfläche

Ich denke gerne von mir als „guter Mensch“. Offen, freundlich, tolerant. Besonnen, hilfsbereit, kooperativ. Wer meine Freunde oder Kollegen fragt, ob ich diese Eigenschaften aufweise, wird überwiegend Zustimmung ernten. Das ist gut so, denn ich will nicht nur selbst so über mich denken, ich will auch, dass andere dieses Bild von mir haben.

Doch es gibt Momente, da will ich Leute anpöbeln, weil sie an zu lahm an einem Fitnessgerät trainieren oder zu langsam vor mir auf der Straße gehen. Da will ich Leute schlagen, weil sie ihren Motor unnötig laufen lassen oder sich an der Kreuzung rücksichtslos an mir und meinem Rad vorbei drängeln. Da will ich Leute von der Klippe stoßen, weil ich sie verdächtige, meine Leistung nicht vollauf zu würdigen oder mich zu unterschätzen.

Sollten die Menschen in meinem Umfeld also lieber das Weite suchen, weil in mir eine Bestie schlummert, die jeden Augenblick erwachen und Verderben bringen kann?

Nein. Ich bin ziemlich sicher tatsächlich ein guter Mensch, auch unter der Oberfläche. Dazu gehören eben manchmal auch zerstörerische Gedanken. So lange nicht ein wirklicher Drang besteht, sie auszuleben, sind solche Gedanken gesund, denn sie kanalisieren die Aggressivität, die in gewissem Maß jeder Mensch in sich trägt.

Viel gefährlicher ist es, solche Gedanken nicht zuzulassen oder sie zu verleugnen…Ich jedenfalls würde niemandem trauen, der immer nur lieb ist…

Es bewegt sich wieder

Seit einem knappen Monat nimmt das Arbeit-Freizeit-Verhältnis vertretbare Werte an. Das gibt mir endlich wieder Raum, Dinge zu bewegen: meine Muskeln beim Sport und meine Schreibfeder!

„Kamron und der Schattenmagier“ steht in Rohform. Teils noch in Stichworten, teils schon in erstem Wurf formuliert; die Storyline ist da. Ab Mitte September möchte ich mit der Veröffentlichung beginnen. Freue mich schon auf Leser und Kommentare!

 

Detail

Jetzt hab ich’s doch getan…

… Michael Jackson CDs bei Amazon bestellt. Als großer Fan in den 80ern habe ich natürlich die Alben dieser Zeit auf Vinyl (und so gut wie alle Maxi-Singles von „Bad“ obendrein). In den 90ern trennten sich Michaels und meine Wege jedoch aus musikalischen Gründen…

Sein Tod hat mich dennoch getroffen; einige Tage trug ich Trauer; um einen herausragenden Musiker und Entertainer, einen verlorenen Menschen und ehrlicherweise auch um meine eigene Jugend.

Dass die Verkaufszahlen nun in die Höhe schießen würden, war klar. Ich wollte bewusst nicht zu denen gehören, die sich CDs deswegen ins Regal stellen, weil der Typ, der vorne drauf ist, tot und in den Medien ist. Doch so ist es ja nicht – ich mochte, liebte die Musik ja schon vorher. Deswegen ist mein Gewissen rein.

Gekauft habe ich „Off the Wall“ und „Thriller“, also die älteren Werke, die noch vor meiner echten Fanzeit geschaffen wurden. Aus meiner jetzigen Betrachtung ist das einfach die „natürlichere“ Musik, die mich deutlich mehr anspricht. Und Michael selbst sah zu jenen Zeiten auch noch natürlicher aus. Vielleicht hängt das zusammen…

Was ich jedenfalls nicht tun werde, ist schlau über Michael Jackson daher zu philosophieren, als hätte ich irgendeine Ahnung, wie sein Leben wirklich war oder als könnte ich mir ein Urteil über ihn erlauben. Ich freue mich einfach auf das Päckchen mit der guten Musik drin und würdige den Künstler, der sie geschaffen hat.

Top 3: Irrtümer der Kindheit

Als Kind ist der Blick auf die Welt einfach ein anderer. Manche Dinge erscheinen sehr einfach, andere wiederum rätselhaft bis unerklärlich. Hier die Top 3 Irrtümer meiner Kindheit, an die ich mich erinnern kann.

Top 1: Kecke Bratwürste
Wer im schönen Frankenland aufwächst, hat allerlei Gelegenheit, auf sprachliche Mysterien zu stoßen. Als Kind schmeckte mir beispielsweise „Bratwurst-Keck“ sehr gut. Es handelte sich dabei um Hackfleischartiges, das zusammen mit Zwiebel & Paprika-Gewürz einen leckeren Brotaufstrich ergab. Ich fragte mich nur immer, woher der Name kam. War das Hackfleisch irgendwie frech gewesen? Erst viel später erkannte ich den wahren Namen hinter dem Fränkeln: Bratwurst-Gehäck… na klar, das macht Sinn!

Top 2: Einfach Sprachen lernen
In der vierten Klasse freute mich die Aussicht, nun bald Englisch in der Schule zu lernen. Einige Worte kannte ich schon und auch die Buchstaben des Alphabets konnte ich gefühlt zur Hälfte korrekt englisch aussprechen. Und damit war es ja schon so gut wie geschafft! Für eine Weile war ich überzeugt, dass ich richtig Englisch sprechen können würde, wenn ich nur das Alphabet vollständig auf Englisch aufsagen könnte. Denn schließlich setzen sich alle Wörter ja aus den Buchstaben des Alphabets zusammen. Ergo: Kannst du die Buchstaben, kannst du auch die Wörter. Ach, was für eine schöne Vorstellung!

Top 3: Böse Jungs im Griff
Michael Jacksons Video zu Beat it hab ich mehr als 100 Mal gesehen. Mich hat daran auch beeindruckt, wie gut diese gefährlichen Jungs aus den beiden Straßengangs tanzen können. Und ich hab mich gewundert, dass die überhaupt bei so einem Video mitmachen… So böse Straßenjungs finden Pop-Videos doch sicher total spießig… Aber gut, hab ich mir gedacht, schließlich war dieses ja von Michael Jackson, und der beeindruckt bestimmt auch gefährliche Gangster.

Vielleicht mach ich in 20 Jahren einen Eintrag, in dem steht, welchen lustigen Irrglauben ich mit Mitte 30 verfallen war. Darauf freu ich mich jetzt schon. 🙂

And the world keeps on turning…

Die Zeiten bleiben turbulent… Freunde heiraten, andere bekommen Kinder, wieder andere ziehen zusammen 🙂 … der Job fordert immer noch alles, Kollegen gehen, andere kommen… musikalische Jugendidole sterben, andere veröffentlichen tolle neue Alben… und was macht die Schreiberei?

Der Freizeitmangel schlägt sich weiterhin nieder…
Im Urlaub musste ich erst mal mein literarisches Konsumbedürfnis decken (= lesen), so dass die Produktion (= schreiben) relativ kurz kam. Und seit der Rückkehr… ist nix passiert. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Das Ziel: Grobstory (zur Erinnerung: Kamron 2 ist in Arbeit) bis Ende Juli, danach wage ich noch nicht zu planen.

Keine rosigen Aussichten? Na ja, es knospt zumindest.

Knospe

Top 3: Warum Essen (gehen) in Frankreich so toll ist

Ich esse auch Zuhause gern. In Frankreich allerdings… da esse ich noch viel lieber. 🙂 Warum?

1: Die Lebensmittel selbst. Der durchschnittliche französische Supermarkt schlägt den deutschen um Längen. Vor allem bei der Vielfalt an Käse-, Wurst- und Fischtheke, aber auch beim Angebot von frischem Brot und Gebäck. Und selbst die Produkte, die an sich das Gleiche sind wie hier, wirken ein bisschen exotisch, weil die Packung vielleicht eine andere Form hat oder anders geöffnet wird und natürlich weil sie mit ganz anderen Worten bedruckt sind. Da ist es nicht verwunderlich, wenn einen gegen Ende des Urlaubs ausgerechnet im Supermarkt eine Wehmutswelle überspült.

2: Das Konzept „Menü“. Bei uns wenig verbreitet, in Frankreich so gut wie überall und sowohl mittags als auch abends zu haben: das Menü zum Festpreis. Meist drei Gänge, die man sich aus einer kleinen Auswahl an Vor-, Haupt- und Nachspeise kombinieren kann. Das ist nicht nur reizvoll durch die Abwechslung von verschiedenen Gerichten, das ist auch noch gesund, weil man sich automatisch mehr Zeit zum Essen nimmt. Und zur Abrundung ein café. Formidable!  

3: Das Bezahlen. Selbst den Pflichtteil kann man elegant gestalten: komplette Rechnung auf dem Tellerchen oder kreativen Varianten, Geld hin, Wechselgeld zurück, Trinkgeld liegen gelassen. Zugegeben, früher mochte ich das nicht. Da wollte ich vor allem in der Gruppe bitteschön genau abrechnen. Damals war ich aber auch noch eine bettelarme Studentin. Inzwischen kann ich glücklicherweise deutlich gelassener mit Geld umgehen – und das drückt diese Art des Bezahlens auch aus: Gelassenheit. Und so kann es nach dem Essen weiter gehen.

Ach, ich sag’s euch: Ich freu mich schon aufs nächste Mal!

Blick auf Bonifacio