Monatsarchiv: September 2018

Brockhaus der Woche (39/2018)

Im Herbst macht man wieder mehr drinnen. Man geht vielleicht ins Kino, ins Theater oder… ins Museum.

Museum [grch. mouseῖon „Musensitz“] das, seit dem 18. Jh. Bez. sowohl für die Institution als auch für die Gebäude, in denen Sammlungen künstler., wiss., u.a. Gegenstände untergebracht sind. M. dienen der Sammlung, Bewahrung, Erforschung und Wiederherstellung von Kulturgut, v.a. aber dessen sinnvoller Präsentation und Erläuterung. Das (Kunst-)M. als öffentl. Institution wurde im 18. Jh. geschaffen; es ging aus den Sammlungen („Kunstkammern“) fürstl. (weltl. und geistl.) Kunstliebhaber hervor. Vereinzelt waren solche Sammlungen schon im 16./17. Jh. dem Publikum zugänglich gemacht worden, v.a. in Florenz (Uffizien 1580, Palazzo Pitti 1640); in Basel ging zum ersten Mal eine private Sammlung in öffentl. Besitz über (1662). Als erste staatl. Sammlung entstand das Brit. Museum in London (1753), in Dtl. das Kasseler Museum Fridericianum (erbaut 1769-76). Eine Welle von M.-Gründungen erfolgte im 19. Jh.; Vorläufer war die Öffnung des Louvre (1793) in Paris. Die M. spezialisierten sich in der Folgezeit mehr und mehr auf Einzelgebiete; daneben entstanden naturwiss. und techn. M. (meist thematisch begrenzt), Heimat- und Regional-M., Ende des 20. Jh. auch Industriemuseen.

Frau Schmitz im Glück

Frau Schmitz hat es sich gemütlich gemacht auf ihrer guten alten Couch. Lang ausgetreckt hat sie sich, der Kopf liegt weich auf dem bestickten Kissen. Ein genüssliches Gähnen, die Augen zu und die Gedanken nehmen ihren Lauf…

Ich kann’s immer noch nicht fassen. Später zähl ich’s nochmal. Aller guten Dinge sind drei, heißt’s doch. 100.000! Dollar! 100.000 Dollar. Und beinah hätt ich’s gar nicht gefunden. Ist aber auch `ne Zicke, die Frau Professor. Alle Bücher in der kleinen Bibliothek heute, Frau Schmitz. Alle einzeln abstauben und die Regale feucht auswischen, Frau Schmitz. Und gründlich, bitte, Frau Schmitz. Gründlich, Frau Schmitz! Denkt die, ich vergesse zwischendurch meinen eigenen Namen? Weil ich nicht studiert bin?

Zum Glück ist sie nicht reingeplatzt, als ich die Umschläge gefunden hab. Ganz hinten, im obersten Regalfach, hinter den ollen Schinken. Zehn Briefumschläge, vergilbt, verstaubt, nicht zugeklebt. Jeder mit einem dicken Packen Scheine drin. Zehn Mal 10.000 Dollar. Wenn ich richtig gezählt habe. Später zähl ich nochmal nach.

Die müssen da schon lange gelegen haben. Ihr Geld ist das sicher nicht, da hätte die Frau Professor mich niemals die Regale putzen lassen. Also seins. Der brave Herr Professor versteckt Geld zu Hause, hinter seinen Büchern. Poker? Pferderennen? Kann ich mir nicht vorstellen. Erpressung? Drogen? Prostitution? Nein, kann ich mir alles nicht vorstellen. Hoffentlich braucht er das Geld so bald nicht. Ich streite alles ab, falls es soweit kommt. Glaub ich aber nicht. Ich glaube, ich bin sicher. Entweder, er hat’s vergessen oder er wird nichts sagen. Hab ich so im Gefühl…

Dem Hubert werd ich auch nichts sagen. So mickrig wie der Unterhalt ist, den er mir bezahlt. Da kann er eh kaum was sparen. Am Ende will der noch was abhaben! Nix da! Vielleicht kann ich jetzt einen Putzjob weniger. Vielleicht kündige ich in der Pizzeria, dann muss ich nicht mehr so spät ran. Andererseits… die Italiener sind schon großzügig und das Essen richtig gut.

Aber mal in Urlaub fahren, das ist drin. Mal eine Woche raus aus der Putzschürze, rein in den Badeanzug. Sonne, Strand, Meer. Cocktails, knackige Animateure, all inklusiv am besten. Ja, das isses! Und gründlich, bitte, Frau Schmitz. Jawohl, Frau Professor, gründlich. Ich bin immer gründlich, Frau Professor. Hihi… So, jetzt zähl ich’s nochmal!

Brockhaus der Woche (38/2018)

Manchmal kommen sich das Leckere und das nicht so Leckere sehr nah. So auf Seite 266 von Band 8 meines Brockhaus: auf exakt gleicher Höhe, linke Spalte: Lebertran, rechte Spalte: Lebkuchen.

Lebertran (Oleum Jecoris), aus der Leber von Heilbutten oder Dorschen gewonnenes klares, schwach fischartig riechendes, fettes Öl von gelbl. Farbe, mit hohem Anteil an ungesättigten Fettsäuren und den Vitaminen A, E und D; Anwendung u.a. als Stärkungsmittel, äußerlich in Salben zur Wundbehandlung.

Lebkuchen (Pfefferkuchen), Dauerbackware aus Mehl, (Kunst-)Honig und einer L.-Gewürzmischung aus Nelken, Muskat, Koriander, Kardamom, Anis, Zimt, Ingwer.

Brockhaus der Woche (37/2018)

Jetzt, wo die Abende und Nächte kühler werden, gewinnt sie wieder an Bedeutung:

Kälteresistenz, die Fähigkeit von Organismen, länger dauernde Einwirkung tiefer Temperaturen ohne bleibende Schäden zu ertragen. Allg. existiert eine große individuelle Variabilität im Ertragen von Kälte, die u.a. abhängig ist vom Flüssigkeitsanteil am Lebendgewicht der Organismen bzw. dem Verhältnis von freiem zu gebundenem Wasser sowie Einwirkungsdauer, Plötzlichkeit und Wiederholung der Kälteeinwirkung. Organismen kühlerer Klimate besitzen eine wesentlich größere K. als Pflanzen und Tiere wärmerer Lebensräume, die häufig schon bei einigen Graden über 0°C zum Kältetod führende Schäden erleiden. – Häufig wird bei Pflanzen die Frostresistenz, tiefe Temperaturen unter 0°C lebend zu überstehen, von der K. unterschieden. Sinkende Temperaturen lösen die Bildung von Frostschutzstoffen aus, die u.a. in Chloroplasten eingelagert werden und vor Wasserentzug schützen.

Die genannte „große individuelle Variabilität im Ertragen von Kälte“ kann übrigens auch an den menschlichen Bewohnern meines Haushalts beobachtet werden.

Abendstimmung (Achtung: Reime!)

Es gibt Menschen, die reimen richtig gut, ohne Kitsch oder Quatsch. Ich gehöre nicht dazu, selbst mit Reimlexikon nicht. In der Schreibwerkstatt zum Reimen aufgefordert, gab ich mein Bestes. Hier kommt es: Zwei Strophen, zweihebiger Jambus, Reimschema abab, cdcd. Formal angeregt von Joachim Ringelnatz‘ „Liedchen“.

Abendstimmung
Die Sonne sinkt
Die Hündin bellt
Die Amsel singt
Der Hunger quält

Die Luft wird frisch
Der Wald steht still
Schatz, komm zu Tisch
`S gibt Fisch mit Dill

Brockhaus der Woche (36/2018)

Der Brockhaus der Woche führt uns diesmal nach Frankreich.

Jakobinermütze, der phrygischen Mütze nachgebildete rote Mütze mit überhängendem Zipfel, von den Jakobinern getragen, Symbol der Frz. Revolution von 1789.

Häufig wird die französische Marianne als Allegorie der Freiheit und der Republik mit einer Jakobinermütze dargestellt. Frankreich hat aber noch eine zweite Patronin:

Jeanne d’Arc [ʒan’dark] (heilige Johanna, Jungfrau von Orléans), nannte ich selbst Jeanne la Pucelle, frz. Nationalheldin, *Domrémy-la-Pucelle (Dép. Vosges) zw. 1410 und 1412, † Rouen 30.5.1431; Bauernmädchen, fühlte sich durch „Stimmen“ berufen, das seit Herbst 1428 von den Engländern belagerte Orléans zu befreien und den Dauphin (Karl VII.) in Reims krönen zu lassen. Am 25.2.1429 wurde sie von Karl empfangen, überzeugte ihn von ihrer Sendung und begleitete bewaffnet in Männerkleidung das frz. Heer. Die Befreiung von Orléans führte zur entscheidenden Wende im Hundertjährigen Krieg. Nach der Krönung Karls (17.7.1429) stieß sie auf wachsenden Widerstand bei Hofe. Am 23.5.1430 geriet sie bei Compiègne in die Gefangenschaft der Burgunder, die sie gegen eine hohe Summe den Engländern auslieferten. Der frz. Hof unternahm nichts, um sie zu retten. Sie wurde nach Rouen gebracht, vom geistl. Gericht als Zauberin und Ketzerin verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Schon von den Zeitgenossen verherrlicht, wurde ihre Verurteilung 1456 kirchlich aufgehoben. 1909 wurde sie selig, 1920 heilig gesprochen (Tag: 30.5.) und zur 2. Patronin Frankreichs erklärt.

Mein Erlanger Poetenfest 2018

Der Lesenachmittag am Samstag (25.08.) startete wegen leichten Regens im Redoutensaal. Ab der 3. Lesung wurde nach draußen in den Schlossgarten verlegt. Regen gab es keinen mehr, aber ein frischer Wind blieb bis zum Abend. Ich war sehr froh über meine mitgebrachte grüne Kuscheldecke… Das Programm: abwechslungsreich, spannend, unterhaltsam, berührend.

Meine Highlights am Samstag:

  • Alex Capus: „Königskinder“. Das streitlustige Ehepaar Max und Tina wird im Auto auf einem Gebirgspass eingeschneit. Bis die beiden von der Schneefräse befreit werden, erzählt Max eine Liebesgeschichte aus der Zeit kurz vor der Französischen Revolution. Leichtfüßig und mit Schweizer Charme erzählt.
  • Kristine Bilkau: „Eine Liebe, in Gedanken“. Nach dem Tod der Mutter entdeckt die Tochter in Briefen und Tagebucheinträgen deren lang vergangene Liebesbeziehung zu Edgar, die wohl kein Happy End fand. Die Leseprobe war stimmungsvoll und einfühlsam.
  • Maike Wetzel: „Elly“. Ein elfjähriges Mädchen, Elly, verschwindet auf dem Weg zum Judo-Unterricht spurlos. Die Eltern und die ältere Schwester sind seitdem in der Zeit gefangen. Die abwesende Elly hat sie alle im Griff und lässt sie nicht weitergehen. Atmosphärisch dicht und psychologisch hochinteressant.
  • Anne Reinecke: „Leinsee“. Karl, Sohn eines erfolgreichen Künstlerpaars, mit 10 ins Internat verfrachtet, kehrt in sein Elternhaus zurück, nachdem der Vater sich umgebracht hat und die Mutter aufgrund eines Hirntumors pflegebedürftig geworden ist. Eine tragische Familiengeschichte, humor- und gehaltvoll erzählt.
  • Tanja Maljartschuk: „Frösche im Meer“. Der Text, der den diesjährigen Bachmann-Preis gewonnen hat, erzählt berührend und gewitzt von einem Arbeiter aus der Ukraine, der ohne Pass illegal in Wien lebt, und einer dementen alten Dame. Überzeugend und bezaubernd vorgetragen.

Der Sonntag (26.08.) entschädigte mit strahlendem wärmenden Sonnenschein für den kühlen Samstag. Der Funke sprang bei den Lesungen jedoch nicht so richtig auf mich über.

Erwähnenswert:

  • Lucy Fricke: „Töchter“. Roadnovel mit trockenem, selbstironischem Witz.
  • Christian Uetz: „Engel der Illusion“. Lyrik, für mich weitgehend unverständlich, aber beeindruckend leidenschaftlich-furios vorgetragen.
  • Maria Cecilia Barbetta: „Nachtleuchten“. Die Geschichte kleiner Leute in einem Vorort von Buenos Aires am Vorabend der argentinischen Militärdiktatur.
  • Angelika Klüssendorf: „Jahre später“. Dritter Teil einer Trilogie, im Mittelpunkt ein Mädchen, aufgewachsen in der DDR, später in die BRD ausgewandert, Erzählzeit: kurz vor der Wende 1989.

Wirklich berührt hat mich am Sonntag ein Projekt der Auslandskorrespondentin Susanne Koelbl. „The Poetry Project“ ermöglicht es jungen Geflüchteten durch das Schreiben von Gedichten ihre eigene Stimme zu finden. Auf dem Nebenpodium präsentierten etwa acht Jugendliche aus dem Projekt ihre Gedichte. Eine 15-jährige kurdische Syrerin, die seit drei Jahren in Deutschland lebt, auf Deutsch, die anderen in ihrer Muttersprache, gefolgt von der deutschen Übersetzung, vorgetragen von einem Vorleser.
Zunächst war ich bewegt von den Worten über verlorene Heimat und Familie, über die Schrecken der Flucht. Und dann, es blitzte erst kurz auf und wurde immer klarer: Trotz aller Traumata, trotz aller Unterschiede der Kulturen: Da stehen junge Menschen; auf der Suche nach sich selbst, nach Liebe und Anerkennung, nach ihrem Weg und ihrem Platz. Dinge, nach denen auch ich als Jugendliche gesucht habe.
„Es ging darum, die Fremdheit zu überwinden. Die Poesie als Brücke schien ein guter Anfang.“, steht auf der Website des Poetry Project und ich denke, das ist eine sehr gute Idee.