Archiv der Kategorie: Brockhaus der Woche

Brockhaus der Woche (22/2018)

Vatnajökull [ʹvatnajœ:kydl], größter Gletscher Islands, im SO der Insel, mit 8300 km2 und einer Eisdicke von z.T. über 1000 m größter Gletscher Europas, bis über 2000 m hoch; überzieht mehrere tätige Vulkane, deren Ausbrüche Schmelzwasserfluten hervorrufen (zuletzt im Sept. 1996).

Und auch dieser Gletscher schmilzt, während Politiker mit dem Totschlagargument „Arbeitsplätze“ wedeln, Wetter und Klima verwechseln, oder meinen, dass uns der Klimawandel nichts anginge, weil schließlich nicht zu beweisen ist, ob er wirklich menschengemacht ist.

Es ist egal, welche Ursachen die Klimaerwärmung hat – die Folgen treffen die gesamte Menschheit und so wäre es doch in jedem Falle schlau, diesen entgegenzuwirken. Nur leider haben diejenigen, die schon heute spürbar darunter leiden, keine Lobby – im Gegensatz zu Automobilbranche & Co.

Auf Kosten künftiger Generationen spielen wir ein: Vabanquespiel [vaʹbãk-, frz.], hohes Risiko, Wagnis.

Brockhaus der Woche (21/2018)

Heute treffen wir Undine.

Undine [zu lat. unda „Welle“], die, Elementargeist in Gestalt einer schönen Frau; sie begehrt die Verbindung mit einem Menschen, um eine unsterbl. Seele zu erringen, und bestraft Untreue mit dem Tod. Der Stoff ist überliefert durch Paracelsus; seit F. de la Motte Fouqué (Märchennovelle „Undine“, 1811) ist U. eine Wasserfrau; Opern von E. T. A. Hoffmann (1816), A. Lortzing (1845), Drama von J. Giraudoux (1939).

Die Erzählung von Fouqué ist in wunderbarer romantischer Sprache geschrieben, mit einer sehnsuchtsvollen und tragisch liebenden Undine, die sich am Ende ihrem Schicksal nicht verweigern kann. Eine schön illustrierte Ausgabe gibt es von der Büchergilde Gutenberg.

Undine

Brockhaus der Woche (20/2018)

Diese Woche ist „T“ dran. T… Welches Wort nehm ich da? Mit T… Wie wär’s mit Tee?

Tee [niederländ., aus malaiisch, letztlich chines.],
1) als echter Tee die getrockneten Blattknospen und jungen Blätter des Teestrauchs, die je nach Herkunft und Qualität 1-5% Koffein, ferner Theobromin, Theophyllin, etwas äther. Öl und 7-12% Gerbstoffe enthalten. Beim Aufbrühen werden das Koffein und die Aromastoffe rasch, die Gerbstoffe, die auch die Bräunung bestimmen, erst nach und nach ausgezogen. Bei der Herstellung des schwarzen T. wird das Pflückgut nach dem Welken gerollt (um die Zellwände aufzubrechen) und dann in Gärkammern bei 35-40 °C über vier Stunden fermentiert. Das Trocknen erfolgt bei 85-125 °C. Beim grünen T. unterbleibt die Fermentation. Durch kurzes Dämpfen über siedendem Wasser bleibt die grüne Farbe erhalten. Grüner T. ist ebenso wie der halb fermentierte „gelbe“ Oolong-T. v.a. in China und Japan verbreitet.
Wirtschaft: 1995 wurden weltweit 2,627 Mio. t T. geerntet, davon in Indien 715000 t, in China 613000 t, in Kenia 245000 t, in Sri Lanka 242000 t, in Indonesien 140000 t und in der Türkei 135000 t.
Kulturgeschichte: In China wurde der T. schon lange vor unserer Zeitrechnung verwendet. Erste japan. Belege über T. als Genussmittel stammen aus dem Jahre 729. Durch reisende Araber kam der T. nach Europa. 1610 brachten die Holländer von chines. Kaufleuten getauschten T. in ihre Heimat, 1660 verbreitete die Ostind. Kompanie den T. in England. In Dtl. bürgerte sich erst seit Beginn des 19. Jh. das T.-Trinken ein.
2) allg. Bezeichnung für die getrockneten Teile bestimmter Pflanzen und den daraus bereiteten Aufguss, z.T. auch längere Abkochung; wird teilweise als Arzneimittel benutzt, so Kamillen-, Pfefferminz-, Flieder-, Fenchel-, Lindenblüten-T. oder T.-Gemische wie Brusttee.

Seit 2001 hat sich der grüne Tee auch in Europa sehr weit verbreitet, aber stimmt, damals war der noch ein wenig exotisch. Ein Teenager ist übrigens kein Nagetier, das auf Teeplantagen lebt, sondern ein Jugendlicher zw. 13 und 19 Jahren.

Brockhaus der Woche (19/2018)

Der frisch geschlüpfte bayerische Ministerpräsident steht nicht in meinem Brockhaus. Dafür:

Säkularisierung, allg.: jede Form der „Verweltlichung“; i.e.S. die Bez. für den v.a. durch Humanismus und Aufklärung ausgelösten, in der Autonomie der menschl. Vernunft begründeten emanzipator. Prozess, der in der europ. Neuzeit zu einer immer größeren Selbstständigkeit der Lebensgestaltung und Weltanschauung gegenüber den früheren Bindungen an die Religion (Kirche) und ihre Sinnangebote und sittlich-moral. Vorgaben geführt hat; heute v.a. Synonym für die „Entchristlichung“ der Gesellschaft bzw. „Entkirchlichung“ breiter Bevölkerungsgruppen in der westl. Welt.

Auch:

Sakrileg [lat. sacrilegium „Tempelraub“] das, Vergehen gegen Heiliges: die Entweihung heiliger Orte oder Sachen durch Schändung, Missbrauch oder Raub sowie tätl. Angriffe gegen geweihte Personen.

„Stammtisch“ hingegen ist nicht zu finden, dafür jedoch:

Skunks [engl., aus Algonkin] (Stinktiere, Mephitinae), amerikan. Unterfamilie der Marder; plumpe, spitzschnäuzige Tiere mit buschigem Schwanz; mit großen, bei Bedrohung eine übel riechende Flüssigkeit absondernden Stinkdrüsen. Das ölige Sekret kann mehrere Meter weit gezielt gespritzt werden. Die Grundfärbung des Oberhaars ist schwarz mit weißer Zeichnung. […]

Und direkt darunter:

skurril [lat.], absonderlich, eigenwillig, verschroben

Brockhaus der Woche (18/2018)

Mehr als acht Seiten füllen im Brockhaus Begriffe, die mit „Recht“ beginnen. Einer davon ist der Brockhaus der 18. Kalenderwoche.

Rechtssymbole, Gegenstände oder Vorgänge, die einen Rechtsvorgang oder ein Rechtsverhältnis durch Versinnbildlichung anschaulich machen sollen. R. finden sich v.a. in frühen Entwicklungsstufen von Rechtskulturen. Sie waren im älteren german. Recht von großer Bedeutung; ihnen wurden mag. Kräfte zugeschrieben. Mit der Entwicklung eines begriffl. und kodifizierten Rechts büßte diese Symbolik ihre Bedeutung stark ein.
Beispiele von R. sind Marktkreuz und Rolandsäule für die städt. Freiheit und Gerichtsbarkeit, Handschlag für den Abschluss eines Rechtsgeschäfts, Zepter und Krone für die Legitimation des Herrschers, gebrochener Stab für ein Todesurteil.

Viele Abbildungen von Rechtssymbolen finden sich im Sachsenspiegel, einem bedeutenden Rechtsbuch des deutschen Mittelalters.

Sachsenspiegel_die_wahl_des_deutschen_Königs

Brockhaus der Woche (17/2018)

Heute: Altperuanische Datenverarbeitung.

Quipu [´kipu, Ketschua] der (Kipu), altperuan. (baum)wollene Knotenschnur, die zum Festhalten von messbaren Daten diente, wobei ein Dezimalsystem zugrunde lag. Die Kopfschnur konnte bis zu 100 Nebenschnüre haben. Je nach Farbe der Schnüre und Zahl der Knoten vermittelte der Q. verschiedene Bedeutungen (ideograph. Gedächtnisschrift); er war aus sich selbst heraus nicht verständlich, sondern bedurfte einer mündl. Erläuterung. Bei den Inka gab es dafür ein eigenes Amt.

Inca_Quipu

 

Brockhaus der Woche (16/2018)

Diesmal unternehmen wir mit dem Brockhaus der Woche einen kleinen Ausflug in die griechische Mythologie: Pegasus und Perseus

Pegasus, 1) Astronomie: ein Sternbild des nördl. Himmels.
2) grch. Mythos: das geflügelte Ross, das aus dem Rumpf der von Perseus getöteten Medusa entsprang und von Bellerophon gezähmt wurde; als er auf P. zum Himmel hinaufreiten wollte, warf dieser ihn ab. – Durch den Hufschlag des P. entstand die Quelle Hippokrene, die dichter. Inspiration verleiht. Deshalb gilt P. als Symbol der Dichtkunst.

Perseus, 1) Astronomie: Sternbild des nördl. Himmels mit dem Stern Algol.
2) grch. Mythos: Sohn des Zeus und der Danae; tötete mithilfe von Athene und Hermes die Gorgo Medusa; gewann Andromeda, die er aus der Gewalt eines Meeresungeheuers befreite. P. wurde Herrscher über Tiryns, von wo aus er u.a. Mykene gründete. – P. wurde oft dargestellt: mit dem Haupt der Medusa von B. Cellini, die Befreiung der Andromeda durch P. u.a. von Tizian, Paolo Veronese, P.P. Rubens und G.R. Donner.

Pegasus: Von Carole Raddato from FRANKFURT, Germany [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

Perseus: Von Jordiferrer – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=56220893

Brockhaus der Woche (15/2018)

Angeblich ist sie das halbe Leben…

Ordnung, 1) allg.: übersichtlicher Zustand; unter einem bestimmten Prinzip zu einem einheitl. Ganzen zusammengefügte Vielheit von Teilen oder Elementen; geregelte, ungestörte Situation.
2) Biologie: in der Systematik eine Einheit zw. Familie und Klasse.
3) Mathematik: a) die Ordnungsrelation; b) auch als Grad bezeichnete Kennzahl zur Klassifizierung mathemat. Objekte, z.B. die O. algebraischer Kurven, die O. einer Differenzialgleichung.
4) Philosophie: metaphysisch-ontolog. Grundbegriff: Gestaltetheit des Seins als System, Struktur, Hierarchie, Organismus u.a. auf Einheit hin (Kosmos, Welt), im Ggs. zum Ungeordnet-Chaotischen; in erkenntnistheoret. Funktion: die Erfahrung als „nach Regeln“ geordnetes Ganzes (Kant), unter Vernunftideen stehend; in der Ethik: als Wert-O. das normative System.
5) Soziologie: die Struktur der Beziehungen in einer sozialen Einheit (Gruppe, Verband, Klan, Sippe, Gesellschaft, Staat). (Ordo)

Zugegeben, das sind viele unterschiedliche Bedeutungen. Aber das halbe Leben ist sicher noch mehr.

Brockhaus der Woche (14/2018)

Jetzt sind sie spürbar kürzer als die Tage, das weiß auch der Brockhaus. Was sagt er sonst noch über die Nächte?

Nacht, die Zeit zw. Sonnenuntergang und Sonnenaufgang; ihre Dauer hängt von der geograph. Breite des Beobachtungsortes und von der Jahreszeit ab. Am Äquator ist die N. während des ganzen Jahres 12 Std. lang, an allen anderen Orten nur zu den Zeiten der Tagundnachtgleiche (um den 21. März und 23. Sept.). Auf der nördl. Halbkugel sind (etwa) vom 22. März bis 22. Sept. die Tage länger als die N., vom 24. Sept. bis 20. März kürzer, auf der südl. Halbkugel umgekehrt; zur Zeit der Wintersonnenwende (um den 21. Dez.) ist die N. auf der N-Halbkugel am längsten, zur Zeit der Sommersonnenwende (um den 21. Juni) am kürzesten.

Mit der Nacht haben sich einige Begriffe gepaart, unter anderem die Tiere und das Stück.

Nachttiere (nachtaktive Tiere), Tiere, deren Lebensaktivitäten v.a. in der Nachtzeit liegen, während sie tagsüber ruhen oder schlafen (z.B. Leuchtkäfer, Nachtschmetterlinge, Geckos, Schlangen, fast alle Eulenvögel und Flattertiere). N. haben entweder sehr lichtstarke oder sehr kleine Augen. Im letzteren Fall sind Geruchssinn und Ultraschall Orientierungshilfen.

Nachtstück, 1) Malerei: Gemälde, das eine Szene im nächtl. Innen- oder Freiraum darstellt, mit überird. oder verborgenen Lichtquellen oder mit Mondlicht. Erste Beispiele gibt es im 15. Jh., seit dem 17. Jh. sind N. eine eigene Bildgattung. (Helldunkel)
2) Musik: das => Notturno.

Notturno [italien. „Nachtstück“] das (frz. Nocturne), in der Musik des 18. Jh. ein mehrsätziges Instrumentalwerk, ähnlich der Serenade; in der romant. Klaviermusik des 19. Jh. ein einsätziges Klavierstück träumer. (J. Field, F. Chopin) oder unheiml. Charakters (R. Schumann). C. Debussy komponierte „Trois nocturnes“ (für Orchester).

Brockhaus der Woche (13/2018)

Sehr viele spannende Begriffe beginnen mit „M“. Ich habe mich für einen sehr grundlegenden entschieden: Menschenrechte.

Menschenrechte, Rechte, die jedem Menschen unabhängig von seiner Stellung in Staat, Gesellschaft, Familie, Beruf, Religion und Kultur bereits dadurch zustehen, dass er als Mensch geboren ist. Auch andere Merkmale wie Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, polit. oder sonstige weltanschaul. Vorstellungen, nat. oder soziale Herkunft lassen die Gültigkeit der mit der bloßen Existenz als Mensch verbundenen M. unberührt. Zentraler Begriff der M. ist die Menschenwürde als die unbedingte Anerkennung des Einzelnen als eines Trägers gleicher Freiheit, deren Gebrauch unabhängig von anderen Menschen erlaubt sein muss. M. werden insoweit durch staatl. Normierungen nicht geschaffen, sondern können durch diese als etwas Vorhandenes lediglich anerkannt werden.
Auch wenn die Idee der M. das Produkt einer spezifisch neuzeitlichen abendländ. Problemkonstellation war, hat sich doch eine universale Grundlage für die Diskussion der M. als individuelle Rechte etabliert. Das gilt, obwohl ihre Gültigkeit durch religiöse, polit. oder weltanschaul. Totalitarismen in Frage gestellt wird. In den Verfassungstexten formulierte M. werden i.d.R. als Grundrechte bezeichnet.

Auf die völkerrechtl. Ebene konnten die M. erst im 20. Jh. vordringen. Dies erklärt sich aus der Grundstruktur des Völkerrechts als eines Rechts der souveränen Staaten. Der Einzelmensch erhielt durch völkerrechtl. Rechtsnormen weder Rechte noch Pflichten. Nach dem 2. Weltkrieg setzten die Vereinten Nationen (UN) die Stärkung der M.-Idee auf der internat. Ebene mit Nachdruck fort. Ein Markstein ist die Allgemeine Erklärung der M., die am 10.12.1948 verkündet wurde, die allerdings nur empfehlenden Charakter besitzt. Verbindl. Konventionen sind dagegen zwei am 19.12.1966 verabschiedete, später [1976] in Kraft getretene Werke, nämlich der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte […] und der Internationale Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte […] als Kernstücke des internat. M.-Schutzes. […] Die tatsächl. Lage der M. wird von der UN durch versch. Kommissionen und Beauftragte beobachtet; zu ihrer Verbesserung sind zahlreiche Abkommen geschlossen worden. 1993 wurde das Amt eines Hochkommissars für M. geschaffen. […]

Der gesamte völkerrechtl. M.-Schutz leidet noch immer darunter, dass er in erster Linie innerstaatl. Organen übertragen ist. Die völkerrechtl. Instrumente können nur die Staaten als solche verpflichten. Die Kontrolle über die Erfüllung der völkerrechtl. Pflichten ist wegen des Fehlens eines internat. Exekutivorgans und einer internat. obligator. Gerichtsbarkeit sehr erschwert. Nur auf regionaler Ebene […] sind Ansätze für eine internat. Gerichtskontrolle geschaffen worden. Der Zugang des Einzelnen zu einer solchen internat. Gerichtsbarkeit stößt aber immer noch auf rechtsdogmat. Schwierigkeiten, weil der internat. M.-Schutz die Schwelle der nat. Souveränität noch nicht überwunden hat.