Archiv der Kategorie: Gedanken aus der Besteckschublade

Obamania


Jetzt ist es also soweit: Barack Obama ist Präsident. Der Freudentaumel muss sich der Realität stellen, dem Hype müssen Taten folgen. Dass Obama keine Wunder wirken kann, ist klar. Trotzdem stimmt mich die Amtseinführung froh. Denn: Obama beweist, dass Veränderung möglich ist. Allein durch seine Wahl.

 

Veränderung steht bei ihm für etwas, aus dem Gutes erwächst und deshalb anzustreben ist. Das ist für einen Kandidaten, der eine unbeliebte Regierung ablösen will, sicher eine naheliegende Wahlkampfstrategie. Dennoch bemerkenswert – weil in der deutschen Politiklandschaft Veränderung viel häufiger etwas bedeutet, das man fürchten sollte, weil dadurch alles nur noch viel schlimmer wird als es vorher schon war.

 

Nicht so bei Obama. Voller Enthusiasmus spricht er davon, welche Zukunft er sich vorstellt und bleibt dabei authentisch, weil er nicht verschweigt, dass es nicht leicht sein wird. Damit legt er die Messlatte für die spätere Beurteilung seiner Integrität und Ausdauer natürlich hoch, aber was viel wichtiger ist: Er setzt Energie frei, er begeistert, inspiriert und er gibt Raum für Hoffnung und Glauben. Und schafft so den Geist, der Veränderung überhaupt erst möglich macht.

 

Dadurch hat er schon Besseres geleistet als manch anderer nach Jahren im Amt… Gestern hab ich außerdem noch bemerkt, dass er Linkshänder ist – wie ich. Da kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. 😉

 

Geschichten fürs Leben


Über die Weihnachtstage gab es zahllose Möglichkeiten, Märchen und ähnliche Geschichten zu konsumieren. Einige davon sprechen mich ganz besonders an; die bekomme ich immer wieder gerne erzählt.

Ein Klassiker: Charles Dickens’ „A Christmas Carol“. Die Geschichte von Ebenezer Scrooge, einem reichen Alten, der Mitgefühl und Wohltätigkeit für „Humbug“ hält. In der Weihnachtsnacht suchen ihn vier Geister heim, zuerst der seines verstorbenen Geschäftspartners und anschließend die Geister der vergangenen, der jetzigen und der zukünftigen Weihnacht. Sie führen Ebenezer die Folgen seiner Kaltherzigkeit vor Augen und prophezeien Dunkelheit und Tod. Davon aufgerüttelt beginnt Ebenezer am Weihnachtstag ein neues Leben; er öffnet Herz und Geldbörse und merkt, dass er dadurch reicher wird als je zuvor.

Wie glaubwürdig es ist, dass ein griesgrämiger Geizhals durch nächtliche Erscheinungen dauerhaft geläutert wird, sei dahin gestellt. Wichtig ist die Botschaft, die mit der Geschichte kommt: Du hast immer die Chance, dein Handeln zu verändern. Und es wird einen Unterschied machen. Vergangenes kannst du nicht zurück nehmen, aber die Zukunft hast du in der Hand.

Es gibt noch eine zweite Geschichte, die ich sehr mag: die vom verkannten und ungerecht behandelten Wesen, das am Ende den großen Preis gewinnt – das Aschenputtel genauso wie das hässliche Entlein. Das Entscheidende hier: Auch wenn es dir schlecht ergeht und die Welt dich nicht will, gib nicht auf, denn eines Tages findest du deinen Platz und wirst strahlen.

All diese Geschichten erzählen davon, dass Veränderung möglich ist und es somit immer Grund zur Hoffnung gibt – ein Gedanke, der Zuversicht und Vertrauen ins Leben gibt.

Ungleichgewichtige Unzulänglichkeiten


So ein Ego ist eine komische Sache: Ohnehin so gut wie immer präsent, macht es sich manchmal richtig breit. Will stets gepflegt und gestreichelt werden. Und wehe, es wird ihm einmal nicht recht gemacht; dann ist es bis ins Mark getroffen und spielt die beleidigte sissy. – Meines zumindest verhält sich so.

 

Fühlt sich das Ego beispielsweise unzureichend gewürdigt und übergangen, weil jemand anderes aus seiner Sicht bevorzugt behandelt wurde, herrscht helle Aufruhr. Wird diese nach außen getragen, trifft sie auf überraschte und betroffene Gesichter, denn kaum jemand hatte damit rechnen können.

 

So anstrengend das mitunter sein kann, hat es etwas sehr Gutes: Es wird in neue Richtungen gedacht, vernünftige Ziele werden definiert, frische Energie wird investiert. Das jäh ausgelöste Ungleichgewicht eröffnet die Chance, ein neues Gleichgewicht auf einem höheren Niveau zu erreichen. Ein grundlegendes Prinzip in entwicklungspsychologischen Ansätzen, zum Beispiel bei Jean Piaget.

 

Und so betrachtet bin ich meinem Ego doch sehr dankbar dafür, dass es so ist, wie es ist.

Sichtwechsel


In meinem Fitness-Studio haben Männer keinen Zutritt. Es sei denn, sie sind ungefähr sieben Jahre alt und werden von einem Mitglied auf einen Stuhl an der Theke gesetzt; so wie gestern Nachmittag. Im Trainingszirkel waren gerade ein Dutzend Frauen dabei, auf verschiedenartigen Geräten zu laufen und zu strampeln, zu ziehen und zu drücken.

 

Der Blick des Jungen sagte: Was in aller Welt macht ihr da? Für einen Siebenjährigen muss das nach Langeweile pur aussehen. Für die schwitzenden Frauen hingegen hat das Training eine Bedeutung.

 

Bei allem was man tut, sollte man sich ab und zu fragen, wie das ganze aus einer anderen Perspektive aussieht. Wie wirkt mein Verhalten auf andere? Was sehen sie?

 

Dabei geht es nicht darum, es den anderen recht zu machen. Nein, es geht darum, Handlungen und Reaktionen von anderen besser verstehen zu können, wenn man sich überlegt, wie das eigene Verhalten auf sie wirken muss.

 

Und – wahrscheinlich am Wichtigsten: Ein Sichtwechsel hilft oft dabei, sich selbst ein bisschen weniger ernst zu nehmen. Ja, klar, eine Stunde lang auf einem metallenen Ding auf der Stelle zu treten, kann albern wirken. Ich mach’s trotzdem gern. Wer sein Leben mit Humor betrachtet, hat einfach mehr davon.

Helden will die Welt


James Bond und Barack Obama haben einiges gemeinsam. Nicht nur, dass diese Woche ihr entscheidender Auftritt ansteht, sondern sie sind beides Helden, nach denen die Welt sich sehnt. Bösewichte müssen bekämpft, die Gerechten beschützt, die Moral verteidigt werden. Dafür braucht es den einen guten Mann. Alle Hoffnung wird auf ihn gesetzt. Die Wunschliste ist lang.

 

Dabei hat James einen entscheidenden Vorteil: als fiktiver Figur sind ihm keine Grenzen gesetzt. Seine Ressourcen sind unerschöpflich, Regeln gelten nicht für ihn und Geld spielt sowieso keine Rolle. Davon kann Barack nur träumen.

 

Und dann doch wieder eine große Gemeinsamkeit: Man darf von beiden nicht zu viel erwarten. Aber eines ist sicher: Wenn Barack Obama morgen die Wahl gewinnt, ist das ein großer Schritt in eine gute Richtung. Genauso wie wenn James wieder einmal stilvoll Ganoven reduziert.

 

Absolut empfehlenswert


Als ich single war und ab und an die wohl unvermeidlichen Einsamkeits- und Selbstmitleidsgefühle aufkamen, hab ich mich immer damit zu trösten versucht, dass es Leuten in Beziehungen ja auch nicht immer toll geht. Und überhaupt! Die vielen Nachteile, die man in einer Partnerschaft hat: keine Selbstbestimmtheit mehr, ewige Kompromisse, lästige Verpflichtungen, usw. Kein Grund also traurig zu sein, dass man keinen festen Freund hat!

 

Diese Überlegungen haben in konkreten Tiefsituationen nur bedingt geholfen, auch wenn ich wusste, dass es im Kern wahr ist: eine Beziehung macht nicht automatisch glücklich.

 

Seit einigen Monaten kann ich aus erster Hand von der Beziehungsseite berichten. Und natürlich, es stimmt. Die kleinen Probleme des Alltags, stressige Situationen im Job, weltpolitische Verwerfungen sind unverändert da. Und auch das stimmt: in einer Beziehung hat man weniger Zeit für sich selbst. Einige Entscheidungen kann man nicht mehr nur für sich treffen und manchmal macht man auch Dinge, auf die man gar nicht so dringend Lust hat.

 

Und trotzdem: Ich möchte nicht wieder tauschen. Eine gute Beziehung macht so viel Spaß, gibt Kraft, Halt und ein wunderbares Grund-Glücks-Gefühl. In der Psychologie spricht man dann von einem hohen GGG-Wert. … Nein, das stimmt nicht, hab ich mir grad ausgedacht…

 

Und wie ich des Öfteren höre, macht eine glückliche Beziehung anscheinend auch frech. Da weiß ich aber nicht so recht, ob tatsächlich was dran ist… J

 

Es war neu, bunt und furchtbar aufregend


Letzte Woche hatten sie in meinem Fitnessstudio mal wieder die Disc mit Videos aus den 80ern laufen. Die Erfindung des Videoclips war eine Offenbarung für mich: Popmusik zusammen mit bewegten Bildergeschichten. Einfach genial! Noch auf dem Stepper habe ich drei All-Time-Highlights gekürt.

Nummer 1: Cindy Lauper, Girls Just Wanna Have Fun
Das Video repräsentiert die bunten und unbeschwerten 80er. Keiner ist perfekt gestylt, das brauchte man damals noch nicht. Eine denkbar einfache Story wird in fröhlichen Bildern gezeigt. Oh ja, ich hab mir damals vorgestellt, auch ich würde drei Dutzend Leute tanzend in mein Zimmer lotsen.

http://www.youtube.com/watch?v=Mft3_A6qtRA (hab leider keinen Clip zum Einbetten gefunden)

 
Nummer 2: Kate Bush, Cloudbusting
Besonders toll fand ich immer Videos, die wirklich eine Geschichte erzählten. Gar nicht so selten traten auch echte Schauspieler auf; hier Donald Sutherland. Die Geschichte hat sogar Wurzeln in der Realität, nämlich im Leben und Werk des Psychoanalytikers Wilhelm Reich.

 

 

Nummer 3: Madonna, Express Yourself
Wir sind Ende der 80er angekommen und langsam wird es stylish. Ich mag die Kombination aus kühler Ästhetik und greifbarer Erotik. Eben Madonna. Regie führte David Fincher, der später unter anderen zwei meiner Lieblingsfilme schuf: Sieben und Fight Club.


Für mich waren Musikvideos prägend – so viel MTV wie ich geschaut habe, als meine Eltern Anfang der 90er endlich Kabelfernsehen anschafften… Geschadet hat’s mir sicher nicht.
J

Entspannung – ja, bitte!


Wir hier in der guten ersten Welt leben bekanntermaßen in dauernder Hektik und unter stetig zunehmendem Leistungsdruck. Dann die unablässige Sorge um den Arbeitsplatz, Klimawandel, teurer Sprit, steigende Gesundheitskosten, die Hungerrente und nun auch noch die Bankenkrise. Wie soll Unsereiner da auch nur einen glücklichen Moment erleben?

 

Ganz einfach: er entspannt. Damit gemeint ist das vorübergehende Ausschalten aller Alltagssorgen und der von so vielen Seiten gestellten Anforderungen. Einfach mal an gar nichts denken – oder an etwas komplett anderes als im Tagesgeschäft.

 

Wie das geht? Bei mir funktioniert Lesen hervorragend. Ein guter Roman mit spannenden und authentischen Charakteren und einer Handlung, in der ich leben kann, während ich das Buch in Händen halte.

 

Auch sehr gut: Yoga. Nach ein paar Minuten konzentrierst du dich nur noch auf deinen Körper und was du damit tust, da ist nichts anderes mehr. Und na klar, auch Sport wirkt so, manche Arten sogar bei mir.

 

Es gibt Menschen, die nur sehr schwer oder gar nicht abschalten können. Ihre Gedanken kreisen ständig um dieselben Themen und Probleme. Im Extremfall werden Nebensächlichkeiten oder schnell zu lösende Aufgaben zu scheinbar unüberwindbaren Hemmnissen. Unbeschwertheit und Freude werden zu Unbekannten.

 

Wer fröhlich und mit Spaß leben will, sollte sich so viel wie eben möglich Entspannungsraum schaffen und ausprobieren, was gut funktioniert. Vielleicht ist es Fischen, Schlagzeug spielen oder Speedboat fahren (Details und weitere Anregungen im Video unten).

 

Wer ausreichend Entspannung hat, geht viele Dinge gelassener an. Zum Beispiel das Saubermachen, wenn man gegen zehn Uhr nach Hause kommt und das Bad überschwemmt mit Ekelwasser vorfindet, weil man es früher am Abend für eine gute Idee gehalten hatte, Rohrfrei in die verstopften Waschbecken zu kippen – und kurz darauf für 2 Stunden zum Yoga zu fahren. J

 

Unglaublich, aber wahr

 

Anfang September haben in meiner Firma zwei neue Azubis angefangen. Die beiden sind zusammen so alt wie ich.  

 

Hätte diese Tatsache eine depressive Stimmung ausgelöst – niemand hätte es mir übel genommen. Aber: ich kann daran nichts Deprimierendes finden. Na klar, erstaunlich ist es schon, dass Menschen, die in den Neunzigern geboren wurden, auf dem deutschen Arbeitsmarkt legal agieren dürfen – aber nicht deprimierend.

 

Was schützt mich vor der potenziellen Niederschmetterung?

 

Zum einen ganz sicher: Kein Mensch glaubt, dass ich so alt bin wie ich bin. Die glückliche Situation mit ungläubigen Augen gemustert zu werden, wenn das Geburtsjahr genannt wird, ist ein starker Schutzschild gegen Altersverzweiflung.

 

Das ist es aber nicht alleine. Die bislang wundersam konservierte jugendliche Ausstrahlung ist nicht von Dauer. Früher oder später finden die Falten ihren Weg auch in mein Gesicht.

 

Viel stabiler schützt die Erkenntnis, dass man mit seinem bisherigen Leben etwas Gutes angestellt hat. Wenn ich an mich selbst mit 17 zurückdenke – wo ich mich in meiner Entwicklung befand, was ich geleistet und erlebt hatte – dann war das nicht übel. Aber wenn ich es mit meinem Stand heute vergleiche, kann ich ehrlich sagen, dass sich einiges getan hat. Allein was ich in den letzten Jahren erfahren habe – beruflich und privat – ist eine ganze Menge.

 

Und das ist, worauf es ankommt. Gefühltes Alter ist Lebenszeit geteilt durch Erfahrungen.

 

Je mehr Erfahrungen du sammelst, umso jünger fühlst du dich im Verhältnis zu deiner Lebenszeit. Und klar, wenn du den ganzen Tag nur vor der Glotze sitzt und nichts erlebst, dann fürchtest du das älter Werden, denn du schreitest nur im Lebensalter fort und nicht in den Erfahrungen.

 

In diesem Sinne: Man musst nicht deprimiert sein, wenn die Kollegen plötzlich halb so alt sind wie man selbst, sondern erst, wenn man feststellt, dass man keinen angemessenen Erfahrungsvorsprung hat. Aber selbst dann: Es ist nie zu spät, um mit dem Training zu beginnen.

Die beste Art Geld auszugeben


… ist Reisen. Warum? Das sind meine 3 Gründe:

 

Reisen macht reich.

Natürlich nicht an Geld. Dafür an Erlebnissen, Bildern und Eindrücken, die du nirgends kaufen kannst. Wenn ich an meine vergangenen Reisen denke, lässt mich das immer noch und immer wieder schwärmen. Natürlich verblassen viele Bilder mit der Zeit, aber was bleibt ist ein Gesamtgefühl und kleine Blitzlichter, die wie Juwelen in der Schatzkammer der Erinnerung funkeln.

 

Reisen macht frei.

Du wirst toleranter und offener gegenüber anderen Ländern, Kulturen und Menschen. Wir fürchten, was wir nicht kennen. Auf Reisen hast du so viele Möglichkeiten, Fremden freundlich und offen zu begegnen, dass diese diffuse Furcht abgebaut werden kann. Das heißt beileibe nicht, dass man alles gutheißen muss, aber das Bild im Kopf wird klarer und weniger vorurteilsbehaftet.

 

Reisen macht lebendig.

Stillstand in der persönlichen Entwicklung ist für mich so eine Art Vor-Tod. Eines der stärksten Gegenmittel ist das Reisen. Es gibt so viel Neues auf dem Weg; das hält in Bewegung. Aufgaben müssen gelöst, Eindrücke verarbeitet, Erfahrungen eingefügt werden. Stagnation hat keine Chance.

 

Das alles gilt vielleicht nicht uneingeschränkt für den Prolo-Touri, der für 99 Cent nach Malle fliegt und erst drei Tage nach der Rückkehr wieder in fahrtaugliche Promille-Regionen gerät. – Nun gut, diese Wahl trifft jeder für sich selbst.