Aufmunterung der Woche (03/2023)

Die Tage werden wieder länger, aber noch sind wir in der dunklen Jahreszeit. In der Dunkelheit sehen wir nicht gut und manchem wird es angst und bang. Lasst uns das Dunkel erleuchten und dabei das Sprichwort bedenken, das dem japanischen Buddhisten Nichiren (1222-1282) zugeschrieben wird:

Wenn du ein Licht für jemand anderen entzündest, dann leuchtet es auch auf deinen eigenen Weg.

Südtirol-Haikus (2 von 7)

3 Hochalpe und Kreuzjoch

Himmel blau, Anstieg
steil, Berge mächtig, Wiesen
saftig, Ziegen kess

Aufmunterung der Woche (02/2023)

Über die Weihnachtstage habe ich „Die Optimistinnen“ gelesen. In ihrem Debütroman erzählt Gün Tank die Geschichte der jungen Türkin Nour, die 1973 als Gastarbeiterin nach Deutschland kommt. Die Arbeitsbedingungen in der Porzellanfabrik in der Oberpfalz sind fragwürdig, die Entlohnung nicht gerecht. Gemeinsam mit anderen nicht-deutschen Frauen aus ihrem Wohnheim kämpft Nour um die Rechte der Arbeiterinnen, auch der deutschen.

Gün Tank zitiert ein türkisches Sprichwort:

Bir elin nesi var, iki elin sesi var.

Sie übersetzt es mit:

Nicht die einzelne Hand, zwei machen Lärm.

Wenn du also etwas ändern willst in der Welt, geh nicht allein, suche dir Verbündete, Komplizen, die gemeinsam mit dir die Stimme erheben.

Südtirol-Haikus (1 von 7)

Im vergangenen September haben wir den Urlaub in Südtirol gemacht, der bereits für den Juni 2020 gebucht war – und der damals aus bekannten Gründen nicht stattfinden konnte. Unsere Stationen waren Prags und Lüsen. Ein Souvenir: Viele Fotos und 15 Haikus, die ich nun in sieben Teilen hier veröffentliche.

1 Pragser Wildsee I

Wasser leuchtend klar
Felswände majestätisch
Viele Touristen

2 Pragser Wildsee II

In Vollmondnächten
fährt das einsame Boot der
Sagenkönigin

Aufmunterung der Woche (01/2023)

Die Welt ist voll von Krisen, Kriegen, Katastrophen. Ich gehöre nicht zu denjenigen, die das leugnen oder kleinreden – aber resignieren oder in Depression versinken werde ich auch nicht!

Deshalb gibt es auf meinem Blog 2023 jede Woche eine Aufmunterung. Laut Wiktionary bedeutet aufmuntern:
[1] versuchen, jemandem mehr Freude oder Fröhlichkeit zu geben
[2] versuchen, jemandem mehr Mut zu geben

Wir starten mit einem Zitat von Mark Twain (aus Pudd’nhead Wilson, 1894):

Eine Gewohnheit kann man nicht einfach zum Fenster hinauswerfen, man muss sie Stück für Stück die Treppe hinunterlocken.

Im Original:

Habit is habit, and not to be flung out of the window by any man, but coaxed down-stairs a step at a time.

Wenn du also etwas ändern willst: Kleine Schritte wählen, nicht gleich aufgeben, dranbleiben, geduldig sein. Und der Gewohnheit, die du loswerden willst, unten am Treppenabsatz freundlich, aber bestimmt die Tür öffnen, damit sie in Frieden hinausgehen kann.

Malerei der Woche (52/2022)

Hans von Aachen (1552-1615), ab 1592 Maler am Prager Hof Rudolfs II, war bekannt für seine mythologischen und allegorischen Darstellungen, zu denen „Der Sieg der Wahrheit“ (um 1598) gehört. Die Wahrheit in Gestalt einer nackten Frau („die nichts zu verbergen hat“), sucht Schutz bei Justitia, der Gerechtigkeit (mit ihren Attributen Waage und Schwert). An ihrer Seite ein mächtiger Löwe, Zeichen für die gerechte Herrschermacht. Besiegt am Boden liegt die Gestalt des Betrugs, ein bärtiger Mann, dem der volle Geldbeutel und die Maske der Falschheit im Fall entglitten sind. Von Justitia und dem Löwen beschützt sehen wir links im Hintergrund drei Frauen einander zugewandt: Abundantia mit dem Füllhorn symbolisiert Reichtum und Überfluss, Pax mit dem Ölzweig den Frieden und Concordantia die Eintracht. Das Gemälde lässt sich als Wunsch nach Frieden, Harmonie und Wohlstand lesen. Mit dieser Deutung schließe ich die Jahresreise durch die Renaissancemalerei und blicke trotz aller Schrecklichkeiten hoffnungsfroh ins neue Jahr. Allen alles Gute dafür!

Malerei der Woche (51/2022)

Jacopo da Ponte, genannt Bassano, hält seine „Anbetung der Hirten“ (1568) vorwiegend in dunklen Brauntönen. Die Hirten sind mit ihrer zerschlissenen Kleidung realitätsnah dargestellt. Bassano zeigt ohne Idealisierung die ärmlichen Umstände der Geburt Christi. Von Christus selbst geht jedoch ein leuchtender Glorienschein aus, der keinen Zweifel an der Heiligkeit des Ereignisses lässt.

Malerei der Woche (50/2022)

Der Winter ist da. Es liegt Schnee und es ist kalt. So auch auf Pieter Bruegels Gemälde „Die Jäger im Schnee“ (1565). Vor den Jägern mit ihren Hunden liegt eine schneebedeckte Landschaft mit schroffen Bergen und kahlen Bäumen. Wir sehen die Häuser einer Dorfgemeinschaft, viele Bewohner gehen fleißig ihrem Tagwerk nach. Doch es ist auch Raum für Fröhlichkeit: die kleinen Figuren auf den zugefrorenen Teichen laufen Schlittschuh und spielen zeitgenössische Varianten des Eisstockschießens und des Schneegolfs.

Malerei der Woche (49/2022)

Hans Vredeman de Vries war der Autor der ersten theoretischen Publikationen zur Perspektivkonstruktion in den Niederlanden, die in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erschienen. Sein Können zeigte er meist an prunkvollen Gebäudearchitekturen. Bei der „Palastarchitektur mit Musizierenden“ (1596) hat vermutlich sein Sohn Paul bei der Ausführung der Architektur unterstützt und die Musizierenden stammen wahrscheinlich vom Figurenmaler Dirk de Quade van Ravesteyn. Das Gemälde ist somit ein Beispiel für die damals durchaus geläufige Arbeitsteilung hochspezialisierter Maler.

Malerei der Woche (48/2022)

Der Begriff Paragone bezeichnet den Wettstreit der Künste untereinander vornehmlich im Italien der Renaissance. Es galt, je nach Standpunkt, Argumente für oder wider die Überlegenheit der einen über die andere Gattung zu finden. Ein Argument für die Überlegenheit der Skulptur über die Malerei war, dass Erstere eine dreidimensionale Darstellung erlaubt, während Letztere auf die Zweidimensionalität der Leinwand beschränkt bleibt. Den Beweis, dass auch in der Malerei eine plastische Darstellung möglich ist, erbrachte das „Bildnis eines Mannes in Rüstung“ von Giovanni Girolamo Savoldo durch all seine anatomisch korrekten Verkürzungen und Spiegelungen. Der Abgebildete neigt sich uns über einen Tisch entgegen, zugleich sehen wir ihn reflektiert in zwei Spiegeln sowie in dem metallisch-glänzenden Rüstungsteil, das auf dem Tisch liegt.