Gunter Dueck über Dummheit im Schwarm

Gunter Duecks Vortrag auf der re:publica 2015 ist unterhaltsam, anregend und appelliert an den gesunden Menschenverstand. Der wird im Schwarm leider allzu leicht ausgeschaltet…

Im Schwarm werden unerreichbare Ziele gejagt, ohne sie jemals zu hinterfragen. Die zerstörerischen Folgen maximaler Auslastung werden wissentlich ignoriert. Und – immer gerne genommen – Korrelation wird mit Kausalität gleichgesetzt, um die Sehnsucht nach einfachen Antworten zu befriedigen.

Das alles ist ziemlich dumm, oder etwa nicht?

Ein Tag am Strand

Sanftes Wellenrauschen
Am Strand ist die Gluthitze erträglich

Zwei Mädchen, die eine Sandburg bauen
Eine Schönheit im Bikini, die sich träge räkelt
Ein dicker Mann, weiß wie eine Zwiebel, der Muscheln in einem Blecheimer sammelt
Ein junges Pärchen, das verliebt im seichten Wasser planscht

Der Muschelsammler wird plötzlich hektisch
Lässt seinen Eimer fallen, zeigt aufs Meer und ruft nach Hilfe
Der junge Mann, eben noch turtelnd,
Wirft sich ins Wasser und schwimmt mit kräftigen Zügen los
Seine Freundin hält sich die Hände vor den Mund,
Ihre Augen sind weit
Die Bikini-Helena nimmt die Sonnenbrille ab
Die beiden Mädchen ziehen einen tiefen Graben um ihre Burg

Sie schauen erst auf,
als sie das Kreischen
der Mutter
des ertrunkenen Jungen
hören

Monster in Nürnberg: Sonderausstellung im Germanischen Nationalmuseum

Die Medusa, in Foto0784Öl auf Leinwand von Franz von Stuck, begrüßt uns im Reich der Monster. Schaurig, schön und fast ein wenig verwundert ob der eigenen Monstrosität starrt sie mit wässrigen Augen. Ein gelungenes Leitbild der Sonderausstellung im GNM (noch bis 06.09.2015). Monster flößen uns Furcht ein und ziehen uns gleichzeitig an. Sie spiegeln unsere dunkle Seite und gehören daher untrennbar zu unserem Selbst.

In der Welt der unheimlichen Tiere treffen wir auf Drachen, Einhörner, Seeungeheuer und andere Fabelwesen. Deren Deutungen und Betrachtungsweisen wandelten sich mit der Zeit – und auch darüber, ob sie nun real existieren oder doch nur ausgedacht sind, herrschte selten Einigkeit.

Wundersame Menschen lernen wir im Anschluss kennen: Beispielsweise den Wilden Mann aus dem Wald, der als roh und unzivilisiert galt, gleichzeitig aber als ursprünglich-edel bewundert wurde. Oder die Wundervölker vom Rand der bewohnbaren Welt mit erstaunlichsten Anatomien (wie der Einbeinige, der sich mit seinem übergroßen Fuß selbst Schatten spenden kann). Nicht fehlen darf der Vampir – früher abstoßend hässlich, heute verführerisch glattrasiert.

Nicht nur unser leibliches Leben, auch unsere Seelen werden von Monstern bedroht: Dämonen und der Teufel führen uns in Versuchung. Der Höllenschlund wartet weit geöffnet, wenn das Letzte Gericht gegen uns urteilt. Allein für den, der widersteht oder seine Sünden bereut, gibt es Hoffnung auf Rettung – wobei es wohl auch passieren kann, dass man unschuldig in der Vorhölle landet. Dann kann nur noch Jesus helfen…

Die Ausstellung ist gelungen konzipiert und überzeugt durch eine große Bandbreite an Themen und Exponaten. Der Besuch bei den Monstern ist sehr vergnüglich und lässt oft schmunzeln. Wirklich zum Fürchten ist die Ausstellung nicht. Wer sich richtig gruseln will, dem empfehle ich – je nach persönlicher Präferenz – einen Zombie-Film, eine Story von Edgar Allan Poe oder aktuelle Statements der CSU zur Flüchtlingsthematik.

Drei Bücher für den Sommer: „Zwischenspiel“ von Monika Maron, „Der Sommer ohne Männer“ von Siri Hustvedt und „Das gefrorene Herz“ von Almudena Grandes

Urlaubszeit ist Lesezeit. Da schafft auch ein Langsamleser wie ich einiges. Bisher in diesem Sommer drei Romane, einer davon ein dicker Schinken. Aber eins nach dem anderen.

„Zwischenspiel“ von Monika Maron
Ruth will zur Beerdigung von Olga. Olga ist die Mutter von Ruths früherem Lebensgefährten und die Großmutter von Ruths erwachsener Tochter. Eine rückwärts fliegende Wolke führt zu einer Sehstörung und öffnet die Tür zum Zwischenspiel. Den Friedhof verfehlt Ruth, stattdessen findet sie sich in einem unbekannten Park wieder. Dort begegnet sie stückchenweise ihrer Vergangenheit – und einem anhänglichen Hund.

„Zwischenspiel“ beschäftigt sich mit Verantwortung, Schuld, und der Frage, ob es immer eine Wahl zwischen Richtig und Falsch gibt – oder ob man nicht manchmal nur das eine oder das andere Falsche tun kann. Monika Marons heiterer Ton und ihre Ironie unterstreichen die Tragik, die in Lebensläufen liegen kann.

„Der Sommer ohne Männer von Siri Hustvedt
Die New Yorker Lyrikerin Mia erleidet einen Nervenzusammenbruch, als sich die von ihrem Mann eingeforderte Ehe-Pause als seine deutlich jüngere Kollegin entpuppt. Mia beschließt, für den Sommer in ihre Heimatstadt zurückzukehren. Dort verbringt sie viel Zeit mit ihrer rüstigen Mutter und deren fidelen Freundinnen, gibt einen Lyrik-Sommerkurs für pubertierende Schülerinnen und freundet sich mit ihrer Nachbarin an. Der Sommer ohne Männer gibt Mia Raum, wieder zu sich selbst zu finden.

Mit Witz, Leichtigkeit und intellektuellem Anspruch erzählt Siri Hustvedt Mias Geschichte; manchmal auch mit einem Anflug von Kitsch, der im für mich verzeihbaren Umfang bleibt.

„Das gefrorene Herz“ von Almudena Grandes
Mit 940 Seiten das mit Abstand dickste der drei vorgestellten Bücher. „Das gefrorene Herz“ ist Liebesgeschichte, Familiengeschichte und spanische Geschichte in einem. Álvaro verliebt sich leidenschaftlich in die geheimnisvolle Raquel. Die Familien der beiden sind miteinander verwoben, standen im Lauf der Geschichte jedoch auf unterschiedlichen Seiten, vom spanischen Bürgerkrieg über die Franco-Diktatur bis heute. Als Álvaro erfährt, dass der Wohlstand seiner Familie in einem Verrat seines Vaters an Raquels Familie gründet, gerät seine Welt vollends aus den Fugen.

Almudena Grandes versteht es, die große und die kleinen Geschichten packend zu erzählen. Dabei muss die Leserin aufmerksam bleiben, denn Sprünge zwischen Zeitebenen sind häufig – und bringen Spannung. Die letzten 70 Seiten sind im Gegensatz dazu wenig einfallsreich geschrieben, dies trübt das Gesamterlebnis jedoch kaum.

Madeira – Teil 5: Vom Pico do Arieiro zum Pico Ruivo

Am letzten Urlaubstag der Höhepunkt, im wahrsten Sinne des Wortes: Eine herausfordernde Bergwanderung entlang der drei höchsten Berge Madeiras. Vom Pico do Arieiro an der Flanke des Pico das Torres vorbei zum Pico Ruivo. Für einen Indoor-Menschen wie mich ein echtes Abenteuer. Bei einem sehr steilen Aufstieg fürchtete ich, meine Kräfte würden mich verlassen…

Von dieser einen kritischen Phase abgesehen war es eine ganz wunderbare Tour. Die Anmut der Berglandschaft lässt den Wanderer ehrfürchtig staunen. Teils geht man oberhalb der Wolken, dann wieder mitten hindurch, um gleich darauf in den strahlenden Sonnenschein zu treten.

Wir hatten Glück mit dem Wetter und konnten grandiose Ausblicke genießen. Der Schweiß hat sich gelohnt! Ein würdiger Abschluss eines herrlichen Urlaubs. Mehr Worte will ich nicht machen. Die Fotos sprechen für sich.

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Madeira – Teil 4: Entlang der Nordküste von Santana nach Porto Moniz

Nach vier Nächten in Funchal wechselten wir unseren Standort von Süd nach Nord. Das Hotel Quinta do Furão liegt nahe Santana direkt an der Küste, umgeben von hauseigenen Weinbergen und Kräutergärten. Für alle, die Ruhe, Natur, einen spektakulären Blick aus dem Zimmer und hochqualitatives Essen schätzen, sind das Hotel und sein Restaurant allein schon eine Reise wert.

Selbstverständlich stehen im Restaurant die beiden Klassiker der madeirischen Küche auf der Karte: Espada, der schwarze Degenfisch, mit Banane in Maracuja-Sauce. Und Espetada, würzige Rindfleischstücke am Spieß gegrillt. Beides wärmstens zu empfehlen! Immer passend ist ein leicht gekühltes Gläschen Madeira-Wein, in der trockenen Variante als Aperitif und in einer süßeren zum Abschluss.

Der Ort Santana ist bekannt für seine traditionellen strohgedeckten Häuser (casas de colmo), die heutzutage fast ausschließlich als Fotomotiv für Touristen jeglicher Couleur dienen. Mit viel Geduld schafft man es, die Häuser ohne posierende Menschen zu fotografieren.

Aussichtsreich und anstrengend ist der Küstenweg von der Quinta in Richtung Ponta da São Jorge. Erst geht’s etwa 300 Meter runter… und auf dem Rückweg wieder rauf. Gut, dass in der Quinta gegen Abend frisch gebackene Kekse auf die Zimmer gebracht werden. Die zuckern erschöpfte Wanderer wieder auf.

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Der Norden Madeiras ist rauer als der Süden: Hier weht der Wind, die Wellen sind wilder, Wolken ziehen durch, und es regnet etwas mehr.

Eine Fahrt an der Nordküste entlang sollte man nicht verpassen: Steile Klippen, zahlreiche Wasserfälle, üppig Blühendes und Grünendes sowie pittoreske verschlafene Dörfer sind gute Beute für die Kamera. Spaziergänge lohnen sich in São Vicente und Porto Moniz. Letzteres ist besonders beliebt bei Badegästen wegen der großen natürlichen Lavapools.

Die Schönheit der Natur und die Freundlichkeit der Madeirer sind unbestritten. Leider ebenso unbestritten sind die wirtschaftlichen und sozialen Probleme Portugals und damit auch Madeiras: Sehr niedrige Löhne, hohe Arbeitslosigkeit, Abwanderung junger Leute, Armutsgefahr bei Älteren. Auch im Urlaub, trotz Entspannung und Genuss, sollte man sich dieser Tatsachen bewusst sein.

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Madeira – Teil 3: Levadas

Unter dem Stichwort Levada ist auf Wikipedia zu lesen:

Levadas sind künstliche Wasserläufe auf der portugiesischen Insel Madeira, mit denen Wasser aus den niederschlagsreicheren Gebieten im Norden und im Zentrum der Insel zu den landwirtschaftlichen Anbaugebieten im Süden geleitet wird. Da dabei zum Teil große Strecken überwunden werden müssen, verläuft ein Großteil der Levadas mit nur sehr geringem Gefälle. Dafür überwinden diese Wasserwege Täler und Berge, durchqueren Tunnels, kreuzen natürliche Wasserläufe und führen auch über Brücken.

Heute werden die Levadas außer zum Transport des Wassers vor allem touristisch genutzt. Auf den neben dem Wasser verlaufenden Pfaden sind an vielen Orten Wanderwege ausgeschildert.

Ich war da und kann bestätigen: Genau so ist es!

Insgesamt vier Levada-Wanderungen haben wir unternommen, und alle Wege haben ihre Besonderheiten, die sie jeweils reizvoll machen.

Sehr beliebt sind die Levada-Pfade auf dem Hochplateau Paul de Serra rund um Rabaçal. Eine „klassische“ Tour: Zum Risco-Wasserfall und den 25 Quellen. Der Weg zu den 25 Fontes hat Schwindelpotenzial, glücklicherweise sind enge und steile Stellen entweder gesichert oder die Levada-Mauer bietet ausreichend Halt – wichtig vor allem für den Kopf.

Ebenfalls nahe Rabaçal: Die Levada do Alecrim. Hier eröffnen sich schöne Blicke über die Hochebene und an die Südküste – oder Wolken und Nebel sorgen für mystische Atmosphäre. Auf diesem Weg kommt es schon mal vor, dass die eine oder andere Kuh den Levada-Weg mitbenutzt. Empfehlung: Der Kuh stets den Vortritt lassen und eventuelle Hinterlassenschaften umgehen.

Ortswechsel: Der Weg zum „grünen Kessel“ (Caldeirão Verde) bei Queimadas führt unter alten Lorbeerbäumen entlang und wird im Verlauf immer schmaler. Vertrauenswürdige Stahlseilsicherungen an den steil abfallenden Abgründen verhindern Ängste, trotz durchaus regen Wander-Gegenverkehrs. Imposante Ausblicke sind garantiert, eine Taschenlampe für die vier Tunnels ein Muss.

Deutlich ruhiger ist die Levada do Rei. Auf dem Weg zum „schönen Fluss“ (Ribero Bonito) gibt es dicht-waldige Stellen mit magisch baumgrünen Licht. Höhepunkt: ein Wasserfall, hinter dessen Strahl man durchlaufen muss => je schneller, umso weniger nass.

Fazit: Levada-Wanderungen sind wegen der fehlenden Steigungen körperlich wenig anstrengend. Wunderbar und vielfältig ist die Natur, in die man eintaucht. Und die engen Pfade, Tunnels und Wasserfälle sorgen für einen Schuss Abenteuer.

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Madeira – Teil 2: Monte, Camara de Lobos und Cabo Girao

Madeiras Hauptstadt Funchal liegt im sonnigen Süden, und dort gibt es noch weitere interessante Orte.

Monte liegt oberhalb von Funchal und die beiden gehen fürs Auge nahtlos ineinander über. Der aussichtsreichste Weg nach Monte ist die Kabinenseilbahn (Teleférico), deren Talstation im Osten von Funchals Altstadt liegt. Nach gut 15 Minuten beschaulicher Fahrt ist man oben angekommen und es sind nur ein paar Schritte zum Tropischen Garten.

Dessen weitläufige Anlage mit verschiedensten Bäumen, Büschen, Blumen und diversen Kunstgegenständen lädt zum erholsamen Flanieren ein. Die Luft ist angenehm frisch und kühl im Vergleich zum trubeligen Funchal, auf das man einen schönen Blick hat.

Auf der Rückfahrt mit der Teleférico saßen vier Schweizer mit uns in der Kabine, die sehr darüber gestaunt haben, wie es nur möglich ist, so viele Häuser an die steilen Hänge zu bauen. Diese Bergvölker!

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Etwa 7 km westlich von Funchals Hotelzone liegt der Küstenort Câmara de Lobos. Der Fußweg dorthin ist einfach, man geht größtenteils auf einem recht neu angelegten Promenadenweg am Strand entlang. Câmara de Lobos ist ein Fischerort, der seine besten Zeiten leider hinter sich hat. Die kleine Hafenbucht ist immer noch hübsch anzusehen und hat eine gewisse Berühmtheit dadurch erlangt, dass Winston Churchill sie bei einem Besuch 1950 gemalt hat. Das kann nun wahrlich nicht jedes Fischerdorf von sich behaupten!

Von Câmara de Lobos aus schaut man auf das Cabo Girão, Europas höchste Steilklippe. 580 Meter geht es nach oben bzw. nach unten, je nachdem, wo man sich befindet. Ein neu gebauter Skywalk auf dem Cabo Girão ermöglicht schwindelerregende Blicke senkrecht nach unten. Als wir oben waren, war das Wetter recht trüb – beeindruckend war die Aussicht natürlich trotzdem.

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Madeira – Teil 1: Funchal

Selten habe ich ein Urlaubsziel als so abwechslungsreich empfunden wie Madeira. Deswegen erfolgt die Berichterstattung in mehreren Teilen. Heute: Funchal.

Madeiras Hauptstadt Funchal liegt im sonnigen Süden der Insel und hat laut Reiseführer 112.000 Einwohner. In der Hotelzone Funchals gibt es gefühlt genauso viele Hotels und ungefähr noch einmal so viele Minibusse, die unablässig Gruppen von Touristen abholen oder anliefern. Allzu grässliche Bettenburgen habe ich nicht gesehen. Entweder es gibt sie nicht oder sie bleiben in der hügeligen Topographie verborgen. Am Rand der Hotelzone findet man kleinere Hotels mit familiärer Atmosphäre und in Laufweite davon ausreichend Restaurants, in denen man zu vernünftigen Preisen gut und in Ruhe essen kann.

Die „echte“ Stadt hat alles, was man erwartet: Einen Hafen samt großzügiger Promenade, eine Fußgängerzone mit Läden, Cafés und Restaurants, eine Kathedrale und kleinere Kirchen, Plätze mit repräsentativen Gebäuden, eine traditionsreiche Markthalle, einen gepflegten Park, alte Festungsanlagen.

Im Fischerviertel Santa Maria wurden nach Verwüstungen durch schwere Regenfälle im Jahr 2010 zahlreiche Hauseingänge künstlerisch gestaltet. Doch Vorsicht: Wer stehen bleibt, um zu fotografieren, wird sogleich in ein bis mehrere Restaurants zum Verweilen eingeladen. Zur Erholung vom Trubel findet man auch stillere Orte, zum Beispiel die Quinta das Cruzes, ein altes Herrenhaus mit schönem Garten samt archäologischer Artefakte.

Funchal ist eine quirlige Stadt, die sich trotz des Tourismus den Charme einer südlichen Hafenstadt bewahrt hat. Ein idealer Startpunkt, um ins Lebensgefühl Madeiras einzusteigen.

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„Unschuld“ von Dea Loher am Theater Erlangen

Kurze Episoden mit sehr unterschiedlichen Protagonisten drehen sich um die Themen Schuld, Verantwortung und Vergebung.

Da ist beispielsweise die zuckerkranke Frau Zucker, die sich ihr leeres Leben rückblickend mit Fantasiegeschichten füllt. Ihre schwermütige Tochter Rosa wird nicht glücklicher, als die Mutter sich bei ihr und ihrem Mann Franz einquartiert. Franz muss feststellen, dass er nur tote Menschen wirklich berühren kann; da kommt der neue Job als Leichenwäscher gelegen.

Die illegalen Flüchtlinge Fadoul und Elisio sehen mit an, wie eine Frau im Meer ertrinkt. Eigentlich wollen sie helfen, tun es aber nicht. Aus Angst vor den Behörden, dem eigenen Ertrinken, dem Nasswerden?

Die verzweifelnde Philosophin sucht in der Unberechenbarkeit der Welt einen Halt. Die blinde Absolut tanzt nackt in einer Hafenbar. Die kinderlose Frau Habersatt bittet um Vergebung für Taten von Tätern, die ihr Sohn hätten sein können.

Wer hat sich schuldig gemacht? Ist überhaupt jemand ohne Schuld? Tragen alle Menschen Verantwortung? Für sich selbst? Auch für andere? Darf jeder auf Vergebung hoffen?

Die einzelnen Geschichten sind spannend und berührend. Im Verlauf werden einige von ihnen miteinander verknüpft. Eine perfekte Synthese am Ende fehlt, vielleicht ist diese auch gar nicht gewollt. „Unschuld“ ist in jedem Fall ein sehenswertes Stück mit Charakteren, die im Gedächtnis bleiben, und deren Schicksale zum Nachdenken anregen – auch über eigene Schuld und Verantwortung.

Zwei Vorstellungen kommen noch: am 30.06. und 01.07.2015. Info und Karten auf der Website des Theaters Erlangen.

Zum Reinschauen ein Trailer auf YouTube: