War da nicht noch was?

Der Februar war nicht wirklich ein erfolgreicher Monat, was das Buch angeht. In meiner ohnehin nicht zu üppig gesäten Freizeit hat mich die Muse nur wenige Male geküsst… Ein bisschen was ist aber schon passiert:

  • Der Charakter der Heldin ist ein Stück weiter gekommen. Sie hat ein Thema bekommen, das bei ihrer Entwicklung im Verlauf der Geschichte im Mittelpunkt stehen wird. Einer meiner alten Professoren hätte dabei von Dämonen gesprochen. Gemeint sind damit die Motive und Entwicklungsthemen, die sich aus der Geschichte einer Person und ihrem aktuellen Umfeld ergeben; also das, was die Person in ihrem Handeln antreibt und beschäftigt. Das ist alles noch nicht ausreichend ausgearbeitet, aber der Grundstein ist gelegt.
  • Es gibt jetzt eine Auflistung der ersten fünf, sechs Szenen; d.h. ein grobes Gerüst für den Beginn der Geschichte steht. Aber auch hier ist noch nichts ausformuliert.
  • Ich habe einige Kapitel aus einem sehr praxisbezogenen Buch über das Schreiben gelesen und mir ein paar gute Tipps mitgenommen. 

Aufgaben für den März:

  • Die Heldin verfeinern; ihre Vorgeschichte und aktuelle Situation detaillierter konstruieren, um Tiefe zu schaffen und Logik sicherzustellen.
  • Die andere Welt, die im Februar so gut wie gar nicht weiter gekommen ist, bearbeiten; Mythologie weiterentwickeln und Schlüsselcharaktere anlegen. 

Ans Buch gedacht hab ich jeden Tag. Davon schreitet es natürlich nicht wirklich voran. Nun gut, mal sehen, was der erste Frühlingsmonat bringt… Danke wieder an alle, die nachgefragt haben. J

Ein Glaubensbekenntnis

Jeder Mensch hat bestimmte Ansichten, Vorstellungen, Werte. Dinge, die ihm wichtig sind und an die er glaubt. Bei manchen ist es die große Liebe oder vielleicht Gott, bei anderen eine bestimmte Technologie, Dieter Bohlen oder ihr neuer Job.  

Ich habe viele Dinge, an die ich glaube und die zu mir gehören. Zum Beispiel: Ich glaube daran, dass eine einzelne Person die Welt verändern kann.

Komischerweise glauben viele Menschen das nicht: Was macht es schon für einen Unterschied, wie ich mich verhalte? Ob ich mit dem Auto überall hinfahre oder zu Fuß gehe? Ob ich darauf achte, dass mein Spiegelei von einem freilaufenden Huhn kommt? Ob ich jetzt meinen Müll auf die Straße werfe oder nicht?   

Zugegeben, global betrachtet macht es nur einen sehr kleinen Unterschied. Aber es macht eben einen. Jede Veränderung beginnt bei dir selbst. Und persönlich gesehen macht es den vollkommenen Unterschied: Dein Verhalten macht aus, wer du bist.  

Betrachtet man ein Land sieht es ähnlich aus: Was hilft es schon, wenn Deutschland Vorreiter beim Klimaschutz ist, wenn die anderen nicht richtig mitmachen? Warum soll sich die deutsche Wirtschaft an moralischen Werten messen lassen, die andere Länder genauso wenig beachten? Na herrlich, schlechtes Verhalten von anderen als Rechtfertigung für eigenes schlechtes Verhalten. Wenn es die anderen machen, dürfen wir auch. Die Konsequenzen scheren uns einen Dreck. – Wenn keiner als gutes Beispiel voran geht, wird auch keiner folgen. Ich glaube daran, dass auch Länder und Nationen Zeichen setzen können. 

Für solche Ansichten wird man schon mal gerne belächelt. Als gut aussehende Frau zumeist von tumben Männern: Ach, ist sie nicht süß, die Kleine? Mit der würde ich auch gerne mal… Fuck you, bloody ignorants!  

Ich will hier wahrlich nicht den moralischen Zeigefinger schwingen. Ich hab auch schon mit diversen Flugreisen das Klima versaut und meine Salami kam nicht immer von lachenden Schweinen. Es geht nicht um die absolute Askese, es geht um mehr Bewusstheit beim Handeln. Man muss kein Gandhi sein und sein normales Leben aufgeben, um ständig immer nur Gutes zu tun.  

Beginne mit den kleinen Dingen im Alltag. Mach dir Gedanken darüber, was dir wichtig ist und wofür du als Person stehen willst. Und dann handle danach. Und freue dich, wenn du merkst, dass du tatsächlich einen Unterschied machen kannst! 

Und hier noch ein besonders herausragendes Beispiel: Dr. Martin Luther King mit einer seiner berühmtesten Reden, gehalten am 28. August 1963 in Washington. Er hat sicher einen Unterschied gemacht.

Keiner wie der andere? – José Saramago: Der Doppelgänger

Der portugiesische Schriftsteller José Saramago wurde 1922 geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. 1998 wurde er mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Ich habe bisher zwei Bücher von ihm gelesen: „Das Zentrum“ und „Der Doppelgänger“.

José Saramago kommt wundersamerweise nur mit Punkt und Komma aus, er verwendet keine weiteren Satzzeichen, auch nicht für Dialoge. Absätze sind ihm ebenso weitgehend fremd. Dennoch – oder vielleicht gerade deswegen – empfinde ich seine Schreibweise als fließend und kontinuierlich. Man sollte allerdings aufmerksam und entspannt sein beim Lesen, um nicht den Faden zu verlieren.

Die Hauptfigur in „Der Doppelgänger“ ist Tertuliano Máximo Afonso, ein freudloser Lehrer Ende Dreißig, vor Jahren geschieden, seit einigen Monaten in einer belanglosen Affäre, die er hauptsächlich aus Bequemlichkeit aufrechterhält, frustriert von Schülern, Schulsystem und dem Leben im Allgemeinen. Ein Kollege rät ihm, sich zur Unterhaltung doch einmal einen Film aus der Videothek zu leihen, „Wer Streitet, Tötet, Jagt“ könne er durchaus empfehlen. Als Tertuliano Máximo Afonso in diesem Film in einer kleinen Nebenrolle einen Schauspieler entdeckt, der ihm zum Verwechseln ähnelt, beginnt eine schleichende Obsession. Tertuliano Máximo Afonso will diesen Mann aufspüren, der aussieht wie er selbst. Und als er ihn findet, stellen sie fest, dass sie sich bis aufs Letzte gleichen. Wer hat das Vorrecht auf Originalität? Ist Platz für zweimal denselben Menschen?

Auch wenn es nicht jeder zugibt: fast alle Menschen freuen sich an ihrer Individualität, an ihrer Einmaligkeit. Ja, vielleicht hat jemand anderes eine ähnliche Stimme wie ich. Vielleicht hat ein anderer die gleiche Frisur oder eine ebenso entzückende Nase. Aber niemand ist genau wie ich. Was würde passieren, wenn man dieses Privileg plötzlich verlöre? Verliert man dadurch auch seine Persönlichkeit, sich selbst? Als minutiöser Beobachter des Tertuliano Máximo Afonso erhält der Leser eine der vielen möglichen Antworten auf diese Fragen. „Der Doppelgänger“ war bestimmt nicht mein letztes Buch von Saramago.

Steig doch einfach mal aufs Lehrerpult!

Habe kürzlich seit langem einmal wieder „Dead Poets Society“ (Club der toten Dichter) von Peter Weir gesehen; mit Robin Williams als charismatischem Lehrer einer Privatschule der 50er Jahre. Als der Film in die Kinos kam, war ich ungefähr so alt wie die Jungs im Film. Ideal! 

Neben der Carpe Diem-Sache (also Nutze den Tag oder freier übersetzt: Mach was aus deinem Leben) hat der Film für mich noch eine zweite sehr wertvolle Botschaft. Es geht darum, die Welt bewusst aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen. Williams steigt dazu im Film auf sein Lehrerpult. Er fordert die Schüler auf, dies auch zu tun. Die Message: Übernehmt nicht einfach die Sichtweise der anderen. Betrachtet die Sache aus einem anderen Blickwinkel noch einmal neu. Denkt nach, um eure eigene Meinung zu bilden. Und habt keine Angst davor, einen anderen Standpunkt zu vertreten. 

Erst zögerlich, dann zunehmend mutiger, steigen die Schüler nacheinander alle auf das Pult und liefern damit die Grundlage für die ergreifende Schlussszene (ja, ich musste auch diesmal wieder weinen). 

Für mich geht die Sache noch ein ganzes Stück weiter: Steig doch wirklich mal aufs Lehrerpult (oder ein vergleichbares Möbelstück, das zu Hand ist; vielleicht dein Schreibtisch oder dein Stuhl im Büro). Die Welt sieht tatsächlich anders aus. Das kann dir helfen, wenn du bei einer Sache nicht weiter kommst, wenn dein Denken und Handeln festgefahren sind. Ein neuer Blickwinkel kann neue Impulse bringen. Gibt es einen Aspekt, den du bisher nicht beachtet hast? Eine Möglichkeit, die du noch nicht in Betracht gezogen hast?  

Und es kann auch dazu beitragen, andere Leute besser zu verstehen. Versetze dich in die Lage der anderen. Wie sieht die Sache für sie aus? Welche Voraussetzungen und Bedingungen gelten für sie? Was sind ihre Ziele und Interessen? Sobald du ein Verhalten verstehst, kannst du auch besser damit umgehen. 

Ein Tipp für die Anwendung in der Praxis, falls du befürchtest, für völlig durchgeknallt gehalten zu werden: Perspektiven-Klettern im Büro kannst du leicht dadurch tarnen, dass du z.B. Kalender oder wichtige Ausdrucke recht weit oben an der Wand anpinnen willst oder oben auf dem Schrank etwas suchen musst. J 

In diesem Sinne: O Captain, my Captain! Ja, ich werde meinen Kopf benützen! Und da sag noch einer, man könne aus Hollywood-Filmen nichts fürs Leben lernen.

 

Und, was macht das Buch?

Ganz brav wie angekündigt hier der erste Statusbericht zu meinem privaten Hauptprojekt „Ich schreibe ein Buch“. 

Die letzten Tage waren relativ produktiv, wenn man bedenkt, dass ich auch abends häufiger arbeitstechnisch eingespannt war.  

Ich habe an der mythologischen Entstehungsgeschichte der anderen Welt gearbeitet. Als Grundlage für eine logische Handlung muss die andere Welt in relevanten Aspekten so ausgefeilt wie möglich beschrieben werden. 

Außerdem habe ich mir einige Namen ausgedacht (u. a. für die Heldin), was immer recht zeitaufwendig ist. Namen müssen gut gewählt sein; sie sollen die Figur treffend benennen und oft möchte ich auch noch eine persönliche Assoziation unterbringen. Zudem habe ich die Namensideen auch gleich gegoogelt; nicht dass meine Hauptperson denselben Namen hat wie Paris Hiltons Hündchen.  

Das mit der täglichen Arbeit habe ich nicht hingekriegt; das war ehrlich gesagt auch nicht zu erwarten… Der Vorsatz bleibt. Ich hab aber bestimmt mindestens einmal am Tag an das Buch gedacht. Ist doch auch schon was. 

Nächste Ziele: 

  •  weiter mit der Mythologie der anderen Welt voranschreiten 
  •  den Charakter und das bisherige Leben der Heldin ausarbeiten
  •  Schlüsselcharaktere der anderen Welt anlegen  

Es haben mich tatsächlich mehrere Leute nach dem Fortschreiten des Buchs gefragt. Vielen lieben Dank dafür. J 

The hardest thing

Selbstdisziplin war noch nie meine Stärke. Es fällt mir deutlich leichter kontinuierliche Leistung zu bringen, wenn Druck von außen kommt. Im Job ist das kein Thema, da gibt es genug Leute, die freundlich nachfragen, wie die Dinge stehen.  

Schwieriger wird es bei privaten Vorhaben. Wie zum Beispiel: ich schreibe jetzt mal ein Buch! Das hat niemand bei mir bestellt und so wird es an mir ganz allein liegen, die Sache voranzutreiben. Neben Kreativität, Vorstellungskraft und einem guten Händchen bei der Wortwahl werde ich eine sehr große Portion Selbstdisziplin brauchen…das kann heiter werden!  

Glücklicherweise habe ich bereits ein paar Strategien zur Unterstützung meiner schwächlichen Selbstdisziplin entwickelt: 

1. Ich erzähle möglichst vielen Leuten von meinem Vorhaben. Zum einen kommt es ziemlich kreativ-cool, wenn man sagt, man schreibe ein Buch. Zum anderen hoffe ich, dass der eine oder andere in Zukunft mal nachfragen wird, wie’s denn so aussieht. Ich sag auch immer gleich dazu, dass ich mir wünsche, dass ab und an nachgefragt wird, um den Eindruck zu vermeiden, ich würde es erzählen, um kreativ-cool zu wirken. 

2. Ich werde zum Monatsbeginn einen kurzen Statusbericht hier ins Blog schreiben. Regelmäßige Berichterstattung als Grundlage für regelmäßige Arbeit. Motivator: Vermeiden der Scham, jeden Monat schreiben zu müssen, dass nichts vorangegangen ist. De Luxe Variante: Nennen eines konkreten Ziels bis zum nächsten Monat. Ich freue mich über Kommentare oder sogar Forderungen danach, falls ich sie nicht liefere, denn, herrje, auch für die Berichte braucht es schon Selbstdisziplin. 

3. Gestern hat mir ein Freund noch den Rat gegeben, möglichst jeden Tag an dem Buch zu arbeiten, auch wenn es nur wenige Minuten sind. Um das Schreiben besser in den Alltag einzugliedern. Plan ist, die Zeiten dann soweit wie möglich zu steigern.  

Und da aller guten Dinge 3 sind, gehe ich mit diesen Strategien erst mal an den Start. Ihr seid herzlich eingeladen, weitere Anregungen zu liefern.

Das Gegenteil von eingeladen: Uninvited. Hab das Video hier verlinkt, weil es eines meiner wichtigsten Lieder von Alanis Morissette ist und weil ich mir von meinem Buch ähnliche Dramatik erhoffe.

Alt und ein bisschen weise?

Landläufig herrscht die Meinung, man würde mit zunehmendem Alter und Erfahrung immer besser wissen, wie’s im Leben läuft und wohin man so will. Und ja, für einige Lebensbereiche kann ich das bestätigen, z.B. beruflich. Ich habe das Gefühl, mich weiterzuentwickeln. Ich kann mehr, weiß mehr, schaffe mehr, bekomme mehr als vor ein paar Jahren. 

Auf dem Gebiet meiner Liebesbeziehungen kann ich eine solche Entwicklungstendenz allerdings nicht feststellen. Im Gegenteil – je älter ich werde umso weniger weiß ich, was ich will, woran ich bin und was das alles überhaupt soll. Während ich vor 10 Jahren Jeden mit ehrlichem Blick in die Augen angestrahlt habe, dass ich längst meinen Mann fürs Leben gefunden habe, kann ich heute noch nicht einmal mehr sagen, ob ich einen Mann fürs Leben haben will. 

Gerade ruft eine Stimme in mir: Natürlich willst du das und der Richtige wird auch kommen, du musst nur dran glauben und dich auch endlich mal entsprechend aufführen! Ja, diese Stimme ist beizeiten kräftig und laut. Doch spätestens wenn ich mich in einer Bar oder Diskothek aufhalte oder wenn sich ein schon fast in Vergessenheit geratener Flirt unerwartet meldet, hat diese Stimme Sendepause. Nichts Besseres als Single zu sein, tun zu können was man will, keine Rücksicht nehmen zu müssen. Mein Jagdinstinkt killt alle Geborgenheitsbedürfnisse. So lange sich noch die gut aussehenden Typen Mitte 20 für mich interessieren, warum sollte ich mich jetzt schon festlegen? 

Ich habe diesen Zwischendrin-Status in den letzten Jahren beinahe zur Kunstform erhoben: laufe denen hinterher, die fliehen werden. Renn vor denen weg, die bleiben würden. Funktioniert immer wieder. Und an 98 von 100 Tagen geht es mir damit auch gut. An den anderen beiden kommt Panik in mir auf. Oberflächlich gesehen ist es die Panik, keinen mehr abzubekommen, die letzte Single-Frau auf Erden zu sein. Eine Ebene tiefer ist es die Angst der verpassten Gefühle. Wenn man sich nie auf eine Beziehung einlässt, sondern immer bereit zum Absprung bleibt, müssen die Emotionen unter Kontrolle bleiben. Ich kann mich deshalb so schwer auf eine Beziehung einlassen, weil ich Angst davor habe, verletzt und zurückgewiesen zu werden, wenn ich echte Gefühle investiere. 

So dachte ich bisher. Vielleicht stimmt das aber gar nicht. Vielleicht ist es genau umgekehrt. Vielleicht habe ich viel mehr Angst davor, dass in einer Beziehung auch nicht mehr Gefühl aufkommen würde als in den fakultativen Veranstaltungen. Vielleicht kann ich bei den vielen Wechseln sogar mehr fühlen als in einer stetigen Beziehung. 

Die wahre Angst ist die, in einer Beziehung still zu stehen. Meine Offenheit, meine Energie und meine Kreativität im harmonischen Beisammensein zu verlieren. Deshalb fühle ich mich auch hauptsächlich von Männern angezogen, die nicht die Aura des Bausparers haben. Und das sind eben genau die, die keine feste Beziehung wollen. Einige vielleicht auch genau aus diesem Grund. Die „Seriösen“ machen mir Angst. Da fühle ich mich schon versteinert, wenn ich nur in einen Umkreis von 5 Metern gerate. Ich fürchte um die Kraft meines „state of emergency“, so wie ich ihn in Jóga, einem meiner Lieblingslieder von Björk, verstehe. Ich glaube, das ist es in Wirklichkeit. 

Na, schau an, dann bin ich ja doch einen Schritt weiter gekommen. Ich suche also einen Mann, der mir alle Freiheiten lässt, der abenteuerlustig und outgoing ist und der auch mal sein eigenes Ding macht. Der mich aber gleichzeitig unaufhaltsam liebt, mein Wesen schätzt und mir zusätzliche Stärke gibt, dadurch dass ich mich fallen lassen kann und er mich auffängt. Der da ist, wenn ich ihn brauche, und der mir Raum gibt, wenn ich diesen brauche. Und der weiß, wann was der Fall ist. Und für den ich im Gegenzug genau das Gleiche sein und tun kann. 

Fantastisch. Jetzt wo ich weiß, was ich will, kann’s ja nicht mehr so schwer sein! Dumm wäre nur, wenn in der Liebe die gleichen Regeln wie beim Shoppen gelten. Dann werde ich in spätestens drei Monaten mit einem 45jährigen Beamten verheiratet sein, der mich sofort schwängern und hinter den Herd verweisen wird – und es wird mir auch noch gefallen. Prost Mahlzeit! J  

 

Keine Angst vor ungelebtem Leben

In der Persönlichkeitspsychologie gibt es den Begriff des „ungelebten Lebens“. Damit ist grob gesagt all das gemeint, was man eben nicht erlebt, weil man etwas anderes erlebt. In jedem Augenblick wird massenweise ungelebtes Leben produziert, indem man eben genau eine Sache tut und die tausend anderen möglichen nicht. Wer kinderlos bleibt, verpasst die Elternschaft. Wer sich früh bindet und treu bleibt, wird kein wilder Vamp. Wer als Kinderärztin arbeitet, kann nicht das Leben einer Atomphysikerin führen. Eigentlich ganz einfach. 

Es gibt Menschen, die sich sehr viele Gedanken über ihr ungelebtes Leben machen. Hätte ich doch nur… Wäre es nicht besser gewesen… Sollte ich nicht vielleicht doch… Diese Menschen zaudern und quälen sich damit, dass sie sich etwas verbaut haben. Dass sie alles falsch gemacht haben. Dass sie etwas verpassen. Sie haben enorme Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen und sich festzulegen. 

Nun, es macht sicher Sinn, ab und an zu überdenken, welchen Weg man im Leben gerade geht und zu prüfen, ob man sich auf diesem wohl fühlt und er noch der richtige ist. Tragisch wird es, wenn die Gedanken an das ungelebte Leben das tatsächliche Leben überdecken. Wenn man sich gar nicht mehr mit dem auseinandersetzt, was man gerade tut, sondern nur noch Energie für das Ungelebte hat. Dann hat man genau genommen gar kein Leben mehr. Wie schade! 

Es macht keinen Sinn, ständig zu grübeln, was man denn so vieles andere hätte tun können. Macht euch lieber Gedanken über das, was ihr tatsächlich tut. Und versucht zu ändern, was euch nicht gefällt. Aber immer von dem Punkt aus, an dem ihr euch gerade befindet. Weint nicht vergangenen Chancen hinterher, ihr erkennt durch den Tränendunst nicht mehr die Möglichkeiten, die sich jetzt bieten!  

Habt keine Angst vor ungelebtem Leben, ihr produziert es immer, egal was ihr tut. Freut euch lieber an dem Leben, das ihr wirklich lebt. Und nutzt es gut.

All is quiet…

„New Year’s Day“ von U2 ist eines meiner liebsten Lieder für eben diesen Tag. Für mich steht es für die „Unbeflecktheit“ des ersten Tages des Jahres. Die Zähler sind auf Null gestellt. Die Bilanz ist ausgeglichen.  

Das stimmt natürlich nicht wirklich, denn es ist schließlich nur ein Tag später als gestern und alles bleibt beim Alten. Nothing changes on New Year’s Day, wie es auch im Song heißt. 

Trotzdem, das Gefühl, dass etwas Neues begonnen hat, auch wenn es recht willkürlich an einem Datum festgemacht wird, ist erfrischend und befreiend. Dieser erste Tag ist das Tor zu neuen Erfahrungen und Erlebnissen, gut wie schlecht. Mach dich bereit.

Was, schon wieder ein Jahr vorbei?

Kurz vor dem Ende eines Jahres neigen die Menschen dazu, sich zu überlegen, was in Gottes Namen sie in den letzten 12 Monaten so gemacht haben und ob es denn nun ein gutes Jahr war oder ob alles nur noch viel schlimmer geworden ist. 

Ich selbst möchte nach einem Jahr sagen können, dass ich mich weiterentwickelt habe. Dass es einen Unterschied gibt zu dem Stand, den ich ein Jahr zuvor hatte. Das müssen keine umwälzenden Veränderungen sein, man kann ja schließlich nicht jedes Jahr einen evolutionären Sprung machen (also ich zumindest nicht). Aber ja, 2007 war einiges los und es hat sich was getan. Für mich eindeutig ein gutes Jahr! 

Jobmäßig war vor allem das letzte Quartal eine große Herausforderung. Mein mit Abstand größtes Projekt bislang. Für den Kunden enorm wichtig. Ein Zeitplan an der Grenze zum Wahnsinn. Hat mich mehr als einmal an meine Grenzen gebracht. Das ganze Team hat gearbeitet bis zum Umfallen. Großer Zeit- und Erfolgsdruck. Und wieder einmal: was uns nicht umbringt macht uns stärker. Am Ende: Ergebnis hervorragend, Kunde begeistert, Lob und Champagner am Freitag vor Weihnachten. Völlig erschöpft – auch körperlich – aber äußerst zufrieden in den verdienten Weihnachtsurlaub geglitten.    

Tolle Reisen hat’s 2007 auch gegeben. Gleich im Januar war ich auf La Réunion und Mauritius unterwegs. Mystische Nebelberge, überbordende Natur, feine Strände und ein spannender Kultur-Mix. Im Frühjahr dann York und London. England ist für mich immer wie nach Hause kommen. Und im Sommer dann Toskana und Verona. Habe mich in die italienische Leichtigkeit verliebt und einen neuen Lieblingsort gefunden. 

Musikalischer Höhepunkt war sicher das Police-Konzert im September in München. Unvergesslich. Auch gut: Seeed im August in Coburg. Sehr energiereich. 

Im Juli hatte ich dann mal kurz gedacht, einen Prinzen gefunden zu haben. Nach ein paar Küssen hat er sich dann doch als Frosch entpuppt. Da musste ich ihn wieder weghüpfen lassen. Und das ging überraschend leicht. 

Auch literarisch ist es voran gegangen (langsam zwar, aber was soll man machen…). Habe die Kamron-Geschichte fertig geschliffen, meinen ersten Mord geschrieben und beide hier im Blog veröffentlicht. Und ganz wichtig: habe im September den Plan gefasst, einen Roman zu schreiben. Ziel: Fertigstellung bis 40. Also bis ich 40 bin. Das sind noch etwa 15 Jahre (um genau zu sein sind es noch gut 6… but who keeps counting?). Erste Ideen gibt es schon. Es wird fantastisch und tragisch zugehen, es geht um Liebe, Macht und Magie. Aber nein: es wird nicht wie Harry Potter.

Und jetzt, kurz vor Jahresende, habe ich mich entgegen nicht lang zuvor gefasster Vorsätze mal wieder auf ein Abenteuer mit absolut ungewissem Ausgang eingelassen. Na gut. Manche Dinge bleiben offensichtlich gleich. 

Ich wünsche euch allen, dass euch auch ein paar gute Dinge einfallen, wenn ihr euer Jahr 2007 Revue passieren lasst. Und alles Gute für 2008!