Archiv der Kategorie: Futter für Geist und Seele

Immer wieder gerne: Berg- und Talpfad rund um Uttenreuth

Spektakulär ist er nicht, der Berg- und Talpfad durch die Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Uttenreuth bei Erlangen, aber durchaus pittoresk – und er liegt direkt vor unserer Haustür.

Der Tag der Deutschen Einheit war dieses Jahr etwas frisch und windig und bewölkt, daher gibt es keine komplett sonnengoldenen Bilder. Aber ganz egal, wie das Wetter am 03.10. ist: Für mich ist es ein wichtiger Tag, an dem ich an die vielen Menschen denke, die ich sehr schätze und mag (oder gar liebe) und die ich ohne den Fall der Mauer wohl nie getroffen hätte.

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Mein Erlanger Poetenfest 2018

Der Lesenachmittag am Samstag (25.08.) startete wegen leichten Regens im Redoutensaal. Ab der 3. Lesung wurde nach draußen in den Schlossgarten verlegt. Regen gab es keinen mehr, aber ein frischer Wind blieb bis zum Abend. Ich war sehr froh über meine mitgebrachte grüne Kuscheldecke… Das Programm: abwechslungsreich, spannend, unterhaltsam, berührend.

Meine Highlights am Samstag:

  • Alex Capus: „Königskinder“. Das streitlustige Ehepaar Max und Tina wird im Auto auf einem Gebirgspass eingeschneit. Bis die beiden von der Schneefräse befreit werden, erzählt Max eine Liebesgeschichte aus der Zeit kurz vor der Französischen Revolution. Leichtfüßig und mit Schweizer Charme erzählt.
  • Kristine Bilkau: „Eine Liebe, in Gedanken“. Nach dem Tod der Mutter entdeckt die Tochter in Briefen und Tagebucheinträgen deren lang vergangene Liebesbeziehung zu Edgar, die wohl kein Happy End fand. Die Leseprobe war stimmungsvoll und einfühlsam.
  • Maike Wetzel: „Elly“. Ein elfjähriges Mädchen, Elly, verschwindet auf dem Weg zum Judo-Unterricht spurlos. Die Eltern und die ältere Schwester sind seitdem in der Zeit gefangen. Die abwesende Elly hat sie alle im Griff und lässt sie nicht weitergehen. Atmosphärisch dicht und psychologisch hochinteressant.
  • Anne Reinecke: „Leinsee“. Karl, Sohn eines erfolgreichen Künstlerpaars, mit 10 ins Internat verfrachtet, kehrt in sein Elternhaus zurück, nachdem der Vater sich umgebracht hat und die Mutter aufgrund eines Hirntumors pflegebedürftig geworden ist. Eine tragische Familiengeschichte, humor- und gehaltvoll erzählt.
  • Tanja Maljartschuk: „Frösche im Meer“. Der Text, der den diesjährigen Bachmann-Preis gewonnen hat, erzählt berührend und gewitzt von einem Arbeiter aus der Ukraine, der ohne Pass illegal in Wien lebt, und einer dementen alten Dame. Überzeugend und bezaubernd vorgetragen.

Der Sonntag (26.08.) entschädigte mit strahlendem wärmenden Sonnenschein für den kühlen Samstag. Der Funke sprang bei den Lesungen jedoch nicht so richtig auf mich über.

Erwähnenswert:

  • Lucy Fricke: „Töchter“. Roadnovel mit trockenem, selbstironischem Witz.
  • Christian Uetz: „Engel der Illusion“. Lyrik, für mich weitgehend unverständlich, aber beeindruckend leidenschaftlich-furios vorgetragen.
  • Maria Cecilia Barbetta: „Nachtleuchten“. Die Geschichte kleiner Leute in einem Vorort von Buenos Aires am Vorabend der argentinischen Militärdiktatur.
  • Angelika Klüssendorf: „Jahre später“. Dritter Teil einer Trilogie, im Mittelpunkt ein Mädchen, aufgewachsen in der DDR, später in die BRD ausgewandert, Erzählzeit: kurz vor der Wende 1989.

Wirklich berührt hat mich am Sonntag ein Projekt der Auslandskorrespondentin Susanne Koelbl. „The Poetry Project“ ermöglicht es jungen Geflüchteten durch das Schreiben von Gedichten ihre eigene Stimme zu finden. Auf dem Nebenpodium präsentierten etwa acht Jugendliche aus dem Projekt ihre Gedichte. Eine 15-jährige kurdische Syrerin, die seit drei Jahren in Deutschland lebt, auf Deutsch, die anderen in ihrer Muttersprache, gefolgt von der deutschen Übersetzung, vorgetragen von einem Vorleser.
Zunächst war ich bewegt von den Worten über verlorene Heimat und Familie, über die Schrecken der Flucht. Und dann, es blitzte erst kurz auf und wurde immer klarer: Trotz aller Traumata, trotz aller Unterschiede der Kulturen: Da stehen junge Menschen; auf der Suche nach sich selbst, nach Liebe und Anerkennung, nach ihrem Weg und ihrem Platz. Dinge, nach denen auch ich als Jugendliche gesucht habe.
„Es ging darum, die Fremdheit zu überwinden. Die Poesie als Brücke schien ein guter Anfang.“, steht auf der Website des Poetry Project und ich denke, das ist eine sehr gute Idee.

Zwei Frauen, zwei Städte, Spurensuche: „Über Nacht“ von Sabine Gruber

Irma in Wien ist alleinerziehende Kulturjournalistin und Dialysepatientin. Eine Spenderniere schenkt ihr ein neues Leben. Wer war der Mensch, der dafür sterben musste?
Mira in Rom ist Altenpflegerin und ihr Ehemann wird ihr zunehmend fremd. Hat er eine Affäre?
Zwei Frauen in zwei Städten auf der Suche nach Spuren und Sinn, einem größeren Zusammenhang. Sabine Grubers Roman überzeugt durch seine klare und poetische Sprache, die Authentizität seiner Protagonistinnen und einen bemerkenswerten Schluss, der mir sehr lange in Erinnerung bleiben wird.

„Kasimir und Karoline“ im Theater Erlangen

Eine Vorstellung war anscheinend besonders schlimm. Während dieser haben nicht nur viele Besucherinnen und Besucher den Saal verlassen, sondern im Anschluss auch ihre teils langjährigen Abonnements gekündigt. Seitdem bietet das Ensemble nach jeder Vorstellung ein Publikumsgespräch an.

Kasimir und Karoline“ ist ein Volksstück von Ödön von Horváth, uraufgeführt 1932 in Berlin. Schauplatz ist das Münchner Oktoberfest. Karoline will sich amüsieren, ihr Verlobter Kasimir ist hingegen deprimiert. Er hat tags zuvor seine Anstellung als Chauffeur und vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise damit auch jegliche finanzielle Sicherheit verloren. Er betrinkt sich mit dem Kleinkriminellen Merkl Franz und dessen Freundin Erna. Karoline lässt sich derweil von gut situierten Männern einladen und träumt vom sozialen Aufstieg.

Das Stück zeigt eine Gesellschaft, die am Abgrund taumelt. Verzweifelt und ohnmächtig die einen, aufgekratzt und zügellos die anderen. Die allgegenwärtige latente Aggression kann sich jederzeit in brutaler Gewalt entladen – und sie tut es auch. Die Sprache ist deftig, teils abfällig und herabwürdigend. Keine der Figuren behält eine weiße Weste; alle sind auf ihren eigenen Vorteil bedacht und lassen im Zweifel andere dafür im Stich. Horváths Bezug auf den aufkommenden Nationalsozialismus übersetzt die Erlanger Inszenierung in den heutigen Populismus und baut ein Höcke-Zitat ein.

Woher rührt nun die Aufregung? Halten es manche Menschen nicht aus, wenn man ihnen im Theater Hässliches und Ekliges zeigt? Wenn man ihnen den Spiegel vorhält? Wenn man Parallelen zwischen der Weimarer Republik und heute aufzeigt?

Verstärkt wird die Wirkung des Stückes dadurch, dass der Zuschauerraum mit zum Spielraum für die Schauspieler wird. So sitzen die Zuschauer mittendrin, wie im Bierzelt auf dem Volksfest, und können sich nicht entziehen. Es sei denn, sie verlassen den Saal.

Mich hat die Vorstellung gestern Abend sehr beeindruckt. Die Atmosphäre war intensiv, teils verstörend, alles kam sehr nah. Näher, als man es als Zuschauer gewohnt ist. Und wohl näher, als einige es sich wünschen. Die Inszenierung provoziert, polarisiert und lädt ein zum Nachdenken und Diskutieren. Sie tut, was Theater tun kann und sollte.

„Kasimir und Karoline“ im Theater Erlangen: Noch zweimal in dieser Spielzeit und dann wieder ab Oktober.

Er ist da

Und der Kuckuck ruft auch wieder. In der Tat: der Frühling ist da.

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Spätwinterzauber im Kufsteinerland

Letzte Woche hatte der Winter das Kufsteinerland noch fest im Griff. Schnee lag dick auf den Waldwegen und Wiesen und kaum taute etwas weg, schneite es bald frisch darüber. Doch der Frühling ist bereit: Krokusse trotzten dem Schnee und an einem sonnigen Nachmittag gab‘s Kaffee und Mehlspeis auf der Terrasse.

Der Aufstieg zum Pendling, dem Kufsteiner Hausberg, brachte mich als nur mittelmäßig begabte Wanderin zur Verzweiflung. Umso größer die Erleichterung, als wir endlich den wunderbaren Blick hinunter nach Kufstein und aufs Kaisergebirge bewundern konnten.

Der Tag vor unserer Heimreise war nebelverhangen und ohne Aussicht, dafür still und stimmungsvoll für einen beschaulichen Abschlussspaziergang zum Kapellenberg in Hinterthiersee.

Bücherkurzkritik: Blaupause, Ellbogen und Alles ist jetzt

Den drei Romanen ist gemeinsam: Sie erzählen die Geschichte einer jungen Frau auf der Suche nach sich selbst und ihrem Platz in der Gesellschaft. Die Settings sind durchaus verschieden.

Theresia Enzensberger berichtet in „Blaupause“ von Luise Schilling, die 1921 als eine von wenigen Frauen am Weimarer Bauhaus zu studieren beginnt. Schnell merkt Luise, dass auch im modernen Bauhaus Frauen nicht wirklich gleichberechtigt sind.

Hazal, die Protagonistin in Fatma Aydemirs „Ellbogen“ lebt im Berlin der Gegenwart und ist als Tochter eingewanderter Türken zwischen den Kulturen hin- und hergerissen. Streit mit den Eltern, Gelegenheitsjobs und Kleinkriminalität bestimmen ihren Alltag. Als Hazal eine schwerwiegende Straftat begeht, flieht sie nach Istanbul.

„Alles ist jetzt“, auch das, was längst vergangen ist. So empfindet Ingrid, die Hauptfigur in Julia Wolfs Debutroman häufig. Ingrid flieht nach dem Abitur aus dem zerrütteten Kleinbürgertum ihrer Eltern und gerät auf einen bestürzenden Weg, der von Drogen und der Rotlichtszene der großen Stadt geprägt ist.

Die Umsetzung der Romane ist unterschiedlich gut gelungen.

Luise bleibt mir leider sehr fern, Enzensbergers Sprache ist zu hölzern. Show, don’t tell!, wollte ich der Autorin beim Lesen häufig zurufen.

Hazal kommt mir schon näher und ich kann mit ihr mitfühlen, auch wenn die drastische Jugendsprache an einigen Stellen etwas gesucht und unnatürlich wirkt.

Julia Wolf schafft es von Beginn an, mich in Ingrids Schicksal hineinzuziehen. Kurze, abgehackte, oft auch unvollständige Sätze lassen mich mit Ingrid empfinden. Ihre Hoffnung und Enttäuschung, ihre Verletzlichkeit und Abgestumpftheit, ihr Schmerz und ihr Grauen werden zu meinem. „Alles ist jetzt“ ist nichts für zarte Gemüter. Durch seine Intensität wird es von den drei Büchern bei mir am längsten nachhallen.

Drei Kurzurlaube im Herbst – Dritter Streich: Leogang

Die Gemeinde Leogang liegt im Salzburger Land und ist Teil des Skigebiets Saalbach-Hinterglemm-Leogang. Die Wintersaison ist Mitte Oktober jedoch noch nicht eröffnet und ohnehin sind wir keine Skifahrer. Bei unserer Ankunft am Freitagmittag empfangen uns strahlender Sonnenschein und eine hausgemachte Kräuterlimonade auf der Terrasse unseres Hotels. Am Nachmittag bewundern wir bei einem Spaziergang die Leoganger Steinberge, wie sie im Sonnenlicht leuchten.

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Tags darauf fahren wir mit der Asitzbahn auf 1.750 Meter Seehöhe. Eine kleine Rundwanderung führt uns über die Asitzmulde auf den Scharbergkogel (1.888 m) und den Großen Asitz (1.914 m), vorbei an einem Speicherteich und schließlich wieder zur Bergstation der Asitzbahn. Die Sonne zeigt sich nicht, beeindruckende Blicke auf die Bergwelt haben wir trotzdem.

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Sonntagvormittag regnet es unten in Leogang und oben am Asitz liegt eine dünne Schicht Schnee. Staunend über den Schnee, den uns ein Monitor in der Hotellounge zeigt, der das Bild einer Webcam überträgt, gehen wir gemütlich frühstücken. Und danach geht’s wieder nach Haus.

Drei Kurzurlaube im Herbst – Zweiter Streich: Reit im Winkl

Auf dem Weg nach Reit im Winkl machen wir Halt am Chiemsee. Es weht ein frischer Wind, dunkle Wolken ziehen über den Himmel, mal schaut die Sonne hervor, mal klatscht kalter Regen herunter.

Die Fahrt mit dem Schiff von Gstadt hinüber zur Fraueninsel dauert nur zehn Minuten. Wir spazieren den eineinhalb Kilometer langen Rundweg um die Insel herum, vorbei an der Klosteranlage Frauenwörth und genießen die schönen Blicke auf den See und das Bergpanorama.

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Am nächsten Vormittag fahren wir bei diesigem Wetter hinauf zur Winklmoos-Alm. Bei unserem Spaziergang auf dem stimmungsvollen Hochplateau entdecken wir an manchen Stellen sogar ein wenig Schnee.

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Später am Nachmittag, wir sind zurück in unserer Ferienwohnung in Reit im Winkl, zeigt sich die Sonne und lässt das bunte Laub leuchten. Bei einer kleinen Rundwanderung um den Ort lassen wir uns wärmen, genauso wie die friedlichen Kühe, denen wir begegnen.

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Tags darauf, unserem Rückreisetag, regnet es und hört nicht auf, auch nicht nach dem ausgiebigen Frühstück, und so machen wir uns auf direktem Wege auf nach Haus, ohne Zwischenhalt und ohne weitere Fotos.

Kalenderspruch der Woche (44/2017)

Seitdem die Scheune zu Asche wurde, sieht man wieder den Mond.
Matsuo Bashō (1644 – 1694)

Dieser Spruch des japanischen Dichters steht vor dem ersten Kapitel des Romans „Das Glück meines Bruders“ von Stefan Ferdinand Etgeton.

Gestern Abend las Etgeton in der Literarischen Buchhandlung von Ilse Wierny aus seinem neu erschienenen Buch. Erzählt wird die Geschichte zweier Brüder. Sie besuchen das leerstehende Haus ihrer Großeltern in einem kleinen belgischen Dorf, wo sie die Sommer und Weihnachten ihrer Kindheit und Jugend verbracht haben. Das verlassene Haus weckt verschüttete Erinnerungen und rührt an verdrängten Wunden.

Es war ein wunderbar schwungvoller Vortrag eines humorvollen, melancholischen und berührenden Textes. Ich freue mich schon auf die Lektüre.