Archiv der Kategorie: Gedanken aus der Besteckschublade

Eins nach dem anderen


In der freudianisch orientierten Entwicklungspsychologie unterscheidet Erik Erikson verschiedene Entwicklungsaufgaben für die Person im Laufe ihres Lebens. Im Jugendalter ist es die Findung einer Identität: Wer bin ich und wohin gehöre ich? Im frühen Erwachsenenalter ist Intimität das Thema; der Aufbau von engen, vertrauensvollen Beziehungen.

 

Ich mag dieses Modell sehr, allerdings bin ich davon überzeugt, dass die Entwicklungsaufgaben nicht auf einen bestimmten Lebensabschnitt begrenzt sind, da sich die Persönlichkeit potenziell das ganze Leben über weiter entwickelt.

 

Wenn sich die Lebensumstände stark ändern, weil beispielsweise eine langjährige Beziehung zu Ende geht, wird der Prozess der Identitätsfindung neu angestoßen. Das ist nicht gerade einfach, wie ich aus erster Hand berichten kann. Streckenweise war ich so verloren, dass ich noch nicht einmal wusste, wer ich hätte sein wollen. Aber manchmal muss man sich verlieren, um sich neu finden zu können. In den letzten Monaten habe ich immer besser herausgefunden, was ich will und was nicht und ich konnte auch immer leichter dementsprechend handeln.

 

Und dann ist passiert, was mir verschiedene Freunde in den letzten Jahren prophezeit haben und ich nie wirklich glauben konnte: Als ich es am wenigsten erwartet habe, ist derjenige gekommen, mit dem es richtig und echt ist. Dass es sich zugleich so glücklich strahlend und soundly grounded anfühlt, liegt auch mit daran, dass ich nahe bei mir selbst bin.

 

Um in einer Beziehung wirklich glücklich zu werden, muss man wissen, wer man ist und was man will. Und man darf sich nicht als eigenständig lebensfähige Person aufgeben. Die Intimität fordert nicht die Aufgabe der Identität, das tun höchstens unreife Partner. Identität ist Voraussetzung für Intimität.

 

Nach der Intimität folgt bei Erikson als Entwicklungsaufgabe im mittleren Erwachsenenalter übrigens die Generativität, also die Fürsorge für die nächste Generation. Aber keine Sorge, davon bin ich noch ein gutes Stück entfernt. 🙂

 

Vom vertikalen Zick-Zack-Tourismus

 

Einer der beiden Witze, die ich kenne, geht so: Was ist der Unterschied zwischen einem Terroristen und einem Touristen? – Der Terrorist hat Sympathisanten… Gut, der Witz reißt nicht gerade vom Hocker und er stammt aus Zeiten lange vor 9/11 und bevor ich zum Weltenbummler wurde.

 

Es ist jedoch auf jeden Fall so, dass Touristen sehr verschieden sind. Ich möchte heute nach drei Dimensionen unterscheiden:

1.Vertikal vs. Horizontal

2. Geradlinig vs. Zick-Zack

3. Einfach vs. Heikel

 

Zu 1. Gemeint ist nicht, ob jemand im Urlaub eher steht oder liegt. Ein horizontaler Tourist will jeden Tag Neues sehen. Das sind die Leute, die übers Wochenende zum Shopping nach London fliegen und glauben, sie würden die Stadt kennen. Die komisch schauen, wenn man mehr als eine Woche an einem Ort verbringt: „Was machst du denn da die ganze Zeit?“ Der vertikale Tourist antwortet: „Da gibt es immer noch etwas zu entdecken!“ Der vertikale Tourist bohrt sich nämlich in die Tiefe, bis er auf die echte Atmosphäre eines Ortes stößt – und die nimmt er sich dann mit. Wenn man häufiger an dieselben Plätze, Straßen, Gassen und Parks kommt, wird man mit den Kleinigkeiten und Feinheiten vertraut  Der fremde Ort wird zu einem Teil der Heimat.

 

Zu 2. Jemand, der die U-Bahn-Karte studiert, um herauszufinden, welche Station am wenigsten entfernt vom gewählten Ziel liegt und lieber fünf Mal umsteigt, als ein paar Straßenzüge zu gehen, gehört zur geradlinigen Sorte. Schließlich will man ja zu dem einen Ort und dahin gibt es genau einen guten Weg. Das Ziel ist das Ziel. Der Zick-Zack-Tourist hingegen erkundet sehr gern alle möglichen spannenden Objekte abseits der direkten Route. Oft lässt er sich auch ohne konkretes Ziel treiben; erforscht, entdeckt, entspannt. Wenn man für eine Sache nicht unbedingt pünktlich zur Stelle sein muss, warum nicht ein bisschen Streunen?

 

Zu 3. „Also, das Hotel fanden wir jetzt nicht so gut … das Zimmer war kleiner als im Katalog stand … da hat man die Straße gehört (beim Hotel mitten in der Stadt) … da brauchte man immer erst so lange in die Stadt (beim ruhigen Hotel etwas außerhalb)“. Der heikle Tourist erwartet stets das Beste und bekommt es nie, denn nichts ist ihm gut genug. Einmal haben mir Leute erzählt, die mit mir in einem wirklich sehr, sehr guten Hotel mitten im Paradies gewohnt hatten, dass sie es nicht so gut fanden, dass im Bad nur einfarbige und keine gemusterten Fliesen waren. Nun, was soll man dazu noch sagen?

Der einfache Tourist freut sich über ein appetitliches Frühstück, warmes Wasser und ein sauberes Zimmer. Viele Leute können überhaupt nicht Leistung und Preis in ein gesundes Verhältnis setzen. Wer Luxus will, muss eben auch den Preis zahlen. Einfacher Tourist zu sein heißt aber nicht, alles toll zu finden. Relation ist das Zauberwort.

 

So lange man alleine in Urlaub fährt (manchmal hab ich das Gefühl, dass nur ich das mache…), kann man seine Touristen-Natur natürlich nach Belieben ausleben. Spannend wird es, wenn man mit anderen unterwegs ist und verschiedene Typen aufeinander treffen: Konfliktpotenzial! Und Konflikte im Urlaub sind nicht erholungsfördernd.

 

Was tun? Gut ist, wenn es Rückzugsmöglichkeiten für die Einzelnen gibt und man nicht zwingend immer alles gemeinsam machen muss. Manche lungern am Pool während andere auf Besichtigungstour gehen. Einer streift zum tausendsten Mal durch die Gassen der Altstadt während die anderen an den See fahren.

 

Und auch wenn’s manchmal trotzdem anstrengend ist: Konfliktpotenzial birgt die Chance zur Übung in Gelassenheit und Toleranz. Also, lasst uns den Witz vom Anfang Lügen strafen und sympathisieren!

 

I’m done with playing games. It’s time for some real fun.


Jeder Mensch hat viele Leben, die zeitlich aufeinander folgen, aber auch parallel ablaufen können und dann vor allem durch Rollen und Einstellungen bestimmt werden.

 

Ganz früher war ich die sehr gute Schülerin, die durch eine umwerfend einfache Strategie (Zuhören im Unterricht) trotzdem nicht arg viel lernen musste. Die sich trotz des herben Schicksals „Einzelkind“ gesunder sozialer Beziehungen erfreuen konnte.

 

Etwas später dann das Leben mit der ersten großen Liebe – echt und andauernd. Da war ich die feste Freundin in glücklicher Partnerschaft. Gleichzeitig interessierte, aber nicht übermäßig engagierte Studentin, die sich mit Nachhilfe und Brötchenverkauf ihren Lebensunterhalt verdiente.

 

Dann begann das Berufsleben. Als erfolgreiche Studienabsolventin hoch motiviert für den Job, ein begeistertes Business Girl. Ich wurde zum ernst zu nehmenden Wirtschaftsfaktor für den Textileinzelhandel meiner bevorzugten Marken.

 

Mit dem Ende der langjährigen Beziehung begann, was als „Sex and the City“-Leben in gemäßigter Form durchgeht. Eine spannende Zeit, geprägt vom Prinzip Trial and Error.

 

Und hier stehe ich heute. Mit einigen verheilten Wunden, aber ohne Reue. Ein paar Narben werden bleiben, die gehören einfach dazu.  

 

Oft spürt man, wenn ein Abschnitt zu Ende geht und sich die Türen zu Neuem öffnen. Ich habe den Eindruck, dass das gerade passiert. Nun denn. Ich glaube, ich bin endlich soweit.

Ein bisschen Frieden


Ich weiß nicht genau, woran es liegt. Vielleicht an den abwechslungsreichen und teilweise intensiven Erlebnissen der letzten Tage. Am klaren Schlussstrich unter einer zwiespältigen Sache und der dadurch gewonnenen Selbsterkenntnis und Energie. An der neuen Madonna-CD oder den alten Tori-CDs, die ich in letzter Zeit sehr viel höre. Vielleicht an der Buchung meines Urlaubs an der Côte d’Azur. An der freudig überraschenden Wiederbelebung alter Kontakte. Oder einfach nur am schönen Wetter.

 

Ich fühle mich friedlich, ruhig und zuversichtlich wie lange nicht mehr.

 

Klar, meine Dämonen sind weiter bei mir und das ist auch gut so, denn sie sind ja eine meiner wichtigsten Antriebsquellen. Es ist jedoch schön, endlich einmal wieder bewusst Vertrauen in den Lauf des eigenen Lebens zu spüren. Sich nicht extra sagen zu müssen, dass es einem gut geht, sondern es einfach zu fühlen.

 

Mal sehen, wie lange das anhält, bevor irgendein Kerl, Projekt oder Tiefdruckgebiet wieder alles durcheinander bringt. J

 

Slow down, baby

 

Ich denke viel über mich, mein Leben, meine Ziele und Wünsche nach, viel mehr als irgendjemand anderes, also weiß ich auch am besten, was gut für mich ist und was nicht. Ich höre nicht gern auf andere Menschen. Wenn jemand mit einem guten Rat oder seiner ungefragten Meinung ankommt, muss er je nach Stimmung mit einer mehr oder weniger freundlich formulierten Abfuhr rechnen. Da ich aber auch nicht unendlich arrogant bin, stößt eine Rückmeldung von anderen Leuten so gut wie immer einen Denkprozess an: Hat er/sie vielleicht Recht? Ist doch was Wahres dran?

 

Genau so ist es vor kurzem passiert, als jemand im beruflichen Umfeld sagte, ich sei zu schnell und ungeduldig, ich solle „entschleunigen“. Die Dame hat das Feedback nicht mir allein gegeben, sondern der Gruppe, in der ich mich befand. Meine erste Reaktion: so ein Quatsch aber auch, wie stellt sie sich das vor? Schnelligkeit ist das tägliche Geschäft. Langsam geht gar nicht.

 

Zweite Reaktion: Nachdenken. Mich selbst heute mit mir selbst vor ein paar Jahren, vor ein paar Monaten vergleichen. Und ja, ich bin schneller geworden. Schneller im Sinn von entschlossener und effizienter im Job zu sein, ist auch gut und wichtig. Was mir allerdings zu sehr verloren gegangen ist, ist einen Ausgleich dafür zu schaffen. Ich habe schon immer einen Großteil meiner Kraft daraus gezogen, dass ich in mir ruhe, dass ich bei mir selbst bin.

 

Das ist im Moment oft nicht so – ich renne zu viel. Ich gehe, ich schlendere zu wenig. Und erst recht bleibe ich nirgends stehen, nicht mal für einen Augenblick. Das ist aber manchmal wichtig, um überlegen zu können, wohin man eigentlich will. In diesem Sinne werde ich versuchen, wieder ein Stück langsamer und bewusster zu werden. Wäre doch schade, wenn man am eigenen Leben vorbei hetzt und nichts mitbekommt.

 

 

Zwei gute Männer pro Staat

 

„Laut einer Studie gibt es zwei gute Männer pro Staat.“ – Ein Zitat aus „Ally McBeal“, einer meiner US-Lieblingsserien. Umgerechnet auf Deutschland sind das knapp 30 gute Männer landesweit. Wenn ich so auf meine Erfahrungen als Single-Frau zurückblicke, halte ich diese Zahl für realistisch.

 

Man muss sich bei der Suche schon mit merkwürdigen Gestalten auseinandersetzen. Oft und schnell gefunden: Der Beziehungsunwillige. Diese Typen erzählen Dinge wie „Ich stelle mir vor, dass ich irgendwann mal so in eine Beziehung hineinschlittere“ (Vorsicht: Ausrutschgefahr auf Glatteis!) oder „Ich will eine Frau finden, die nicht nur mich liebt, sondern die ich auch lieben kann“ (Tipp: Halte Ausschau nach einer, die dir gewachsen ist und sich auch selber liebt; kein kleines Mäuschen, das dir alles recht macht). Wieder andere wollen erst noch den ganzen Süßigkeitenladen durchprobieren, bevor sie sich auf etwas einlassen (Achtung: Von zuviel Zucker wird einem schlecht!).

 

So lange dieser Typ mit offenen Karten spielt, ist das an sich okay. Wenn du jedoch für dich feststellst, dass du etwas willst, das nicht nur an der Oberfläche kratzt, solltest du zusehen, dass du den Absprung schaffst, bevor es richtig weh tut und du den Typ Monate lang nicht mehr aus dem Kopf kriegst. Die Verschwendung kannst du dir sparen.

 

Noch weniger brauchbar sind Kandidaten, die Sekretärin und Haushaltshilfe im Kombipack suchen (Hüte dich vor Männern, die mit 30 noch bei Mutti waschen lassen!). Andere wieder schießen sich so auf dich ein, dass du keine Luft mehr zum Atmen hast („Du kommst mir vor wie ein Engel. Ich liebe dich.“ – und das beim zweiten Date). Bei beiden gilt: Nix wie weg!

 

Furchtbar weit verbreitet ist natürlich der Typ, der so langweilig ist, dass du dir nach 2 Minuten beim ersten Date überlegst, mit welcher Ausrede du möglichst bald nach Hause gehen kannst und ihn gleichzeitig für immer abwimmelst. Bei denen findest du nie heraus, ob sie zu den manisch männlich Unabhängigen oder den zwanghaft zutraulichen Klammeraffen gehören. Und das ist auch gut so.

 

Die Suche geht also weiter. Bis der Richtige gefunden ist. Mit weniger gebe ich mich nicht zufrieden, denn (und auch das ist ein Zitat aus „Ally McBeal“): Es gibt nichts einsameres, als mit dem falschen Kerl zusammen zu sein.

 

Past to present

Bald hab ich Geburtstag. Da denkt man gerne mal zurück, wie’s früher so war, was man gemacht und gemocht hat und welche Dinge geprägt haben.  

Neben meinem Wellensittich und dem süßen Nachbarsjungen war meine dritte große Liebe in den Achtzigern Michael Jackson. Mit „Thriller“ hat er Geschichte geschrieben. Da war er noch in den Schlagzeilen, weil er als erster schwarzer Sänger ein enorm breites nicht-farbiges Publikum begeisterte (meistverkauftes Album aller Zeiten – so far), wegen seiner einmaligen Art sich zu bewegen (der legendäre Moonwalk, selbstverständlich mit leuchtend weißen Socken) und weil er Meilensteine in der Kunstform des Musikvideos gesetzt hat (allen voran mit „Thriller“). Die Veränderungen durch plastische Chirurgie waren noch äußerst moderat und von kleinen Jungs hat auch noch niemand gesprochen. Ich selbst war zu der Zeit 9, 10 und voll kindlicher Faszination.  

Pünktlich zum Einsatz meiner Pubertät kam „Bad“ auf den Markt und aus der kindlichen Faszination wurde extreme Teenage-Schwärmerei mit allem Drum und Dran. Für alle nicht-Infizierten in meinem Umfeld wahrscheinlich eine Qual. Höhepunkt: der Besuch seines Konzerts im August 1988 in Würzburg. Mein erstes Live-Konzert überhaupt – was für ein Erlebnis! In Ohnmacht gefallen bin ich nicht, das Ganze war eher eine ca. eineinhalb-jährige Trance. 

Das Album „Dangerous“ hab ich mir noch gekauft, die Begeisterung hielt sich jedoch die Waage mit der Enttäuschung über die teilweise wirklich schwachen Songs. Die Zeit des Zaubers war vorbei. Heute kommt am ehesten Mitleid auf, wenn ich was von Michael Jackson sehe oder höre. Und auch die Remix-Sachen zum 25. „Thriller“-Jubiläum sprechen mich nicht an.

Ich stehe jedoch nach wie vor uneingeschränkt auf die Originale. Mein all time favorite Michael song: „Billie Jean“. Dem Video merkt man an, dass es von „früher“ ist, der Song haut mich immer noch um.

 

Leicht

10 Gründe für mich, um glücklich zu sein: 

Ich lebe in einem reichen und friedlichen Land. Ich muss weder Willkür noch Gewalt fürchten und kann mich frei und unbeschwert bewegen. 

In meinem Job arbeite ich jeden Tag mit außergewöhnlichen Leuten zusammen. Auch wenn’s öfters stressig ist: wir haben eine Menge Spaß und stellen einiges auf die Beine. 

Ich bin gesund und recht robust. Ernsthafte Krankheiten haben mich bisher verschont.  

Mein Leben ist in meiner Hand. Ich lebe frei und unabhängig: finanziell, organisatorisch und emotional. 

Mein Erleben ist lebendig und stark. Ich bin fähig intensiv zu fühlen; positiv wie negativ. 

Ich habe echt und ehrlich geliebt. Und bin ebenso echt und ehrlich zurück geliebt worden. 

In meiner Nähe gibt es Menschen, die mir viel bedeuten, denen ich vertraue und mit denen ich sehr gerne Zeit verbringe. 

Wenn ich in mich hinein höre und schaue, finde ich eine ganze Menge: Offenheit für Menschen und die Welt, Freude an fremden Orten und Kulturen, Zugang zu Musik und Kunst, Spaß an Sprache und am Schreiben, eine gute Portion Humor, eigene Meinungen und Überzeugungen. Ich nehme mich als ausgeprägte Persönlichkeit wahr.  

Ich freue mich über die kleinen Dinge. Ausschlafen am Wochenende, Milchschaum auf meinem Kaffee, das erste Grün im Frühling, WLAN in meinem Bett. Vermeintliche Kleinigkeiten mit enormem Lebensqualitätspotenzial. 

Ich vertraue ins Leben. Ich bin davon überzeugt, dass alles schon so Sinn macht, wie es mir passiert. Und bin gespannt darauf.  

Welche 10 Gründe habt ihr, um glücklich zu sein?

 

Ein Glaubensbekenntnis

Jeder Mensch hat bestimmte Ansichten, Vorstellungen, Werte. Dinge, die ihm wichtig sind und an die er glaubt. Bei manchen ist es die große Liebe oder vielleicht Gott, bei anderen eine bestimmte Technologie, Dieter Bohlen oder ihr neuer Job.  

Ich habe viele Dinge, an die ich glaube und die zu mir gehören. Zum Beispiel: Ich glaube daran, dass eine einzelne Person die Welt verändern kann.

Komischerweise glauben viele Menschen das nicht: Was macht es schon für einen Unterschied, wie ich mich verhalte? Ob ich mit dem Auto überall hinfahre oder zu Fuß gehe? Ob ich darauf achte, dass mein Spiegelei von einem freilaufenden Huhn kommt? Ob ich jetzt meinen Müll auf die Straße werfe oder nicht?   

Zugegeben, global betrachtet macht es nur einen sehr kleinen Unterschied. Aber es macht eben einen. Jede Veränderung beginnt bei dir selbst. Und persönlich gesehen macht es den vollkommenen Unterschied: Dein Verhalten macht aus, wer du bist.  

Betrachtet man ein Land sieht es ähnlich aus: Was hilft es schon, wenn Deutschland Vorreiter beim Klimaschutz ist, wenn die anderen nicht richtig mitmachen? Warum soll sich die deutsche Wirtschaft an moralischen Werten messen lassen, die andere Länder genauso wenig beachten? Na herrlich, schlechtes Verhalten von anderen als Rechtfertigung für eigenes schlechtes Verhalten. Wenn es die anderen machen, dürfen wir auch. Die Konsequenzen scheren uns einen Dreck. – Wenn keiner als gutes Beispiel voran geht, wird auch keiner folgen. Ich glaube daran, dass auch Länder und Nationen Zeichen setzen können. 

Für solche Ansichten wird man schon mal gerne belächelt. Als gut aussehende Frau zumeist von tumben Männern: Ach, ist sie nicht süß, die Kleine? Mit der würde ich auch gerne mal… Fuck you, bloody ignorants!  

Ich will hier wahrlich nicht den moralischen Zeigefinger schwingen. Ich hab auch schon mit diversen Flugreisen das Klima versaut und meine Salami kam nicht immer von lachenden Schweinen. Es geht nicht um die absolute Askese, es geht um mehr Bewusstheit beim Handeln. Man muss kein Gandhi sein und sein normales Leben aufgeben, um ständig immer nur Gutes zu tun.  

Beginne mit den kleinen Dingen im Alltag. Mach dir Gedanken darüber, was dir wichtig ist und wofür du als Person stehen willst. Und dann handle danach. Und freue dich, wenn du merkst, dass du tatsächlich einen Unterschied machen kannst! 

Und hier noch ein besonders herausragendes Beispiel: Dr. Martin Luther King mit einer seiner berühmtesten Reden, gehalten am 28. August 1963 in Washington. Er hat sicher einen Unterschied gemacht.

Steig doch einfach mal aufs Lehrerpult!

Habe kürzlich seit langem einmal wieder „Dead Poets Society“ (Club der toten Dichter) von Peter Weir gesehen; mit Robin Williams als charismatischem Lehrer einer Privatschule der 50er Jahre. Als der Film in die Kinos kam, war ich ungefähr so alt wie die Jungs im Film. Ideal! 

Neben der Carpe Diem-Sache (also Nutze den Tag oder freier übersetzt: Mach was aus deinem Leben) hat der Film für mich noch eine zweite sehr wertvolle Botschaft. Es geht darum, die Welt bewusst aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen. Williams steigt dazu im Film auf sein Lehrerpult. Er fordert die Schüler auf, dies auch zu tun. Die Message: Übernehmt nicht einfach die Sichtweise der anderen. Betrachtet die Sache aus einem anderen Blickwinkel noch einmal neu. Denkt nach, um eure eigene Meinung zu bilden. Und habt keine Angst davor, einen anderen Standpunkt zu vertreten. 

Erst zögerlich, dann zunehmend mutiger, steigen die Schüler nacheinander alle auf das Pult und liefern damit die Grundlage für die ergreifende Schlussszene (ja, ich musste auch diesmal wieder weinen). 

Für mich geht die Sache noch ein ganzes Stück weiter: Steig doch wirklich mal aufs Lehrerpult (oder ein vergleichbares Möbelstück, das zu Hand ist; vielleicht dein Schreibtisch oder dein Stuhl im Büro). Die Welt sieht tatsächlich anders aus. Das kann dir helfen, wenn du bei einer Sache nicht weiter kommst, wenn dein Denken und Handeln festgefahren sind. Ein neuer Blickwinkel kann neue Impulse bringen. Gibt es einen Aspekt, den du bisher nicht beachtet hast? Eine Möglichkeit, die du noch nicht in Betracht gezogen hast?  

Und es kann auch dazu beitragen, andere Leute besser zu verstehen. Versetze dich in die Lage der anderen. Wie sieht die Sache für sie aus? Welche Voraussetzungen und Bedingungen gelten für sie? Was sind ihre Ziele und Interessen? Sobald du ein Verhalten verstehst, kannst du auch besser damit umgehen. 

Ein Tipp für die Anwendung in der Praxis, falls du befürchtest, für völlig durchgeknallt gehalten zu werden: Perspektiven-Klettern im Büro kannst du leicht dadurch tarnen, dass du z.B. Kalender oder wichtige Ausdrucke recht weit oben an der Wand anpinnen willst oder oben auf dem Schrank etwas suchen musst. J 

In diesem Sinne: O Captain, my Captain! Ja, ich werde meinen Kopf benützen! Und da sag noch einer, man könne aus Hollywood-Filmen nichts fürs Leben lernen.