Brockhaus der Woche (28/2018)

Vielleicht wäre die Welt eine andere, wenn es heutzutage mehr Anhänger von Baumkulten gäbe…

Baumkult, Verehrung von Bäumen, Baumgruppen oder heiligen Hainen, die sich bei vielen Völkern (z.B. auch Ägyptern, Germanen, Griechen, Indern und Slawen) findet; sie gilt den Bäumen selbst (Baum des Lebens, Weltenbaum) und den in ihnen vermuteten Gottheiten.

Eines Morgens

Er war schon immer stark behaart gewesen. Mit 13 wuchs der erste zarte Flaum auf der Oberlippe, keine sechs Monate später sprossen schwarze Haare auf dem Kinn und den Wangen. Seine dunklen Locken wurden noch üppiger. Die Schulmädchen kicherten und flüsterten hinter vorgehaltener Hand, wenn er das Klassenzimmer betrat. Bald wuchs auch sein Schamhaar kräftig, sein Brusthaar wurde voll und weich, das auf Armen und Beinen etwas fester.

Manche Mädchen und später Frauen mochten das nicht, andere hingegen fanden ihn gerade deshalb attraktiv. Er rasierte sich täglich im Gesicht, kürzte einmal pro Woche die Haare in den Ohren und der Nase und lebte ein gutes Leben.

Doch eines Morgens, kurz nach seinem 33. Geburtstag, erschrak er beim Blick in den Badezimmerspiegel. Haare. Er sah nur Haare. Dicke braune Haare; und ein weit aufgerissenes Paar Augen, das ihn aus dem Spiegel heraus anstarrte. Weiterlesen

Brockhaus der Woche (27/2018)

Weil manche Zeitgenossen sich aufführen wie der erste Mensch, kommen wir bei vielen Themen kaum voran, sondern stehen still oder drehen uns im Kreis und müssen gefühlt immer wieder ganz von vorne anfangen… Was sagt der Brockhaus dazu?

Adam [hebr. „Mensch“] und Eva [hebr. „Leben“], nach der Bibel (1. Mos. 1-4) das erste Menschenpaar und Stammeltern aller Menschen. Urspr. im Paradies, aßen sie vom Baum der Erkenntnis und wurden vertrieben. Bei Paulus (Röm. 5,14; 1. Kor. 15,45) tritt der erste Mensch als Urheber der Sünde und des Todes in Ggs. zu Christus, dem zweiten A., dem Urheber des Lebens, auf. Im Schrifttum des MA. ist die Geschichte von A. und Eva oft behandelt worden, z.B. in Mysterienspielen. Die bildende Kunst stellte bes. die Erschaffung, den Sündenfall und die Vertreibung dar (Hildesheimer Bronzetür, Adamspforte des Bamberger Doms, Fresken von Masaccio und Michelangelo, Stich von Dürer u.a.).

Adam und Eva - Albrecht Dürer, 1507

Adam und Eva – Albrecht Dürer, 1507

Romantik – Ein Dialog

Während der Vorspeise

Sie:        Jetzt ist es gleich soweit. Bärchen, schau, gleich ist es soweit.

Er:         Hm.

Sie:        Da, jetzt! Schau nur, jetzt berührt sie das Wasser. Ach. Diese Farben! So tolle Farben! Was für ein Glück wir haben, gleich am ersten Abend. Und wie schnell sie wandert, die Sonne…

Er:         Genau genommen bewegt sich ja die Erde und nicht die Sonne.

Sie:        Wie? Ach, das weiß ich doch, Bärchen. Schau nur, die Farben und das Wasser ganz glatt. Ist das nicht romantisch?

Er:         …

Sie:        Ist das nicht romantisch?

Er:         Ja.

Sie:        Bärchen, weißt du, was jetzt das Richtige wäre? Eine Flasche Champagner!

Er:         Also, mir würde auch ein Glas Wein reichen. Oder Bier.

Sie:        Es ist doch so romantisch! Bitte, Bärchen! So ein herrlicher Sonnenuntergang, der muss gefeiert werden. Der Sonnenuntergang und unser erster gemeinsamer Urlaub. Bitte bestell uns Champagner!

Er:         Na gut…

Sie:        Du bist der Beste! Mein Bärchen bist du, mein bestes Bärchen!

Nach dem Hauptgang

Sie:        Ich habe eine Überraschung, Bärchen. Ich habe uns morgen zum Partner-Yoga angemeldet. Gleich nach dem Frühstück geht’s los.

Er:         Was? Ich wollte eigentlich zum Kite-Surfing…

Sie:        Ach, Kite-Surfen kannst du doch immer noch. Das Partner-Yoga ist nur einmal die Woche, da ist morgen unsere einzige Chance! Bitte, komm mit mir zum Partner-Yoga!

Er:         Na gut…

Sie:        Du bist der Beste! Mein Bärchen bist du, mein bestes Bärchen!

 

Nach dem Dessert geht sie zur Toilette. Sie schreibt eine Textnachricht an ihre beste Freundin:

Spitzenhotel, klasse Strand, 1a Restaurant. Bernd verwöhnt mich mit Champagner. Alles so romantisch! Bin im siebten Himmel. Und morgen vielleicht schon verlobt? Küsschen, Silvia.

Er schreibt eine Textnachricht an seinen besten Kumpel:

Du hattest recht mit Silvia. Hätte nie in diesen Urlaub fahren dürfen. Muss sehen, wie ich hier rauskomme. Mehr, wenn ich zurück bin. Ciao, Bernd.

Brockhaus der Woche (26/2018)

Halbzeit im Jahreslauf! In sechs Monaten ist Weihnachten schon wieder vorbei und Silvester steht vor der Tür. Ist das erste Halbjahr an euch vorbeigeflogen? Wie viele Situationen gab es, in denen die Zeit gar nicht vergehen wollte, vielleicht im Wartezimmer bei der Ärztin oder mit knurrendem Magen im Restaurant? Was sagt der Brockhaus dazu?

Zeiterleben (Zeitbewusstsein), das subjektive Erfassen objektiver Zeitverläufe, als Wahrnehmung der Dauer, der zeitl. Folge und von Zeitintervallen. Der als unmittelbar gegenwärtig empfundene Zeitraum heißt Präsenzzeit. Er kann bis zu sechs Sekunden betragen. Das eben noch unterscheidbare Zeitintervall beträgt im Seh- und Tastbereich etwa 0,02, im Hörbereich etwa 0,002 Sekunden. Die Zeitwahrnehmung des Menschen bildet aber nicht einfach die physikal. Zeit ab. Eine Zeitspanne kann in einer starken Zeitdehnung oder einer Zeitraffung erfahren werden, was in großem Maße von der Ereignisfülle und von psycholog. Faktoren (wie Monotonieerleben, Aufmerksamkeit, Erwartung) abhängig ist. Außerordentl. Änderungen des Z. treten bei Übermüdung, im Schlaf, Traum, in Rauschzuständen und bei psych. Krankheiten auf. Die Fähigkeit, genau zu vorgenommener Zeit aufzuwachen (innere Uhr, Zeitsinn), beruht vermutlich auf einer unbewussten Orientierung am period. Ablauf der Stoffwechselvorgänge (Tagesrhythmik).

Brockhaus der Woche (25/2018)

Seit fast einem Jahr gehe ich wieder regelmäßig zum Yoga. Und heute ein echter Höhepunkt: 108 Sonnengrüße am Stück gemeistert! Der letzte Satz aus dem Brockhaus-Eintrag trifft für mein Yoga sicherlich zu.

Yoga [Sanskrit] der oder das (Joga), fest in der ind. Kultur verwurzelte, eng mit dem Samkhya verbundene Lehre (und darauf beruhende Methode) der Vervollkommnung des Menschen. Y. wird bereits in den Veden erwähnt und von Patanjali im „Yogasutra“ vermutlich im 2. Jh. v. Chr. schriftlich als Regelwerk und philosophisch-religiöses System fixiert. Danach besteht das Ziel des Y. in der Selbstvervollkommnung im Sinne eines Sichloslösens von der eigenen Persönlichkeit, die durch eine Harmonisierung von Leib, Seele und Geist erreicht werden soll. Auf dem Wege dorthin hat der Yogi oder Yogin versch. Stufen des Y. zu durchlaufen: die Zügelung körperl. Begierden, die Beachtung von Reinheitsvorschriften, das Erlernen von bestimmten Körperhaltungen, die Beherrschung des Atems, Verinnerlichung, Konzentration, Meditation, Versenkung. – Im Verlauf der Geschichte entstanden unterschiedl. Y.-Schulen, die einzelne Bereiche der Stufenfolge hervorheben. – In Europa bekannt geworden, hat sich Y. mit typisch europ. Denkformen vermischt. Daraus entwickelte sich eine Vielfalt von Systemen, Methoden und Ansichten, die sich z.T. weit vom ursprüngl. Y. entfernt haben.

Brockhaus der Woche (24/2018)

Gerade mal fünf Seiten nehmen die Begriffe mit „X“ in meinem Brockhaus ein. Der Buchstabe selbst wird mit drei Bedeutungen geführt.

x, X, 1) Konsonant (Laut); der 24. Buchstabe des dt. Alphabets, geht zurück auf das Zusatzzeichen X der altgrch. Schrift; hat meist den Lautwert [ks] behalten. Im Spanischen bezeichnet es den Laut [x], im Portugiesischen den Laut [ʃ]; im Französischen dient es zur Bezeichnung der Laute [ks], [gz], [s] und [z] und ist am Wortende meist stumm.
2) Mathematik: x, Formelzeichen für eine bei der grafischen Darstellung auf der Abzissenachse (x -Achse) abgetragene Variable bzw. kartes. Koordinate oder für eine unbekannte, zu bestimmende Größe.
3) röm. Zahlzeichen: X für 10.

Einsteigermodell

In den großen, prächtigen Konzertsälen der Welt wird man mich wohl nie hören. Eher in Jugendzimmern, an Lagerfeuern oder vielleicht der Aula einer Schule. Ein solides Einsteigermodell bin ich, sagt der Verkäufer, wenn er mit suchenden Kunden vor der Wand steht, an der ich aufgehängt bin. Sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis, gefälliger Klang, leicht zu stimmen, unempfindlich, verzeiht auch mal, wenn die Griffe noch nicht perfekt sitzen.

Mein Körper ist wohlgeformt, aus weichem Holz, aber stabil; ich halte einiges aus. Meine sechs Saiten sind straff gespannt. Sie sind robust und gleichzeitig zart. Solche, die zu grob oder zu schüchtern sind, werden schnell ihr Interesse an mir verlieren. Doch diejenigen, die meine Saiten richtig zum Klingen bringen, werden lange große Freude an mir haben.

Brockhaus der Woche (23/2018)

Bei manchen Zeitgenossen verschwimmen sie zu einem und sind doch zwei unterschiedliche Dinge: Wahn und Wirklichkeit

Wahn (Wahnidee, Wahngedanke), inhaltl. Störung der Denktätigkeit; bei sonst intaktem Denken und Bewusstsein bildet sich eine falsche Vorstellung oder Überzeugung heraus, die trotz log. Einwände nicht unterdrückt werden kann, subjektiv nicht als krankhaft anerkannt wird und somit auch nicht korrigierbar ist; z.B. Beziehungs-, Eifersuchts-, Verfolgungs-, oder Größen-W.; tritt v.a. bei Schizophrenie, Psychose oder Paranoia auf.

Wirklichkeit, Philosophie: Der Inbegriff des wahrhaft Seienden und Wirkenden; die Realität. Bei I. Kant gehört W. als eine Kategorie der Modalität (neben Möglichkeit und Notwendigkeit) zu den Grundlagen des empir. Denkens. Der Idealismus begreift die W. als immaterielles geistiges Sein, der Materialismus als materielle Dingwelt, der Empirismus als die Summe des empirisch Gegebenen (Erfahrung, Empfindungen, Sinnesdaten).

Brockhaus der Woche (22/2018)

Vatnajökull [ʹvatnajœ:kydl], größter Gletscher Islands, im SO der Insel, mit 8300 km2 und einer Eisdicke von z.T. über 1000 m größter Gletscher Europas, bis über 2000 m hoch; überzieht mehrere tätige Vulkane, deren Ausbrüche Schmelzwasserfluten hervorrufen (zuletzt im Sept. 1996).

Und auch dieser Gletscher schmilzt, während Politiker mit dem Totschlagargument „Arbeitsplätze“ wedeln, Wetter und Klima verwechseln, oder meinen, dass uns der Klimawandel nichts anginge, weil schließlich nicht zu beweisen ist, ob er wirklich menschengemacht ist.

Es ist egal, welche Ursachen die Klimaerwärmung hat – die Folgen treffen die gesamte Menschheit und so wäre es doch in jedem Falle schlau, diesen entgegenzuwirken. Nur leider haben diejenigen, die schon heute spürbar darunter leiden, keine Lobby – im Gegensatz zu Automobilbranche & Co.

Auf Kosten künftiger Generationen spielen wir ein: Vabanquespiel [vaʹbãk-, frz.], hohes Risiko, Wagnis.