Kulturgeschichte leicht verdaulich: „1913“ von Florian Illies

Feuilletonist Florian Illies versammelt in seinem Buch „1913 – Der Sommer des Jahrhunderts“ seine Auswahl an Persönlichkeiten der damaligen Kulturgeschichte und erzählt anekdotisch Monat für Monat, wer wann was mit wem geplant und getrieben, gelitten und geschrieben, getrunken und gestritten, gemalt und gejagt, komponiert und aufgeführt, veröffentlicht und ausgestellt, diskutiert und rationalisiert hat.

Wer eine wissenschaftliche Geschichtsabhandlung des Jahres vor Ausbruch des ersten Weltkriegs sucht, wird von „1913“ enttäuscht sein. Wer sich der Zeit des Umbruchs hingegen leichten Fußes von der schöngeistigen Seite nähern möchte, wird glücklich fündig.

„1913“ ist ein schillerndes Lesebuch, das schmunzeln und staunen lässt und zum Nachdenken anregt – auch über die Parallelen zu unserer Gegenwart.

P.S.: Obwohl ich nicht gänzlich ungebildet bin, konnte ich einige der Protagonisten nur ganz grob einordnen und von manchen hatte ich noch nie gehört. Das tut der Lesefreude aber keinen Abbruch. Im Gegenteil, in diesem Fall ist Bildung tatsächlich unterhaltsam.

Galerie

Berge, Wiesen, Wiener Schnitzel: Urlaub im Salzburger Land

Diese Galerie enthält 17 Fotos.

Als Kind war ich fast jedes Jahr mit meinen Eltern im Sommerurlaub in Österreich. Später hat’s mich weiter weg gezogen. 2008 dann eine Stippvisite in Wien, 2011 in Graz und nun, Anfang August 2013, eine Woche Familienurlaub im Salzburger Land. … Weiterlesen

Kult mit Klamauk: Blues Brothers

Gerade habe ich – seit ewigen Zeiten einmal wieder – die „Blues Brothers“ mit John Belushi und Dan Akroyd gesehen. Lief auf arte im „Summer of Soul“.

Sicher, die Coolness ist inzwischen etwas eingestaubt. Der Humor ist stuck in the eighties, natürlich, der Film ist von 1980. Zeitlos gut und im wahrsten Sinne des Wortes bewegend ist und bleibt die Musik.

Meine Favoriten:

„Think“ von Aretha Franklin…

 

… und natürlich “Everybody Needs Somebody To Love”

Enjoy! Dance! And always shake a tail feather!

Ein Haushaltsgerät erzählt

Geboren wurde ich unter Schweizer Flagge. Die Berge habe ich nie gesehen, denn gleich ging es auf die Reise. In einem großen, komfortabel gepolsterten Karton.

Mein Leben begann richtig, nachdem ich in meiner Küche angekommen war. In direkter Nachbarschaft die Spüle, gegenüber Herd und Backofen. Auch Toaster, Wasserkocher und Kühlschrank habe ich immer im Blick. Direkt unter mir die Spülmaschine. Ich mag ihr Klappern und Rauschen und Dampfen. Sie arbeitet fast jeden Tag.

Ich hingegen komme meist nur zweimal in der Woche zum Einsatz, die restliche Zeit habe ich frei. Ich werde geschätzt, das spüre ich mit jedem Handgriff. Oft werde ich gestreichelt, erst kühl und feucht, dann trocken. Ich werde befüllt und geleert wie ich es brauche. Im Gegenzug erledige ich zuverlässig alles, was ich kann: Ich mahle, ich brühe, ich schäume.

Geduld brauche ich nur, wenn ich sage: „Entkalken“ oder „Reinigen“. Das wird schon mal eine Weile ignoriert. Aber damit kann ich leben.

Der Holzweg

„Gegen den Uhrzeigersinn“, murmelte ich. Tina, meine Banknachbarin und beste Freundin streckte die Hand nach oben. Herr Schmitt rief sie auf. „Gegen den Uhrzeigersinn!“, antwortete Tina laut und deutlich. „Stimmt. Gut, Christina“, lobte Herr Schmitt und ergänzte: „Und Hochdruckgebiete im Uhrzeigersinn.“

Mit einem Augenzwinkern lächelte Tina mich an. Als Herr Schmitt sich zur Weltkarte umdrehte, griff erst sie, dann ich flink in die offene Tüte mit Kartoffelchips unter unserer Schulbank. Von Herrn Schmitt unbemerkt steckten wir eine kleine Portion Chips in den Mund und kauten sie beinahe geräusch- und bewegungslos. Heimliches Chips-Essen war in der siebten Klasse unser großer Sport im Erdkundeunterricht. Wahrscheinlich um diese Respektlosigkeit auszugleichen, verfolgte ich dennoch aufmerksam den Unterricht. Das war nicht leicht, denn Herr Schmitt war zwar ein gutmütiger Mensch, aber leider kein mitreißender Lehrer. Weiterlesen

Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift

Im Oktober 2012 wird einer Fünfzehnjährigen in den Kopf geschossen. Weil sie in die Schule geht. Als ich 15 war, bin ich gern zur Schule gegangen. Es war für mich selbstverständlich und manchmal etwas lästig. Außerhalb der Schule hatte ich Madonna, die Bravo, Lidschatten und die ersten Jungs im Kopf – keine Kugeln von Extremisten. Ich hatte keine Ahnung, wie privilegiert ich war.

Heute ist Malala Yousafzai 16 geworden und hat vor den Vereinten Nationen eine Rede gehalten. Von gleichen Rechten, vom Recht auf Bildung für alle hat sie gesprochen. Davon, dass Bildung die mächtigste Waffe ist gegen Terrorismus. Der Zugang zu Bildung für alle Mädchen und Jungen ist der Schlüssel. Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern, sagt sie. Ich glaube ihr.

Inzwischen weiß ich, wie privilegiert ich damals war und heute bin. Und ich beginne zu verstehen, dass es eine Pflicht der Privilegierten ist, aufzustehen und mehr zu tun als Gott oder wem auch immer zu danken, dass man am richtigen Ort zur richtigen Zeit geboren wurde. Denn zu tun gibt es viel, auch im privilegierten Deutschland und Europa.

Malalas Rede vor der UN Jugendversammlung ist z.B. auf YouTube zu sehen:

Und ein Artikel auf sueddeutsche.de: Malalas Waffe heißt Bildung

Nominiert für den Deutschen Phantastik Preis 2013

Die Anthologie „Wenn das die Grimms wüssten“, in der meine Geschichte von Kamron, dem Wolf erschienen ist, wurde für den Deutschen Phantastik Preis nominiert, in der Kategorie “ Beste Original-Anthologie/Kurzgeschichten-Sammlung“.
Mehr Info hier: http://www.deutscher-phantastik-preis.de/

Wer den Preis gewinnt, entscheidet das Publikum. Jeder kann online abstimmen!

Und das geht so:
Mit der E-Mail-Adresse hier anmelden: http://dontapir.de/dpp/
An die E-Mail-Adresse wird ein Bestätigungscode geschickt.
Mit diesem Einloggen, dann zur Kategorie Beste Original-Anthologie/Kurzgeschichten-Sammlung“ gehen und dort auswählen: Peter Hellinger [Hg]: Wenn das die Grimms wüssten (art&words)“

Bestätigen durch Klick auf „Update“. Und schon zählt die Stimme!
Die Abstimmung läuft bis zum 28. Juli 2013.

Ich hab schon abgestimmt. 🙂

„Die Teilacher“ und „Machloikes“ von Michel Bergmann – leichtfüßig und tiefgründig

Gott sagte zu Moses: Ich habe Gebote für euch. Und Moses fragte: Was kosten die? Nix, sagte Gott. Moses: Okay, dann nehme ich zehn!

Einer von vielen jüdischen Witzen aus „Die Teilacher“. Autor Michel Bergmann erzählt in seinen Romanen „Die Teilacher“ und „Machloikes“ über das Leben von Juden in Frankfurt am Main nach dem 2. Weltkrieg. Im Land der Mörder verstehen sie sich als Durchreisende und doch bleiben sie oft. Schlagen sich nach dem Trauma des Krieges und der Lager als Teilacher, jiddisch für Handelsvertreter, durch die Trümmer und etwas später durchs beginnende Wirtschaftswunder. Dabei gibt es viel zu lachen und zu weinen, viel zu hoffen und zu zweifeln und natürlich auch Machloikes: Machenschaften, Ärger, Zwist.

Beide Bücher lesen sich leicht, lassen dich schmunzeln und laut lachen. Und berühren dich tief und lassen dich nachdenken, wenn es um die Schrecken und Verbrechen geht. Ich habe Michel Bergmann 2011 auf dem Poetenfest in Erlangen gehört, wie er aus „Machloikes“ gelesen hat. Eine wunderbare Entdeckung. „Die Teilacher“ wird derzeit verfilmt. Ich freu mich schon drauf.

Vom einen zum anderen: Stoker und Emily Wells

„Stoker“ ist das Hollywood-Debut des koreanischen Regisseurs Chan-wook Park. Die Hauptpersonen: Die 18jährige India, ihre psychisch labile Mutter und der mysteriöse Onkel Charlie, der just auftaucht, als Indias Vater bei einem Unfall ums Leben kommt. Eine Art Familienfilm also, aber sicher kein „Film für die ganze Familie“, denn der verstorbene Vater ist weder der letzte noch der erste Tote. In der ersten Hälfte plätschert es noch mehr als es mitreißt, aber das wird wett gemacht durch Atmosphäre und Ästhetik. Ein faszinierender und sorgfältiger Film für Leute, die Psychothriller mögen.
Auf YouTube ist ein offizieller Trailer für Stoker zu finden.

Gefangen genommen hat mich der Song, der zum Abspann lief. Natürlich war schnell herauszufinden, wie er heißt und von wem er ist: „Becomes the Color“ von Emily Wells.

Und da dachte ich bei mir: Vielleicht hat die Gute noch mehr hörenswerte Musik produziert. Ebenfalls schnell herausgefunden: So ist es!
Das aktuelle Album von Emily Wells heißt „Mama“. Will man es in eine Schublade stecken, passt „Alternative“ wohl am besten. Die Songs sind eher dunkel als hell, erdig, ein wenig folkig und nehmen dich sofort mit. Einer meiner Favoriten: „Let Your Guard Down“.

In der „Deluxe Version“ der CD kommen die Songs zusätzlich im Acoustic-Sound. Sehr ruhig und beruhigend. Ideal zum Beispiel, wenn dein Flohmarktstand vom Wolkenbruch heimgesucht wurde und du abends komplett groggy im Bett liegst… 🙂

Galerie

Schneckentempo & andere Waldimpressionen

Diese Galerie enthält 8 Fotos.

Anstatt mit großen Schritten bewegt sich der Frühling weiterhin bestenfalls im Schneckentempo. Gutes Wetter gilt es zu nutzen. So getan am Pfingstmontag, bei einem ausgedehnten Spaziergang im nahen Wald. Hier ein paar Eindrücke.