Die schönsten Liebesgeschichten …


… sind doch die, bei denen sich die Liebenden am Ende nicht kriegen. In der Tragödie liegt einfach mehr Poesie als in der Schnulze. Und am meisten berühren mich Geschichten, in denen die Liebe erwidert wird, aber äußere Umstände das Glück der Protagonisten verhindern.

 

Ein wunderschönes Beispiel ist die aktuelle Verfilmung einer Kurzgeschichte von F. Scott Fitzgerald. „The Curious Case of Benjamin Button“ erzählt das Leben des Benjamin Button, der als alter Mann zur Welt kommt und mit den Jahren jünger wird. Der Vater – hilflos entsetzt – überlässt den greisen Säugling auf einer Treppenstiege seinem Schicksal. Dieses meint es gut mit Benjamin – er findet ein fürsorgliches und unvoreingenommenes Zuhause. Seiner großen Liebe Daisy begegnet er im Kindesalter bei Kerzenschein unter einem Tisch. Viele Jahre und Erfahrungen später treffen sich die beiden endlich „in der Mitte“ ihrer Leben. Doch ihr Glück kann nicht von Dauer sein, denn Benjamin wird unausweichlich zum Kind werden.

 

David Fincher erzählt diese Geschichte von der Vergänglichkeit mit  Brad Pitt und Cate Blanchett in den Hauptrollen auf wunderbare Weise. Ich nehme mir zwei Dinge aus dem Film mit. Erstens: Freue dich an allen glücklichen Momenten und bewahre sie dir im Herzen, denn du kannst sie nicht festhalten. Und zweitens: Oh mein Gott, Brad Pitt sieht tatsächlich aus wie Mitte 20! 😉

 

Obamania


Jetzt ist es also soweit: Barack Obama ist Präsident. Der Freudentaumel muss sich der Realität stellen, dem Hype müssen Taten folgen. Dass Obama keine Wunder wirken kann, ist klar. Trotzdem stimmt mich die Amtseinführung froh. Denn: Obama beweist, dass Veränderung möglich ist. Allein durch seine Wahl.

 

Veränderung steht bei ihm für etwas, aus dem Gutes erwächst und deshalb anzustreben ist. Das ist für einen Kandidaten, der eine unbeliebte Regierung ablösen will, sicher eine naheliegende Wahlkampfstrategie. Dennoch bemerkenswert – weil in der deutschen Politiklandschaft Veränderung viel häufiger etwas bedeutet, das man fürchten sollte, weil dadurch alles nur noch viel schlimmer wird als es vorher schon war.

 

Nicht so bei Obama. Voller Enthusiasmus spricht er davon, welche Zukunft er sich vorstellt und bleibt dabei authentisch, weil er nicht verschweigt, dass es nicht leicht sein wird. Damit legt er die Messlatte für die spätere Beurteilung seiner Integrität und Ausdauer natürlich hoch, aber was viel wichtiger ist: Er setzt Energie frei, er begeistert, inspiriert und er gibt Raum für Hoffnung und Glauben. Und schafft so den Geist, der Veränderung überhaupt erst möglich macht.

 

Dadurch hat er schon Besseres geleistet als manch anderer nach Jahren im Amt… Gestern hab ich außerdem noch bemerkt, dass er Linkshänder ist – wie ich. Da kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. 😉

 

In times of His Majesty King Henry VIII


Freunden der englischen Geschichte und spannender Romane möchte ich wärmstens die „Shardlake-Reihe“ von C.J. Sansom empfehlen. Vier Bände sind erschienen: Dissolution, Dark Fire, Sovereign und Revelation.

Alle spielen im England von Henry VIII. Der Rechtsanwalt Matthew Shardlake ist stets mit einer Mission von oberster Stelle beauftragt. Sei es die Klärung mörderischer Vorkommnisse in einem Kloster im Süden des Landes oder die Beobachtung aufständischer Untertanen in York.

Die Hauptfigur weicht vom typischen Schema des Helden ab. Zwar ist Shardlake mit Cleverness und Macht ausgestattet, aber physische Attraktivität fehlt ihm: ein Buckel schränkt ihn körperlich ein und lässt ihn ab und an auch im Verhalten unsicher werden, vor allem in Kontakt zu jungen Frauen. Der Held ist also kein strahlender Alleshaber, sondern eine glaubwürdige Figur mit menschlichen Mängeln.

Shardlake versucht seinen eigenen Idealen gerecht zu werden, doch manchmal kann er daran nur scheitern. Und auch wenn er die Motive und Handlungen seiner Auftraggeber nicht immer billigt, ist er doch Zwängen ausgesetzt, denen er nicht entkommen kann. Mitgefühl für die Gebrandmarkten kennt er gut und doch folgt er dem Gesetz.

So zeichnet Sansom einen komplexen und interessanten Charakter, der den Leser durch ein England im Umbruch führt. Und ja, der Leser lässt sich sehr bereitwillig führen. Gerade bei den Dialogen gerät man leicht in einen Lesefluss, der auch von fortschreitender Müdigkeit nur schwer gestoppt wird. Und das ist ein Hauptqualitätsmerkmal bei Romanen: Du bist mitten in der Geschichte drin und willst gar nicht mehr raus.

So, ich geh jetzt ins Bett und schau noch bei Master Shardlake vorbei. Gute Nacht allerseits.

„Cerca trova“ oder „Ist sie da, die Schlacht von Anghiari?“ – und was wird sonst noch 2009 passieren?


Glücklich im neuen Jahr angekommen, stellt man sich natürlich die Frage: Was wird wohl alles passieren? Gute Vorsätze sind gefasst, diverse Pläne in der Schmiede, so manche Ereignisse bereits bekannt … und der Rest ist ungewiss.

 

Mein Buch liegt immer noch auf Eis; im Dezember habe ich nicht daran gearbeitet. Leider war ich auch ansonsten schreibtechnisch nicht besonders kreativ… Vor ein paar Tagen hatte ich aber eine Idee zu einer Fortsetzung der Geschichte von Kamron, dem Wolf. Kamron kehrt nach Jahren in den magischen Wald zurück. Alles ist verändert. Ein böser Zauberer hat die Macht erlangt. Was kann Kamron ausrichten? – Das wird meine nächste Geschichte.

 

Eine vollkommen andere Geschichte, auf die ich vorhin gestoßen bin, ist die der verschollenen „Schlacht von Anghiari“, ein Gemälde Leonardo da Vincis, das der italienische Kunstwissenschaftler Maurizio Seracini seit 30 Jahren hinter einem Fresko von Vasari im Palazzo Vecchio von Florenz vermutet. So wie es aussieht, könnte er demnächst in der Lage sein, die Existenz von Leonardos Werk beweisen zu können. Das wäre – zumindest für Kunstgeneigte – eines der ganz großen Ereignisse 2009.

 

Schlacht von Anghiari

 

http://www.cbsnews.com/stories/2008/04/17/60minutes/main4023449.shtml

 

http://www.daserste.de/ttt/beitrag.asp?uid=ykn395irpr1h2gzl&cm.asp

 

 

Geschichten fürs Leben


Über die Weihnachtstage gab es zahllose Möglichkeiten, Märchen und ähnliche Geschichten zu konsumieren. Einige davon sprechen mich ganz besonders an; die bekomme ich immer wieder gerne erzählt.

Ein Klassiker: Charles Dickens’ „A Christmas Carol“. Die Geschichte von Ebenezer Scrooge, einem reichen Alten, der Mitgefühl und Wohltätigkeit für „Humbug“ hält. In der Weihnachtsnacht suchen ihn vier Geister heim, zuerst der seines verstorbenen Geschäftspartners und anschließend die Geister der vergangenen, der jetzigen und der zukünftigen Weihnacht. Sie führen Ebenezer die Folgen seiner Kaltherzigkeit vor Augen und prophezeien Dunkelheit und Tod. Davon aufgerüttelt beginnt Ebenezer am Weihnachtstag ein neues Leben; er öffnet Herz und Geldbörse und merkt, dass er dadurch reicher wird als je zuvor.

Wie glaubwürdig es ist, dass ein griesgrämiger Geizhals durch nächtliche Erscheinungen dauerhaft geläutert wird, sei dahin gestellt. Wichtig ist die Botschaft, die mit der Geschichte kommt: Du hast immer die Chance, dein Handeln zu verändern. Und es wird einen Unterschied machen. Vergangenes kannst du nicht zurück nehmen, aber die Zukunft hast du in der Hand.

Es gibt noch eine zweite Geschichte, die ich sehr mag: die vom verkannten und ungerecht behandelten Wesen, das am Ende den großen Preis gewinnt – das Aschenputtel genauso wie das hässliche Entlein. Das Entscheidende hier: Auch wenn es dir schlecht ergeht und die Welt dich nicht will, gib nicht auf, denn eines Tages findest du deinen Platz und wirst strahlen.

All diese Geschichten erzählen davon, dass Veränderung möglich ist und es somit immer Grund zur Hoffnung gibt – ein Gedanke, der Zuversicht und Vertrauen ins Leben gibt.

Ungleichgewichtige Unzulänglichkeiten


So ein Ego ist eine komische Sache: Ohnehin so gut wie immer präsent, macht es sich manchmal richtig breit. Will stets gepflegt und gestreichelt werden. Und wehe, es wird ihm einmal nicht recht gemacht; dann ist es bis ins Mark getroffen und spielt die beleidigte sissy. – Meines zumindest verhält sich so.

 

Fühlt sich das Ego beispielsweise unzureichend gewürdigt und übergangen, weil jemand anderes aus seiner Sicht bevorzugt behandelt wurde, herrscht helle Aufruhr. Wird diese nach außen getragen, trifft sie auf überraschte und betroffene Gesichter, denn kaum jemand hatte damit rechnen können.

 

So anstrengend das mitunter sein kann, hat es etwas sehr Gutes: Es wird in neue Richtungen gedacht, vernünftige Ziele werden definiert, frische Energie wird investiert. Das jäh ausgelöste Ungleichgewicht eröffnet die Chance, ein neues Gleichgewicht auf einem höheren Niveau zu erreichen. Ein grundlegendes Prinzip in entwicklungspsychologischen Ansätzen, zum Beispiel bei Jean Piaget.

 

Und so betrachtet bin ich meinem Ego doch sehr dankbar dafür, dass es so ist, wie es ist.

Eine Weihnachtsgeschichte


Die Nordmanntanne ist geschmückt, Plätzchen sind per Post gekommen, Glühwein steht in der Küche… Weihnachten bricht über uns herein!

 

Mein Beitrag: eine Weihnachtsgeschichte. Die Story selbst ist nicht von mir, ich kann mich allerdings nicht erinnern, wo ich sie gehört habe. Ist jedenfalls eine wunderbar schöne Liebesgeschichte. So schön, dass ich sie aufschreiben wollte.

 

Hier eine Leseprobe, im PDF die ganze Geschichte.

 

Später würde man sich an diesen Winter als einen der kältesten erinnern, den London jemals erlebt hatte. Der Schmutz aus unzähligen Schornsteinen legte sich als zäher Nebel über die Dächer und verdunkelte den Tag. Der Glanz der kurz bevorstehenden Weihnacht hatte es schwer, durch die rußige Schicht in die Herzen der Menschen zu gelangen. Die meisten waren in dieser Zeit froh, wenn es für eine warme Mahlzeit am Tag und genügend Holz für den Ofen reichte.

In einem kleinen Zimmer über einer Bäckerei lebten James und Mary. Die beiden kamen gerade aus mit dem, was sie verdienten, doch sie vermissten nichts, denn sie hatten einander. Nur jetzt, zu Weihnachten, wünschten beide, sie könnten es sich leisten, dem anderen ein Geschenk zu machen.

….

 

 

Eine Weihnachtsgeschichte

Damn, there are so many other things…


Der November war wirklich kein guter Monat für mein Buch. Insgesamt betrachtet hatte ich eine sehr schöne Zeit, aber zu wenig Zeit zum Schreiben bzw. wenn Zeit war, keine Lust. Ein guter Sonntagnachmittag war dabei, das war auch schon alles. Zwei Szenen sind entstanden und die Storyline hat sich ein Stück weiter erhellt.

 

Letzte Woche hab ich angefangen, eine kleine Weihnachtsgeschichte zu schreiben, mit der ich meine Leserschaft im Advent erfreuen will. Ich habe das Bedürfnis, einmal wieder etwas zu schreiben, das übersichtlich zu einem Ende kommt. Ich möchte häufiger ein fertiges Produkt in virtuellen Händen halten. Mir geistern noch zwei weitere Ideen für Geschichten im Kopf herum; eine schon seit etwa 2 Jahren, die andere seit einigen Monaten.

 

Vielleicht macht es Sinn, das Buch für eine Weile zugunsten kurzer Geschichten zurück zu stellen… I gotta work this out…

 

Sichtwechsel


In meinem Fitness-Studio haben Männer keinen Zutritt. Es sei denn, sie sind ungefähr sieben Jahre alt und werden von einem Mitglied auf einen Stuhl an der Theke gesetzt; so wie gestern Nachmittag. Im Trainingszirkel waren gerade ein Dutzend Frauen dabei, auf verschiedenartigen Geräten zu laufen und zu strampeln, zu ziehen und zu drücken.

 

Der Blick des Jungen sagte: Was in aller Welt macht ihr da? Für einen Siebenjährigen muss das nach Langeweile pur aussehen. Für die schwitzenden Frauen hingegen hat das Training eine Bedeutung.

 

Bei allem was man tut, sollte man sich ab und zu fragen, wie das ganze aus einer anderen Perspektive aussieht. Wie wirkt mein Verhalten auf andere? Was sehen sie?

 

Dabei geht es nicht darum, es den anderen recht zu machen. Nein, es geht darum, Handlungen und Reaktionen von anderen besser verstehen zu können, wenn man sich überlegt, wie das eigene Verhalten auf sie wirken muss.

 

Und – wahrscheinlich am Wichtigsten: Ein Sichtwechsel hilft oft dabei, sich selbst ein bisschen weniger ernst zu nehmen. Ja, klar, eine Stunde lang auf einem metallenen Ding auf der Stelle zu treten, kann albern wirken. Ich mach’s trotzdem gern. Wer sein Leben mit Humor betrachtet, hat einfach mehr davon.

Helden will die Welt


James Bond und Barack Obama haben einiges gemeinsam. Nicht nur, dass diese Woche ihr entscheidender Auftritt ansteht, sondern sie sind beides Helden, nach denen die Welt sich sehnt. Bösewichte müssen bekämpft, die Gerechten beschützt, die Moral verteidigt werden. Dafür braucht es den einen guten Mann. Alle Hoffnung wird auf ihn gesetzt. Die Wunschliste ist lang.

 

Dabei hat James einen entscheidenden Vorteil: als fiktiver Figur sind ihm keine Grenzen gesetzt. Seine Ressourcen sind unerschöpflich, Regeln gelten nicht für ihn und Geld spielt sowieso keine Rolle. Davon kann Barack nur träumen.

 

Und dann doch wieder eine große Gemeinsamkeit: Man darf von beiden nicht zu viel erwarten. Aber eines ist sicher: Wenn Barack Obama morgen die Wahl gewinnt, ist das ein großer Schritt in eine gute Richtung. Genauso wie wenn James wieder einmal stilvoll Ganoven reduziert.