Darstellungen aus der griechisch-römischen Mythologie sind in der Renaissance sehr beliebt. In einem Spätwerk malt Tizian um 1560 „Venus und Adonis“. Die Liebesgöttin will Adonis davon abhalten, aus ihren Armen zur Jagd aufzubrechen, denn sie weiß, dass er dabei sein Leben verlieren wird. Der jugendliche Adonis jedoch ist von seiner Unverletzlichkeit überzeugt und weist seine Geliebte zurück. Nächste Woche sehen wir, wie die Geschichte endet.
Circe, Göttin der Zauberei, lebt laut griechischer Mythologie auf einer waldbewachsenen Insel. Besucher verwandelt sie gerne einmal in Tiere, die ihr dann Gesellschaft leisten. Um 1525 stellt Dosso Dossi, Hofmaler Lucrezia Borgias in Ferrara, „Circe mit ihren Geliebten in einer Landschaft“ dar. Ein Gemälde voller Anmut, das Ruhe und Frieden ausstrahlt.
Um 1508 schuf der Venezianer Giorgione ein bemerkenswertes Gemälde. „Das Gewitter“ ist eines der ersten Bilder, in dem die Landschaft um ihrer selbst willen dargestellt wird, der Mensch ist Teil des Naturganzen. Giorgione verzichtet auf eine strenge Zentralperspektive und harte Konturlinien, die Gebäude und Figuren werden durch den Wechsel von Licht und Schatten vor dem gewitterschweren Himmel fein modelliert.
Es bleibt rätselhaft, wer die Personen auf dem Bild sind. Adam und Eva, aber auch Venus und Mars wurden vermutet. Infrarotaufnahmen haben gezeigt, dass vor dem Hirten ursprünglich noch eine zweite, sitzende Frau zu sehen war, die sich im Fluss wusch. Solche nachträglichen Übermalungen sind typisch für Giorgiones Werke. Wie so oft liegt der Reiz hier gerade in der Uneindeutigkeit, die der Phantasie viel Raum lässt.
Seit dem 24. Februar pendelt meine Gefühlslage zwischen Schockstarre, Angst, Wut und Verdrängung. Meine Großeltern kommen mir in den Sinn, die den Zweiten Weltkrieg als Kinder oder junge Erwachsene erlebt haben. Ich denke daran, dass meine Großmutter väterlicherseits in schweren Zeiten Trost und Beistand bei der Heiligen Maria gefunden hat, dass Maria meiner Großmutter Hoffnung und Kraft gegeben hat.
Wahrscheinlich empfinden sehr viele Menschen wie meine Großmutter und darin liegt wohl der Grund, dass die Madonna eines der häufigsten Bildmotive ist – nicht nur, aber auch in der Renaissance.
Unweit der Sixtinischen Kapelle, in einem Saal des Vatikans, befindet sich Raffaels Fresko „Die Schule von Athen“. Durch die Zentralperspektive öffnet sich auf dem über sieben Meter breiten Gemälde ein weiter Raum. Dieser ist bevölkert von bedeutenden antiken Denkern wie Platon, Aristoteles, Sokrates, Diogenes, Euklid und Pythagoras. Auch sich selbst hat Raffael abgebildet; rechts unten wirft er dem Betrachter einen fast scheuen Blick zu. Das Werk feiert, ganz im Sinne der Renaissance, das antike Denken als Ursprung der europäischen Philosophie und Wissenschaft.
Michelangelos Deckenfresko in der Sixtinischen Kapelle ist sicher eines der imposantesten Werke der Renaissance. Die Darstellungen der biblischen Schöpfungsgeschichte sind weltberühmt. Doch es gibt auch andere Figuren, so zum Beispiel die Erythraeische Sibylle, eine Seherin der Antike. Sitzend, in fließendem Gewand, ist sie einem Buch zugewandt, in dem sie liest und dabei bereits mit einem muskulösen Arm die Seiten der Zukunft aufschlägt. Was dort geschrieben steht, wissen wir nicht.
Trompe-l’œil heißt wörtlich „täusche das Auge“ und bezeichnet illusionistische Malerei, die durch perspektivische und/oder naturgetreue Darstellung dreidimensional und real wirkt. Solche Werke gab es bereits in der Antike, im Mittelalter geriet die Technik in Vergessenheit und wurde in der Renaissance wiederentdeckt. Das „Stillleben mit Rebhuhn und Eisenhandschuhen“ von Jacopo de‘ Barbari zeugt davon, dass die perfekte Nachahmung der Natur eines der höchsten Ziele der Renaissancekunst war.
Kaum ein anderer Künstler verkörpert die Ideen der Renaissance besser als Leonardo d Vinci. Sein berühmtestes Gemälde ist wohl die Mona Lisa, seine bekannteste Zeichnung der vitruvianische Mensch – die Anatomie des Mannes eingebettet in die geometrischen Grundformen Quadrat und Kreis, in perfekter Synthese der Proportionen.
Der Isenheimer Altar ist wohl das Hauptwerk von Matthias Grünewald. Zu bestaunen sind die zehn Tafeln dieses Wandelaltars, der gemäß der Liturgie des Kirchenjahres wechselnde Motive zwischen Geburt und Auferstehung Jesu zeigen kann, in Colmar im Musée Unterlinden.
Schon lange bevor ich 2016 das Kunstwerk im Museum „in echt“ sehen konnte, faszinierte mich die Darstellung der Himmelfahrt Christi. Eine Nachtszene mit einem leuchtenden Jesus, umgeben von einer kräftigen, fast psychedelisch anmutenden Farbpalette. Glorreich und gleichzeitig gütig und freundlich blickt Jesus die Betrachter an und sendet eine Botschaft der Zuversicht, die selbst bei einem kirchenfernen Menschen wie mir ankommt.
Die Gemälde von Hieronymus Bosch erzählen Geschichten – von einer zumeist düsteren Welt. Schuld und Sünde, Fegefeuer und Hölle sind seine Themen. Dämonen und andere phantastische Wesen bevölkern seine Werke, so auch den Heuwagen Triptychon. Auf der Mitteltafel tummeln sich Adlige, Geistliche, Händler, Bauern, Bettler. Idyllisch geht es nicht zu. Die Menschen streben maßlos nach Besitz und Vergnügung, sind streitsüchtig und eitel. Da kann selbst der auferstandene Jesus im Himmel nur ratlos zusehen…