Bald kommt er

Die Äste sind noch kahl, die Wiesen blass, doch die ersten Blüten und Bienen sind da und die Vögelchen zwitschern immer eifriger. Bald kommt er, der Frühling!

Malerei der Woche (06/2022)

Trompe-l’œil heißt wörtlich „täusche das Auge“ und bezeichnet illusionistische Malerei, die durch perspektivische und/oder naturgetreue Darstellung dreidimensional und real wirkt. Solche Werke gab es bereits in der Antike, im Mittelalter geriet die Technik in Vergessenheit und wurde in der Renaissance wiederentdeckt. Das „Stillleben mit Rebhuhn und Eisenhandschuhen“ von Jacopo de‘ Barbari zeugt davon, dass die perfekte Nachahmung der Natur eines der höchsten Ziele der Renaissancekunst war.

Malerei der Woche (05/2022)

Kaum ein anderer Künstler verkörpert die Ideen der Renaissance besser als Leonardo d Vinci. Sein berühmtestes Gemälde ist wohl die Mona Lisa, seine bekannteste Zeichnung der vitruvianische Mensch – die Anatomie des Mannes eingebettet in die geometrischen Grundformen Quadrat und Kreis, in perfekter Synthese der Proportionen.

Malerei der Woche (04/2022)

Der Isenheimer Altar ist wohl das Hauptwerk von Matthias Grünewald. Zu bestaunen sind die zehn Tafeln dieses Wandelaltars, der gemäß der Liturgie des Kirchenjahres wechselnde Motive zwischen Geburt und Auferstehung Jesu zeigen kann, in Colmar im Musée Unterlinden.

Schon lange bevor ich 2016 das Kunstwerk im Museum „in echt“ sehen konnte, faszinierte mich die Darstellung der Himmelfahrt Christi. Eine Nachtszene mit einem leuchtenden Jesus, umgeben von einer kräftigen, fast psychedelisch anmutenden Farbpalette. Glorreich und gleichzeitig gütig und freundlich blickt Jesus die Betrachter an und sendet eine Botschaft der Zuversicht, die selbst bei einem kirchenfernen Menschen wie mir ankommt.

Malerei der Woche (03/2022)

Die Gemälde von Hieronymus Bosch erzählen Geschichten – von einer zumeist düsteren Welt. Schuld und Sünde, Fegefeuer und Hölle sind seine Themen. Dämonen und andere phantastische Wesen bevölkern seine Werke, so auch den Heuwagen Triptychon. Auf der Mitteltafel tummeln sich Adlige, Geistliche, Händler, Bauern, Bettler. Idyllisch geht es nicht zu. Die Menschen streben maßlos nach Besitz und Vergnügung, sind streitsüchtig und eitel. Da kann selbst der auferstandene Jesus im Himmel nur ratlos zusehen…

Malerei der Woche (02/2022)

Albrecht Dürers Selbstbildnis von 1500 zeugt in mehrerlei Hinsicht von einem neuen Selbstverständnis der Künstler der Renaissance. Das Gemälde trägt Datierung, Monogramm und eine Beschreibung des Dargestellten in der Gelehrtensprache Latein. Dürer blickt dem Betrachter selbstbewusst in die Augen, die Züge sind christusähnlich idealisiert, der fellbesetzte Mantelkragen zeigt den Wohlstand des Malers.

Dürer formuliert in diesem Werk das künstlerische Programm des 16. Jahrhunderts: Schöpferische Freiheit und Künstlerstolz.

Malerei der Woche (01/2022)

Dass ich mich mit Malerei gut auskenne, würde ich nie behaupten. Dass es aber viele Gemälde gibt, die mich faszinieren – allerdings! Eine besonders spannende Epoche ist für mich die Renaissance. Ausgehend von Italien war sie im 16. Jahrhundert auch nördlich der Alpen bestimmend.

Das durch den Humanismus geweckte Interesse an Wissenschaft und weltlichen Themen, das Streben nach einer realistischen Darstellung von Perspektive, Form und Farbe, die Wiederentdeckung der geistigen und künstlerischen Errungenschaften der Antike prägen die Werke der Renaissance. Sie ist Ausdruck eines neuen Lebensgefühls, einer Zeit des Aufbruchs in einer sich schnell entwickelnden Zivilisation auf der Schwelle zur Moderne.

2022 bringe ich jede Woche ein Gemälde der Renaissance – deren Geisteshaltung uns auch heute noch inspirieren und beflügeln kann.

Kaum ein anderes Gemälde wäre passender als Auftakt: „Die Geburt der Venus“ von Sandro Botticelli, entstanden um 1485/86. Die anmutige Göttin der Liebe wird kraftvoll und sanft zugleich auf ihrer Muschel an ein grün bewaldetes Ufer getrieben und von einer Nymphe willkommen geheißen. Für mich steht dieses Bild für einen verheißungsvollen Beginn und freudvollen Tatendrang.

Autorin der Woche (52/2021)

Das Jahr geht zu Ende und zum Schluss gibt es viele Autorinnen auf einmal. Mit „Leidenschaften – 99 Autorinnen der Weltliteratur“ (2013 als Taschenbuch erschienen) haben Verena Auffermann, Gunhild Kübler, Ursula März und Elke Schmitter eine wunderbare Sammlung von Autorinnenporträts geschrieben und veröffentlicht. Ein abwechslungsreicher Band, den ich immer einmal wieder gerne zur Hand nehme, nicht zuletzt in diesem Jahr als Inspirations- und Informationsquelle für meine Autorinnen der Woche.

Seit Oktober gibt es eine Neuauflage, mit zumindest teilweise neuen Porträts und in Summe einem mehr: „100 Autorinnen in Porträts“. Damit sind gute Leseanregungen fürs nächste Jahr gesichert – und ich kann mich in meiner „… der Woche“-Kategorie einem anderen Sujet zuwenden.

Wünsche allen einen guten Start ins neue Jahr!

Autorin der Woche (51/2021)

Weihnachten ist eine gute Zeit für Märchen. Viele der Märchen, die mich immer noch tief berühren, stammen von Hans Christian Andersen (1805-1875). „Das hässliche junge Entlein“, „Die kleine Seejungfrau“, „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzchen“ sind nur drei davon.

Was macht diese Märchen aus? Sie erzählen von den tiefen Sehnsüchten: nach Liebe, Geborgenheit, Angenommen-Sein. Sie erzählen vom Kummer und der Mühsal auf der Suche danach. Wir kommen den HeldInnen dabei ganz nah, leiden und hoffen mit ihnen – und das umso mehr, weil es bei Andersen selten ein gezuckertes Ende gibt.

Autorin der Woche (50/2021)

Die tschechische Schriftstellerin Božena Němcová (1820-1862) hat mit „Die Großmutter“ („Babička“) einen der populärsten tschechischen Romane verfasst. Hierzulande ist Němcovás Name eher nicht geläufig, aber eines ihrer Werke ist wohlbekannt: „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ („Tři oříšky pro Popelku“).

Noch immer läuft die tschechisch-ostdeutsche Verfilmung von 1975 zu Weihnachten in der ARD. Schon als Kind habe ich dieses Aschenbrödel bewundert und geliebt, habe mit ihr gebangt und gejubelt. Und auch dieses Jahr werde ich mir Zeit für diesen wunderbar gelungenen Herzenswärmer und Seelenstreichler nehmen.

Die Verfilmung weicht anscheinend an vielen Stellen stark von Němcovás Vorlage ab, was ja nicht ungewöhnlich ist. Da ich das Märchen nie gelesen, sondern nur den Film gesehen habe, weiß ich nicht, wie gut mir der Text gefallen würde. Doch dafür, dass Němcová die Filmemacher damals inspiriert hat, bedanke ich mich ganz herzlich bei ihr. 🙂