Ein bisschen wie Monty Python: „The Grand Budapest Hotel“ von Wes Anderson

Überdreht, skurril und komisch bis zur Albernheit. Der Eröffnungsfilm der diesjährigen Berlinale hält, was der Trailer verspricht.

Eine grotesk-lustige Geschichte vor vergnüglich herausgeputzter Kulisse mit einer hochkarätigen Besetzung, der man die Freude an diesem Kunststück anmerkt.

Wer einen tieferen Sinn sucht, könnte enttäuscht werden. Vielleicht aber auch nicht. Auf jeden Fall gilt: Entspannt zurücklehnen und einfach mit auf die Reise nehmen lassen. Eine Reise in eine vergangene Welt, die es so nie gegeben hat und an die man dennoch mit einem Schmunzeln bereitwillig glaubt.

Leicht genommen

Ein Blick auf die Armbanduhr. Schon kurz vor Neun. Jetzt aber schnell! Den Rucksack mit Laptop geschultert, den Fahrradschlüssel geschnappt, los geht’s! Draußen nieselt der Novemberregen. Handschuhe und Schal sind auf der Kommode liegen geblieben.

Ohne nach links und rechts zu sehen mit Tempo auf die Straße. Die scharfe Bremsung des VW Golf bleibt unbemerkt.

Es ist doch ein wenig frisch, also: Hände in die Jackentaschen. Auch die Kurven werden freihändig gefahren. Handzeichen sind ohnehin nicht im Repertoire.

Die Fahrradampel springt auf Rot, gleich fährt der Bus an. Anstatt zu halten: ein kräftiger Tritt in die Pedale. Gerade noch geschafft!

An den Fahrradständern sind leider nur noch ganz hinten Plätze frei. Schon Viertel nach Neun. Jetzt aber schnell!

Auf halbem Weg ins Büro der siedendheiße Gedanke: Das Rad ist nicht abgeschlossen! Kurzes Überlegen. Dann: Schulterzucken. Wird schon nichts passieren.

Jenseits der Moral: „Die Abenteuer des Joel Spazierer“ von Michael Köhlmeier

Ein 650 Seiten dicker Wälzer mit einer irrwitzigen Lebensgeschichte. Joel Spazierer erlebt Abenteuer für fünf Romane.

Einige Beispiele: Als Kind flieht er aus dem kommunistischen Ungarn nach Österreich, und das zweimal. Er wird entführt und lernt dabei, wie man einen Pass fälscht. Er ist gern gesehener Gast in einer reichen Geschäftsfamilie und wird zum Mörder. Er wandert in den Knast, dealt mit Drogen und mordet wieder. Er bittet um Asyl in der DDR und macht von dort Stippvisiten nach Paris, New York und die Sowjetunion.

Joels Geschichte ist vollgepackt wie das Schicksal einer Seifenopern-Figur und insofern eher nicht realistisch. Das ist meiner Meinung nach gewollt und macht überhaupt nichts. Zimperlich geht es nicht zu; der Leser sollte also etwas vertragen.

Der Protagonist ist kriminell und ohne Reue. Gängige Moralvorstellungen bedeuten ihm nichts. Er lügt, betrügt und blendet. Und erntet dafür oft Anerkennung und Bewunderung. Er muss allerdings auch einstecken und das erträgt er ebenso gelassen wie er seine Taten begeht.

Das Erstaunliche: Joel ist sympathisch. Man mag ihn. Wie kommt das? Vielleicht, weil er weder prahlt noch jammert. Vielleicht, weil man seine Verlorenheit nachempfinden kann. Oder vielleicht, weil er in dem einen Fall, in dem er echte Verantwortung für eine andere Person übernimmt, scheitert und man mit ihm fühlt.

Einziger Kritikpunkt: Das Buch ist nicht chronologisch aufgebaut und das macht es manchmal schwer, sich zu orientieren. Was ist bereits passiert und was wird später passieren? Das ist ein bisschen störend, mindert den Genuss aber nicht wesentlich.

Galerie

Wie ein Bild von Bob Ross: der Lautersee bei Mittenwald

Diese Galerie enthält 23 Fotos.

Wer nach Ruhe und Natur in perfekter Postkartenidylle sucht, der ist am Lautersee bei Mittenwald goldrichtig. Von dem kleinen See aus hat man einen wunderbaren Blick auf das Karwendelgebirge. In direkter Umgebung gibt es viele Spazier- und Wanderwege, zum Beispiel … Weiterlesen

Minimalistisch gut: „Pure Heroine“ von Lorde

Zum ersten Mal habe ich „Royals” im Bus gehört, der uns nach dem Urlaub auf La Gomera zum Flughafen gebracht hat. Eine wunderbare Stimme und ein feines minimalistisches Arrangement! Ging sofort ins Ohr und wohnt noch immer dort.

Als der Song auch zu Hause im Radio lief, habe ich mich gefreut und lauter gedreht – mehr aber nicht. Richtig aufmerksam wurde ich erst, als Lorde Ende Januar zwei Grammy Awards für „Royals“ bekommen hat.

Die anderen neun Songs auf dem zugehörigen Album „Pure Heroine“ sind ähnlich schlank und puristisch, dabei eingängig, aber nicht platt. Ich höre Ähnlichkeit zu Lana del Reys Album „Born to Die“.

Lorde stammt übrigens aus Neuseeland und wurde im November 1996 geboren… Da sag noch einer, die Jugend von heute taugt nix mehr!

Citius, altius, fortus oder: Wenn nicht anschauen alles ist

Der so genannte olympische Gedanke „dabei sein ist alles“ wird im Umfeld der derzeit in Szene gesetzten Putin-Show gerne zitiert und viel beschworen.

Dabei lautet das offizielle olympische Motto „citius, altius, fortus“, also „schneller, höher, stärker“. (Quelle: Wikipedia)

Das passt auch viel besser: Homosexuelle und andere lästige Gruppen werden noch schneller mundtot gemacht, Kosten samt Korruptionszahlungen sind noch höher, Natur wird noch stärker zerstört als sonst. Kaum eine Irrsinnigkeit wird ausgelassen.

Und obwohl in deutschen Medien durchaus kritisch berichtet wurde und wird, ist nun doch das Medaillenfieber ausgebrochen. Die Sportler dürfen schließlich nicht dafür bestraft werden, dass allenthalben Geldgier und Intoleranz regieren. Natürlich nicht.

Ich habe mich dafür entschieden, die Wettbewerbe weder anzusehen noch deren Berichterstattung zu verfolgen. Das ändert zwar an der Sache nichts, fühlt sich für mich aber konsequent und ehrlich an.

Und wenn das in Zukunft ausreichend viele Leute tun, hat der inoffizielle olympische Gedanke vielleicht irgendwann einmal eine Chance, aus den Ruinen der Gigantomanie hervorzukriechen.

Die Süddeutsche berichtet heute übrigens über eine weitere Geschmacklosigkeit: Rüge des IOC gegen Norwegen. Trauern passt halt nicht ins Bild der Fröhlichkeit…

Autorenlesung „Wenn das die Grimms wüssten!” in Erlangen

Der Mai regt die Menschen erfahrungsgemäß zu den verschiedensten Aktivitäten an: spazieren, picknicken, heiraten, … oder auch vorlesen!

Am 09. Mai habe ich die Ehre, bei der Autorenlesung der Märchen-Anthologie „Wenn das die Grimms wüssten!“ dabei zu sein!

Ich darf aus meiner Geschichte „Kamron, der Wolf“ vortragen. Es werden noch etwa neun weitere Autoren dabei sein. Veranstalter ist die VHS Erlangen, dort kann man sich online für die Lesung anmelden.

Die Teilnahme ist kostenlos und lohnt sich bestimmt.
Ich freue mich über jedes bekannte Gesicht im Publikum! 🙂

Folgen Sie dem Fuchs! oder: Die Karten lügen nicht – Anmerkung: Diesmal ganz ohne Frauenzeitschrift

Carolas Suche, Teil 9
Was zuvor geschah

„Ich gehe doch nicht zur Wahrsagerin!“, sagte Carola entrüstet.

Ihre Kollegin Irene erklärte verteidigend: „Donna Ana ist keine Wahrsagerin. Sie ist Beraterin. Und eine Meisterin im Lesen der Karten. Dazu so feinfühlig und sensitiv. Sie spürt Dinge, die anderen entgehen. Sie hat mir schon oft geholfen. Hier, nimm ihre Karte. Das tut nicht weh.“

Irene hielt Carola eine golden glänzende Visitenkarte mit geschwungenem Aufdruck entgegen. Zögernd nahm Carola die Karte und steckte sie ins hintere Fach ihres Portemonnaies.

Eine Woche später stand Carola vor Donna Anas Tür. Die Meisterin der Sensitivität wohnte ganz unscheinbar in einem Mehrfamilienhaus in einer biederen Wohngegend. „Donna Ana – Beratung“ war neben der Klingel zu lesen, auf die Carola ein wenig unsicher drückte. Der Türsummer ertönte fast sofort. Im Treppenhaus roch es frisch geputzt. Eine der drei Wohnungstüren im ersten Stock war angelehnt und gerade, als Carola anklopfen wollte, rief eine melodische, leicht rauchige Stimme aus der Wohnung: „Treten Sie nur ein, meine Gute. Ich bereite uns einen Tee.“ Weiterlesen

Happy New Year!

Das neue Jahr hat begonnen. Aller Voraussicht nach bleibt auch 2014 die Welt schön, aber schlecht und die Menschen viele, aber dumm. Dennoch und gerade deswegen wünsche ich allen Lesern ein gutes neues Jahr.

Zum Jahresanfang denken sich nicht wenige Leute gute Vorsätze aus, die oft gebrochen werden noch bevor sie sauber formuliert sind.

Ich persönlich will in diesem Jahr mehr anpöbeln (vor allem andere Radfahrer, die sich nicht situationsgerecht verhalten). Man ist ja meist viel zu höflich zueinander…

Weitere Anregungen finden sich in der Geschichte Maskentag, die übrigens überhaupt gar nicht autobiographisch ist.

Happy New Year!

P.S.: Mein zweiter Vorsatz für 2014: Nicht immer alles so ernst nehmen! 🙂

Maskentag

Es ist ein Tag wie jeder andere. Ich komme ins Büro. Kaum habe ich mich gesetzt, lehnt sich Lukas mit der Hüfte gegen meinen Schreibtisch. Unverschämt wie immer glotzt er mir ins Dekolleté.

„Na, wie geht’s, Kollegin? Ist doch toll, dass es jetzt wieder wärmer wird, oder?“

Ich setze zu einem gequältem Lächeln und einer höflich-lahmen Antwort an, wie üblich. Da wird mir schlagartig klar: Heute ist der Tag, an dem ich die Maske absetzen werde!

„Du notgeiler Hirsch, hör sofort auf, mir auf die Brust zu starren! Denkst du, ich merke das nicht? Du widerst mich an!“ Weiterlesen