Jahresende

Carolas Suche, Teil 10
Was zuvor geschah

Carola hatte Silvester noch nie besonders gemocht. Und seit sie über 30 war, empfand sie eine echte Abneigung gegen den Trubel, der um den Jahreswechsel gemacht wurde. Was sollte das? Warum sollte man feiern, dass schon wieder ein Jahr vorüber war, in dem man nicht wirklich etwas erreicht hatte? Und mit guten Vorsätzen war Carola auch nicht gerade gut Freund; meist erlebten diese noch nicht einmal ungebrochen den Sonnenaufgang des ersten Januars.

Carola zog die warme Wolldecke bis unters Kinn und goss sich Tee nach. Kanne und Tasse standen in Reichweite neben ihr auf dem Couchtisch. Sie griff zur Frauenzeitschrift und las den Artikel weiter, mit dem sie gestern begonnen hatte. Titel: „Wie frau entspannt bleibt, auch wenn die Uhr laut tickt.“

‚Machen wir uns nichts vor. Wer eine Medaille beim Marathon gewinnen will, darf nicht nach zehn Kilometern stehen bleiben. Setzen Sie die Schutzbrille ab, wenn Sie auf Ihre Beziehung schauen. Helfen Sie Ihrem Partner, die Maske abzulegen und sein wahres Gesicht zu zeigen. Wenn Sie die Schatzkiste heben wollen, dürfen Sie nicht wie eine Ente automatisch abtauchen, wenn ein anderer Leckerbissen lockt. Noch dürfen Sie wie ein tönerner Golem willenlos alle Befehle erfüllen, die Ihnen auf Zettel gekritzelt zugesteckt werden. Öffnen Sie Ihr Herz, es ist weder aus geschmiedetem Metall noch aus bröckelndem Tuffstein.‘ Weiterlesen

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Britischer Charme und französisches Flair: Guernsey im Ärmelkanal

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Sensation Seeker sollten lieber nicht hinfahren. Leute, die hingegen Entspannung und Ruhe suchen, die gutes Essen zu schätzen wissen und sich an kleinen Skurrilitäten erfreuen, die sind richtig auf der kaum 80 qkm großen Insel vor der bretonischen Küste. Was … Weiterlesen

Imposant: Das Deutsche Museum in München

Zugegeben, Maschinen sprechen nicht wirklich zu mir. Ich verspüre keinen Drang, herauszufinden, wie sie funktionieren. Auslöser für meinen Besuch im Deutschen Museum war eine Sonderausstellung zu Leonardo da Vinci, den ich als Maler sehr verehre.

Nachdem der Eintritt bezahlt und die Zeit reichlich war, wollte ich dennoch einen kurzen Blick auf die regulären Sammlungen werfen. Nach zwei Minuten war klar: Ein kurzer Blick wird nicht reichen! Es gibt so viel zu sehen und zu bestaunen, selbst wenn man nicht erkunden will, wie alles zusammenhängt und aufeinander wirkt. Der imposanten Ästhetik der Technik konnte ich mich nicht entziehen.

Thematisch ist im Deutschen Museum einfach alles zu finden: von der Schiff- zur Luft- zur Raumfahrt, zur Herstellung und Verarbeitung von Glas, Papier oder Stoffen, zu Fotografie und Film, zur Stromerzeugung, zum Bergbau, zur Robotik, … bis hin zu einem Foucault’schen Pendel. Beeindruckende Ausstellungsstücke, didaktisch ansprechend arrangiert.

Auch mein eigentlicher Besuchsgrund, die Sonderausstellung „Leonardo da Vinci: Vorbild Natur – Zeichnungen und Modelle“ (noch bis 03.08.2014), ist lohnenswert. Dass Leonardo nicht nur gemalt hat, sondern sich auch mit Kriegsmaschinen und Fluggeräten beschäftigt hat, wusste ich bereits. Die Ausstellung lässt mit bemerkenswerten Modellen und leicht aufzunehmender Hintergrundinformation den Ingenieur und Erfinder Leonardo lebendig werden.

Das Deutsche Museum erhält von mir eine uneingeschränkte Besuchsempfehlung, auch für Nicht-Techniker!

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Ohne Reue, ohne Firlefanz: Tori Amos‘ „Unrepentant Geraldines“ & live in München

Am 09. Mai fand nicht nur die Autorenlesung der Grimms-Anthologie statt (Danke an alle Freunde, die da waren!), sondern es ist auch „Unrepentant Geraldines“ erschienen, Tori Amos‘ neues Album.

Die Musik von Tori Amos fühlt sich für mich an, als könnte ich mich bedenkenlos in sie hineinfallen lassen, weil sie mich sanft auffangen wird. Das ist auch beim neuen Album so und das finde ich ganz wunderbar.

Die Songs klingen nach Tori Amos und niemand anderem, gleichzeitig vertraut und neu, eingängig und dennoch spannend, vielschichtig. Meine Lieblingslieder sind „Unrepentant Geraldines“, „16 Shades of Blue“, „Trouble’s Lament“ und „Oysters“. Und „Wedding Day“. Und „Weatherman“. Und noch ein paar andere. 🙂

Hier „16 Shades of Blue“ zum Reinhören.

Schon lange vor Erscheinen des Albums habe ich mir ein Ticket für das Konzert am 10. Juni in München gekauft. Nach fünf Jahren (Sinful Attraction Tour im Berliner Tempodrom) fand ich es an der Zeit, Tori einmal wieder live zu hören. Es hat sich gelohnt! Tori verzaubert den Raum; mit ihrer Präsenz, ihrem Klavierspiel und ihrer Stimme. Mehr braucht es nicht und mehr gibt es auch nicht. Kein aufwendiges Bühnenbild, keine weiteren Musiker.

Hier ein Mitschnitt von „Parasol“, dem Eröffnungssong im Gasteig.

Tori Amos bleibt meine Göttin der Musik. Vollkommen reuelos.

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Ein Samstag in München oder: Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiß wie Wolken schmecken

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Glücklicherweise ist München so groß, dass man feierwütige Fußballfans umgehen kann, wenn gewünscht. Wir haben gestern bei schönem Frühlingswetter erst ein ausgiebiges englisches Frühstück genossen und danach den Schlosspark Nymphenburg und den botanischen Garten erkundet. Die letzten Tulpen blühen, die … Weiterlesen

Autorenlesung „Wenn das die Grimms wüssten!“ – Der Countdown läuft!

Liebe Leute, am Freitag, 09.05. um 19:30 Uhr ist es soweit!

Neun Autoren der preisgekrönten art & words Märchenanthologie „Wenn das die Grimms wüssten!“ lesen in der VHS Erlangen – darunter auch ich.

Info und Anmeldung auf der Website der VHS Erlangen.

Ich freu mich!

Flyer Lesung Grimms

 

 

Traum und Wirklichkeit

„Meine Damen und Herren, vielen Dank fürs Zuschauen! Wir sehen uns wieder, wenn Sie möchten, in vier Wochen. Dann begrüße ich Sie aus der Stadthalle in Karlsruhe. Gute Nacht!“

Der Abspann der Samstagabendshow lässt Andreas hochschrecken. Verschlafen schaut er auf die Digitaluhr neben dem Fernseher. 23:08. Schon wieder auf der Couch eingepennt. Na, was soll’s, ab ins Bett. Andreas schlüpft in seine ausgetretenen Pantoffeln und schlurft ins Bad. Zähneputzen, Katzenwäsche, Pinkeln.

Wie gewohnt legt er sich auf die linke Seite des Bettes. Die andere Seite bleibt leer. Drei Monate ist es her, dass Silvia ausgezogen ist. Andreas‘ Hoffnung, sie würde zurückkommen, ist inzwischen klein wie eine Erbse. Trotzdem: Decke und Kopfkissen liegen auf der rechten Seite bereit. Man weiß ja nie. Kurzes Räkeln, ausgiebiges Gähnen, schon ist Andreas eingeschlafen. Die Träume kommen schnell. Weiterlesen

Beeindruckend und inspirierend: Chimamanda Ngozi Adichie

Chimamanda Ngozi Adichie ist Schriftstellerin. Sie wurde 1977 in Nigeria geboren und wuchs dort in der Universitätsstadt Nsukka auf. Mit 19 ging sie in die USA und schloss ein Studium der Kommunikations- und Politikwissenschaft ab. Für ihre Werke hat sie bereits eine Reihe von Auszeichnungen erhalten. Sie lebt heute in den USA und in Nigeria. (Quelle: Wikipedia)

Die 12 Kurzgeschichten in dem Band „The Thing Around Your Neck“ (deutsch: „Heimsuchungen“) spielen teils in Nigeria, teils in den USA und zeigen ganz unterschiedliche Heldinnen. Die Geschichten erzählen von Widrigkeiten und Unrecht, von Tätern und Opfern, von Willenskraft und Stärke, von Wandlung und Hoffnung. Die Sprache ist direkt und einfach im guten Sinn, die Inhalte bewegend und nachfühlbar.

Tief berührt hat Adichie mich, noch bevor ich überhaupt eine Zeile von ihr gelesen habe; nämlich mit ihrem TED Talk „The danger of a single story“.

Sie spricht darüber, wie leicht es passieren kann, dass man von einer Person, einer Familie, einem Volk, einer Nation nur eine einzige Geschichte kennt, nur ein singuläres Bild hat – und darauf basierend alle Urteile über die Betroffenen fällt. Sie fordert dazu auf, sich ein farbenprächtiges Bild zu schaffen und reichlich Geschichten zu hören.

Ein wunderbar humorvolles Plädoyer für Neugier, Offenheit und Vielfältigkeit. Knapp 20 Minuten, die sich wirklich lohnen, allein schon, weil man sich selbst mehr als einmal ertappt fühlt.

Eine ungewöhnliche Liebe

Ein Lippenstift verliebte sich in eine Beißzange. Es war großes Glück, dass die beiden sich kennen lernten. Fehlender Ordnungssinn eines Menschen kam ihnen zugute. Nachdem der Mensch den Nagel eines ausgeblichenen Bildes im Badezimmer gezogen hatte, blieb die Beißzange liegen. Im direkten Blickfeld des Lippenstifts, dessen Platz neben dem Schminkspeigel war.

Die Beißzange hatte gleich die Aufmerksamkeit des Lippenstifts erregt. Ihr matt schimmerndes Metall, ihre wohlgeschwungene Form! Das leise Knacken, als sie den Nagel fest umschloss; das kaum hörbare Knirschen, als sie den Nagel ohne Umschweif aus der Wand zog!

Ach, wäre die Farbe des Lippenstifts nicht ohnehin schon „bright strawberry“ gewesen, er wäre vor Aufregung ganz rot geworden.

Wie groß war seine Freude, als die Beißzange liegen blieb! Tag und Nacht, Nacht und Tag betrachtete er sie und stündlich wuchs seine Verehrung. Nach einer Woche wagte es der Lippenstift: Er sprach die Beißzange an.

„Liebe Beißzange, wie sehr ich dich bewundere! Du bist alles, was ich sein will. Du bist kräftig, hart und stark. Dir steht die Welt offen, denn du kannst zupacken! Ich hingegen bin weich und schwach. Eine zu heftige Bewegung beim Auftragen und mein Leben ist vorzeitig zu Ende, abgebrochen. Solcherlei musst du nicht fürchten!“

Die Beißzange hörte dem Lippenstift gespannt zu. Insgeheim hatte sie schon seit Tagen gehofft, dass er sie ansprechen würde. Denn auch ihr war er sofort aufgefallen. Sie hatte genau beobachtet, wenn der Lippenstift zum Einsatz kam, erst neugierig, dann zärtlich und sehnsüchtig.

Sie sagte zu ihm: „Mein liebster Lippenstift. Deine Worte rühren mich. Doch es ist genau umgekehrt! Du bist, wie ich sein will. Geschmeidig, strahlend, anschmiegsam. Du bringst Farbe und Freude. Ich bin nur ein starres Werkzeug, du bist ein wahrer Künstler!“

Kaum waren diese Worte gesprochen, öffnete sich die Badezimmertür. Die Beißzange wurde von einer entschlossenen Hand gegriffen und fortgebracht. Die Chancen auf ein Wiedersehen der beiden standen schlecht. Das war zwar schade. Aber ihrer Liebe tat das keinen Abbruch.

 

Gedanken zum Frühling

Sperling sein. Manchmal möchte ich tauschen.
Keck sein. Dem Schnabel nach hüpfen.
Klein sein. Überall Unterschlupf finden.
Leicht sein. Ohne Ballast durchs Leben.

Inspiriert von einem Gedicht von Frantz Wittkamp und geschliffen mit der tatkräftigen Unterstützung der Teilnehmer der Schreibwerkstatt am letzten Wochenende.