Kinder, wie die Zeit vergeht


Der Juli ist zu Ende. Und ich habe immerhin die drei Szenen des Buches, die im Urlaub handschriftlich entstanden sind, digitalisiert und dabei ausgeweitet. Und ich bin schon ganz zufrieden damit – natürlich noch nicht mit der Ausformulierung, aber mit dem grundsätzlichen Set up.

 

Sehr viel mehr ist buchmäßig allerdings nicht passiert. Ich habe den Eindruck, dass ich nun als nächsten Schritt erst mal wieder mehr mit den Charakteren als mit der Handlung verbringen muss. Was sind das für Menschen und Wesen, die da vorkommen? Wie handeln, fühlen und denken sie? Und warum? Was treibt sie an? Wovor haben sie Angst?

 

Ziel für August: die vier Personen, die zu Beginn im Zentrum der Handlung stehen, gut durchdenken und sinnvoll dokumentieren. Let’s see how it goes.

 

Hier noch ein Video von Natalie Walker, deren Album „Urban Angel“ ich sehr gern beim Schreiben höre.

 

Eins nach dem anderen


In der freudianisch orientierten Entwicklungspsychologie unterscheidet Erik Erikson verschiedene Entwicklungsaufgaben für die Person im Laufe ihres Lebens. Im Jugendalter ist es die Findung einer Identität: Wer bin ich und wohin gehöre ich? Im frühen Erwachsenenalter ist Intimität das Thema; der Aufbau von engen, vertrauensvollen Beziehungen.

 

Ich mag dieses Modell sehr, allerdings bin ich davon überzeugt, dass die Entwicklungsaufgaben nicht auf einen bestimmten Lebensabschnitt begrenzt sind, da sich die Persönlichkeit potenziell das ganze Leben über weiter entwickelt.

 

Wenn sich die Lebensumstände stark ändern, weil beispielsweise eine langjährige Beziehung zu Ende geht, wird der Prozess der Identitätsfindung neu angestoßen. Das ist nicht gerade einfach, wie ich aus erster Hand berichten kann. Streckenweise war ich so verloren, dass ich noch nicht einmal wusste, wer ich hätte sein wollen. Aber manchmal muss man sich verlieren, um sich neu finden zu können. In den letzten Monaten habe ich immer besser herausgefunden, was ich will und was nicht und ich konnte auch immer leichter dementsprechend handeln.

 

Und dann ist passiert, was mir verschiedene Freunde in den letzten Jahren prophezeit haben und ich nie wirklich glauben konnte: Als ich es am wenigsten erwartet habe, ist derjenige gekommen, mit dem es richtig und echt ist. Dass es sich zugleich so glücklich strahlend und soundly grounded anfühlt, liegt auch mit daran, dass ich nahe bei mir selbst bin.

 

Um in einer Beziehung wirklich glücklich zu werden, muss man wissen, wer man ist und was man will. Und man darf sich nicht als eigenständig lebensfähige Person aufgeben. Die Intimität fordert nicht die Aufgabe der Identität, das tun höchstens unreife Partner. Identität ist Voraussetzung für Intimität.

 

Nach der Intimität folgt bei Erikson als Entwicklungsaufgabe im mittleren Erwachsenenalter übrigens die Generativität, also die Fürsorge für die nächste Generation. Aber keine Sorge, davon bin ich noch ein gutes Stück entfernt. 🙂

 

Neue Verstrickungsvarianten mit einer alten Freundin

Da musste ich doch tatsächlich erst nach Frankreich fahren, um dort in einem TV-Spot vom neuen Alanis Morissette Album zu erfahren. Wie konnte das nur passieren? Nun, eine Antwort fällt mir ein… aber das gehört jetzt nicht hierher. J

Zurück in Deutschland hab ich mir die Doppel-CD Deluxe Edition bestellt und inzwischen ausführlichst gehört. Ich bin begeistert!

Seit „Jagged Little Pill“ bin ich Dauer-Fan. Ich finde ich mich auf fundamentale Art und Weise in ihrer Musik wieder. Die meisten Songs handeln vom Selbst: von der Suche danach, wie man sich selbst in der Welt ausdrücken kann, von Beziehungen des Selbst zu anderen Menschen und der Selbstbehauptung gegen Dummheit, Vorurteile und Zwänge.

Wahrscheinlich sprechen mich die Lieder deshalb so stark an, weil ich ja auch einen guten Teil meiner Zeit diesen Themen widme (dem ein oder anderen mag das aufgefallen sein…). Gleiches Geschlecht, Geburtsjahr und Grundgedanken begünstigen das Ähnlich-Fühlen.

Mein Favorit auf „Flavors Of Entanglement“ ist gleich das erste Stück: „Citizen of the Planet“

Kurzer Textauszug:

….

I am a citizen of the planet
From simple roots through high vision
I am guarded by the angels
My body guides the direction I go in

Und Link zu YouTube:

Vom vertikalen Zick-Zack-Tourismus

 

Einer der beiden Witze, die ich kenne, geht so: Was ist der Unterschied zwischen einem Terroristen und einem Touristen? – Der Terrorist hat Sympathisanten… Gut, der Witz reißt nicht gerade vom Hocker und er stammt aus Zeiten lange vor 9/11 und bevor ich zum Weltenbummler wurde.

 

Es ist jedoch auf jeden Fall so, dass Touristen sehr verschieden sind. Ich möchte heute nach drei Dimensionen unterscheiden:

1.Vertikal vs. Horizontal

2. Geradlinig vs. Zick-Zack

3. Einfach vs. Heikel

 

Zu 1. Gemeint ist nicht, ob jemand im Urlaub eher steht oder liegt. Ein horizontaler Tourist will jeden Tag Neues sehen. Das sind die Leute, die übers Wochenende zum Shopping nach London fliegen und glauben, sie würden die Stadt kennen. Die komisch schauen, wenn man mehr als eine Woche an einem Ort verbringt: „Was machst du denn da die ganze Zeit?“ Der vertikale Tourist antwortet: „Da gibt es immer noch etwas zu entdecken!“ Der vertikale Tourist bohrt sich nämlich in die Tiefe, bis er auf die echte Atmosphäre eines Ortes stößt – und die nimmt er sich dann mit. Wenn man häufiger an dieselben Plätze, Straßen, Gassen und Parks kommt, wird man mit den Kleinigkeiten und Feinheiten vertraut  Der fremde Ort wird zu einem Teil der Heimat.

 

Zu 2. Jemand, der die U-Bahn-Karte studiert, um herauszufinden, welche Station am wenigsten entfernt vom gewählten Ziel liegt und lieber fünf Mal umsteigt, als ein paar Straßenzüge zu gehen, gehört zur geradlinigen Sorte. Schließlich will man ja zu dem einen Ort und dahin gibt es genau einen guten Weg. Das Ziel ist das Ziel. Der Zick-Zack-Tourist hingegen erkundet sehr gern alle möglichen spannenden Objekte abseits der direkten Route. Oft lässt er sich auch ohne konkretes Ziel treiben; erforscht, entdeckt, entspannt. Wenn man für eine Sache nicht unbedingt pünktlich zur Stelle sein muss, warum nicht ein bisschen Streunen?

 

Zu 3. „Also, das Hotel fanden wir jetzt nicht so gut … das Zimmer war kleiner als im Katalog stand … da hat man die Straße gehört (beim Hotel mitten in der Stadt) … da brauchte man immer erst so lange in die Stadt (beim ruhigen Hotel etwas außerhalb)“. Der heikle Tourist erwartet stets das Beste und bekommt es nie, denn nichts ist ihm gut genug. Einmal haben mir Leute erzählt, die mit mir in einem wirklich sehr, sehr guten Hotel mitten im Paradies gewohnt hatten, dass sie es nicht so gut fanden, dass im Bad nur einfarbige und keine gemusterten Fliesen waren. Nun, was soll man dazu noch sagen?

Der einfache Tourist freut sich über ein appetitliches Frühstück, warmes Wasser und ein sauberes Zimmer. Viele Leute können überhaupt nicht Leistung und Preis in ein gesundes Verhältnis setzen. Wer Luxus will, muss eben auch den Preis zahlen. Einfacher Tourist zu sein heißt aber nicht, alles toll zu finden. Relation ist das Zauberwort.

 

So lange man alleine in Urlaub fährt (manchmal hab ich das Gefühl, dass nur ich das mache…), kann man seine Touristen-Natur natürlich nach Belieben ausleben. Spannend wird es, wenn man mit anderen unterwegs ist und verschiedene Typen aufeinander treffen: Konfliktpotenzial! Und Konflikte im Urlaub sind nicht erholungsfördernd.

 

Was tun? Gut ist, wenn es Rückzugsmöglichkeiten für die Einzelnen gibt und man nicht zwingend immer alles gemeinsam machen muss. Manche lungern am Pool während andere auf Besichtigungstour gehen. Einer streift zum tausendsten Mal durch die Gassen der Altstadt während die anderen an den See fahren.

 

Und auch wenn’s manchmal trotzdem anstrengend ist: Konfliktpotenzial birgt die Chance zur Übung in Gelassenheit und Toleranz. Also, lasst uns den Witz vom Anfang Lügen strafen und sympathisieren!

 

Die Tage sind zwar lang…

 

… aber ein Monat dauert nicht wirklich länger als im Winter. Entsprechend geht es mit dem Buch jetzt auch nicht schneller voran. J

 

Immerhin hab ich im Urlaub geschafft, was ich mir vorgenommen hatte: drei Szenen sind in rohester Rohform und in leidlich leserlicher Schrift zu Papier gebracht. Gerade eben hab ich die erste Szene digitalisiert und dabei schon ein wenig bearbeitet.

 

Ziel für Juli: gleiches mit den anderen beiden Rohszenen tun; noch eine weitere Szene, die im Kopf ist, aufschreiben und dann die Storyline weiter spinnen.

 

Im Urlaub war’s übrigens ganz hervorragend, hab auch ein paar Ideen für Blog-Artikel mitgebracht. Der Eintrag „Ein Gespräch“ ist ebenso unter der Sonne Südfrankreichs entstanden. Nun brauch ich nur noch üppig Muse.

 

Ein Gespräch

 

Das Herz begann vorsichtig, fast ein wenig zaghaft, wie es sich das in den letzten Jahren angewöhnt hatte: „Ich habe das Gefühl, dass etwas Besonderes passiert.“

Und als niemand antwortete, nahm es seinen ganzen Mut zusammen: „Es fühlt sich an, als könnte er der Richtige sein.“

Der Verstand antwortete sogleich: „Ach, ist es wieder einmal soweit?“

„Mir war klar, dass du skeptisch sein würdest. Aber hör zu, diesmal ist es anders. Es fühlt sich so richtig an.“ Das Herz sprach voller Hoffnung und Freude.

Der Verstand fragte kritisch nach:„Von wem sprichst du überhaupt?“

Das Herz antwortete: „Du weißt genau, von wem ich spreche. Du hast doch auch schon über ihn nachgedacht.“

„Hm. Stimmt“, gab der Verstand zu und weil er sich ertappt fühlte, war er fast ein wenig kleinlaut. Das war sonst gar nicht seine Art.

 

Nun schaltete sich die Seele ein und fragte den Verstand: „Und, was denkst du?“

„Nun, es gibt ein paar Aspekte, die die Gesamtsituation nicht ganz einfach machen und die in der Zukunft zu Komplikationen führen könnten. Andererseits gibt es viele Faktoren, entscheidende Faktoren, die genau passend sind und daher enorm für die Angelegenheit im Gesamten sprechen. Weiterhin gilt es zu bedenken…“

Das Herz platzte in die gewohnt umfassenden Ausführungen des Verstandes: „Ja, und zu welchem Ergebnis kommst du?“

Der Verstand wurde nicht gern unterbrochen. Er antwortete wichtig: „Es ist noch viel zu früh, um zu einem endgültigen Ergebnis zu kommen. Sofern man in dieser Thematik überhaupt jemals zu einem endgültigen Ergebnis kommen kann!“ Der Verstand hätte seine Überlegungen und Abwägungen gerne im Detail ausgeführt, aber um zu vermeiden, dass das Herz ihm ein weiteres Mal ins Wort fiel, sagte er nur noch: „Ich denke, er könnte der Richtige sein.“

„Hab ich’s doch gewusst!“ frohlockte das Herz. An die Seele gewandt fragte es: „Du hast noch kaum etwas dazu gesagt. Was glaubst du?“

 

„Ich habe mich ebenso mit den Möglichkeiten befasst. Ihr wisst, dass ich mich nicht vorschnell auf etwas einlassen möchte. Und ihr wisst, wie wichtig mir euer Urteil ist. Es fällt einhellig für die Sache aus, das wiegt schwer. Und es steht im Einklang mit meinen Ergebnissen. Ich glaube, er könnte der Richtige sein.“

 

Herz und Verstand hatten aufmerksam zugehört, wie sie es immer taten, wenn die Seele sprach. Die Seele fuhr fort: „Ich glaube, wir sollten herausfinden, ob er tatsächlich der Richtige ist.“ Das Herz konnte seine Freude kaum mehr im Zaum halten: „Dann sollen wir uns also darauf einlassen?“

 

„Wenn das Herz fühlt, was der Verstand denkt und die Seele glaubt, dann gibt es kaum eine andere Wahl. Wir lassen uns darauf ein.“ Verstand und Herz antworteten zugleich: „Wir lassen uns darauf ein.“

 

Herz, Verstand und Seele waren sich also einig. Und als das Glück dies bemerkte, machte es sich wie gewohnt auf, sich zu ihnen zu gesellen.

Geht noch was?


Wenn mein Buch ein Baby wäre, würde ich mir langsam Sorgen darum machen, weil es im letzten Monat so gut wie gar nicht gewachsen ist. Wenig verwunderlich, ich hab’s auch kaum gefüttert. Aber da es ein Buch und kein Baby ist, mach ich mir keine Sorgen. So ist es eben.

 

In einer Woche werde ich meinen wohlverdienten Urlaub an der Azurküste antreten und ich habe den Plan, dort die ersten zwei bis drei Szenen in einem ersten Wurf zu schreiben. Die Charaktere und auch die Ideen zu den Szenen sind soweit ausgegoren, dass ich mich ans Texten machen kann. Das ist ein angemessenes und erreichbares Ziel.

 

I’ll keep you informed. J

I’m done with playing games. It’s time for some real fun.


Jeder Mensch hat viele Leben, die zeitlich aufeinander folgen, aber auch parallel ablaufen können und dann vor allem durch Rollen und Einstellungen bestimmt werden.

 

Ganz früher war ich die sehr gute Schülerin, die durch eine umwerfend einfache Strategie (Zuhören im Unterricht) trotzdem nicht arg viel lernen musste. Die sich trotz des herben Schicksals „Einzelkind“ gesunder sozialer Beziehungen erfreuen konnte.

 

Etwas später dann das Leben mit der ersten großen Liebe – echt und andauernd. Da war ich die feste Freundin in glücklicher Partnerschaft. Gleichzeitig interessierte, aber nicht übermäßig engagierte Studentin, die sich mit Nachhilfe und Brötchenverkauf ihren Lebensunterhalt verdiente.

 

Dann begann das Berufsleben. Als erfolgreiche Studienabsolventin hoch motiviert für den Job, ein begeistertes Business Girl. Ich wurde zum ernst zu nehmenden Wirtschaftsfaktor für den Textileinzelhandel meiner bevorzugten Marken.

 

Mit dem Ende der langjährigen Beziehung begann, was als „Sex and the City“-Leben in gemäßigter Form durchgeht. Eine spannende Zeit, geprägt vom Prinzip Trial and Error.

 

Und hier stehe ich heute. Mit einigen verheilten Wunden, aber ohne Reue. Ein paar Narben werden bleiben, die gehören einfach dazu.  

 

Oft spürt man, wenn ein Abschnitt zu Ende geht und sich die Türen zu Neuem öffnen. Ich habe den Eindruck, dass das gerade passiert. Nun denn. Ich glaube, ich bin endlich soweit.

Deeply disturbing, highly fascinating: The Seven Days of Peter Crumb

I am not a good man.
I am not a bad man.
In seven days I will be dead.
My name is Peter Crumb.

This is what remains…

Diese Worte stehen auf der Rückseite von “The Seven Days of Peter Crumb” von Jonny Glynn. Gefunden und gekauft im April 2007 in einer Buchhandlung in York, gelesen erst jetzt.

Peter Crumb ist ein in jedem Sinne des Wortes verlorener Mann. Er schreibt seine sieben letzten Tage nieder – und die haben es in sich. Noch nie habe ich ein Buch gelesen, in dem so viel Gewalt so detailliert beschrieben wurde. Also Achtung, wer neulich schon vom Tatort mit der Baby-Leiche schockiert war, sollte hiervon die Finger lassen!

Die minutiöse und sachliche Schilderung von schwerer körperlicher Gewalt, Mord und anderen Obszönitäten ist verstörend – und faszinierend. Du willst das Buch nicht weglegen. Du weißt, dass gleich etwas Schlimmes geschehen wird. Und du willst es wissen. Das Buch lebt vom Voyeurismus der Braven – bei mir hat’s funktioniert.

Gäbe es einen Soundtrack zum Buch, müsste dieser Song auf jeden Fall drauf: „The Heart’s Filthy Lesson“ von David Bowie. Trifft für mich die Stimmung des Buches genau.

Ein bisschen Frieden


Ich weiß nicht genau, woran es liegt. Vielleicht an den abwechslungsreichen und teilweise intensiven Erlebnissen der letzten Tage. Am klaren Schlussstrich unter einer zwiespältigen Sache und der dadurch gewonnenen Selbsterkenntnis und Energie. An der neuen Madonna-CD oder den alten Tori-CDs, die ich in letzter Zeit sehr viel höre. Vielleicht an der Buchung meines Urlaubs an der Côte d’Azur. An der freudig überraschenden Wiederbelebung alter Kontakte. Oder einfach nur am schönen Wetter.

 

Ich fühle mich friedlich, ruhig und zuversichtlich wie lange nicht mehr.

 

Klar, meine Dämonen sind weiter bei mir und das ist auch gut so, denn sie sind ja eine meiner wichtigsten Antriebsquellen. Es ist jedoch schön, endlich einmal wieder bewusst Vertrauen in den Lauf des eigenen Lebens zu spüren. Sich nicht extra sagen zu müssen, dass es einem gut geht, sondern es einfach zu fühlen.

 

Mal sehen, wie lange das anhält, bevor irgendein Kerl, Projekt oder Tiefdruckgebiet wieder alles durcheinander bringt. J